{"id":10353,"date":"2019-02-13T00:00:00","date_gmt":"2019-02-13T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10353"},"modified":"2019-02-13T00:00:00","modified_gmt":"2019-02-13T00:00:00","slug":"die-juengsten-entwicklungen-in-syrien-angefangen-bei-erdogans-angekuendigtem-plan-zum-sturm-auf-ost-euphrat-bis-zu-trumps-ankuendigung-zum-truppenabzug-aus-syrien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10353","title":{"rendered":"Die j\u00fcngsten Entwicklungen in Syrien, angefangen bei Erdogans angek\u00fcndigtem Plan zum Sturm auf Ost-Euphrat bis zu Trumps Ank\u00fcndigung zum Truppenabzug aus Syrien"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center zentriert arabicfont wp-block-paragraph\"><strong>\u0628\u0633\u0645 \u0627\u0644\u0644\u0647 \u0627\u0644\u0631\u062d\u0645\u0646 \u0627\u0644\u0631\u062d\u064a\u0645<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center zentriert wp-block-paragraph\"><strong>Die j\u00fcngsten Entwicklungen in Syrien, angefangen bei Erdogans angek\u00fcndigtem Plan zum Sturm auf Ost-Euphrat bis zu Trumps Ank\u00fcndigung zum Truppenabzug aus Syrien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"unterstrichen wp-block-paragraph\"><strong>Frage<\/strong><strong>:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abermals k\u00fcndigte Erdogan eine Offensive auf die Region \u00f6stlich des Euphrat an, um sie dann doch wieder zu verschieben, woraufhin erneut von einem bevorstehenden Einmarsch die Rede war usw. Schlie\u00dflich eilte er nach Moskau, um in Kooperation mit Russland die k\u00fcnftigen Operationen zu besprechen, nachdem die Kurden in Manbij das syrische Regime um Schutz ersuchten. Mittenhinein platzte Trump mit der Ank\u00fcndigung, die US-Streitkr\u00e4fte aus dem Gebiet \u00f6stlich des Euphrat abziehen zu wollen, was die Frage aufwirft, wer die entstehende L\u00fccke schlie\u00dfen w\u00fcrde. Daraus ergibt sich folgende Fragestellung: Was steckt hinter dem unschl\u00fcssigen Verhalten Erdogans hinsichtlich der Invasion Ost-Euphrats? Sind diese Aktionen und \u00c4u\u00dferungen Erdogans mit den USA abgesprochen? Wenn nicht, w\u00fcrde es hei\u00dfen, dass es zwischen Trump und Erdogan politische Differenzen gibt? Und schlie\u00dflich: Welches Motiv steckt hinter dem (angek\u00fcndigten) US-Truppenabzug aus Syrien? F\u00fcr meine umfangreich gestellte Frage m\u00f6chte ich mich entschuldigen. <em>\u011eaz\u0101k All\u0101hu \u1e2bairan.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"unterstrichen wp-block-paragraph\"><strong>Antwort<\/strong><strong>:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei n\u00e4herer Betrachtung der Ereignisse, angefangen bei Erdogans Ank\u00fcndigung seines Plans zum Sturm auf Ost-Euphrat \u00fcber Trumps Mitteilung eines Abzugs aus Syrien bis zu den Ereignissen von heute, ergibt sich folgender Sachverhalt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erstens<\/strong>: Erdogans Politik folgt der politischen Linie der USA. Erdogan weicht keinen Millimeter von ihr ab. Die Erl\u00e4uterung dazu:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Der US-Beauftragte f\u00fcr Syrien, James Jeffrey, reiste am 07. Dezember 2018 nach Ankara, wo er sich mit t\u00fcrkischen Offiziellen traf. Dort legte er den US-Plan der n\u00e4chsten Etappe f\u00fcr Syrien vor, vor allem f\u00fcr Manbij und Idlib, und betonte, dass die Kooperation in Sachen Manbij das Modell f\u00fcr eine Befriedung Syriens geworden sei. Denn die \u201eSchaffung einer endg\u00fcltigen L\u00f6sung\u201c sei ohne \u201evertrauensw\u00fcrdige Kooperation\u201c zwischen den Vereinigten Staaten und der T\u00fcrkei nicht m\u00f6glich. Was die Zusammenarbeit mit den bewaffneten Kurden betrifft, erkl\u00e4rte er: \u201eWir versichern immer wieder, dass unsere Arbeit mit den Demokratischen Kr\u00e4ften Syriens gegen den IS tempor\u00e4r und taktisch war.\u201c (RT online, 08.12.2018) Vier Tage nach diesem Besuch gab Erdogan seine neuen Pl\u00e4ne zur Region \u00f6stlich des Euphrat bekannt. In einer vom Fernsehen \u00fcbertragenen Ansprache verk\u00fcndete der t\u00fcrkische Staatschef: \u201eWir werden innerhalb der n\u00e4chsten Tage mit Milit\u00e4roperationen beginnen, um Ost-Euphrat von Terroristen und Separatisten zu befreien.\u201c Er verwies dabei auf die von den YPG regierten Regionen.\u201c (BBC, 12.12.2018)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Nur Stunden nach der t\u00fcrkischen Ank\u00fcndigung einer neuen milit\u00e4rischen Operation in der Region \u00f6stlich des Euphrat wurden Verlautbarungen aus den USA ver\u00f6ffentlicht, in denen ein solches Vorgehen abgelehnt wurde und deren zentrale Quelle das Pentagon war. So machte Sean Robertson, offizieller Sprecher des Pentagon, in einer Stellungnahme deutlich, dass jede einseitige Milit\u00e4raktion im Nordosten Syriens, insbesondere in einem Gebiet, in dem wahrscheinlich amerikanische Milit\u00e4rangeh\u00f6rige zugegen sind, \u00e4u\u00dferst beunruhigend sei. \u201eJede Handlung dieser Art ist f\u00fcr uns inakzeptabel\u201c, so Robertson. (Al-Khaleej al-Jadeed, 13.12.2018) Mit diesem haupts\u00e4chlich aus dem Pentagon stammenden Widerstand und von Seiten prominenter Republikaner aus dem US-Senat stand die T\u00fcrkei zwei gegens\u00e4tzlichen Positionen aus Washington gegen\u00fcber. Um den endg\u00fcltigen Standpunkt Washingtons abzuwarten, stellte die T\u00fcrkei daher ihre Pl\u00e4ne zun\u00e4chst auf Eis. Am 17. Dezember 2018 erkl\u00e4rte Erdogan, sein Land k\u00f6nne jederzeit eine neue Milit\u00e4roperation in Syrien starten. \u201eWir haben offiziell bekanntgegeben, dass wir eine Milit\u00e4roperation \u00f6stlich des Euphrat starten werden\u201c, erkl\u00e4rte er in einer Rede in der Provinz Konya im Zentrum der T\u00fcrkei. \u201eWir haben das mit Herrn Trump diskutiert. Seine Antwort war positiv\u201c, erg\u00e4nzte er. (Reuters, 17.12.2018)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Am Mittwoch, dem 19. Dezember 2018, k\u00fcndigte Pr\u00e4sident Trump unerwartet den Abzug der US-Truppen aus Syrien an. Grund sei, dass die Mission des dortigen Aufenthalts, den IS zu vertreiben, nun erf\u00fcllt sei. \u201eNach den historischen Siegen \u00fcber <em>Daesh<\/em> ist es an der Zeit, unsere gro\u00dfartigen Jungs nach Hause zu holen\u201c, erkl\u00e4rte er. (Sputnik, 20.12.2018) Der angek\u00fcndigte Abzug lie\u00df den Anschein erwecken, die USA w\u00fcrden anschlie\u00dfend in der Region \u00f6stlich des Euphrat das Feld der T\u00fcrkei \u00fcberlassen. Und Erdogans Pl\u00e4ne wurden umgehend reaktiviert. Laut gleicher Quelle entsandte das t\u00fcrkische Milit\u00e4r Verst\u00e4rkung zu seinen Einheiten im S\u00fcden des Landes, die nahe der Grenze zu Syrien stationiert waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. Trumps Ank\u00fcndigung zum Abzug aus Syrien l\u00f6ste unter Washingtons Politikern einen Sturm der Emp\u00f6rung aus. Prominente Mitglieder aus der republikanischen Partei sprachen sich gegen einen solchen Plan aus. Die Ank\u00fcndigung f\u00fchrte auch zum \u00fcberraschenden R\u00fccktritt des US-Verteidigungsministers. \u201eUS-Verteidigungsminister James Mattis reichte den R\u00fccktritt von seinem Amt ein. (\u2026) Mattis lie\u00df in seinem R\u00fccktrittsschreiben deutlich durchblicken, dass es zwischen ihm und Pr\u00e4sident Trump politische Differenzen gab.\u201c (BBC, 21.12.2018) Mit Blick auf die Verlegenheit in Washington lie\u00df Erdogan dann in einer in Istanbul gehaltenen Rede wissen: \u201eWir hatten in der vergangenen Woche beschlossen, eine Milit\u00e4roffensive \u00f6stlich des Euphrat zu starten. Wir telefonierten mit Pr\u00e4sident Trump und es wurden Telefongespr\u00e4che mit Diplomaten und Verantwortlichen der Sicherheitsdienste gef\u00fchrt. Von den USA wurden Erkl\u00e4rungen abgegeben. Das hat uns dazu veranlasst, noch einige Zeit zu warten.\u201c Er verdeutlichte: \u201eWir haben unsere Milit\u00e4roperation gegen die kurdischen K\u00e4mpfer \u00f6stlich des Euphrat verschoben, bis wir am Boden die Folgen des amerikanischen Entschlusses zum Abzug aus Syrien sehen.\u201c (Reuters, 22.12.2018)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach nur zwei Tagen ist klar geworden, dass der t\u00fcrkische Milit\u00e4reinsatz \u00f6stlich des Euphrat wieder in den Wartemodus zur\u00fcckgesetzt wurde. Denn diese Offensive ist abh\u00e4ngig davon, wie der Wind in Washington gerade weht, der den t\u00fcrkischen Milit\u00e4reinsatz entweder nach vorne bl\u00e4st oder zum Stillstand zwingt. Das Ank\u00fcndigen und Verschieben einer solchen Invasion hat mit amerikanischen Erfordernissen zu tun, wie aus Jeffreys Besuch und dem, was daraus folgte, hervorging. Mit anderen Worten: Die T\u00fcrkei verf\u00fcgt \u00fcber keine eigene Syrien-Politik, die losgel\u00f6st ist von Washingtons Anweisungen, was die T\u00fcrkei von einem Satellitenstaat fast auf die Ebene eines Vasallenstaates heruntergestuft hat. Oft hat das Regime in der T\u00fcrkei die Interessen der Amerikaner st\u00e4rker gewahrt als die eigenen, so wie im Falle der beiden Milit\u00e4roperationen \u201eSchutzschild Euphrat\u201c und \u201eOlivenzweig\u201c. Die roten Linien der USA blieben von der T\u00fcrkei stets unangetastet, so wie in Manbij, als sie mit der Operation \u201eSchutzschild Euphrat\u201c bis in Stadtn\u00e4he vorger\u00fcckt war und sich dann wieder in gr\u00f6\u00dfere Entfernung zur\u00fcckziehen musste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zweitens<\/strong>: Was das Motiv Trumps ist, die US-Truppen abzuziehen, l\u00e4sst sich aus der Darlegung folgender Aspekte verdeutlichen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Nach den (aus amerikanischer Sicht) entt\u00e4uschenden Interventionen sowohl in Afghanistan als auch im Irak, verteidigte der (damalige) US-Pr\u00e4sident Barack Obama in der Vergangenheit eine neue Form der Intervention, wonach eine Beteiligung amerikanischer Streitkr\u00e4fte reduziert bzw. ganz entfallen sollte. Er setzte auf die Einbindung von Verb\u00fcndeten, die ihre Soldaten f\u00fcr K\u00e4mpfe zur Verf\u00fcgung stellen sollten. Schon zu Beginn des Syrien-Konfliktes trommelten die Amerikaner ihre Getreuen aus der Region zusammen. Dazu geh\u00f6rten die T\u00fcrkei, der Iran und die L\u00e4nder des Golfkooperationsrates und daneben auch die Europ\u00e4ische Union, um ihnen einen Part bei der Niederschlagung der Revolution gegen Assad zu \u00fcbertragen. Und als das nicht ausreichte, bedienten sich die USA in aller \u00d6ffentlichkeit der Hilfe Russlands, um eine diplomatische L\u00f6sung \u00fcber den Weg der Genf-Abkommen herbeizuf\u00fchren. Dennoch haben sich die Amerikaner milit\u00e4risch nicht aus Syrien zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem Trump das Pr\u00e4sidentenamt \u00fcbernommen hatte, nahm er sich dieser Angelegenheit an, bis es am 19.12.2018 zur Bekanntgabe der Entscheidung kam, die Truppen abzuziehen. Trump rechtfertigte seine Entscheidung und meldete sich am 20.12.2018 mehrfach \u00fcber den Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort. Er l\u00f6se sein Wahlversprechen von 2016 ein, sich aus Syrien zur\u00fcckzuziehen. Die Vereinigten Staaten erledigten den Job anderer Staaten, darunter Russlands und des Iran, ohne nennenswerte Gegenleistung. Es sei h\u00f6chste Zeit, so Trump, dass andere k\u00e4mpfen. Russland, der Iran und andere seien der lokale Feind des IS. \u201eWir machen ihre Arbeit. H\u00f6chste Zeit f\u00fcr die R\u00fcckkehr in die Heimat und f\u00fcr den Neuaufbau.\u201c In einem Twitter-Eintrag, den er auf seinem offiziellen Account ver\u00f6ffentlichte, betonte Trump: \u201eGeplant war ein Aufenthalt von drei Monaten in Syrien. Das war vor sieben Jahren. Wir sind nie abgezogen.\u201c Und er erg\u00e4nzte: \u201eNachdem ich Pr\u00e4sident wurde, nahm die Grausamkeit des IS zu. Und nun ist er \u00fcbelst bezwungen worden. Jetzt sind die anderen L\u00e4nder wie die T\u00fcrkei an der Reihe, die \u00dcberbleibsel des IS mit Leichtigkeit zu vernichten. Wir kehren wieder heim.\u201c (Russia Today, 22.12.2018)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig dankte er Russland, dem Iran, dem syrischen Regime ebenso wie Erdogan daf\u00fcr, dass sie den USA mit der Idlib-Vereinbarung von Sotschi einen gro\u00dfen Dienst erwiesen, als sie diese am 18.09.2018 unterzeichneten \u2013 nicht ohne daran zu erinnern, dass er das Abkommens so wollte und sie seinem Wunsch nachkamen. Trump ist sehr wohl bewusst, dass Russland, der Iran und mit ihm die Hizbollah (die Iran-treue Partei im Libanon) und dessen Milizen einerseits sowie die T\u00fcrkei, Saudi-Arabien und deren Getreue aus den Reihen der Rebellengruppen andererseits bereit sind, f\u00fcr das gleiche Ziel zu k\u00e4mpfen, f\u00fcr das auch die Amerikaner k\u00e4mpfen. Und das besteht darin, den Sturz des Regimes zu verhindern und eine R\u00fcckkehr des Islam aufzuhalten. Darauf haben sie ihr Wort gegeben, sowohl hinter den Kulissen als auch auf \u00f6ffentlicher B\u00fchne im Rahmen der Abkommen von Genf, Astana und Sotschi, aber auch vor den Vereinten Nationen und in Form der Resolutionen des Sicherheitsrates. Dazu geh\u00f6rt vor allem die Resolution 2254, die von den USA eingereicht und einstimmig angenommen wurde. Alle betroffenen und auch andere Seiten fordern nun die Umsetzung der Resolution. Wir erw\u00e4hnten in einer Antwort auf eine Frage vom 29.07.2018:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Auch k\u00f6nnte man sich auf regionale M\u00e4chte zur \u201eFriedenssicherung\u201c st\u00fctzen. So k\u00f6nnten \u00e4gyptische, saudische oder t\u00fcrkische Truppen zu diesem Zweck angefordert werden. \u00dcbrigens ist dieser Vorschlag nicht neu.(&#8230;) An der Vorstellung der Amerikaner, dass eine L\u00f6sung in Syrien ausl\u00e4ndische Truppen erforderlich mache, hat sich trotz der milit\u00e4rischen Erfolge Baschar al-Assads nichts ge\u00e4ndert. (\u2026) D<em>ie Trump-Regierung plane, amerikanische Streitkr\u00e4fte in Syrien durch arabische zu ersetzen, um eine gewisse Stabilit\u00e4t im Nordosten des Landes nach dem Sieg \u00fcber den IS aufrechtzuerhalten.<\/em><\/em><em>\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau das hat Trump in seinen j\u00fcngsten \u00c4u\u00dferungen angek\u00fcndigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Entsprechend seiner Gesch\u00e4ftsmentalit\u00e4t wird das Denken Trumps von Gewinn- und Verlustrechnung beherrscht: Er will die Ausgaben f\u00fcr die amerikanischen Truppen einsparen und die Staatskasse der USA entlasten. Dabei hatten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate schon den Gro\u00dfteil der Kosten f\u00fcr die kurdischen K\u00e4mpfer und deren Bewaffnung \u00fcbernommen und sich finanziell an den Eins\u00e4tzen der internationalen Koalition beteiligt. \u201eDas K\u00f6nigreich Saudi-Arabien und die Emirate sind laut Medienberichten, die von einer Unterst\u00fctzung Saudi-Arabiens f\u00fcr die syrischen Kurden an der t\u00fcrkischen Grenze sprachen, in letzter Zeit zu den wichtigsten \u201eSoft-Power-Akteuren\u201c in Syrien geworden. (Misr al-Arabiya, 04.12.2018) Von saudischer Seite teilte man am 14.12.2018 mit, f\u00fcr die Ausgaben der US-gef\u00fchrten internationalen Allianz eine Rechnung beglichen zu haben. So erkl\u00e4rte auch die Sprecherin des US-Au\u00dfenministeriums Heather Nauert, Saudi-Arabien habe eine Rechnung von 100 Millionen Dollar \u00fcbernommen, w\u00e4hrend die Emirate versprachen, einen Betrag von 50 Millionen Dollar f\u00fcr die neue Finanzierung zur Verf\u00fcgung zu stellen. (Khaleej online, 17.12.2018). Und dennoch: Trump will, dass die Kosten f\u00fcr seine Truppen, sowie f\u00fcr deren Verlegung und Ausr\u00fcstung komplett \u00fcbernommen werden. Diese Ausgaben bilanziert er schlie\u00dflich in seinen Gesch\u00e4ftsb\u00fcchern als Verluste. Und daher sollen andere diese Last tragen. In seinen Erkl\u00e4rungen verheimlicht er das nicht, sondern spricht es offen aus. So zitiert ihn Reuters am 20.12.2018 kurz nach Ank\u00fcndigung des Abzugs aus Syrien mit den Worten: \u201eWollen die Vereinigten Staaten die Polizei des Nahen Ostens sein und nichts anderes erreichen, als kostbare Leben zu opfern und Billionen von Dollar f\u00fcr die Verteidigung anderer auszugeben, die es meist nicht zu sch\u00e4tzen wissen, was wir leisten? Wollen wir dort ewig bleiben? H\u00f6chste Zeit, dass andere k\u00e4mpfen.\u201c Aus all diesen Fakten geht hervor, dass, wenn es nach dem Willen Amerikas ginge, US-Kriege von anderen gef\u00fchrt werden sollen. Vergossen werden soll das Blut anderer und nicht das der Amerikaner. Auch das Geld soll aus den Geldh\u00e4hnen anderer flie\u00dfen und nicht aus denen der USA.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Trump m\u00f6chte, dass sich die verschiedenen Seiten mit der politischen L\u00f6sung besch\u00e4ftigen, und zwar so wie die USA sie haben wollen, also nicht \u00fcber den milit\u00e4rischen Weg &#8211; zumindest nicht unter den derzeitigen Bedingungen. Und das hat Trump, als er die Gro\u00dfoffensive der Russen und des Regimes Richtung Idlib gestoppt hatte, in die Tat umgesetzt. Denn zuallererst wollte er die von den USA angestrebte politische L\u00f6sung in trockenen T\u00fcchern wissen. Das hatten wir bereits in unserer Antwort auf die Frage vom 22.09.2018 ausgef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Diese US-Politik ist den Russen mittlerweile bewusst geworden. Und m\u00f6glicherweise haben sie erkannt, dass Amerika sie in diese Lage gebracht hat. In der Tat hat sich Russland in Syrien festgefahren und kommt ohne Amerikas Erlaubnis von dort nicht raus. Amerika hat alle M\u00f6glichkeiten der Einflussnahme in Syrien in der Hand. Daher war es den Russen nicht m\u00f6glich, die Offensive, die sie zur Beendigung der Idlib-Krise auf ihre eigene Weise vorbereitet hatten, zu vollenden. Denn die T\u00fcrkei war, auf Veranlassung der USA, dagegen. Und der Iran schwieg. Und so scheiterte der Iran-Gipfel vom 07.09.2018, der den Russland-Pl\u00e4nen zum Durchbruch verhelfen sollte, n\u00e4mlich Idlib zu st\u00fcrmen und die Krise nach russischer Art zu beenden. Nur wenige Tage sp\u00e4ter kam es zum Putin-Erdogan-Gipfel und anstelle der Offensive sollten nun demilitarisierte Zonen eingerichtet werden. Amerikas Segen hatten sie. Die russische Nachrichtenagentur Novosti zitierte am 18.09.2018 einen Verantwortlichen aus dem US-Au\u00dfenministerium: \u201eWir begr\u00fc\u00dfen es und ermutigen Russland und die T\u00fcrkei dazu, praktische Schritte zu ergreifen, um eine milit\u00e4rische Offensive der Regierung Assads und seiner Verb\u00fcndeten auf die Provinz Idlib zu verhindern (\u2026).\u201c Damit stoppten die Russen ihre Luftangriffe auf Idlib. Auch ihre Schiffe, die sich zu Milit\u00e4r\u00fcbungen im Mittelmeer befanden, wurden abgezogen. Doch noch immer beschw\u00f6rt Russland (direkt oder indirekt \u00fcber die T\u00fcrkei) die Amerikaner, die Entscheidung \u00fcber Idlib milit\u00e4risch herbeif\u00fchren zu d\u00fcrfen, bevor es an die politische L\u00f6sung geht. Die USA jedoch dr\u00e4ngen ihrerseits auf eine politische L\u00f6sung noch vor irgendeiner milit\u00e4rischen Entscheidung in Idlib. Denn dann h\u00e4tten sie ein Pfand in der Hand, um Russland wegen seiner Milit\u00e4rbasen in Syrien zu erpressen. Daf\u00fcr w\u00fcrde man die Oppositionskr\u00e4fte veranlassen, im Falle einer politischen L\u00f6sung das Thema Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte auf den Tisch zu bringen. Mit anderen Worten: Die t\u00fcrkischen Bem\u00fchungen und damit die der USA zur Verhinderung der russischen Offensive auf Idlib dienen in erster Linie den Interessen der USA. Der T\u00fcrkei ging es nicht darum, das Regime am Vormarsch nach Idlib zu hindern oder die Zivilbev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen. Vielmehr wird der T\u00fcrkei und den USA, sobald die gew\u00fcnschte amerikanische L\u00f6sung in der Realit\u00e4t umgesetzt worden ist und die Russen sich dieser L\u00f6sung gef\u00fcgt haben, das Blut in Idlib ziemlich egal sein, sei es das Blut der Zivilisten oder Nicht-Zivilisten, in militarisierten oder entmilitarisierten Zonen. Die verschiedenen Regionen Syriens legen Zeugnis davon ab, die Verbrechen dieser M\u00e4chte eilen ihnen aus allen Gebieten voraus.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Entscheidung zum US-Truppenabzug treibt Trump die verschiedenen Seiten immer weiter in Richtung des Ziels, das er anstrebt. Er hat die T\u00fcrkei hinters Licht gef\u00fchrt, als er ihr vorgaukelte, sie werde das Vakuum ausf\u00fcllen, das die Amerikaner nach dem Abzug hinterlassen w\u00fcrden. Er versetzte die Kurden angesichts der Drohungen Erdogans in Angst und Schrecken, worauf sie sich eiligst an das syrische Regime wandten und dessen Schutz suchten; und dieses hatte nur darauf gewartet. Vor dem Hintergrund t\u00fcrkischer Drohungen gegen die Kurden marschierte nun das Regime mit seinen Truppen Richtung Manbij los. Da Russland aber das Regime unterst\u00fctzt und sich gleichzeitig mit der T\u00fcrkei einig ist, w\u00e4re es f\u00fcr die T\u00fcrkei zu heikel, den Kampf gegen das Regime in Manbij zu f\u00fchren &#8211; es sei denn, es erg\u00e4ben sich neue Konstellationen in der Region. Trump hat somit daf\u00fcr gesorgt, dass die verschiedenen Parteien keinen anderen Ausweg mehr sahen, als damit zu beginnen, Gespr\u00e4che \u00fcber eine L\u00f6sung zu f\u00fchren, und zwar so, wie Amerika sie haben will. Und so haben einige Seiten mit offenen, andere mit geheimen Gespr\u00e4chen begonnen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a) Die Sprecherin des russischen Au\u00dfenministeriums stellte klar, dass Washingtons Entschluss zum Truppenabzug aus Syrien zu einer umfassenden L\u00f6sung des Problems beitragen muss. Sie verwies au\u00dferdem darauf, dass es keine Klarheit \u00fcber den Zeitplan des Abzugs aus Syrien gebe. (Sputnik Arabi, 26.12.2018)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) Laut der Online-Zeitung \u201eal-Mudun\u201c wurde von Quellen versichert, dass die vor zwei Tagen angek\u00fcndigte Offensive, Manbij unter Kontrolle zu bringen, auf t\u00fcrkisches Verlangen vorerst gestoppt wurde. Sie wurde mit dem Ziel weiterer Verhandlungen aufgeschoben, die die T\u00fcrkei sowohl mit Russland als auch mit den USA f\u00fchren wolle. (Al-Mudun, 27.12.2018)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit war es Trump gelungen, das Engagement der verschiedenen Seiten auf eine L\u00f6sung (f\u00fcr die er mit seiner Ank\u00fcndigung zum Truppenabzug den Boden bereiten wollte) hinzudirigieren. Denn den Konfliktparteien steht keine andere L\u00f6sung f\u00fcr die Syrien-Krise zur Wahl als die Pl\u00e4ne der USA.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. Dar\u00fcber hinaus spielt ein entscheidender Faktor eine wichtige Rolle in Trumps \u00dcberlegungen, n\u00e4mlich die n\u00e4chsten Wahlen. Denn Trump ist vor Langem pers\u00f6nlich daf\u00fcr eingetreten, keine extern gef\u00fchrten Kriege mehr f\u00fchren zu wollen, ganz nach seinem Wahlmotto \u201eAmerica first\u201c (\u201eAmerika zuerst\u201c), das ihm dazu verholfen hat, die Pr\u00e4sidentschaftswahlen zu gewinnen. Aus einem Truppenabzug sowohl aus Syrien als auch aus Afghanistan w\u00fcrde er mit Blick auf die n\u00e4chsten Wahlen 2020 pers\u00f6nlich profitieren. Daher hat er ein starkes Interesse daran, die 2000 US-Soldaten aus Syrien (The Guardian, 19.12.2018) und 7000 aus Afghanistan (NPR, 21.12.2018) zur\u00fcckzuholen. Seine Popularit\u00e4t w\u00fcrde unter der amerikanischen Bev\u00f6lkerung allgemein steigen und es k\u00f6nnte ihm f\u00fcr eine Wiederwahl 2020 zugute kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Drittens<\/strong>: Trump hat seinen Vasallen und Getreuen mit seiner Entscheidung, die US-Truppen abzuziehen, immense Kopfschmerzen bereitet, noch bevor diese allm\u00e4hlich zur Umsetzung kommt. Sie k\u00f6nnte viele Monate in Anspruch nehmen, wenn sie \u00fcberhaupt ganz vollzogen wird. Betrachtet man sowohl zur\u00fcckliegende als auch gegenw\u00e4rtige Ereignisse genauer, wird offensichtlich, dass Trump seinen Vasallen und Gefolgsleuten nicht die geringste Bedeutung beimisst. Und wenn sie nur einen Funken Verstand bes\u00e4\u00dfen, so h\u00e4tten sie ihm l\u00e4ngst den R\u00fccken gekehrt. Doch den besitzen sie nicht. So benutzt er sie stets zur Durchsetzung seiner Pl\u00e4ne &#8211; auf erniedrigende und hinterlistige Art. Selbst Russland und Europa sind nicht davor gefeit:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Die Kurden, willf\u00e4hrige Handlanger der USA, verfielen dem Glauben, dass sie, weil die Amerikaner sie ausbildeten und bewaffneten, sich vom syrischen Staat lossagen und einen eigenen Staat errichten k\u00f6nnen, welcher dann unter US-Schutz stehen w\u00fcrde. Um des versprochenen Staates willen f\u00fchrten sie aus, was die USA von ihnen verlangten! In jedem Kampf, den die Amerikaner wollten, standen sie daher stets an vorderster Front. Ashton Carter, damaliger US-Verteidigungsminister, lobte die Demokratischen Kr\u00e4fte Syriens (DKS), einem von den USA organisierten Dachb\u00fcndnis kurdischer Verb\u00e4nde mit den Worten: \u201eSie haben bewiesen, dass sie bei der Bek\u00e4mpfung des IS am Boden hervorragende Partner f\u00fcr uns sind. Wir sind ihnen dankbar daf\u00fcr und wollen, dass es so weiterl\u00e4uft. Und wir erkennen die Komplexit\u00e4t ihrer Rolle in der Region an.\u201c (The Hurriyet Daily News, 18.03.2016) Die Kurden gingen somit davon aus, dass die USA sie weiterhin sowohl heimlich als auch offen unterst\u00fctzen w\u00fcrde. Die Worte Jeffreys, des US-Sondergesandten f\u00fcr Syrien, haben sie offensichtlich nicht aufhorchen lassen, als er sich zur Kooperation mit den bewaffneten Kurden folgenderma\u00dfen \u00e4u\u00dferte: \u201eWir sagen es immer wieder. Unser Vorgehen mit den Demokratischen Kr\u00e4ften Syriens gegen den IS ist vor\u00fcbergehend und taktisch.\u201c (RT online, 08.12.2018). Mehr noch: Die Kurden klammerten sich an ihr Vasallendasein und machten es den Amerikanern nur allzu leicht, sie als Werkzeug zu missbrauchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Amerikaner ihrerseits nehmen die Dienste der Kurden gern in Anspruch &#8211; f\u00fcr eigene, nicht f\u00fcr kurdische Interessen. Nachdem es amerikanische Interessen n\u00f6tig machten, sich zum Abzug aus Syrien zu entschlie\u00dfen und die Kurden schutzlos zur\u00fcckzulassen, scherten sich die Amerikaner nicht im Geringsten um kurdische Interessen. Das wiederum hat die Kurden in die Arme des Regimes getrieben, was von den USA durchaus gew\u00fcnscht war, damit das Regime auf Bitten der Kurden wieder in den Norden Syriens zur\u00fcckkehrt! \u201eDie F\u00fchrer der Kurden, die den Gro\u00dfteil Nordsyriens unter ihrer Kontrolle hatten und durch die Abzugspl\u00e4ne der USA aus der Region beunruhigt waren, dr\u00e4ngten Russland und seinen Verb\u00fcndeten aus Damaskus dazu, Truppen zum Schutz der Grenzen vor einem t\u00fcrkischen Eindringen zu entsenden. (\u2026) Der Appell der Kurden an die syrische Regierung, zu den Grenzen, die jahrelang der Verwaltung bewaffneter Kurden unterstanden, zur\u00fcckzukehren, offenbart die Dimension ihrer Krise, nachdem Trump \u00fcberraschend einen Truppenabzug ank\u00fcndigte.\u201c (Sputnik Arabi, 27.12.2018) F\u00fcr die Demokratischen Kr\u00e4fte Syriens war der pl\u00f6tzliche Entschluss zum Abzug der US-Truppen \u201eein Dolchsto\u00df in den R\u00fccken und ein Verrat an dem Blut tausender K\u00e4mpfer\u201c, wie es in einer ersten Stellungnahme am Mittwoch hie\u00df. Die syrische Beobachtungsstelle f\u00fcr Menschenrechte meldete unter Berufung auf Quellen, die sie als vertrauensw\u00fcrdig einstufte, dass F\u00fchrungspersonen im Verband der Demokratischen Kr\u00e4fte Syriens den Abzug der amerikanischen Truppen, sollte er tats\u00e4chlich stattfinden, als Dolchsto\u00df in den R\u00fccken der Demokratischen Kr\u00e4fte Syriens und der kurdischen Volksverteidigungseinheiten betrachteten.\u201c Diese hatten in den vergangenen Jahren und Monaten das gr\u00f6\u00dfte vom IS beherrschte Territorium unter ihre Kontrolle gebracht. Es handelt sich um die Region \u00f6stlich des Euphrat zusammen mit Manbij. (Tahrir News , 19.12.2018)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Auch die T\u00fcrkei ist in Verlegenheit geraten. Sie hatte angenommen, dass der Abzug der Amerikaner sie in die Position bringen w\u00fcrde, dieses Vakuum auszuf\u00fcllen, zumal die Entscheidung, die US-Truppen abzuziehen nach einem Telefonat Trumps mit Erdogan bekanntgegeben wurde. Russia Today berichtete am 19.12.2018: \u201eEin US-Offizieller enth\u00fcllte, dass der Entschluss des US-Pr\u00e4sidenten Trump zum US-Abzug aus Syrien einem Gespr\u00e4ch mit seinem t\u00fcrkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan folgte. Der US-Verantwortliche betonte am heutigen Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Entscheidung nach einem Telefonat zwischen Trump und Erdogan gefallen sei, welches dieser am Freitag gef\u00fchrt hatte. Die gleiche Quelle machte auch deutlich, dass \u201ealles, was danach geschah, gem\u00e4\u00df der Vereinbarung lief, die innerhalb dieses Telefongespr\u00e4chs getroffen wurde.\u201c In Bezug auf das Telefonat zwischen Erdogan und Trump zitierte die t\u00fcrkische Nachrichtenagentur \u201eAnadolu\u201c am 21.12.2018 Erdogan: \u201eTrump fragte uns: Seid ihr in der Lage, den IS auszumerzen?\u201c Erdogan antwortete: \u201eWir haben sie ausgemerzt und wir sind imstande, das auch k\u00fcnftig zu tun. Es reicht, wenn ihr uns die n\u00f6tige Hilfe auf logistischer Ebene leistet. Am Ende haben die Amerikaner begonnen, sich zur\u00fcckzuziehen. Jetzt ist unser Ziel, unsere diplomatischen Beziehungen zu ihnen auf gesunde Weise aufrechtzuerhalten.\u201c Und so ist die T\u00fcrkei davon ausgegangen, dass sie das Vakuum ausf\u00fcllen w\u00fcrde. Was jedoch passierte, war, dass das Regime aus Damaskus auf Ersuchen der Kurden hin in die Stadt Manbij einr\u00fcckte. \u201eRund 1000 Kr\u00e4fte des syrischen Regimes haben sich mit Panzern und schwerem Ger\u00e4t am Grenz\u00fcbergang at-Tayha versammelt. Rund 40 Soldaten des Regimes sind in das Dorf Ilyani im Nordosten von al-Arima einger\u00fcckt.\u201c (\u2026) (Al-Mudun, 27.12.2018)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 29.12.2018 begab sich eine aus dem Verteidigungsminister, dem Au\u00dfenminister und dem Stabschef bestehende Delegation aus der T\u00fcrkei nach Moskau, um den Sachverhalt zu er\u00f6rtern. Allerdings stellten die \u00c4u\u00dferungen einiger russischer Offizieller aus t\u00fcrkischer Sicht eine Provokation dar. Die Pressesprecherin des russischen Au\u00dfenministeriums Marija Sacharowa stellte am Mittwoch, den 27. Dezember, klar: \u201eTerritorien, die k\u00fcnftig von den amerikanischen Truppen verlassen werden, m\u00fcssen der Kontrolle syrischer Beh\u00f6rden unterstellt werden.\u201c Sie fuhr fort: \u201eHier entsteht eine prinzipielle Frage: \u201eWem wird die Kontrolle \u00fcber die von den Amerikanern zur\u00fcckgelassenen Territorien \u00fcbergeben? Es liegt nahe, dass das nach internationalem Recht die Regierung Syriens sein sollte (\u2026).\u201c Sacharowa hob hervor: \u201eWir stimmen unsere Ansichten und die Umsetzung einer konkreten Politik in Syrien eng mit unseren t\u00fcrkischen Kollegen ab, sowohl in der Au\u00dfenpolitik als auch bei milit\u00e4rischen Anti-Terror-Operationen\u201c (Al-Mudun, 27.12.2018) Der prominente republikanische Senator Lindsey Graham teilte mit, dass Trump sicherstellen werde, dass es nach dem US-Truppenabzug aus Syrien zu keinen Auseinandersetzungen zwischen der T\u00fcrkei und den YPG-K\u00e4mpfern kommt. Dem Nato-Partnerland T\u00fcrkei versicherte er, eine Pufferzone in der Region zu errichten, um t\u00fcrkische Interessen zu sch\u00fctzen. Der t\u00fcrkische Staat betrachtet die YPG als einen Ableger der Organisation PKK, die in der Region aktiv ist. (Arabi Post, 31.12.2918)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus hat die russische Armee die Arbeit des \u201eRussischen Koordinationszentrums f\u00fcr die Vers\u00f6hnung der Konfliktparteien in Syrien\u201c im Ort al-Arima in der Provinz Manbij wieder aufgenommen, nachdem sie sich von dort zur\u00fcckgezogen hatte. (Al-Mudun, 27.12.2018) Das alles waren und sind Barrieren f\u00fcr die T\u00fcrkei, die hofft, das entstehende Vakuum f\u00fcllen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Und selbst Russland, das ein relativ m\u00e4chtiger Staat ist, l\u00e4sst sich von den USA von einer Krise in die n\u00e4chste zerren. Den Russen ist bewusst, dass sie in die Falle Syriens hineingetappt sind, als sie nach einem Treffen, das zwischen Obama und Putin am 29.09.2015 stattfand, in dem Land milit\u00e4risch interveniert haben. Putin seinerseits hatte auf eine Aufhebung der nach der Krim-Annexion verh\u00e4ngten Sanktionen gehofft. Doch das ist nicht geschehen. Schlie\u00dflich wollten die Russen eine milit\u00e4rische Entscheidung hinsichtlich der Idlib-Frage herbeif\u00fchren, um sich der syrischen Last zu entledigen und aus diesem Debakel herauszukommen. Eine politische L\u00f6sung h\u00e4tte sich dann weit in die L\u00e4nge ziehen k\u00f6nnen, was die Russen nicht gek\u00fcmmert h\u00e4tte, solange sie von der B\u00fcrde milit\u00e4rischer Aktionen befreit gewesen w\u00e4ren. Doch die Amerikaner, die zuallererst eine politische L\u00f6sung wollten, wussten das zu verhindern. Auch das legten wir in unserer oben erw\u00e4hnten Antwort auf eine Frage vom 22.09.2018 dar: <em>Damit stoppten die Russen ihre Luftangriffe auf Idlib. Auch ihre Schiffe, die sich zu Milit\u00e4r\u00fcbungen im Mittelmeer befanden, zogen sie wieder ab. Doch noch immer beschw\u00f6ren die Russen (direkt oder indirekt \u00fcber die T\u00fcrkei) die Amerikaner, die Entscheidung \u00fcber Idlib milit\u00e4risch herbeif\u00fchren zu d\u00fcrfen, bevor es an die politische L\u00f6sung geht. Die USA jedoch dringen ihrerseits auf die politische L\u00f6sung, noch vor irgendeiner milit\u00e4rischen Entscheidung in Idlib. Denn dann h\u00e4tten sie ein Pfand in der Hand, um Russland wegen seiner Milit\u00e4rbasen in Syrien zu erpressen. Daf\u00fcr w\u00fcrde man die Oppositionskr\u00e4fte veranlassen, im Falle der politischen L\u00f6sung das Thema Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte auf den Tisch zu bringen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung Trumps zum Abzug verschlimmerte das Ganze noch. Russland geriet in Manbij und in den \u00fcbrigen kurdischen Gebieten \u00f6stlich des Euphrat zwischen die Fronten des Regimes und der T\u00fcrkei. Auf der einen Seite st\u00fctzt Russland das syrische Regime. Auf der anderen Seite gibt es die t\u00fcrkisch-russischen Vereinbarungen. Gleichzeitig r\u00fccken sowohl t\u00fcrkische als auch syrische Truppen immer n\u00e4her und Russland ist mittendrin. Das w\u00fcrde Russland wiederum in eine Zwickm\u00fchle bringen, sollten K\u00e4mpfe ausbrechen. Und so treibt Amerika die Russen von einer brenzligen Lage in die n\u00e4chste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. Was die Europ\u00e4er betrifft, von denen sich einige der internationalen Allianz angeschlossen hatten, so w\u00fcrde ein Abzug Amerikas auch sie in Bedr\u00e4ngnis bringen. Alleine dort zu bleiben, w\u00e4re f\u00fcr sie nicht m\u00f6glich. Sie h\u00e4tten es gerne gesehen, dass Amerika weiter in Syrien bleibt und sich dort abstrampelt, und nicht, dass die Amerikaner ihnen aus sicherer Entfernung zusehen. Daher kritisierten sie den Entschluss zum Abzug und prangerten ihn an. Der Sprecher der britischen Premierministerin erkl\u00e4rte: \u201eDie internationale Anti-IS-Allianz hat gro\u00dfe Fortschritte gemacht. Doch es gibt noch viel zu tun. Wir d\u00fcrfen die Gefahr, die der IS auch ohne Territorium darstellt, nicht untersch\u00e4tzen. Er ist noch immer eine Bedrohung. (Euronews, 19.12.2018) Diese \u00c4u\u00dferung entkr\u00e4ftet das Argument Trumps, das er als Rechtfertigung f\u00fcr den Abzug vorgebracht hatte. Auch der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron kritisierte die Entscheidung Trumps, die US-Soldaten aus Syrien abzuziehen und monierte, dass \u201eein B\u00fcndnispartner vertrauensw\u00fcrdig sein muss\u201c. Aus der Hauptstadt Tschads N&#8217;Djamena teilte er mit, dass er gro\u00dfes Bedauern versp\u00fcre, angesichts des Entschlusses, den Trump in Bezug auf Syrien gefasst hat. \u201eEin Verb\u00fcndeter zu sein, hei\u00dft, Seite an Seite zu k\u00e4mpfen\u201c, so Macron. Das tue Frankreich mit dem Tschad im Kampf gegen die bewaffneten Jihadisten-Gruppen. (BBC, 23.12.2018)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Viertens<\/strong>: Es schmerzt, dass die kolonialistischen Ungl\u00e4ubigen \u00fcber unsere Angelegenheiten bestimmen. Sie treffen die Entscheidungen und die Regenten der islamischen L\u00e4nder f\u00fchren sie aus, ohne sich vor Allah, dem Erhabenen und Weisen, und vor dem Gesandten (s) zu sch\u00e4men. Immer wenn ihnen die Wahrheit aufgezeigt wird, wenden sie sich von ihr ab, aus Gef\u00e4lligkeit ihren Herren gegen\u00fcber, damit diese sie in ihren \u00c4mtern belassen. Sie schauen nicht darauf, was ihresgleichen passiert ist: Nachdem sie ihren Part erf\u00fcllt hatten, wurden sie von ihren Herren entsorgt. Sie haben sich ihr eigenes Verderben geschaffen, im Diesseits wie im Jenseits, denn sie haben sich von der Wahrheit, die ihnen gezeigt wurde, entfernt:<\/p>\n\n\n\n<section class=\"wp-block-kommy-quran-block\"><p class=\"quran-block-arabic\"><span>\ufd3f<\/span><span class=\"quran-block-arabic-content\">\u0648\u064e\u0647\u064f\u0645\u0652 \u064a\u064e\u0646\u0652\u0647\u064e\u0648\u0652\u0646\u064e \u0639\u064e\u0646\u0652\u0647\u064f \u0648\u064e\u064a\u064e\u0646\u0652\u0623\u064e\u0648\u0652\u0646\u064e \u0639\u064e\u0646\u0652\u0647\u064f \u0648\u064e\u0625\u0650\u0646\u0652 \u064a\u064f\u0647\u0652\u0644\u0650\u0643\u064f\u0648\u0646\u064e \u0625\u0650\u0644\u064e\u0651\u0627 \u0623\u064e\u0646\u0652\u0641\u064f\u0633\u064e\u0647\u064f\u0645\u0652 \u0648\u064e\u0645\u064e\u0627 \u064a\u064e\u0634\u0652\u0639\u064f\u0631\u064f\u0648\u0646\u064e<\/span><span>\ufd3e<\/span><\/p><p class=\"quran-block-trans-ref\"><span class=\"quran-block-translation\">Sie verbieten es anderen und halten sich selbst davon fern. Jedoch st\u00fcrzen sie sich (damit) nur selbst ins Verderben; allein, sie begreifen es nicht.<\/span><span class=\"quran-block-reference\"><span>[<\/span><span class=\"quran-block-reference-content\">6:26<\/span><span>]<\/span><\/span><\/p><\/section>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so werden sie ihr Diesseits als auch ihr Jenseits verlieren, und das ist wahrlich der offenkundige Verlust.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">23. Rab\u012b\u02bf al-\u0100\u1e2bir 1440 n.&nbsp;H.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">30. 12. 2018 n.&nbsp;Chr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frage: Abermals k\u00fcndigte Erdogan eine Offensive auf die Region \u00f6stlich des Euphrat an, um sie dann doch wieder zu verschieben, woraufhin erneut von einem bevorstehenden Einmarsch die Rede war usw.<\/p>\n","protected":false},"author":45,"featured_media":12248,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[777,802,1977,2519,2614],"class_list":["post-10353","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politische-fragen-und-antworten","tag-erdogans-2","tag-euphrat","tag-ost","tag-syrien","tag-truppenabzug"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10353","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/45"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10353"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10353\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12248"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10353"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10353"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10353"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}