{"id":10287,"date":"2018-07-08T00:00:00","date_gmt":"2018-07-07T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10287"},"modified":"2018-07-08T00:00:00","modified_gmt":"2018-07-07T22:00:00","slug":"der-islam-in-den-medien-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10287","title":{"rendered":"Der Islam in den Medien (2)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Islambild entsteht nicht nur durch das, was die Medien \u00fcber den Islam und die Muslime zeigen, sondern im Wesentlichen auch durch das, was sie nicht oder nur am Rande bringen. Das Prinzip besteht also darin, den Teil des Islam auszublenden, der ihn tats\u00e4chlich ausmacht, und stattdessen den Fokus auf all das zu richten, was in irgendeiner Form mit Gewalt und Unterdr\u00fcckung in Zusammenhang steht und mit dem Islam verkn\u00fcpft werden kann. Wichtig ist hierbei, dass man dieses Bild durch Wiederholung festigt. So hatte schon der Philosoph und Psychologe William James festgestellt: \u201eNichts ist zu absurd, dass es nicht geglaubt w\u00fcrde, wenn es nur oft genug wiederholt worden ist!\u201c So gut wie alles kann glaubhaft vermittelt werden, wenn man es nur oft genug wiederholt. In der Wiederholung liegt eine wesentliche Strategie der Medien, ein bestimmtes Bild in der \u00f6ffentlichen Meinung zu pr\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erkl\u00e4rt auch, warum bei einem T\u00e4ter die Religionszugeh\u00f6rigkeit regelm\u00e4\u00dfig Erw\u00e4hnung findet, wenn es sich um einen Muslim handelt, auch wenn die Tat keinen Bezug zum Islam hat. Bei einem T\u00e4ter mit christlichem oder j\u00fcdischem Glauben w\u00fcrde man sich wundern, wenn der Glaube in den Medien Erw\u00e4hnung f\u00e4nde. Der T\u00e4ter XY ist Christ h\u00f6rt sich ungewohnt und fehl am Platz an. Man w\u00fcrde sich fragen, warum die Glaubenszugeh\u00f6rigkeit \u00fcberhaupt erw\u00e4hnt wird. So muss nat\u00fcrlich der Eindruck in der \u00d6ffentlichkeit entstehen, dass unter Muslimen die Kriminalit\u00e4tsrate h\u00f6her ist als unter Nichtmuslimen. Es reicht schon aus, von einem Migrationshintergrund des T\u00e4ters zu sprechen, um eine Assoziation mit dem Islam hervorzurufen. Selbst die Erw\u00e4hnung, dass einer Tat kein islamisches Motiv zugrunde liegt, ruft die Vorstellung hervor, dass an sich die M\u00f6glichkeit eines islamischen Tatmotivs bestand. Das hei\u00dft, man geht zun\u00e4chst davon aus, dass die Tat einen islamischen Hintergrund hat, und schlie\u00dft dies erst im zweiten Schritt aus. Die Medien warten bei einer Tat also nicht ab, sondern stellen sofort die Frage in den Raum, ob eine Tat einen islamischen Hintergrund hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ja nicht so, dass es von den Muslimen nichts Positives zu berichten g\u00e4be, aber die Medien lassen das Positive bewusst weg. So wird die muslimische Frau immer nur im Zusammenhang mit Unterdr\u00fcckung erw\u00e4hnt. Verglichen mit Deutschland ist aber z. B. der Anteil an Professorinnen in \u00c4gypten und in der T\u00fcrkei h\u00f6her. Ein anderes Beispiel sind die Frauen im Iran, die erst nach der Islamischen Revolution das Wahlrecht bekamen. Auch ist der Anteil an Frauen an iranischen Universit\u00e4ten h\u00f6her als der von M\u00e4nnern. Warum berichten die Medien nicht ausnahmsweise dar\u00fcber? Sie erzeugen beispielsweise auch viel lieber ein Islambild \u00fcber den IS, nicht aber \u00fcber die Muslime, die im Arabischen Fr\u00fchling friedlich gegen Diktaturen demonstriert haben, etwa auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Medien picken sich bewusst das Negative heraus und unterschlagen das Positive, so dass kein Gesamtbild vom Islam entstehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus bieten die Medien keinerlei Hintergrundinformationen. Dass z. B. der IS das Ergebnis der politischen Situation ist, die der westliche Kolonialismus in der islamischen Welt geschaffen hat, wird bewusst unterschlagen. Wenn man sich n\u00e4mlich mit der historischen und politischen Entwicklung in der islamischen Welt befasst, kommt man zu einer v\u00f6llig anderen Bewertung des IS und seiner Verbindung zum Islam. Die Medien wollen, dass der IS mit dem Islam und den Muslimen gleichgesetzt wird, auch wenn sie in diesem Zusammenhang von Islamisten sprechen. Sie wollen keine Aufkl\u00e4rung und kein Islambild vermitteln, das der Realit\u00e4t entspricht, sondern im Islam eine Bedrohung aufrechterhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor allem die sogenannten \u201eseri\u00f6sen Medien\u201c scheinen sich auf das Feindbild Islam versteift zu haben, und zwar in solch einem Ma\u00dfe, dass sie inzwischen daf\u00fcr sogar in die Kritik geraten sind. Insbesondere die politischen Talkshows von ARD und ZDF thematisieren unaufh\u00f6rlich den Islam auf negative Weise und fokussieren auf Gewalt und Terror, Unterdr\u00fcckung der Frau, Intoleranz, Integrationsprobleme und nat\u00fcrlich Fl\u00fcchtlinge. Der Anteil der negativen Themen, die beim Themenkomplex Islam aufgegriffen werden, betr\u00e4gt 80 Prozent. Auf die Spitze getrieben hat es k\u00fcrzlich die ARD, als bei einem Themenabend am 6. Juni zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr der Film \u201eUnterwerfung\u201c gezeigt wurde, verfilmt nach dem Roman des franz\u00f6sischen Autors Michel Houellebecq. Darin geht es um die Islamisierung der westlichen Gesellschaft, nachdem ein Muslim Staatspr\u00e4sident wird. Nachdem man zun\u00e4chst mit dem Film bei den Zuschauern Panik verbreitet hat, l\u00e4sst man eine Diskussion mit Sandra Maischberger folgen mit dem Thema: \u201eIslamdebatte: Wo endet die Toleranz?\u201c Das ist die etwas entsch\u00e4rfte \u00dcberschrift, denn zuvor lautete das Thema der Sendung \u201eSind wir zu tolerant gegen\u00fcber dem Islam?\u201c, was suggeriert, dass die Muslime nicht dazugeh\u00f6ren. Auftreten durften dann die \u00fcblichen Protagonisten solcher gegen den Islam hetzenden Talkshows wie Julia Kl\u00f6ckner von der CDU oder aber Necla Kelek. Der Umgang mit dem Thema Islam ist bei Anne Will, Frank Plasberg und Maybrit Illner nicht anders. Mit ihren Talkshows legen sie einen negativen Blick auf den Islam fest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hetze in Talkshows, und wir reden hier vom vermeintlich seri\u00f6sen Polit-Talk, hat inzwischen so extreme Formen angenommen, dass der Deutsche Kulturrat sowie einige Medienjournalisten k\u00fcrzlich eine einj\u00e4hrige Talkshow-Pause forderten. Kritisiert wird die einseitige Themenauswahl sowie die Qualit\u00e4t der Talkshows. Olaf Zimmermann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Deutschen Kulturrats sagte: \u201eMehr als 100 Talkshows im Ersten und im ZDF haben uns seit 2015 \u00fcber die Themen Fl\u00fcchtlinge und Islam informiert und dabei geholfen, die AfD bundestagsf\u00e4hig zu machen.\u201c \u00dcber die bereits erw\u00e4hnte Sendung von Maischberger \u201eDie Islamdebatte: Wo endet die Toleranz?\u201c sagte Zimmermann: \u201eGestern Abend wurde in der Talkrunde im Ersten allen Ernstes schwerpunktm\u00e4\u00dfig \u00fcber das H\u00e4ndesch\u00fctteln als einen vermeintlichen Ausdruck deutscher Kultur debattiert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Medien haben auch einen Rassisten wie Thilo Sarrazin gro\u00df gemacht, der keine \u00f6ffentliche Beachtung gefunden h\u00e4tte, wenn die Medien sich nicht auf ihn und seine islamfeindlichen und menschenverachtenden Herrenmenschen-Thesen gest\u00fcrzt h\u00e4tten. Auf sein Buch \u201eDeutschland schafft sich ab\u201c aus dem Jahr 2010 w\u00e4re wohl niemand aufmerksam geworden, wenn die Medien es nicht unterst\u00fctzt h\u00e4tten. Schon vor der Ver\u00f6ffentlichung wurden im \u201eSpiegel\u201c und in der \u201eBild\u201c Ausz\u00fcge ver\u00f6ffentlicht. Sarrazins Buch wurde so zum meistverkauften gebundenen Sachbuch in der Geschichte der Bundesrepublik. Ohne die Unterst\u00fctzung der Medien h\u00e4tten Sarrazin und sein Buch wohl keinerlei Beachtung gefunden. Selbst wenn er nur als Talk-Gast eingeladen wurde, um seine Thesen anzuprangern, machten die Medien ihn ber\u00fchmt, indem sie ihn ins Rampenlicht stellten. Sie gaben ihm eine \u00f6ffentliche Plattform, um seine menschenverachtenden Ansichten in Bezug auf Muslime zu verbreiten. Sarrazin gilt als Anfangspunkt des Rechtspopulismus in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00d6ffentlichkeit wird \u00fcberflutet mit negativen Nachrichten \u00fcber den Islam und die Muslime. Razzien, die nach dem 11. September 2001 in Moscheen durchgef\u00fchrt wurden, wurden von den Medien stark in den Fokus gestellt. Eine repr\u00e4sentative Auswertung ergab, dass beispielsweise die \u201eN\u00fcrnberger Nachrichten\u201c im Jahr 2002 Razzien immer auf die Titelseite brachten. Obwohl sich die meisten der Polizeieins\u00e4tze als gegenstandslos herausstellten, wurde dar\u00fcber entweder gar nicht oder aber nur im Innenteil berichtet, so dass f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit der Eindruck entstehen musste, dass die Moscheen der Ausgangspunkt des Terrors seien. \u00dcber fremdenfeindliche Anschl\u00e4ge auf Moscheen, die es regelm\u00e4\u00dfig gibt, wird kaum bis gar nicht berichtet, oder aber die Medien unterschlagen das fremdenfeindliche Motiv des Anschlags, wenn dieser erw\u00e4hnt wird. Bis heute ist der Ruf von Moscheen in der \u00f6ffentlichen Meinung schlecht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die negative Berichterstattung \u00fcber den Islam ist aber nicht erst ein Ph\u00e4nomen des 11. September. Ignatz Bubis, der fr\u00fchere Vorsitzende des Zentralrats der Juden, f\u00fchlte sich 1999 bei dem Islambild an das Bild des Judentums im 19. und 20. Jahrhundert erinnert. Die Parallelen zum Antisemitismus sind augenscheinlich. Was den Antisemitismus betrifft, haben die Medien aber auch bewiesen, dass sie nicht nur ein Feindbild schaffen, sondern dieses auch wieder zur\u00fccknehmen k\u00f6nnen, wenn sie nur wollen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es unter anderem die Medien, die den Antisemitismus in der Bev\u00f6lkerung entsch\u00e4rften bzw. hierzu genutzt wurden. Was den Islam betrifft, tun sie aber gerade genau das Gegenteil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Islambild entsteht nicht nur durch das, was die Medien \u00fcber den Islam und die Muslime zeigen, sondern im Wesentlichen auch durch das, was sie nicht oder nur am Rande bringen.<\/p>\n","protected":false},"author":92,"featured_media":3181,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[638,1303,1716],"class_list":["post-10287","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-deutschland","tag-islam","tag-medien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10287","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/92"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10287"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10287\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3181"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10287"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10287"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10287"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}