{"id":10250,"date":"2018-04-08T00:00:00","date_gmt":"2018-04-08T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10250"},"modified":"2018-04-08T00:00:00","modified_gmt":"2018-04-08T00:00:00","slug":"wie-habt-ihrs-mit-dem-islam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10250","title":{"rendered":"Wie habt ihr\u2019s mit dem Islam?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Opferrolle oder eine bewusst vernachl\u00e4ssigte Volksgruppe, die die islamische Ummah weder h\u00f6ren, noch akzeptieren m\u00f6chte? Es sind qualvolle Jahrzehnte des Hin und Her, ein gern gespieltes Klagelied der Kurden, das im Schatten der syrischen Revolution nun internationale Aufmerksamkeit genie\u00dft. Doch wie steht es wirklich um die Erben Salahuddins? Und bringt ein autarker Kurdenstaat wirklich Frieden und Wohlstand in die Region?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sich in Goethes \u201eFaust\u201c der Intellektuelle Dr. Heinrich Faust in Margarete, einem M\u00e4dchen aus eher bescheidenen Verh\u00e4ltnissen, verliebt, zweifelt die junge Dame die Religiosit\u00e4t Fausts an: <em>Nun sag, wie hast du\u2019s mit der Religion? (&#8230;) Allein ich glaub, du h\u00e4ltst nicht viel davon<\/em>. Als dieser sich kl\u00e4glich zu erkl\u00e4ren versucht und die unangenehme Frage umgehen will, erkennt sie schlie\u00dflich: <em>Du hast kein Christentum<\/em>. Die ber\u00fchmte \u201eGretchenfrage\u201c ist geboren und ist im gesellschaftlichen Sprachgebrauch ein Sinnbild f\u00fcr eine Frage, die auf den Kern einer Angelegenheit zielt, w\u00e4hrend der Befragte diese f\u00fcr ihn unangenehme Situation lieber umgehen als zu konfrontieren versucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie also lautet die Gretchenfrage, wenn es um die Lage des kurdischen Volkes geht? Die Realit\u00e4t zeigt dieser Tage erneut, dass das sogenannte \u201eKurdenproblem\u201c von vielen Kurden selbst nicht richtig analysiert, geschweige denn gel\u00f6st wurde. Werfen wir einen Blick in die Historie jenes Volkes, insbesondere in die Zeit nach der Ausl\u00f6schung des Kalifats im Jahre 1924, so zeigt sich, dass in knapp einhundert Jahren nur im Norden des Irak ein kleiner Hoffnungsschimmer aufzugehen schien. Wenngleich Politik und Medien gerne verhie\u00dfen, dass die Hauptstadt der Autonomieregion Erbil zu einem zweiten Dubai prosperiert w\u00e4re, verstummte diese Euphorie, noch bevor der Hahn sein morgendliches Kr\u00e4hen beenden konnte. W\u00e4hrend also kurdische Politiker den Tag bereits vor dem Abend lobten, stehen im Zuge der Protestwellen kurdisch-irakische Parteigeb\u00e4ude in Flammen. F\u00fcr die miserable \u00f6konomische Lage und die wachsende Vetternwirtschaft verantwortlich gemacht, stehen die s\u00e4kularen Parteien vor einem erneuten Problem, das sie hoffnungslos \u00fcberfordert. Dass die einstigen US-amerikanischen Verb\u00fcndeten, die zwar ein bemerkenswertes, aber ausgelutschtes Lippenbekenntnis in Form st\u00e4ndiger Liebeserkl\u00e4rungen an die Kurden abgaben, sich nun stillschweigend aus der Aff\u00e4re ziehen, hindert Ministerpr\u00e4sidenten Nechirvan Barzani nicht daran zu behaupten, die Kurden liebten die USA immer noch!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine \u00e4hnliche Liebeserkl\u00e4rung wurde den iranischen Kurden in den 40er Jahren bereits zum Verh\u00e4ngnis. Als im Jahre 1946 der Kurdenf\u00fchrer Quazi Mohammed die <em>Komara Kurdistan<\/em> (\u201eRepublik Kurdistan\u201c) im heutigen Iran ausrief, gelang es dem jungen Staatsgebilde nicht einmal das Einj\u00e4hrige zu feiern; Quazi Mohammed und seine Gefolgsleute starben am Galgen, als sich die Sowjet-Union \u2013 die diese Republikgr\u00fcndung \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glichte \u2013 letztlich mit dem iranischen Regime verb\u00fcndete und ihre Schutzherrschaft \u00fcber das kurdische Volk revidierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1978 gr\u00fcndete Abdullah \u00d6calan im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei die <em>Partiya Kark\u00earen Kurdistan<\/em> (\u201eArbeiterpartei Kurdistan\u201c, kurz: PKK), die offenkundig mit milit\u00e4rischen Mitteln einen souver\u00e4nen Kurdenstaat zu erk\u00e4mpfen versuchte. In seiner Gef\u00e4ngnisschrift \u201eDemokratischer Konf\u00f6deralismus\u201c weicht der Parteigr\u00fcnder nach kl\u00e4glichem Scheitern allerdings zur\u00fcck und formuliert seine Ziele neu. So schreibt \u00d6calan: <em>Die PKK hat die kurdische Frage nie als ein blo\u00dfes Problem von Ethnizit\u00e4t oder nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t betrachtet. Vielmehr waren wir davon \u00fcberzeugt, dass es das Projekt zur Befreiung und Demokratisierung der Gesellschaft war. Diese Ziele bestimmten zunehmend unser Handeln seit den 90er Jahren. (&#8230;) Wir glaubten allerdings nicht, dass es irgendwelche politischen Patententw\u00fcrfe schaffen k\u00f6nnten, die Situation der Menschen im Mittleren Osten nachhaltig zu verbessern. Waren es nicht Nationalismus und Nationalstaaten gewesen, die so viele Probleme im Mittleren Osten verursachten?<\/em> Die Partizipation an demokratischen Institutionen erschien nun als geeignetes Mittel, um die Lage der kurdischen Bev\u00f6lkerung in der T\u00fcrkei zu verbessern, wenn nicht sogar das gesamte \u201eKurdenproblem\u201c zu l\u00f6sen. Und tats\u00e4chlich schien der eingeschlagene Weg zun\u00e4chst zu fruchten. Betrachtet man die Entwicklung jedoch in zwei Phasen, wird ersichtlich, dass auch jene Methodik zum Scheitern verurteilt war. Beginnend mit den Reformen der AKP, welche die Friedensgespr\u00e4che in Gang setzte und die kurdische Sprache legalisierte, schenkten viele Kurden der neuen Bewegung ihr Vertrauen. Spitzenergebnisse bei Parlaments- und Pr\u00e4sidentschaftswahlen waren die Folge. Diese Phase nahm allerdings ihr Ende, als die BDP (sp\u00e4ter HDP) die historischen Negativerfahrungen des kurdischen Volkes f\u00fcr sich nutzte und gar das schier Unm\u00f6gliche m\u00f6glich machte: Mit der \u00dcberwindung der Zehn-Prozent-H\u00fcrde schrieben die Kurden ihre eigene Erfolgsgeschichte. Dass nun jene f\u00fchrenden Politiker inhaftiert und die Partei mundtot gemacht wurde, passt erneut in das Narrativ eines unterdr\u00fcckten Volkes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ebenso ist es eine Frage der Zeit, wie und wann die Teilerfolge der syrisch-kurdischen PYD in sich zusammenfallen. Schon jetzt weicht die Separatistengruppe von ihrer Agenda ab. Schlie\u00dflich sei man in Zukunft nicht mehr abgeneigt nutzenbedingt mit dem Tyrannen Bashar al-Assad zu kooperieren, von den Eroberungen des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs in Afrin unter Billigung der USA und Russland ganz zu schweigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sowohl der milit\u00e4rische, als auch der demokratisch-parlamentarische Weg brachte die Kurden augenscheinlich zwar einen Schritt nach vorne, im Laufe der Zeit jedoch zwei Schritte wieder zur\u00fcck. Und da beide Ans\u00e4tze aus einem s\u00e4kular-nationalistischem Weltbild speisen, lautet die diesbez\u00fcgliche Gretchenfrage: Wie habt ihr\u2019s mit dem Islam? Keine dieser Bestrebungen wiesen einen islamischen Charakter auf, obgleich die islamische Lebensordnung der gemeinsame Nenner nahezu aller V\u00f6lker im Nahen und Mittleren Osten ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies f\u00fchrt zu einer folgenreicheren Feststellung: Ein \u201eKurdenproblem\u201c existiert schlichtweg nicht, denn im Kern handelt es sich um dasselbe Problem, mit dem die gesamte Ummah konfrontiert ist. Dass kein souver\u00e4ner Staat Kurdistan existiert, ist kein Ausschlusskriterium dahingehend, dass auch andere islamische V\u00f6lker Unterdr\u00fcckung erleiden. Diese Feststellung mag hart, oder gar ignorant klingen, dies \u00e4ndert jedoch nichts an der Tatsache, dass die gesamte islamische Welt ihrer Kultur und Identit\u00e4t beraubt wurde. Das westliche Konstrukt des modernen Nationalstaates brachte keinem dieser V\u00f6lker Zufriedenheit oder Gerechtigkeit. Selbst Staaten wie Deutschland oder Frankreich m\u00fcssen aufgrund j\u00fcngster Ereignisse ihre kulturelle Identit\u00e4t neu definieren und offenbaren das wacklige Gedankenexperiment einer nationalistischen Bindung, welche keiner rational-ideologischen \u00dcberzeugung standhalten wird. Und erst recht gelingt dies nicht, wenn staatenlose Minderheiten zu Spielb\u00e4llen internationaler Gro\u00dfm\u00e4chte deklassiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist daher v\u00f6llig irref\u00fchrend, den \u00fcbrigen islamischen V\u00f6lkern Zufriedenheit und Prosperit\u00e4t zu unterstellen und die Unterdr\u00fcckung der islamischen Lebensweise zu ignorieren. Sie alle sind mit dem s\u00e4kularen Leviathan konfrontiert, dem es in einheitlicher St\u00e4rke gemeinsam zu bek\u00e4mpfen gilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie eine Katja Kipping aus der Links-Partei dem unterdr\u00fcckten Kurden n\u00e4herstehen kann, als eine syrische Mutter, die ihr letztes Kind in Ghouta oder Aleppo verloren hat? An der Absurdit\u00e4t dieser Vorstellung \u00e4ndert auch die b\u00fchnenreife Performance der Linksfraktion nichts, die am ersten Februar in \u201ekurdischen Schals\u201c den Bundestag unsicher machte \u2013 es reichte eine h\u00f6fliche Ermahnung des stellvertretenden Bundestagspr\u00e4sidenten Kubicki, um den Sozialisten ihren revolution\u00e4ren Geist prompt wieder auszutreiben. Die kurzlebige \u201eAktion\u201c der Linken ist nicht als Solidarit\u00e4t mit dem kurdischen Volk zu verstehen, sondern als Solidarit\u00e4t mit westlicher Weltanschauung, in diesem Fall dem ethnodemokratischen Konf\u00f6deralismus. Es ist diese Art von \u201eSolidarit\u00e4t\u201c, unter der sowohl T\u00fcrken, Araber als auch Kurden zu leiden haben, denn durch die geistige und ebenso oft milit\u00e4rische Intervention unserer westlichen Freunde, sind der Nahe und Mittlere Osten in Schlachtfelder verwandelt und Br\u00fcderv\u00f6lker zu Feinden gemacht worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weder der pseudosozialistische Panarabismus Bashar al-Assads oder der anarchistische Konf\u00f6deralismus \u00d6calans, noch der bizarre Nationalismus eines Erdogans bieten auch nur einen Hauch an L\u00f6sung f\u00fcr die islamische Ummah. Einzig und allein die R\u00fcckbesinnung auf die islamischen Ideen und die Methode des Propheten (s) wird jenes Krebsgeschw\u00fcr des Nationalismus mit Allahs (t) Erlaubnis besiegen, die k\u00fcnstlichen Grenzziehungen beseitigen und jedem Volke einen w\u00fcrdigen Aufstieg im Staate des Islam erm\u00f6glichen. An jenem Tage werden unsere Eltern und Gro\u00dfeltern verstehen, warum wir sie immer wieder fragten: Wie habt ihr\u2019s mit dem Islam? &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Opferrolle oder eine bewusst vernachl\u00e4ssigte Volksgruppe, die die islamische Ummah weder h\u00f6ren, noch akzeptieren m\u00f6chte? Es sind qualvolle Jahrzehnte des Hin und Her, ein gern gespieltes Klagelied der Kurden, das im Schatten der syrischen Revolution nun internationale Aufmerksamkeit genie\u00dft. Doch wie steht es wirklich um die Erben Salahuddins? 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