{"id":10274,"date":"2018-05-18T00:00:00","date_gmt":"2018-05-17T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10274"},"modified":"2018-05-18T00:00:00","modified_gmt":"2018-05-17T22:00:00","slug":"das-kopftuch-ist-weder-ein-religioeses-noch-ein-politisches-symbol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10274","title":{"rendered":"Das Kopftuch ist weder ein religi\u00f6ses noch ein politisches Symbol"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fr\u00fcher symbolisierte der Halbmond den Islam, das Kreuz das Christentum und der Davidstern das Judentum. Doch die Politik hat v\u00f6llige Verwirrung gestiftet, denn nun sind es Kopftuch und Kippa, die als Symbole f\u00fcr Islam und Judentum herhalten m\u00fcssen, w\u00e4hrend das Kreuz kein christliches Symbol mehr sein soll, so zumindest aus Sicht des bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten Markus S\u00f6der, der theologische, historische und politische Inkompetenz in einer Person vereint. Heftiger Widerstand von den Theologen kam prompt. Kardinal Reinhold Marx sagte als Reaktion auf S\u00f6ders \u00c4u\u00dferungen zum Kreuz und auf die Vorschrift, in allen Beh\u00f6rden Bayerns ein Kreuz aufzuh\u00e4ngen: \u201eDann w\u00fcrde das Kreuz im Namen des Staates enteignet.\u201c Dem Staat stehe es Marx zufolge nicht zu, zu definieren, was das Kreuz bedeute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umgekehrt hat der Staat aber auch nicht das Recht, ein islamisches Gebot als religi\u00f6ses oder politisches Symbol zu definieren, das keines ist und nie eines war. Es sollte schon den Muslimen selbst \u00fcberlassen bleiben, auf der Grundlage der islamischen Offenbarungstexte zwischen Symbol und Gebot zu unterscheiden. Auch wenn eine Handlung im Islam einen symbolischen Aspekt beinhaltet, bleibt die Handlung selbst verpflichtend, wie etwa das Werfen sieben kleiner Steine als Ritual bei der Pilgerfahrt, was symbolisch f\u00fcr die Steinigung des Teufels steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was jedoch das Kopftuch angeht, so hat es keinerlei Symbolcharakter, weder in religi\u00f6ser noch in politischer Hinsicht. Keine muslimische Frau tr\u00e4gt es, weil sie andere gerne darauf aufmerksam machen will, dass sie Muslimin ist, um st\u00e4ndig angefeindet zu werden, keine Arbeit zu bekommen und sich permanent Spr\u00fcche wegen ihrer Kleidung anh\u00f6ren zu m\u00fcssen. Sie brennt auch nicht darauf, Dauerthema in Politik und Medien zu sein und sich unentwegt rechtfertigen zu m\u00fcssen oder als schwache Pers\u00f6nlichkeit hingestellt zu werden, die keinen eigenen Willen hat und zwangsverschleiert wurde. W\u00e4re das Kopftuch nur ein religi\u00f6ses oder politisches Symbol, w\u00fcrden wir es ablegen, um vielleicht endlich Ruhe zu haben vor den Anfeindungen und Angriffen der Mehrheitsgesellschaft, die nicht in der Lage ist, sich auf rationaler Ebene mit dem Islam auseinanderzusetzen, weil die Politik mit der Kopftuchdebatte das Karottenprinzip anwendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man versucht sich mit dem Neutralit\u00e4tsgebot dem Verdacht zu entziehen, ausschlie\u00dflich die Muslime im Fokus zu haben, indem man scheinheilig von einem Verbot aller religi\u00f6sen und politischen Symbole spricht, etwa an Schulen, um am Ende muslimischen Lehrerinnen das Tragen eines Kopftuchs zu verbieten. Das Neutralit\u00e4tsgebot dient nur als Umleitung zum eigentlichen Ziel, das Kopftuch zu verbieten. Das diesbez\u00fcgliche Urteil des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs aus dem vergangenen Jahr t\u00e4uscht im Grunde nur vor, es gehe um Neutralit\u00e4t. Die Betroffenen sind in Wahrheit ausschlie\u00dflich die muslimischen Frauen, die ein Kopftuch tragen. Es sind nicht die Juden, die vor Gericht ziehen, weil ihnen das Tragen der Kippa am Arbeitsplatz untersagt wird. Es sind auch nicht die Christen, die sich juristischen Beistand suchen m\u00fcssen, weil sie ihr Kreuz nicht sichtbar am Arbeitsplatz tragen d\u00fcrfen. Man sollte die Muslime also nicht f\u00fcr dumm verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Woran macht man \u00fcberhaupt fest, dass es sich bei dem Kopftuch um ein religi\u00f6ses oder politisches Symbol handelt? Nur weil Nichtmuslime das Kopftuch mit dem Islam assoziieren, ist es automatisch ein religi\u00f6ses Symbol? Die Assoziation einer Kippa mit dem Judentum l\u00e4sst genauso wenig den Schluss zu, dass das Tragen der Kippa eine rein symbolische Bedeutung f\u00fcr Juden hat. Keiner hinterfragt, ob es sich bei dem Kopftuch \u00fcberhaupt um ein Symbol handelt. Es wird als Tatsache \u00fcbernommen, und dementsprechend wird eine falsche Debatte gef\u00fchrt, die f\u00fcr muslimische Frauen weitreichende Konsequenzen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Uneinsichtigen sei gesagt, dass es keinen Unterschied gibt zwischen dem Fasten, dem Beten und der Verpflichtung, das Kopftuch zu tragen. Es entbehrt jeder islamrechtlichen Grundlage, das eine als Gebot und das andere als Symbol zu klassifizieren. Niemand kommt auf die Idee zu sagen, das Gebet sei eine rein symbolische Handlung. Das Tragen des Kopftuchs geht auf ein Gebot, d.&nbsp;h. eine Handlungsaufforderung, zur\u00fcck wie das Beten und Fasten und ist somit verpflichtend. In vielem existieren unterschiedliche islamische Rechtsmeinungen, doch was das Kopftuch angeht, gab es im Laufe der islamischen Geschichte nie Meinungsdifferenzen unter den Rechtsgelehrten. Und nein, Seyran Ate\u015f ist keine islamische Rechtsgelehrte. Das \u201eKopftuchgebot\u201c hat sich auch nicht \u201ein Jahrhunderten der Tradierung\u201c aus den Offenbarungstexten entwickelt, wie es beispielsweise auf der Seite der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung dargestellt wird. Denn die muslimischen Frauen haben das Gebot unmittelbar nach der Offenbarung der diesbez\u00fcglichen Verse als Pflicht verstanden und dementsprechend umgesetzt. Folglich ist das Tragen des Kopftuchs nicht erst im Laufe der Geschichte zu einem Gebot geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Staat ist es am Ende irrelevant, ob das Kopftuch nun ein islamisches Symbol oder ein islamisches Gebot ist. Ihm geht es haupts\u00e4chlich darum, es als mit dem Islam verkn\u00fcpftes Kleidungsst\u00fcck zu verbieten. F\u00fcr die muslimische Frau macht es aber einen gewaltigen Unterschied, weil der Staat sie durch ein Kopftuchverbot daran hindert, einer islamischen Pflicht nachzukommen und ihren Glauben zu praktizieren. Sie verzichtet also nicht nur auf ein religi\u00f6ses oder politisches Symbol, wenn sie sich den Unterdr\u00fcckungsstrategien des Staates f\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Europ\u00e4ische Gerichtshof hat f\u00fcr Arbeitgeber bereits die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen, Frauen mit Kopftuch abzulehnen oder ihnen zu k\u00fcndigen, wenn alle religi\u00f6sen und politischen Symbole am Arbeitspatz verboten werden. Es ist ein Kopftuchverbot durch die Hintert\u00fcr, wenn man die Tatsachen verdreht und das Kopftuch auf ein Symbol reduziert. In der Praxis betrifft das Urteil nur die muslimische Frau. Soll sie aber deshalb keine Ausbildung mehr machen oder nicht mehr studieren, weil sie mit Kopftuch keine Arbeit bekommt \u2013 au\u00dfer sie bewirbt sich um eine Putzstelle? Ist das die Entwicklung, die der Staat f\u00f6rdern will, indem er das Kopftuch verbietet? Dann w\u00fcrde zumindest das Weltbild des Herrenmenschen wieder stimmen, wenn die Frau mit Kopftuch nur Toiletten putzen darf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber so weit l\u00e4sst es die muslimische Frau nicht kommen, da sie das Tragen des Kopftuchs als islamisches Gebot versteht. Bei allem Druck von au\u00dfen wird die Mehrheit das Kopftuch nicht ablegen und sich auf Klischees festlegen lassen. Vor allem distanzieren wir uns von der Meinung, dass das Kopftuch ein religi\u00f6ses oder politisches Symbol sei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher symbolisierte der Halbmond den Islam, das Kreuz das Christentum und der Davidstern das Judentum. 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