{"id":10238,"date":"2018-03-12T00:00:00","date_gmt":"2018-03-11T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10238"},"modified":"2018-03-12T00:00:00","modified_gmt":"2018-03-11T23:00:00","slug":"die-moralische-inkompetenz-des-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10238","title":{"rendered":"Die moralische Inkompetenz des Kapitalismus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die kapitalistische Wirtschaft ist r\u00fccksichtslos gegen Mensch und Natur. Sie verwertet ausnahmslos alles, was in irgendeiner Form einen Nutzen bringt. Der Einzelne ist gar nicht in der Lage, sich dem zu entziehen, und macht sich zum Mitt\u00e4ter dieser profitorientierten R\u00fccksichtslosigkeit. Das kapitalistische System bringt das Individuum zwangsl\u00e4ufig dazu, gegen die viel zitierten Menschenrechte zu versto\u00dfen, auch wenn seine moralische Einstellung vielleicht eine andere ist. Jeder wei\u00df beispielsweise inzwischen, welche Zust\u00e4nde in der Textilindustrie herrschen. So gut wie jedes Kleidungsst\u00fcck, das auf den Markt kommt, ist das Ergebnis von Ausbeutung und moderner Sklaverei. Das Wissen h\u00e4lt den Einzelnen aber nicht davon ab, selbst Nutzen aus diesem Umstand zu ziehen und von niedrigen Preisen zu profitieren. Im Kapitalismus gibt es folglich kein Entkommen vor der eigenen Beteiligung an den kapitalistischen Vergehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Typisch f\u00fcr den kapitalistisch gepr\u00e4gten Menschen ist sein gegen Leid und Unrecht resistentes Gewissen, das nur noch auf wenige Reize reagiert. Der Skandal um Abgastests der Autoindustrie an Affen war ein solcher Reiz, weil es hierbei nat\u00fcrlich um Tiere ging. Die \u00f6ffentliche Emp\u00f6rung war unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00df, sodass sich VW gen\u00f6tigt sah, sich f\u00fcr die Abgastests an Affen zu entschuldigen. VW-Chef Matthias M\u00fcller bezeichnete die Abgasversuche als \u201eunethisch, absto\u00dfend und zutiefst besch\u00e4mend\u201c. Gerade einmal zehn Affen veranlassten M\u00fcller zu folgender \u00c4u\u00dferung: \u201eMir zeigt das vor allem, dass wir uns in unserem eigenen Unternehmen und als Industrie noch viel ernsthafter und sensibler mit ethischen Fragen auseinandersetzen m\u00fcssen. Es gibt Dinge, die tut man einfach nicht! Punkt!\u201c Es gab sogar personelle Konsequenzen. VW-Manager Thomas Steg trat zur\u00fcck, und auch Daimler stellte Udo Hartmann, seinen Leiter f\u00fcr Konzern-Umweltschutz, frei, nachdem bekannt wurde, dass er von den Versuchen wusste. Der H\u00f6hepunkt aber war die Ank\u00fcndigung von VW, pr\u00fcfen zu lassen, wie es den betreffenden Affen geht \u2013 alles, um die sonst unempfindliche \u00d6ffentlichkeit zu bes\u00e4nftigen. Man m\u00f6chte schlie\u00dflich nicht potentielle K\u00e4ufer verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Autoindustrie ist ein klassisches Beispiel daf\u00fcr, wie das kapitalistische Wirtschaftssystem funktioniert, n\u00e4mlich auf der Grundlage von Ausbeutung. Moral ist hierbei nur ein d\u00fcnner Vorhang, den kaum jemand l\u00fcften m\u00f6chte, weil sich sonst Abgr\u00fcnde auftun, die offenlegen, wie unethisch der Produktionshintergrund der meisten Konsumg\u00fcter ist. Wer glaubt schon, dass VW-Chef M\u00fcller es ehrlich meint, wenn er davon spricht, \u201esensibler mit ethischen Fragen\u201c umzugehen \u2013 und das wegen zehn Affen? Nat\u00fcrlich kann VW die Zusage machen, in Zukunft auf Tierversuche zu verzichten, weil die Autoindustrie, anders als etwa die Pharmaindustrie, ohnehin nicht auf Tests mit Tieren angewiesen ist. Wie will aber ein Autokonzern wie VW z.&nbsp;B. Elektroautos produzieren, ohne die prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse in den Zulieferfirmen in Kauf zu nehmen und damit Menschenrechte zu verletzen? Wie sieht es hier mit der Sensibilit\u00e4t bez\u00fcglich ethischer Fragen aus? Die Autokonzerne wissen, dass der Wunsch nach sauberer Luft nur zu realisieren ist, wenn daf\u00fcr die Gesundheit und das Leben von Menschen anderswo auf der Welt aufs Spiel gesetzt werden. Das funktioniert in jenen L\u00e4ndern, wo die Menschen so arm sind, dass sie gar keine andere Wahl haben, als unter schlimmsten Bedingungen zu arbeiten. Und daf\u00fcr hat wiederum der Kolonialismus die besten Voraussetzungen geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Politik sah sich gen\u00f6tigt zu reagieren, denn immerhin sprechen wir hier von zehn Affen. So hatten die Gr\u00fcnen eine Aktuelle Stunde im Parlament beantragt, um zu kl\u00e4ren, ob die Bundesregierung \u201ebereits von den zwielichtigen Methoden der Autoindustrie wusste und inwieweit diese sogar aus \u00f6ffentlichen Geldern finanziert wurden\u201c, wie es von Seiten der Fraktionsgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Britta Ha\u00dfelmann hie\u00df. Partei\u00fcbergreifend meldeten sich Politiker zu Wort, wie etwa der nieders\u00e4chsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann von der CDU, der die Abgastest als \u201eabsurd und unentschuldbar\u201c verurteilte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist vor allem die Haltung der Gr\u00fcnen, die die Tests an den Affen lautstark kritisierten. Zu ihrem Parteiprogramm z\u00e4hlt unter anderem, ab 2030 nur noch Elektroautos zuzulassen. Das vermeintliche Anliegen ist neben dem Ankurbeln der deutschen Autoindustrie \u201edie Gesundheit der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger\u201c. Dass f\u00fcr dieses Vorhaben aber die Gesundheit anderer geopfert werden muss \u2013 und zwar die von Menschen und nicht von Affen \u2013, scheint irrelevant zu sein. Es ist in der Praxis gar nicht zu vermeiden, so sehr man betont, dass sich die Autohersteller dazu verpflichten m\u00fcssen, beim gesamten Herstellungsprozess beispielsweise keine Kinderarbeit zuzulassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Produktion von Elektroautos besteht das Hauptproblem vor allem in der Beschaffung wichtiger Ressourcen wie Kobalt. Kobalt ist ein wesentlicher Bestandteil moderner Lithium-Ionen-Batterien. Man kennt die Problematik bereits von der Herstellung von z.&nbsp;B. Handy-Akkus. F\u00fcr die Produktion von Elektroautos ben\u00f6tigen Autohersteller tonnenweise Kobalt, und dass es nicht in Europa abgebaut wird, liegt auf der Hand. Der Abbau ist sehr aufw\u00e4ndig und umweltbelastend. Er rentiert sich nicht in L\u00e4ndern, in denen Arbeiter Rechte haben und es so etwas wie Umweltschutz gibt. Es funktioniert nur in Staaten, in denen man Menschen zu einem Hungerlohn und unter Lebensgefahr in die Minen treiben kann. Mehr als die H\u00e4lfte des gef\u00f6rderten Kobalts stammt deshalb aus der Demokratischen Republik Kongo. Amnesty International prangert an, dass selbst Kinder unter sieben Jahren in den Minen arbeiten m\u00fcssen. Schert sich die \u00d6ffentlichkeit um das Leben und die Gesundheit der Kongolesen oder w\u00fcrde jemand auf sein Handy oder seinen Laptop verzichten wollen? Selbst wenn Autokonzerne dazu verpflichtet werden, darauf zu achten, dass das Kobalt nicht aus Minen stammt, in denen es durch Kinderarbeit gef\u00f6rdert wird, bleibt das Problem bestehen, dass das Kobalt grunds\u00e4tzlich unter unzumutbaren Bedingungen gef\u00f6rdert wird und Menschen ihre Gesundheit daf\u00fcr opfern m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Affen kann man bedenkenlos einen gro\u00dfen Wirbel machen und auf Aufkl\u00e4rung bestehen. Auf das Konsumverhalten hat das keinen Einfluss. Niemand muss deshalb auf irgendetwas verzichten, wenn er auf die Unterlassung von Abgastests an Tieren pocht. Geht es aber um die Ausbeutung von Menschen, droht der Verlust des eigenen Nutzens. Um faire Bedingungen f\u00fcr die Ausgebeuteten zu gew\u00e4hrleisten, muss man n\u00e4mlich zahlen, indem beispielsweise das Elektroauto f\u00fcr den Durchschnitt zu teuer wird und die Blase von einer abgasfreien Zukunft platzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es liegt nun einmal in der Natur des Kapitalismus, dass der Nutzen an erster Stelle steht. Man kann ihn nicht modifizieren und zu einer gerechten Ideologie machen. So besteht, um bei dem Beispiel der Autoindustrie zu bleiben, die Sorge der Autohersteller nicht darin, wie man das Kobalt unter gerechten Bedingungen beschaffen kann, sondern wie man sich eine dauerhafte Quelle sichert, um Kobalt zu beziehen. Die politische Lage im Kongo ist das Hauptproblem der Autohersteller, wo Minen jederzeit geschlossen werden k\u00f6nnen, und nicht etwa die Verletzung der Menschenrechte beim Abbau von Kobalt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man hat im Grunde nur zwei Optionen: Entweder man akzeptiert die Tatsache, dass das kapitalistische System ein falsches und ungerechtes System ist, das Nutzen und Profit \u00fcber alles stellt, ohne nach richtig und falsch zu fragen. Dann muss man aber auch den Kapitalismus mit all seinen Konsequenzen hinnehmen und nicht jammern, wenn beispielsweise Affen irgendwelchen Versuchen ausgesetzt werden. Oder aber man \u00fcberdenkt dieses System, das nicht die einzige Option f\u00fcr die Menschheit ist, und macht sich Gedanken \u00fcber ein System, das einen anderen Handlungsma\u00dfstab kennt als den Profit und das gerecht ist, unabh\u00e4ngig davon, auf welchem Teil der Erde und unter welchen Bedingungen ein Mensch lebt. Die L\u00f6sung des Problems liegt also nicht darin, Tierversuche, Kinderarbeit oder die Missachtung der Menschenrechte anzuprangern, weil das kapitalistische System gar nicht in der Lage ist, ohne diese Vergehen zu existieren. Die L\u00f6sung kann nur in einem System liegen, dessen Anliegen das Wohl des Menschen ist, das, anders als es der Kapitalismus vermittelt, nicht im Nutzen liegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Islam ist eine solche Ideologie, die dem Kapitalismus weit \u00fcberlegen ist. Die Richtigkeit ihres Fundaments ist n\u00e4mlich rational nachvollziehbar, und das System, das daraus hervorgeht, gerecht. Selbst das Wirtschaftssystem im Islam funktioniert ohne den Profit als grunds\u00e4tzlichen Handlungsma\u00dfstab. Man muss sich nur mit der Materie auseinandersetzen, um dies zu erkennen, statt seine Energien vergeblich daran zu verschwenden, die unver\u00e4nderlichen profitorientierten Machenschaften der kapitalistischen Wirtschaft aufzudecken und ihr moralische Prinzipien auferlegen zu wollen, die sie nicht einhalten kann. Moral liegt schlichtweg au\u00dferhalb kapitalistischer M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die kapitalistische Wirtschaft ist r\u00fccksichtslos gegen Mensch und Natur. Sie verwertet ausnahmslos alles, was in irgendeiner Form einen Nutzen bringt. 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