{"id":10192,"date":"2017-09-24T00:00:00","date_gmt":"2017-09-24T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10192"},"modified":"2017-09-24T00:00:00","modified_gmt":"2017-09-24T00:00:00","slug":"die-afghanistan-strategie-der-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10192","title":{"rendered":"Die Afghanistan-Strategie der USA"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Antwort auf eine Frage<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Afghanistan-Strategie der USA<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frage:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 15.08.2017 hat sich die Bewegung der Taliban mit einem offenen Brief an den Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten mit der Aufforderung gewandt, die US-Soldaten vollst\u00e4ndig aus Afghanistan abzuziehen und die Anzahl der Streitkr\u00e4fte nicht zu erh\u00f6hen. <em>Die Taliban haben Trump dazu aufgefordert, \u201eseine Truppen komplett aus Afghanistan abzuziehen\u201c. In einem offenen Brief warnten sie ihn davor, die Zahl der US-Streitkr\u00e4fte in dem Land, das f\u00fcr Washington unbezwingbar ist, aufzustocken<\/em>. (Quelle: Novosti-Russia Today, 15.08.2017) Es handelt sich um die Reaktion auf eine von Trump geplante neue Strategie f\u00fcr Afghanistan, von der die Taliban bef\u00fcrchten, dass sie die Entsendung weiterer US-Streitkr\u00e4fte mit sich bringt. Immer \u00f6fter kamen von Offiziellen aus dem Wei\u00dfen Haus \u00c4u\u00dferungen, die auf eine baldige neue Strategie f\u00fcr Afghanistan hindeuten. Die Nachrichtenagentur zitierte am 10.08.2017 Trumps Erkl\u00e4rung vor Journalisten, n\u00e4mlich dass seine Administration \u201esehr nahe dran\u201c sei, sich eine neue Strategie f\u00fcr Afghanistan anzueignen. Er f\u00fcgte hinzu: <em>Es ist f\u00fcr mich eine sehr gro\u00dfe Entscheidung. Ich habe ein Chaos geerbt, und wir arbeiten daran, dieses Chaos sp\u00fcrbar zu verkleinern.<\/em> Bedeutet all das, dass es die USA mit der neuen Strategie f\u00fcr Afghanistan ernst meinen? Bringt sie die Entsendung neuer Truppen mit sich oder wird die Rolle Pakistans bzw. Indiens in Afghanistan aktiviert, ohne dass es zur Entsendung neuer Streitkr\u00e4fte kommt? M\u00f6ge Allah es dir mit Besserem vergelten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Antwort:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es l\u00e4sst sich durchaus sagen, dass die USA derzeit ihre Afghanistan-Strategie einer gr\u00fcndlichen Begutachtung unterziehen, in der Hoffnung, einen Weg zu finden, die sogenannte \u201eEndphase\u201c ihrer Intervention in Afghanistan zu erreichen. \u00dcber die Armeef\u00fchrung in Afghanistan ist Trump ver\u00e4rgert. Reuters berichtete am 03.08.2017 von einem st\u00fcrmischen Meeting, das zwischen Trump und Milit\u00e4rverantwortlichen in Washington stattfand. <em>Es kam w\u00e4hrend des Treffens zu starken Spannungen, nachdem Trump erkl\u00e4rte, dass Verteidigungsminister James Mattis und US-Generalstabschef Joseph Danford die Entlassung des US-Oberkommandierenden in Afghanistan General John Nicholsons in Erw\u00e4gung ziehen sollten, weil dieser den Krieg nicht gewinne<\/em>. Trump brachte seine Skepsis zum Ausdruck, was Amerikas Krieg in Afghanistan betrifft. Auch die Obama-Administration hatte seinerzeit Amerikas Afghanistan-Strategie einer Pr\u00fcfung unterzogen und \u00fcberarbeitet. Doch die Sichtung, die die Trump-Administration derzeit vornimmt, hat eine Besonderheit: Sie kommt zu einer Zeit, in der sich die weltweiten Probleme f\u00fcr die USA auch im Hinblick auf ihre internationale Stellung versch\u00e4rfen. Dies soll im weiteren Verlauf genauer beschrieben werden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erstens<\/strong>: Ende 2001 proklamierte Amerika seinen Krieg gegen Afghanistan und rechtfertigte diesen mit den Attentaten vom 11. September. Gepuscht wurde er von den Neokonservativen aus dem Kreis der Bush-Administration. Nicht einmal zwei Jahre sp\u00e4ter marschierten die USA in den Irak ein und besetzten ihn. Doch sie versanken im W\u00fcstensand des Irak und begannen nach Hilfe zu suchen, um dort wieder rauszukommen. Ihr Desaster im Irak lie\u00df ihren Krieg in Afghanistan in den Hintergrund r\u00fccken. Sie waren nur noch darauf konzentriert, dem irakischen Morast zu entkommen, nachdem der Irak und der irakische Widerstand zur Hauptsorge Bushs und sp\u00e4ter Obamas wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem es der Obama-Administration Ende 2011 gegl\u00fcckt war, einen Gro\u00dfteil der US-Streitkr\u00e4fte aus dem Irak abzuziehen, widmete sich Amerika der Entwicklung einer neuen Strategie, um dem Aufstieg Chinas zu begegnen. Dies war die Angelegenheit, die die zweite Amtsperiode Obamas dominierte. Noch bevor die amerikanische China-Strategie in Grundz\u00fcgen ausgearbeitet war, ja w\u00e4hrend man sie noch vorbereitete und an ihr feilte, drohte mit dem Ausbruch des Arabischen Fr\u00fchlings der amerikanische Einfluss in der arabischen Region, vor allem in Syrien, zu kippen. Amerika musste nun seine Bem\u00fchungen auf die Bek\u00e4mpfung der durch die Rebellion entstandenen Gefahren verteilen, speziell in Syrien, und gleichzeitig im Fernen Osten China entgegentreten. So erkl\u00e4rten die USA ihre Ablehnung zur chinesischen Aufsch\u00fcttung von Inseln im S\u00fcdchinesischen Meer, sie setzten sich f\u00fcr eine Remilitarisierung Japans ein und begannen Nordkorea zu provozieren. Vor diesem Hintergrund und angesichts der eher m\u00e4\u00dfigen Verluste der USA in Afghanistan ist das Land und der dort von Amerika gef\u00fchrte Krieg aus dem Zentrum der amerikanischen Aufmerksamkeit ger\u00fcckt. Dennoch bedeutete dies nicht, dass das Thema ganz vernachl\u00e4ssigt wurde, sondern vielmehr, dass neue Priorit\u00e4ten in den Fokus der amerikanischen Aufmerksamkeit r\u00fcckten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zweitens<\/strong>: Nach sechzehn langen Kriegsjahren in Afghanistan kann mit definitiver Sicherheit gesagt werden, dass sowohl die amerikanischen Streitkr\u00e4fte als auch die beteiligten Nato-Truppen kl\u00e4glich darin gescheitert sind, den afghanischen Widerstand auszumerzen. Dieser Widerstand wird in erster Linie durch die Taliban verk\u00f6rpert, die im Zuge der US-Intervention 2001 entmachtet wurden. Es l\u00e4sst sich auch definitiv sagen, dass s\u00e4mtliche Optionen der USA, ihre Vasallen in Afghanistan fest zu installieren, ebenso fehlschlugen. Weder nutzte ihnen das von den USA nach Afghanistan gezerrte Indien, um der von ihnen bezeichneten \u201eRebellion\u201c ein Ende zu bereiten, noch hat den Amerikanern jener Krieg viel gebracht, den ihre Vasallen in Pakistan gegen Waziristan und gegen andere Gebiete f\u00fchrten, im Versuch, die Last der amerikanischen Verluste zu mindern. Auch in den Bem\u00fchungen der Auss\u00f6hnung mit den Taliban gab es keine Fortschritte. Daher zeigt sich Amerikas Zustand in Afghanistan nach 16 Jahren Krieg als ziemlich d\u00fcster. Die Taliban hingegen bewegen sich vollkommen frei in gro\u00dfen Arealen Afghanistans, w\u00e4hrend die Vasallen-Regierung in Kabul keinerlei Einfluss auf sie hat. Sie ver\u00fcben massive und furchteinfl\u00f6\u00dfende Anschl\u00e4ge in den meisten afghanischen Gebieten, darunter in der Hauptstadt Kabul, in der es der amerikanischen Armee bis jetzt nicht gelungen ist, f\u00fcr Sicherheit zu sorgen. Mehr noch: Viele der Angriffe, die gegen die US-Streitkr\u00e4fte ver\u00fcbt wurden, stammten von Soldaten der afghanischen Armee, die von Washington trainiert wurden. Und so schrumpften die amerikanischen Optionen in Afghanistan immer weiter zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem Bericht des amerikanischen Carnegy-Instituts vom 22.05.2017, der die heutige afghanische Realit\u00e4t und ihre Gefahr beschreibt, hei\u00dft es: <em>[\u2026] die Kombination aus der Schw\u00e4che des afghanischen Regimes und der unkontrollierten R\u00fcckkehr der Taliban kann zu einem verheerenden Kollaps des afghanischen Regimes und der Regierung f\u00fchren. Dies wiederum w\u00fcrde entweder erneut zu Anarchie oder zur Neubildung terroristischer Organisationen f\u00fchren<\/em>. Der Bericht pocht auf die Notwendigkeit einer Beendigung des Afghanistan-Konfliktes, nicht nur, weil er die USA j\u00e4hrlich 23 Milliarden Dollar kostet, sondern auch wegen der begrenzten Optionen, die f\u00fcr eine Afghanistan-L\u00f6sung m\u00f6glich w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der Regierungszeit Obamas ist ein gro\u00dfer Teil der amerikanischen Soldaten aus Afghanistan abgezogen worden. Lediglich ca. 10.000 Soldaten sind dort verblieben, unterst\u00fctzt von 3.000 Nato-Soldaten und 20.000 S\u00f6ldnern von US-Sicherheitsfirmen. Dennoch war dies keineswegs einem Sieg zu verdanken oder als Fortschritt zu bewerten. Die US-Milit\u00e4rbasen wurden, sobald sie die US-Armee r\u00e4umte, kurzerhand von den Taliban in Beschlag genommen. Und es schien nicht so, dass die Armee, die der afghanischen Vasallen-Regierung untersteht, au\u00dferhalb der Hauptstadt Kabul irgendetwas Effektives entgegenzuhalten hatte, trotz des gro\u00dfen Kontingents an Soldaten und intensiver amerikanischer Bem\u00fchungen, sie auszubilden. So viel zum milit\u00e4rischen Aspekt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Drittens<\/strong>: Aus politischer Sicht sind die USA, nachdem sie die begrenzten Optionen in Afghanistan und das Scheitern der indischen Alternative realisiert hatten, dazu \u00fcbergegangen, auf Verhandlungen mit den Taliban zu setzen. Ihre Hoffnung war, dass die Taliban sich in die US-Herrschaft \u00fcber Afghanistan integrieren lassen. Um die F\u00fchrungsriege der Taliban an den Verhandlungstisch zu zerren, benutzten die Amerikaner ihre an der Macht befindlichen Vasallen in Pakistan. Dennoch waren alle Versuche zum Scheitern verurteilt. Weder auf milit\u00e4rischer noch auf politischer Ebene konnten die USA beim Thema Afghanistan Erfolge verzeichnen. Mehr noch: Die USA hatten nicht einmal einen konkreten Plan parat. Sie mussten sich, gerade weil ihnen ein solcher Plan f\u00fcr Afghanistan fehlte, Kritik gefallen lassen. Am heutigen Donnerstag meldete Interfax unter Berufung auf eine Quelle aus dem russischen Au\u00dfenministerium, <em>dass die Unf\u00e4higkeit der Trump-Administration, eine klare Afghanistan-Politik vorzulegen, einen zus\u00e4tzlichen Faktor f\u00fcr Unsicherheit und Instabilit\u00e4t im Lande darstelle<\/em>. Die Quelle sagte weiter, <em>dass davon die Stabilit\u00e4t des afghanischen Staates und die Haltung der Nato-Mitgliedstaaten abh\u00e4ngt, was deren milit\u00e4rische Pr\u00e4senz in Afghanistan betrifft, und auch generell die Perspektive einer Regelung der Situation im Land<\/em>. (Russia Today, 03.08.2017)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Viertens<\/strong>: Damit wird das tiefe Ausma\u00df der US-Krise in Afghanistan deutlich. Deutlich wird aber auch die Knappheit an Optionen. Doch Amerika bedarf dringend einer Beruhigung des dortigen Krieges, wenn er schon nicht komplett beigelegt werden kann, da man das Ausbluten der milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Kapazit\u00e4ten Amerikas stoppen will. Manche Milit\u00e4rf\u00fchrer allerdings sehen es als notwendig an, das US-Truppenkontingent aufzustocken, um einen Sieg \u00fcber die Taliban realisieren zu k\u00f6nnen. Um das zu genehmigen, stellt der Pr\u00e4sident jedoch die Bedingung, dass ein zeitlich befristetes Programm vorliegen und klare, greifbare Resultate erzielt werden m\u00fcssten \u2013 Dinge, die das Milit\u00e4r mit Blick auf die bittere 16-j\u00e4hrige Erfahrung in Afghanistan nicht bieten kann. Dass diese Option jedoch zumindest theoretisch in Frage kommt, ist auf die lechzende Gier Trumps nach dem gewaltigen Reichtum an Mineralien in Afghanistan zur\u00fcckzuf\u00fchren. Deren Wert sch\u00e4tzen die Amerikaner auf eine Billion Dollar. Hinzu kommt die Bedeutung der Lage Afghanistans als Korridor f\u00fcr das zentralasiatische Erd\u00f6l. Die Online-Ausgabe der Zeitung Al-Dustur zitierte am 26.07.2017 aus der New York Times, <em>dass das Wei\u00dfe Haus zur Erkundung der m\u00f6glichen Optionen die Entsendung eines US-Abgesandten nach Kabul untersuche, um sich mit den dortigen Verantwortlichen f\u00fcr Mineralienf\u00f6rderung zu treffen<\/em>. <em>Die Zeitung wies darauf hin<\/em>, <em>dass sich in einer Zeit, in der sich das Wei\u00dfe Haus vergangene Woche zunehmend in eine Afghanistan-Debatte verbissen hatte, drei prominente Mitarbeiter aus Trumps Stab mit Michael N. Silver, einem der Exekutivdirektoren des Chemiekonzerns \u201eAmerican Elements\u201c, trafen, um die F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten seltener mineralischer Bodensch\u00e4tze in Afghanistan zu er\u00f6rtern<\/em>. Doch die Option einer Aufstockung des Truppenkontingents und Investitionen in die afghanische Infrastruktur, etwa in Bahngleise und Stra\u00dfen, um solche Mineralien f\u00f6rdern zu k\u00f6nnen, stellt keineswegs eine sichere Option dar. Das gilt auch f\u00fcr die \u201eBusiness-Mentalit\u00e4t\u201c, die Trumps Gedankenwelt beherrscht, da die vermuteten Minen sich auf von Taliban kontrolliertem Terrain befinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Demzufolge ist die wahrscheinlichste Option, die die Trump-Administration w\u00e4hlen wird, die, sich auf die Milit\u00e4rbasen in Afghanistan zur\u00fcckzuziehen, um die Vasallen-Regierung am Leben zu halten und deren Kollaps zu verhindern, w\u00e4hrend man Pakistan mobilisieren und es erneut f\u00fcr Afghanistan in Stellung bringen wird, nachdem Indien dort kapitulieren musste. Durch all das sollen die Taliban davon \u00fcberzeugt werden, sich in dem amerikanischen Politsystem in Kabul zu integrieren und dem afghanischen Widerstand ein Ende zu setzen, d.&nbsp;h., einen Schlussstrich unter den l\u00e4ngsten amerikanischen Krieg zu ziehen. Die USA erhoffen sich also, die Kosten ihres Krieges in Afghanistan merklich zu verringern, indem sie ihre Pr\u00e4senz, gleich den St\u00fctzpunkten in der Golfregion, auf die Milit\u00e4rbasen beschr\u00e4nken und nur bei Gefahr ausr\u00fccken. Daneben w\u00fcrden sie ihre Vasallen in Pakistan unterst\u00fctzen, die die Kontakte zu den Taliban nie abgebrochen haben. So ist es m\u00f6glich, sie erneut zu aktivieren und ein Vertrauensverh\u00e4ltnis aufzubauen, damit die Taliban \u00fcber die pakistanische T\u00fcr die Bedingungen der Amerikaner akzeptieren. Schlie\u00dflich haben die USA noch w\u00e4hrend der Obama-\u00c4ra von ihren Vasallen in Pakistan erfolgreich Gebrauch gemacht: <em>Die afghanische Regierung hat mit der Partei Hezb-e-Islami, der zweitst\u00e4rksten militanten Gruppierung im Land, in Abwesenheit ihres Anf\u00fchrers Gulbuddin Hekmatyar ein Abkommen erreicht. Unterzeichnet wurde die Vereinbarung von Vertretern der bewaffneten Gruppe und dem Pr\u00e4sidenten Ashraf Ghani<\/em>. (BBC, 22.09.2016) Genau das best\u00e4rkt die USA darin, sich in der Taliban-Angelegenheit erneut Pakistans zu bedienen, da Hekmatyar nach der Auss\u00f6hnung und nach seiner R\u00fcckkehr in die Hauptstadt Kabul an die Taliban appellierte, sich in die politische Ordnung einzugliedern: <em>Der Parteif\u00fchrer des Hezb-e-Islami in Afghanistan Gulbuddin Hekmatyar rief die Bewegung der Taliban dazu auf, sich der Auss\u00f6hnung mit der afghanischen Regierung anzuschlie\u00dfen. Nach seiner Ankunft in Kabul appellierte er in einer ersten Rede vor gro\u00dfen Massen eindringlich an die Taliban, dabei zu helfen, die ausl\u00e4ndischen Truppen mit friedlichen Mitteln aus dem Land zu vertreiben<\/em>. (Al Jazeera Net, 06.05.2017)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>F\u00fcnftens<\/strong>: Es scheint, dass sich Amerika gro\u00dfen Gefahren ausgesetzt sieht. So bestehen Gefahren im chinesischen Becken, besonders die sich Tag f\u00fcr Tag zuspitzende Lage mit Nordkorea, die nicht enden wollende Gefahr in Syrien und dar\u00fcber hinaus das Scheitern s\u00e4mtlicher effektiver politischer Schritte f\u00fcr einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dies zum einen. Zum anderen machen sich Ersch\u00f6pfung und Verdrossenheit unter den US-Truppen in Afghanistan breit, was die Realisierung eines Sieges betrifft, zumal die Rolle Indiens auf der afghanisch-lokalen Ebene gescheitert ist. Hoffnung ist nun aufgekeimt, nachdem Hekmatyar zur\u00fcckgekehrt ist. Die USA scheinen aus all dem die Hoffnung gesch\u00f6pft zu haben, dass man &#8211; ganz nach amerikanischer Art &#8211; eine Auss\u00f6hnung erreichen kann, die das garantieren soll, was ihnen durch Krieg nicht gelungen ist. Daher entschlossen sie sich, die Rolle Pakistans in Afghanistan zu reaktivieren und f\u00fcr eine Verringerung pakistanischer Angriffe sowohl im Inland als auch an der Grenze zu Afghanistan zu sorgen. So hat es seit der neuen Milit\u00e4rf\u00fchrung unter Bajwa vor nahezu acht Monaten auf pakistanischem Territorium keine gro\u00dfen Milit\u00e4roperationen mehr gegeben wie jene, mit denen sich sein Vorg\u00e4nger Raheel Sharif einen unr\u00fchmlichen Namen gemacht hat, so z.&nbsp;B. die Milit\u00e4roperation \u201eSchlag des Zorns\u201c, welche etappenweise gegen die \u201eTerroristen\u201c &#8211; wie Raheel sie bezeichnete &#8211; an der afghanischen Grenze durchgef\u00fchrt wurde. Vielmehr h\u00f6rt man unter der F\u00fchrung von General Bajwa sogar von leichten Gefechten zwischen der pakistanischen und der indischen Armee an der kaschmirischen Grenze. Und das st\u00e4rkt ohne Zweifel innenpolitisch dessen Akzeptanz &#8211; auch unter der F\u00fchrungsriege der Taliban.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pakistans neuer Armeechef Bajwa ist bestrebt, Afghanistan seine helfende Hand zu reichen, mit dem Vorwand, den IS zu bek\u00e4mpfen. D.&nbsp;h.: die Neuausrichtung des \u201eKampfes gegen den Terror\u201c weg von der Bek\u00e4mpfung der Taliban und der Mudschahedin in Waziristan hin zur Bek\u00e4mpfung des IS. In diesen Kurs ist die afghanische Regierung ebenso eingebunden wie die pakistanischen St\u00e4mme, die einen Groll auf Raheel Sharif, den Vorg\u00e4nger Bajwas, hegen. Und was im Geheimen zwischen Bajwa und den Taliban Afghanistans besprochen wurde, ist schwerwiegender. <em>Der pakistanische Armeechef Qamar Javed Bajwa reichte Afghanistan seine Hand zur \u201eKooperation in Sachen Sicherheit\u201c, um der Bedrohung durch den IS entgegenzutreten. Es ist eine seltene Entwicklung bilateraler Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten. Das Engagement General Bajwas, eine Sicherheitskooperation mit Afghanistan zu beginnen, zeigte sich im Laufe des Freitagstreffens mit einer Anzahl von Stammesf\u00fchrern in Wadi Kurram &#8211; einer Verwaltungseinheit, die sich in einem Stammesgebiet befindet, das der f\u00f6deralen Verwaltung Pakistans untersteht<\/em> &#8211;<em> nahe der Grenze Afghanistans. Pakistans Armeechef Bajwa rief in einer seltenen Entwicklung der bilateralen Beziehungen mit Kabul beide L\u00e4nder zu \u201eEinheit und Wachsamkeit\u201c auf: \u201eEs obliegt uns, geeint, bereit und wachsam zu sein angesichts dieser Bedrohung\u201c, fuhr er fort<\/em>. (Al-Khaleej online, 01.07.2017)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass es den USA nicht gelungen ist, die Mudschahedin in Afghanistan, vor allem die Taliban, unter Kontrolle zu bringen, best\u00e4tigen die vers\u00f6hnlich klingenden Worte des afghanischen Pr\u00e4sidenten nach dem Trump-Gipfel in Saudi-Arabien. So sagte er: <em>Was noch wichtiger ist, ist die Tatsache, dass die afghanische Regierung zur Auss\u00f6hnung gewillt ist. Und wir appellieren an die Taliban zu w\u00e4hlen. Entscheiden sie sich f\u00fcr die Vers\u00f6hnung, werden sie alles, was sie wollen, \u00fcber den Weg der Politik und des Gesetzes erlangen. Wir beschw\u00f6ren die Taliban, sich von den Terroristen zu distanzieren<\/em>. (The Middle East, 25.05.2017). Das best\u00e4tigt, dass die amerikanische Politik den Taliban suggerieren m\u00f6chte, dass sie sich au\u00dferhalb der Zielscheibe des US-Krieges gegen den \u201eTerror\u201c bef\u00e4nden. Mehr noch: Sie sollen sich in diesem Krieg auf die Seite der afghanischen Regierung schlagen. Die Forderungen der Taliban nach einem kompletten Abzug der US-Truppen aus Afghanistan k\u00f6nnten dann \u00fcber den Weg des Friedens und nicht \u00fcber den des Krieges in Erf\u00fcllung gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sechstens<\/strong>: Als Res\u00fcmee l\u00e4sst sich sagen, dass Trumps Afghanistan-Strategie in einer Phase neu gesichtet wird, in der Amerika global betr\u00e4chtlichen Gefahren gegen\u00fcbersteht. Im Lichte der zuvor angef\u00fchrten Ereignisse ist mit \u00fcberwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Revision der amerikanischen Afghanistan-Politik folgende Punkte beinhalten wird:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1- Sie wird sich dahin bewegen, die Situation im Land weitgehend abzuk\u00fchlen, sodass sich die amerikanische Pr\u00e4senz auf die US-Basen beschr\u00e4nkt und diese nur bei Gefahr zum Einsatz kommen. Nach au\u00dfen werden sie als \u201eAnti-IS-Mission\u201c inszeniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2- Es ist unwahrscheinlich, dass die USA Milit\u00e4rkr\u00e4fte mit dem Ziel entsenden werden, zu k\u00e4mpfen und eine Eskalation herbeizuf\u00fchren. Sie k\u00f6nnten zwar f\u00fcr einen befristeten Zeitraum Streitkr\u00e4fte hinschicken, allerdings nicht f\u00fcr Kampfzwecke, sondern um beim Verhandlungspoker eine Karte im \u00c4rmel zu haben, als ob sie sagen w\u00fcrden: <em>Wir sind zum \u201eZugest\u00e4ndnis\u201c bereit, diese zus\u00e4tzlichen Truppen abzuziehen, im Gegenzug f\u00fcr das \u201eZugest\u00e4ndnis\u201c der Taliban, sich auf Verhandlungen mit der afghanischen Regierung einzulassen \u2013 selbstverst\u00e4ndlich ohne die Interessen Amerikas anzutasten<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3- Damit es einfacher wird, die Taliban zu verf\u00fchren, wird Amerika die Rolle Pakistans reaktivieren. Dazu wird sich die neue Armeef\u00fchrung Pakistans zunehmend flexibler und solidarischer mit den Taliban zeigen, um sie so zu animieren, sich mit der Vasallenregierung in Kabul zusammenzusetzen und zu verhandeln und sich schlie\u00dflich an der politischen US-Ordnung in Afghanistan zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Siebtens<\/strong>: Letztendlich warnen wir davor, sich auf Pakistans Vasallen zu verlassen oder sich der Nachgiebigkeit der pakistanischen Armeef\u00fchrung sicher zu sein, die sie im Hinblick auf Afghanistan nach au\u00dfen demonstriert. Man sollte aus den Lektionen der Vergangenheit lernen. So h\u00e4tten die USA es niemals geschafft, Afghanistan zu betreten, ohne die Hilfe ihrer Vasallen im pakistanischen Machtgef\u00fcge. Diese neue Politik seitens der pakistanischen Machthaber gegen\u00fcber den Taliban ist nichts als ein Theaterst\u00fcck, welches mit der Feder Amerikas geschrieben wurde. Deren letzter Akt hat das Ziel, die Gefahren aus dem Weg der Herrschaft ihrer Vasallen in Afghanistan zu r\u00e4umen, ohne selbst mit kostspieligen Mitteln milit\u00e4risch eingreifen zu m\u00fcssen \u2013 und wenn, dann nur in geringem Rahmen. Die neuen Machthaber Pakistans stellen blo\u00df ein weiteres und dazu unverh\u00fclltes Gesicht dieses amerikanischen Planes dar. So halten die USA ihre Mitl\u00e4ufer in Pakistan mal dazu an, den afghanischen <em>\u011fih\u0101d<\/em> einzud\u00e4mmen und dessen Schlagkraft zu brechen, so, wie es der unehrenhafte Raheel Shareef in Waziristan nach dem Plan Obamas getan hat. Nun setzen die neuen Machthaber nach dem Plan Trumps alles daran, die Taliban in Versuchung zu f\u00fchren und sie f\u00fcr sich zu vereinnahmen. Denn die USA sind mit ihrer Politik, die Taliban mit Gewalt in unheilvolle Verhandlungen zu zerren, und ihnen ihre Entschlossenheit zum <em>\u011fih\u0101d<\/em> auszutreiben, gescheitert. Daher versuchen die Amerikaner, sie mit List und T\u00fccke durch pakistanische Ann\u00e4herungsversuche an den Verhandlungstisch zu bringen. Doch wir warnen davor, in die von den USA und ihren Vasallen ausgelegte Falle zu tappen und ihnen zu vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<section class=\"wp-block-kommy-quran-block\"><p class=\"quran-block-arabic\"><span>\ufd3f<\/span><span class=\"quran-block-arabic-content\">\u0648\u064e\u0644\u064e\u0627 \u062a\u064e\u0631\u0652\u0643\u064e\u0646\u064f\u0648\u0627 \u0625\u0650\u0644\u064e\u0649 \u0627\u0644\u0651\u064e\u0630\u0650\u064a\u0646\u064e \u0638\u064e\u0644\u064e\u0645\u064f\u0648\u0627 \u0641\u064e\u062a\u064e\u0645\u064e\u0633\u0651\u064e\u0643\u064f\u0645\u064f \u0627\u0644\u0646\u0651\u064e\u0627\u0631\u064f \u0648\u064e\u0645\u064e\u0627 \u0644\u064e\u0643\u064f\u0645 \u0645\u0651\u0650\u0646 \u062f\u064f\u0648\u0646\u0650 \u0627\u0644\u0644\u0651\u064e\u0647\u0650 \u0645\u0650\u0646\u0652 \u0623\u064e\u0648\u0652\u0644\u0650\u064a\u064e\u0627\u0621\u064e \u062b\u064f\u0645\u0651\u064e \u0644\u064e\u0627 \u062a\u064f\u0646\u0635\u064e\u0631\u064f\u0648\u0646\u064e<\/span><span>\ufd3e<\/span><\/p><p class=\"quran-block-trans-ref\"><span class=\"quran-block-translation\">Und sucht keine St\u00fctze bei denen, die Unrecht tun, sonst ber\u00fchrt euch das Feuer; denn ihr habt keine Schutzherren au\u00dfer Allah. Auch wird euch sodann keine Hilfe zuteil.<\/span><span class=\"quran-block-reference\"><span>[<\/span><span class=\"quran-block-reference-content\">11:113<\/span><span>]<\/span><\/span><\/p><\/section>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>24.&nbsp;\u1e0e\u016b l-Qi\u02bfda 1438 n.&nbsp;H.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>16.08.2017<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frage: Am 15.08.2017 hat sich die Bewegung der Taliban mit einem offenen Brief an den Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten mit der Aufforderung gewandt, die US-Soldaten vollst\u00e4ndig aus Afghanistan abzuziehen und die Anzahl der Streitkr\u00e4fte nicht zu erh\u00f6hen. Die Taliban haben Trump dazu aufgefordert, \u201eseine Truppen komplett aus Afghanistan abzuziehen\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":45,"featured_media":12976,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[104,2430,2496,2691],"class_list":["post-10192","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politische-fragen-und-antworten","tag-afghanistan","tag-soldaten","tag-strategie","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/45"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10192"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10192\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12976"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}