{"id":10284,"date":"2018-06-29T00:00:00","date_gmt":"2018-06-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10284"},"modified":"2018-06-29T00:00:00","modified_gmt":"2018-06-28T22:00:00","slug":"der-islam-in-den-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10284","title":{"rendered":"Der Islam in den Medien"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Muslime haben grunds\u00e4tzlich keinen Einfluss auf das Islambild der Mehrheitsgesellschaft. Es sind haupts\u00e4chlich die Medien, die das \u00f6ffentliche Meinungsbild in Bezug auf den Islam pr\u00e4gen. Diejenigen, die ihr Wissen \u00fcber den Islam nicht aus den Medien sch\u00f6pfen, sind in der Minderheit. Muslime k\u00f6nnen nicht jedermanns Nachbar, Freund oder Arbeitskollege sein, um ein anderes Islambild zu vermitteln. Und am Ende ist man doch nur der Ausnahmemuslim, damit das von den Medien gepr\u00e4gte Islambild nicht aufgegeben werden muss. Solange also die westlichen Medien die Informationsquelle sind, kann das Islambild in der \u00d6ffentlichkeit nur negativ sein. Man darf sich folglich \u00fcber das herrschende Bild \u00fcber den Islam \u00e4rgern, man darf sich dar\u00fcber aber nicht wundern oder sich die Frage stellen: Was machen wir Muslime nur falsch, dass die Mehrheitsgesellschaft so ein schlechtes Bild von uns und unserem Glauben hat?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Journalisten sind nicht gerade Koryph\u00e4en auf dem Gebiet des Islam. Kai Hafez, Politik- und Medienwissenschaftler sowie Mitglied der Islamkonferenz zwischen 2006 und 2009, sagte auf der Islamkonferenz 2006: \u201eDeutsche Massenmedien sollten sich in jedem Fall bem\u00fchen, ihre Informationsquellen zu erweitern. Der deutsche Journalismus ist, was den Islam betrifft, in weiten Teilen noch immer ein \u201aAbschreibejournalismus\u2018. Journalisten schreiben von Nachrichtenagenturen ab oder sie schreiben voneinander ab. Von den Reportagen und Berichten einer durchaus begrenzten Anzahl von Auslandskorrespondenten abgesehen, verf\u00fcgt der deutsche Journalismus \u00fcber viel zu wenig authentische Quellen in der islamischen Welt, die er neben dem \u00fcblichen Material westlicher Nachrichtenagenturen in die t\u00e4gliche Arbeit einbringt.\u201c Wenn es also um das Thema Islam geht, ist die journalistische Leistung ziemlich nachl\u00e4ssig und von schlechter Qualit\u00e4t. In Bezug auf den Islam haben Journalisten scheinbar keinen Anspruch auf guten Journalismus. Warum sollte sich ein Journalist auch die M\u00fche machen, sich Wissen \u00fcber den Islam anzueignen, um ein objektives Islambild zu gewinnen und zu vermitteln, wo doch die Nachfrage nach einem negativen Islambild besteht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fr\u00fcher waren die Orientalistik und die Auslandsberichterstattung die Informationsquellen. Die Berichterstattung \u00fcber den Islam und die Muslime in Deutschland \u2013 in der Vergangenheit wurden sie nur als Ausl\u00e4nder wahrgenommen \u2013 kam erst sp\u00e4ter hinzu und war im Grunde schon voreingenommen durch das Islambild, das sich aus der Auslandsberichterstattung ergab. Denn die Berichterstattung \u00fcber die islamische Welt war haupts\u00e4chlich eine Krisen- und Kriegsberichterstattung, z. B. wenn \u00fcber den Nahen Osten berichtet wurde. Die Verkn\u00fcpfung zwischen Islam und Gewalt war damit hergestellt. Erg\u00e4nzt wurde das Ganze noch durch die Thematik der Unterdr\u00fcckung der Frau. Das Thema Islam in den Medien war damit determiniert. Man versteifte sich auf die Bereiche Gewalt und Unterdr\u00fcckung. Alles, was in den Medien \u00fcber den Islam berichtet wird, dreht sich um genau diese beiden Aspekte, deren Verkn\u00fcpfung mit dem Islam wie selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt wird, ohne sie zu hinterfragen. Der Islam und seine Inhalte sind niemals Thema oder von medialem Interesse, weil sie unspektakul\u00e4re Normalit\u00e4t muslimischen Alltags sind. Als dann schlie\u00dflich die in Deutschland lebenden Muslime von den Medien ins Visier genommen wurden, war das Islambild l\u00e4ngst gepr\u00e4gt und voller Klischees und Vorurteile. Die Medien f\u00fcgten das Thema Islam und Muslime in Deutschland in genau dieses schon vorgepr\u00e4gte negative Islambild ein. Der Kontext ist ausschlie\u00dflich Gewalt, Terror und Unterdr\u00fcckung. Die Medien vermitteln nicht, was der Islam ist, sondern bedienen nur die vorhandenen Vorurteile. Wer also die Massenmedien als Informationsquelle nimmt, dessen Horizont endet bei der Assoziation des Islam mit Gewalt in Form von Terror und mit der Unterdr\u00fcckung der Frau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie der Islam und die Muslime in Deutschland in der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen werden, bestimmen die Medien und nicht die Muslime mit ihrem aus westlicher Sicht positiven oder negativen Verhalten. Tr\u00e4gt die muslimische Frau beispielsweise ein Kopftuch, gilt sie zwangsl\u00e4ufig als unterdr\u00fcckt. Die Option, dass sie das Kopftuch freiwillig tr\u00e4gt, schlie\u00dft man von vornherein aus. Tr\u00e4gt sie es nicht, bleibt sie unglaubhaft, und man unterstellt ihr, sich zu verstellen. So steht in einem Artikel auf \u201eZeit Online\u201c \u00fcber die SPD-Staatssekret\u00e4rin Sawsan Chebli: \u201eWie nah steht die Berliner Staatssekret\u00e4rin Sawsan Chebli dem politischen Islam?\u201c Weiter hei\u00dft es: \u201eDie frisch gek\u00fcrte Staatssekret\u00e4rin Sawsan Chebli tritt ein, 38 Jahre alt, SPD-Mitglied, Politologin und \u2013 vor allem \u2013 praktizierende Muslimin.\u201c Der Artikel bel\u00e4sst es aber nicht dabei, den islamischen Glauben Cheblis in den Vordergrund zu r\u00fccken, obwohl es um ihr Amt als Staatsekret\u00e4rin geht, denn es hei\u00dft dar\u00fcber hinaus: \u201eSie ist gemeint, wenn der Publizist Hamed Abdel Samad vom \u201aTrojanischen Pferd des Islamismus in der SPD\u2018 spricht und die Lokalpresse von \u201aN\u00e4he zur Muslimbruderschaft\u2018 im Berliner Senat schreibt. Wie gef\u00e4hrlich also ist Sawsan Chebli?\u201c Fehlt im Grunde nur noch, dass man Chebli eine Verbindung zum IS oder al-Qaida zuschreibt. Die Muslime haben gar keine Chance, aus der Rolle des B\u00f6sen herauszukommen, die ihnen die Medien zugeschrieben haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die muslimische Frau, die \u00fcber den Grad der Putzfrau hinausgekommen ist, ist Stein des Ansto\u00dfes. Sie war \u00fcberhaupt kein Thema in den Medien, solange sich ihre Arbeit auf das Putzen von Toiletten beschr\u00e4nkte. Da st\u00f6rte das Kopftuch niemanden. Erst die Karriere machende Muslimin r\u00fcckte mit ihrem Kopftuch in den Fokus, d. h. die akademische bzw. die gut ausgebildete Muslimin. Pl\u00f6tzlich war da der Widerspruch: Die vermeintlich unterdr\u00fcckte muslimische Frau mit Kopftuch studiert oder macht eine Ausbildung und ergreift schlie\u00dflich einen Beruf. L\u00e4sst man das zu, zerst\u00f6rt dies das Bild von der unterdr\u00fcckten muslimischen Frau mit Kopftuch, an dem man hartn\u00e4ckig festhalten m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Thema Kopftuch hat sich in den Medien verselbstst\u00e4ndigt, und die Medien haben ihre Angriffe auf die muslimische Frau intensiviert. Das Kopftuch ist inzwischen zu einem Symbol f\u00fcr Islamismus geworden. Jetzt muss sich die muslimische Frau also nicht mehr nur f\u00fcr ihr Kopftuch rechtfertigen, sie muss inzwischen auch erkl\u00e4ren, dass sie nicht automatisch mit dem IS in Verbindung steht und Anschl\u00e4ge plant, wenn sie ein Kopftuch tr\u00e4gt. Das Kopftuch ist nicht mehr nur ein Symbol f\u00fcr Unterdr\u00fcckung, sondern auch f\u00fcr Gewalt und Terror in den Medien geworden. Die Medien schaffen es somit nicht nur, ein negatives Bild zu erzeugen, sondern dieses auch zu potenzieren, indem sie es noch negativer zeichnen. War die muslimische Frau fr\u00fcher lediglich das unterdr\u00fcckte Opfer des Islam, das zwangsverschleiert wurde, haben die Medien sie nun auch zur Bedrohung werden lassen. Der muslimischen Frau mit Kopftuch bleiben folglich nur zwei Optionen: Tr\u00e4gt sie das Kopftuch unfreiwillig, ist sie unterdr\u00fcckt, tr\u00e4gt sie es aus freien St\u00fccken, gilt sie als Islamistin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr noch: Will sich die muslimische Frau f\u00fcr ihr Recht, das Kopftuch zu tragen, einsetzen, unterstellen ihr die Medien gleich, auf Islamisten hereingefallen zu sein, wie bei der Twitter-Aktion #NichtohnemeinKopftuch. \u201eBento\u201c, ein Onlineformat des \u201eSpiegel\u201c, titelte am 21. April: \u201eMuslime wollen Zeichen f\u00fcr das Kopftuch setzen \u2013 und fallen auf Islamisten rein\u201c. Am 23. April ver\u00f6ffentlichte \u201eFocus Online\u201c einen Artikel unter dem Titel: \u201eIslamistische Organisation soll Twitter-Aktion zum Kopftuchstreit gesteuert haben\u201c. Die \u201eHuffington Post\u201c schrieb sogar in ihrer \u00dcberschrift zum Thema: \u201e#NichtohnemeinKopftuch: Dubiose Akteure kapern die Kopftuchdebatte\u201c. Das schmeckt den Medien nat\u00fcrlich gar nicht, dass ausnahmsweise andere die Kopftuchdebatte bestimmen und sie keinen Einfluss darauf haben. Da lassen sich die Medien ungern reinreden. Sie wollen die Oberhoheit \u00fcber das Thema behalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Leistung der Medien besteht insgesamt nicht darin, \u00fcber den Islam aufzukl\u00e4ren, sondern ein Feindbild zu erzeugen und zu verbreiten. Hierbei gibt es kaum einen Unterschied zwischen den sogenannten seri\u00f6sen und den restlichen Medien. Bez\u00fcglich des Islam scheint es einen Konsens der Medien zu geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Muslime haben grunds\u00e4tzlich keinen Einfluss auf das Islambild der Mehrheitsgesellschaft. Es sind haupts\u00e4chlich die Medien, die das \u00f6ffentliche Meinungsbild in Bezug auf den Islam pr\u00e4gen. 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