{"id":10302,"date":"2018-08-30T00:00:00","date_gmt":"2018-08-29T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10302"},"modified":"2018-08-30T00:00:00","modified_gmt":"2018-08-29T22:00:00","slug":"metwo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10302","title":{"rendered":"#MeTwo"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eZwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust\u201c k\u00f6nnte man bei dem Hashtag #MeTwo fast meinen. Der Initiator Ali Can erkl\u00e4rte sein Hashtag wie folgt: \u201eMan kann wie ich zwei Identit\u00e4ten haben. Meine Heimat ist Deutschland, und ich bekenne mich zu unserer freiheitlich-demokratischen Ordnung. Gleichzeitig f\u00fchle ich mich aber auch mit den Menschen aus dem t\u00fcrkischen Dorf verbunden, in dem ich geboren wurde. Deshalb hei\u00dft das Stichwort ja auch #MeTwo, also IchZwei.\u201c Das suggeriert, dass ein Mensch mit Migrationshintergrund in Deutschland zwangsl\u00e4ufig zwei Identit\u00e4ten tr\u00e4gt und hin- und hergerissen ist zwischen diesen beiden Identit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jakob Augstein hat das Problem in seiner Spiegel-Kolumne \u201e\u00d6zil-Debatte und #MeTwo. Mimimi Muslime?\u201c auf den Punkt gebracht: \u201eDenn der Fall \u00d6zil und sehr viele der #MeTwo-F\u00e4lle handeln nicht von irgendeinem Rassismus. Es geht um die Islamfeindlichkeit in Deutschland. Und es geht nicht um irgendwelche Migranten. Es geht um die Muslime.\u201c Das hat auch die Beteiligung im Netz deutlich gemacht, denn die Schilderungen \u00fcber den erfahrenen Rassismus stammen von Muslimen. Nichtmuslime mit Migrationshintergrund f\u00fchlen sich von #MeTwo nicht angesprochen, weil sie diese Erfahrungen von Rassismus nicht machen, dem Muslime nahezu t\u00e4glich begegnen. Selbst konvertierte deutsche Muslime, die keinen Migrationshintergrund haben, bekommen diesen Rassismus zu sp\u00fcren, der in Wahrheit nichts anderes ist als Islamfeindlichkeit. Ganz allgemein \u00fcber Rassismus zu diskutieren \u2013 und nicht einmal das wollen die meisten \u2013, erfasst die wahre Problematik nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem der \u201eDeutschen\u201c ist nicht, dass \u201eAusl\u00e4nder\u201c zwei Identit\u00e4ten tragen. Ihr Problem ist vielmehr, dass Muslime nur eine Identit\u00e4t haben, n\u00e4mlich die islamische, und dass sie nicht bereit sind, diese Identit\u00e4t aufzugeben. Dass eine Frau sich aufgrund ihres Glaubens auf eine bestimmte Art kleidet, kennt der \u201eDeutsche\u201c schon von den Nonnen, und zwar seit Jahrhunderten. Dass sich aber die muslimische Frau in ihrer Kleidung ebenfalls nach ihrem Glauben orientiert, wird als Angriff auf die freiheitlich-demokratische Ordnung gewertet. Man unterstellt ihr, das Kopftuch als politisches Statement zu tragen. Das l\u00e4sst man die Muslima mit Kopftuch nicht nur in Politik und Medien, die gegen sie hetzen, sp\u00fcren, sondern vor allem auch im Alltag in unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ist z.&nbsp;B. der Feige, der Angst vor der Konfrontation hat und im Vorbeilaufen seinen Unmut gegen die verschleierte Muslima in sich hinein nuschelt. Und w\u00e4hrend man sich noch fragt, ob er gerade \u201eSchei\u00dfkopftuch\u201c gesagt hat, hat er schneller die Flucht ergriffen, als dass man ihn zur Rede stellen k\u00f6nnte. Der vermeintlich Empathische mit seinem gespielten Mitleid ist anders und setzt rhetorische Fragen ein, etwa bei Sommertemperaturen von gef\u00fchlten 40 Grad, w\u00e4hrend er selbst in seiner luftigen Kleidung, dennoch schwitzend, vor einem steht: \u201eIst Ihnen nicht warm?\u201c Da das klimatisierte Kopftuch noch nicht erfunden wurde, liegt die Antwort auf der Hand. Die Frage ist also v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig und soll uns nur vor Augen f\u00fchren, wie bl\u00f6d wir sind, uns bei solchen Temperaturen ein Kopftuch aufzusetzen. Diese Frage w\u00fcrde man wohl kaum dem Bankangestellten im Anzug stellen, dem es auch im Hochsommer nicht erlaubt ist, in kurzen Hosen und T-Shirt an seinem Arbeitsplatz zu erscheinen. Und da ist noch der Fordernde, der den Muslimen seine Wertvorstellungen unter die Nase reibt, nach denen er selbst nicht lebt, und ihnen klipp und klar macht, dass man sich in Deutschland anpassen m\u00fcsse. Er kann im gleichen Atemzug von Freiheit und von Anpassung sprechen, ohne dass ihm der Widerspruch bewusst w\u00e4re. Wenn wir unser Kopftuch tragen wollen, m\u00fcssten wir schon in unsere Heimat zur\u00fcck. Das Kopftuch h\u00e4tte in Deutschland nichts zu suchen, ganz nach dem Motto: \u201eDas machen wir hier nicht so.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht also im Grunde nur um eine Identit\u00e4t, n\u00e4mlich um die islamische. Muslime werden angefeindet, weil sie an dieser Identit\u00e4t festhalten wollen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Mesut \u00d6zil an den Pranger gestellt wurde, weil er Muslim ist. Schlie\u00dflich ist er nicht der Erste, der sich mit einem Diktator fotografieren lie\u00df. Die ganze Fu\u00dfball-WM 2018 stand im Zeichen einer Diktatur. Die gesamte franz\u00f6sische Nationalmannschaft sch\u00fcttelte dem russischen Diktator Wladimir Putin nach dem Sieg die Hand. Mehr noch, Lothar Matth\u00e4us lie\u00df sich mit dem Diktator ablichten und sagte dazu, dass er, bezugnehmend auf seine Frau, ein \u201ehalber Russe\u201c sei. \u201ePolitik und Sport lassen sich nicht trennen\u201c, erkl\u00e4rte er au\u00dferdem. Nicht auszumalen, welches freiheitlich-demokratische Erdbeben es in Deutschland gegeben h\u00e4tte, h\u00e4tte \u00d6zil sein Foto mit Erdo\u011fan so kommentiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Debatte um den Fall \u00d6zil sollte auf eine misslungene Integration gelenkt werden. Die Schuld liegt wieder einmal nicht bei einem islamfeindlichen Deutschland, sondern bei dem Muslim, der so unversch\u00e4mt ist, an seinem Islam festzuhalten. Die islamische Identit\u00e4t kann man nicht einfach wegintegrieren. Und mit welchem Recht \u00fcberhaupt? Warum kann ein \u00d6zil nicht Teil der deutschen Nationalmannschaft sein und gleichzeitig die Umra in Mekka vollziehen und Bilder posten, die ihn vor der Kabaa zeigen, ohne dass die Medien sich darauf st\u00fcrzen und seine Integration in Zweifel gezogen wird? Die Antwort ist einfach: Integration hei\u00dft Assimilation. Die Muslime lassen sich aber nicht assimilieren, ob es um das Tragen des Kopftuchs geht, das Verrichten des Gebets an Schulen und Universit\u00e4ten und \u00c4hnliches.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hashtag #MeTwo differenziert nicht zwischen Rassismus und Islamfeindlichkeit bzw. es gibt Islamfeindlichkeit als Rassismus aus. Der Italiener beispielsweise mag sich vielleicht aufgrund seiner Mentalit\u00e4t \u00fcber deutsches Spie\u00dfertum \u00e4rgern, aber er begegnet mit Sicherheit nicht der feindlichen Haltung, mit der Muslime in Deutschland konfrontiert werden. Das hat damit zu tun, dass sich seine Lebensanschauung und seine Lebensweise gar nicht von denen des Deutschen unterscheiden. Unterschiede in der Mentalit\u00e4t fallen da gar nicht ins Gewicht. Das gilt f\u00fcr den Griechen, den Spanier, den Franzosen, den Polen usw. gleicherma\u00dfen, solange es sich nicht um Muslime handelt. Sobald jemand aber zum Islam konvertiert, spielen seine nationalen Wurzeln gar keine Rolle mehr. Da wird die spanische Konvertitin genauso zur Zielscheibe der Islamfeindlichkeit wie die t\u00fcrkische oder arabische Muslima. Angriffe gegen sie richten sich dann nicht gegen ihre spanischen Wurzeln, sondern gegen ihren islamischen Glauben, der ihre Identit\u00e4t pr\u00e4gt. Deshalb sollte man nicht von Rassismus im Allgemeinen sprechen, sondern von Islamfeindlichkeit im Besonderen, die nichts damit zu tun hat, dass jemand zwei Identit\u00e4ten hat, sondern dass man, im Gegenteil, nur eine Identit\u00e4t tr\u00e4gt, n\u00e4mlich die islamische. Deshalb sollte das Hashtag #MeTwo eher #MeOne hei\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eZwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust\u201c k\u00f6nnte man bei dem Hashtag #MeTwo fast meinen. 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