{"id":10201,"date":"2017-10-20T00:00:00","date_gmt":"2017-10-19T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10201"},"modified":"2017-10-20T00:00:00","modified_gmt":"2017-10-19T22:00:00","slug":"die-verzweifelte-lage-der-rohingya","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10201","title":{"rendered":"Die verzweifelte Lage der Rohingya"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche Gr\u00e4ueltaten m\u00fcssen an den Rohingya noch ver\u00fcbt werden, um sie ins Zentrum der Berichterstattung zu r\u00fccken? Das Maximum ist eigentlich schon erreicht, ohne dass ein breites mediales Interesse geweckt wurde, weil immer wieder andere Themen scheinbar wichtiger erscheinen. Schon als die Lage in Myanmar eskalierte und die Rohingya in Massen zur Flucht gezwungen waren, wurde das Verbrechen an ihnen buchst\u00e4blich vom Winde verweht, weil sechs Millionen Amerikaner Florida verlassen mussten, um sich vor \u201eIrma\u201c in Sicherheit zu bringen. Man ma\u00dfte sich an, sie als Hurrikan-Fl\u00fcchtlinge zu bezeichnen, und stellte sie so mit echten Fl\u00fcchtlingen auf eine Stufe. Die Masse an Nachrichten \u00fcber den Hurrikan war selbst wie eine Naturkatastrophe, die alle anderen wichtigen Nachrichten unter sich begrub. Die d\u00fcrftige Berichterstattung \u00fcber die Rohingya ist angesichts der geradezu unaussprechlichen Verbrechen, die an ihnen ver\u00fcbt werden, selbst eine Gr\u00e4ueltat, gelten sie doch als die am st\u00e4rksten verfolgte Minderheit weltweit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Unrecht an den Rohingya widerspricht zu sehr dem g\u00e4ngigen Weltbild, sind es doch Buddhisten, die die schlimmsten Menschenrechtsverbrechen begehen. Rohingya sind hingegen Muslime, und die Welt tut sich schwer mit dem Gedanken, dass Anh\u00e4nger des Islam, der aus westlicher Sicht f\u00fcr Gewalt und Terror steht, von Buddhisten verfolgt, vertrieben oder get\u00f6tet werden, wo doch der Buddhismus als friedfertig gilt und alle Kreaturen sch\u00fctzt \u2013 au\u00dfer man ist ein Rohingya. Man assoziiert den Buddhismus mit dem Dalai Lama, mit asketischen M\u00f6nchen in orangefarbener Robe oder vielleicht auch mit dem Hollywoodstar und Vorzeige-Buddhist Richard Gere. Au\u00dferdem ist Aung San Suu Kyi, De-facto-Regierungschefin Myanmars, Friedensnobelpreistr\u00e4gerin. Wie also kann es sein, dass das Leid der Rohingya ausgerechnet von Buddhisten, die selbst Unterdr\u00fcckung und Verfolgung kennen, ausgeht? F\u00fcr westliche Ohren klingt es so, als rei\u00dfe das Schaf den Wolf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur gelegentlich richtet sich der Blick nach Myanmar. Immerhin hat die UNO schon von \u201eethnischen S\u00e4uberungen\u201c gesprochen und die Regierung von Aung San Suu Kyi dazu aufgefordert, die Milit\u00e4raktionen gegen die Rohingya zu stoppen und Beobachter ins Land zu lassen. Es ist davon auszugehen, dass sie sich aus innenpolitischen Gr\u00fcnden nicht auf Seiten der Rohingya schlagen kann, und so ist von ihrer Seite nichts zu erwarten. Von der UNO k\u00f6nnen die Rohingya noch viel weniger Hilfe erwarten, stellt doch das Unrecht an ihnen ein altes Problem dar, das bislang von der UNO und der Welt insgesamt ignoriert wurde. Es ist fast so alt wie die UNO selbst und gekennzeichnet durch st\u00e4ndige massive Milit\u00e4roperationen gegen die Rohingya.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn es nach der Regierung Myanmars ginge, g\u00e4be es die Rohingya als Volksgruppe gar nicht. Sie werden hartn\u00e4ckig als Bengalen abgetan, womit man ihnen ihren Status als Minderheit des Landes abstreitet. 1982 hatte ihnen das damalige Birma die Staatsb\u00fcrgerschaft und damit alle B\u00fcrgerrechte entzogen, indem drei Kategorien der Staatsb\u00fcrgerschaft eingef\u00fchrt wurden. Die volle Staatsb\u00fcrgerschaft erhielten nur Angeh\u00f6rige jener Volksgruppen, die schon vor 1823, d.&nbsp;h. vor dem Ersten Anglo-Birmanischen Krieg, in den Grenzen des Staates Birma siedelten. Daneben gab es die assoziierte Staatsb\u00fcrgerschaft f\u00fcr Personen, die sich nach dem Staatsb\u00fcrgerschaftsgesetz von 1948 um die Staatsb\u00fcrgerschaft beworben hatten und dies auch belegen konnten. Die dritte Kategorie ist die der naturalisierten Staatsb\u00fcrger f\u00fcr die Nachkommen jener Bewohner, die in der Kolonialzeit oder sp\u00e4ter nach Birma kamen. Die Frage der Staatsb\u00fcrgerschaft ist also an die Kolonialisierungszeit gebunden. Das Resultat dessen ist, dass viele Rohingya keine Ausweise besitzen, weil die erforderlichen Nachweise \u2013 Dokumente und Papiere \u2013 nicht erbracht werden konnten, um die Bedingungen f\u00fcr eine der Kategorien zu erf\u00fcllen. Genau darauf lief das Gesetz von 1982 im Grunde hinaus. Damit k\u00f6nnen sich die Rohingya angesichts der vielen Ausweiskontrollen noch nicht einmal im eigenen Land frei bewegen, geschweige denn ins Ausland reisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Keine Staatsb\u00fcrgerschaft zu besitzen bedeutet gleichzeitig, keine Rechte zu haben. Die Beh\u00f6rden k\u00f6nnen den Besitz der Rohingya willk\u00fcrlich beschlagnahmen, f\u00fcr die Ehe brauchen Rohingya eine Genehmigung, und sie d\u00fcrfen nicht mehr als zwei Kinder haben, um nur einige Schikanen zu nennen. Die Bev\u00f6lkerung wird gegen sie aufgehetzt, und sie sind der Verfolgung und Vertreibung ausgesetzt. Das hei\u00dft, Gr\u00e4ueltaten an den Rohingya gehen sowohl von den Beh\u00f6rden als auch von der Bev\u00f6lkerung aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die UN dr\u00e4ngte die Regierung Myanmars zwar, Ausweise f\u00fcr die Rohingya auszustellen. Diese lie\u00df sich aber sogenannte Wei\u00dfe Karten einfallen, die im Grunde nicht mehr als Identit\u00e4tskarten sind und mit Staatsb\u00fcrgerschaft nichts zu tun haben. Ihren Besitzer brandmarken sie als Nichtb\u00fcrger. Obwohl es die Wei\u00dfe Karte schon \u00fcber 20 Jahre gibt und eigentlich gekl\u00e4rt werden sollte, in welche Kategorie von Staatsb\u00fcrgerschaft die Besitzer der Wei\u00dfen Karte fallen \u2013 ob B\u00fcrger oder Ausl\u00e4nder \u2013, hat sich diesbez\u00fcglich bis jetzt nichts getan. So kann die Regierung in Myanmar eine R\u00fcckkehr der Fl\u00fcchtlinge zusagen, ohne f\u00fcrchten zu m\u00fcssen, dass die unz\u00e4hligen Fl\u00fcchtlinge tats\u00e4chlich in ihre Heimat zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen, weil die R\u00fcckkehr an die Bedingung gekn\u00fcpft ist, dass sich die R\u00fcckkehrer als B\u00fcrger Myanmars ausweisen k\u00f6nnen, was im Falle der Rohingya so gut wie unm\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies stellt die Rohingya vor eine ausweglose Situation. Ohne Papiere k\u00f6nnen sie bei einer Flucht \u2013 und wir sprechen in ihrem Fall nicht von Wirtschaftsfl\u00fcchtlingen \u2013 noch nicht einmal einen anerkannten Fl\u00fcchtlingsstatus erlangen. Sie sind Fl\u00fcchtlinge mit einem gro\u00dfen Fragezeichen, und dementsprechend sieht ihre katastrophale Situation auch als Fl\u00fcchtlinge aus, etwa in Bangladesch. Denn die Existenz eines Menschen steht und f\u00e4llt in der kapitalistischen Welt mit seinen Dokumenten, die ihn ausweisen, selbst wenn er \u201enur\u201c ein Fl\u00fcchtling ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Islam spielt all das keine Rolle. Die Frage der Staatsb\u00fcrgerschaft oder irgendwelcher Papiere stellt sich nicht. Die Identit\u00e4t eines Menschen geht zur\u00fcck auf seine \u00dcberzeugung und diese h\u00e4ngt nicht von irgendeiner Regierung ab und kann dem Menschen auch nicht entzogen werden. Bei den Rohingya handelt es sich um Muslime, die sich in einer Notlage befinden. Es liegt deshalb vor allem in der Verantwortung der Muslime, das Problem der Rohingya zu l\u00f6sen. Die Rohingya haben in erster Linie Anspruch auf die Hilfe der Muslime.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder Muslim, der noch an das Ammenm\u00e4rchen glaubt, dass es in irgendeinem der heute existierenden islamischen L\u00e4ndern auch nur einen einzigen Regenten gibt, der sich um die Angelegenheiten der Muslime schert, ist den Beweis schuldig, welches Staatsoberhaupt sich um die Rohingya und um das Ende ihres Leids bem\u00fcht. Jedes einzelne Staatsoberhaupt der islamischen Welt ist ein Klotz am Bein der Umma. Manche unter ihnen sind offene Diktatoren, andere \u2013 und das sind die gef\u00e4hrlicheren \u2013 sind Blender und haben ihre Anh\u00e4nger unter den Muslimen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte jetzt nat\u00fcrlich wieder die alten Beispiele aus der islamischen Geschichte hervorheben, etwa das des Kalifen al-Mu\u02bfta\u1e63ims, der seine Armee entsandte, als er von der Bedr\u00e4ngnis einer einzigen muslimischen Frau erfuhr, die in ihrer Not nach ihm rief. Wie beeindruckend ist auch das Beispiel des Kalifen Beyazid II., der seine Schiffe nach Spanien entsandte, um die verfolgten Juden dort zu retten. Das Wissen um diese Ereignisse rettet aber nicht die Rohingya, wenn man aus ihnen keine Lehre zieht und sich nicht fragt, was diese Kalifen, die so handelten, von den heutigen Regenten unterscheidet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann versuchen, die Fakten zu ignorieren, aber es \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass die Muslime sich um einen Kalifen bem\u00fchen m\u00fcssen, der die islamischen Gesetze anwendet, wenn sie nicht ewig als Fl\u00fcchtlinge in der Welt umherirren und in L\u00e4ndern um Asyl betteln wollen, die sie \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 nur mit gro\u00dfem Widerwillen aufnehmen. Um die akute Lage der Muslime zu realisieren, muss man nur die L\u00e4nder z\u00e4hlen, in denen die politische Situation sie zur Flucht zwingt. Die Muslime stehen demnach nur vor zwei Optionen, und es liegt an ihnen, eine davon zu w\u00e4hlen: Entweder geben sie sich mit dem gegenw\u00e4rtigen Zustand zufrieden und akzeptieren, dass ihre L\u00e4nder fremdbestimmt sind, was die Ursache f\u00fcr Ausbeutung, Tod und Flucht ist. Oder sie nehmen das Zepter selbst in die Hand und setzen sich mit aller Kraft daf\u00fcr ein, dass das islamische System in einem rechtgeleiteten Kalifat zur Anwendung kommt, das im \u00dcbrigen nicht nur den Muslimen zugutekommt. Das Kalifat kennt n\u00e4mlich keine Fl\u00fcchtlingsobergrenze und keine Abweisung eines Schutzbed\u00fcrftigen, und zwar unabh\u00e4ngig seines Glaubens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Gr\u00e4ueltaten m\u00fcssen an den Rohingya noch ver\u00fcbt werden, um sie ins Zentrum der Berichterstattung zu r\u00fccken? 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