{"id":10226,"date":"2018-01-19T00:00:00","date_gmt":"2018-01-18T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10226"},"modified":"2018-01-19T00:00:00","modified_gmt":"2018-01-18T23:00:00","slug":"metoo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10226","title":{"rendered":"#MeToo"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hashtag #MeToo hat vor dem Hintergrund des Weinstein-Skandals weite Verbreitung gefunden. Erfahrungen mit sexueller Bel\u00e4stigung und Missbrauch sollen damit in den sozialen Netzwerken verbreitet werden. Gerade weil sich der Skandal in der Welt der Stars abspielt und die US-amerikanische Schauspielerin Alyssa Milano das Hashtag #MeToo popul\u00e4r machte, wird es inzwischen weltweit verwendet. Die #MeToo-Kampagne wurde 2017 sogar vom Times Magazin zur Person des Jahres gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Paradoxe ist, dass gerade US-amerikanische Schauspielerinnen, die sich f\u00fcr die Kampagne stark machen oder #MeToo nutzen, um eigene Erfahrungen mit sexueller Bel\u00e4stigung \u00f6ffentlich zu machen, gleichzeitig den Frauen enorm schaden, indem sie durch ihre Filmrollen \u2013 niemand zwingt sie, diese anzunehmen \u2013 und ihr Auftreten in der \u00d6ffentlichkeit ein Frauenbild pr\u00e4gen, das die Frau zum Sexobjekt degradiert. Ihr Engagement ist sehr inkonsequent. Bei den Golden Globes 2018 beispielsweise kleideten sich die Schauspielerinnen aus Protest in Schwarz, was aber nicht hei\u00dft, dass sie sich nicht in ihre engen, freiz\u00fcgigen Designerkleider quetschten, um eine gute Figur zu machen, wo wir wieder bei der Frau als Sexobjekt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">#MeToo steht daf\u00fcr, dass Menschen, die Opfer sexueller \u00dcbergriffe geworden sind, ihr Schweigen brechen. Zu sehr wird der Anschein erweckt, dass es um Begebenheiten geht, von denen nur T\u00e4ter und Opfer wissen. Nimmt man das Beispiel des US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein, so hat nicht nur sein n\u00e4heres Umfeld von seinen \u00dcbergriffen gewusst. Doch wollte scheinbar niemand an die \u00d6ffentlichkeit gehen und damit seine eigene Karriere gef\u00e4hrden. Oder aber es war den Eingeweihten einfach egal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum jemand wusste, dass es die MeToo-Kampagne schon mehr als ein Jahrzehnt vor dem Weinstein-Skandal gab. Diese Tatsache legt offen, dass die \u00d6ffentlichkeit erst dann aufmerksam wird und sich solidarisiert, wenn es um Prominente geht und die Medien sich darauf st\u00fcrzen k\u00f6nnen. Wenn ein Hollywood-Star wie Gwyneth Paltrow einen Weinstein der sexuellen Bel\u00e4stigung beschuldigt, weil er sie um eine Massage bat, horcht die Welt gespannt auf. Handelt es sich aber um eine afroamerikanische Dreizehnj\u00e4hrige, die von dem Freund ihrer Mutter missbraucht wurde, ist der Fall unspektakul\u00e4r und nur ein Missbrauch von vielen. Die Geschichte des betreffenden M\u00e4dchens gab der afroamerikanischen Aktivistin Tarana Burke damals den Ansto\u00df, die MeToo-Bewegung im Jahr 2006 ins Leben zu rufen. Wer aber wusste von dieser Bewegung und wer kannte Tarana Burke vor dem Weinstein-Skandal? Aber die Welt kennt Alyssa Milano.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aktuelle #MeToo-Bewegung suggeriert, dass jetzt erst offen \u00fcber das Thema des sexuellen Missbrauchs gesprochen werde. Gab es denn vor der #MeToo-Kampagne keine Skandale, die \u00f6ffentlich wurden und eine Sexismus-Debatte ausl\u00f6sten? Hatte es nicht den Skandal um Donald Trump w\u00e4hrend des US-amerikanischen Wahlkampfs gegeben, als ein Interview zwischen ihm und Billy Bush aus dem Jahr 2005 auftauchte, worin sich Trump \u00e4u\u00dferst frauenverachtend \u00e4u\u00dferte? Und ist dieser Frauenver\u00e4chter nicht zum Pr\u00e4sidenten der Weltmacht USA gew\u00e4hlt worden? Wie viele Unterst\u00fctzer der #MeToo-Kampagne gaben ihre Stimme f\u00fcr Trump ab?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es kamen schon F\u00e4lle von sexuellem Missbrauch ans Licht, die weitaus schockierender sind als der Fall Weinstein und jenseits der Vorstellungskraft liegen. Welche Reaktionen gab es beispielsweise, als herauskam, dass UN-Blauhelme, die vermeintlichen Friedensbringer, in ihren Einsatzgebieten den Hunger von verwaisten oder vernachl\u00e4ssigten Kindern ausnutzten und ihnen Kekse, Brot oder ein paar Cent \u2013 und keine Filmrolle in einem Weinstein-Film \u2013 gegen Sex anboten? Zwischen 2004 und 2016 soll es weltweit etwa 2000 solcher Missbrauchsvorw\u00fcrfe geben. Vor allem in Haiti soll es unter den Blauhelmen \u00fcblich gewesen sein, sich an Kindern zu vergreifen. Aber Haiti ist eben nur ein \u201eDrecksloch\u201c, wie Trump sagte, und kein Hollywood.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nachgewiesen, dass die sogenannten UN-Friedensmissionen von Frauenhandel, Prostitution im Allgemeinen und Zwangsprostitution im Besonderen sowie von sexuellem Missbrauch begleitet werden. In den Einsatzgebieten ist immer ein enormer Anstieg zu verzeichnen. Den Opfern hilft hier aber keine #MeToo-Kampagne, da die UNO selbst keine echte Bestrafung f\u00fcr Blauhelmsoldaten vorsieht, selbst wenn ihre Taten \u00f6ffentlich und nicht mit z.&nbsp;B. einem Dollar Schweigegeld f\u00fcr Vergewaltigung vertuscht werden. Einen Harvey Weinstein oder Kevin Spacey kann man an den Pranger stellen und gesellschaftlich \u00e4chten, ein Blauhelmsoldat hat nicht wirklich Konsequenzen zu f\u00fcrchten. Da helfen auch keine \u201eZehn Regeln f\u00fcr Blauhelme\u201c, in denen es unter Punkt vier hei\u00dft, dass \u201eunmoralische Akte sexuellen, physischen oder psychischen Missbrauchs oder Ausnutzung\u201c verboten sind. Dieses Regelwerk existiert seit 2003, doch gebracht hat es, wie man sehen kann, nichts, an die Moral der Soldaten zu appellieren, denn mehr als ein Appell ist es nicht und zudem richtet er sich an eine nicht existente Moral. Das sind Abgr\u00fcnde sexueller Gewalt, deren Urheber die Vereinten Nationen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">#MeToo kann ebenfalls nichts bewirken, wenn beispielsweise ein neunj\u00e4hriger Junge, nachdem er wegen sexueller Gef\u00e4hrdung aus der Familie genommen wurde, von einem deutschen Familiengericht in die Obhut seiner Mutter zur\u00fcckgegeben wird, deren Lebensgef\u00e4hrte ein vorbestrafter Sexualstraft\u00e4ter ist, dem der Umgang mit Kindern untersagt ist. Mutter und Lebensgef\u00e4hrte lie\u00dfen den Jungen \u00fcber Jahre hinweg gegen Geld missbrauchen. Dieser Fall ging erst k\u00fcrzlich durch die Medien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage ist also am Ende nicht, ob die Opfer mit einem Hashtag ermutigt werden, sich zu offenbaren, sondern was ein Staat mit seiner Gesetzgebung leistet, um sexuelle Bel\u00e4stigung, sexuellen Missbrauch und sexuelle Ausbeutung zu verhindern. In Wahrheit n\u00e4mlich wirft die #MeToo-Kampagne kein schlechtes Licht auf die M\u00e4nner, sondern auf die Staaten, deren kapitalistisches System das Kapital aber nicht die Menschen sch\u00fctzt, die nur deshalb auf ein Hashtag wie #MeToo zur\u00fcckgreifen m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Hashtag #MeToo hat vor dem Hintergrund des Weinstein-Skandals weite Verbreitung gefunden. 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