{"id":10370,"date":"2019-04-01T00:00:00","date_gmt":"2019-03-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10370"},"modified":"2019-04-01T00:00:00","modified_gmt":"2019-03-31T22:00:00","slug":"christchurch-wenn-muslime-die-opfer-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10370","title":{"rendered":"Christchurch: Wenn Muslime die Opfer sind"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Anschlag auf zwei Moscheen im neuseel\u00e4ndischen Christchurch am 15. M\u00e4rz geht in die Geschichte Neuseelands ein. Ein Land, in dem nicht einmal die Premierministerin Personenschutz ben\u00f6tigt. Es war ein Attentat im Livestream, das man im ersten Moment f\u00fcr einen Ego-Shooter hielt, bis man schlie\u00dflich realisierte, dass es keine virtuellen Figuren, sondern reale Menschen waren, die tot zusammenbrachen. Die Opfer waren durchweg Muslime aller Altersgruppen, Kinder inbegriffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie w\u00fcrde nun die westliche Welt angesichts dieses menschenverachtenden Terroranschlags reagieren, der nicht nur einen rassistischen, sondern einen tief verwurzelten islamfeindlichen Hintergrund hat? Dies fragten sich viele Muslime. Bei Anschl\u00e4gen, die von Muslimen ver\u00fcbt werden, l\u00e4uft es in der Regel nach folgendem Muster ab: Der T\u00e4ter wird erschossen und westliche Politiker verurteilen das Attentat als einen Anschlag auf die Demokratie und die westlichen Werte. Sie sprechen dann f\u00fcr gew\u00f6hnlich in der ersten Person Plural, um sich zu solidarisieren. Man projiziert Lichter auf irgendwelche Wahrzeichen und marschiert Hand in Hand durch die Stra\u00dfen. Gleichzeitig schlachten die Medien das Thema Islam aus und nutzen die Gelegenheit, das von ihnen verbreitete negative Bild von Muslimen in noch dunkleren Farben zu zeichnen. Diesmal sollte es aber anders sein, denn der T\u00e4ter war kein Muslim. Die Muslime waren diesmal die Opfer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ern\u00fcchterung kam schnell, dass Muslime selbst als Opfer keine Gleichbehandlung erfahren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte auf den Anschlag mit folgenden Worten: \u201eDas ist ein Anschlag, der gegen Muslime gerichtet ist. Er ist damit auch ein Anschlag auf die neuseel\u00e4ndische Demokratie und auf die offene und tolerante Gesellschaft.\u201c Seit wann erf\u00e4hrt Demokratie eine nationale Zuordnung? Terroranschl\u00e4ge waren bisher immer Anschl\u00e4ge auf die Demokratie im Allgemeinen und nicht etwa auf die deutsche, die franz\u00f6sische oder aber die amerikanische Demokratie. Merkel vermied bewusst die Formulierung, dass es ein Angriff auf ihre Demokratie und auf ihre Werte sei. Sie sagte nicht \u201eunsere Werte\u201c, sondern sprach aus Kalk\u00fcl von den Werten Neuseelands, die sie lediglich teile: \u201eWir teilen diese Werte mit Neuseeland. Und damit teilen wir auch das Entsetzen und die Verurteilung dieser schrecklichen Tat.\u201c Merkel h\u00e4tte auch sagen k\u00f6nnen: \u201eWenn x=2 ist, dann ist 5+x=7.\u201c Sie schafft eine Distanz zu den muslimischen Opfern und verhindert eine Identifikation der Menschen mit ihnen. Deutschland ist nur insofern betroffen, als man die Werte Neuseelands teilt. Die \u201eVerurteilung dieser schrecklichen Tat\u201c erfolgt somit nicht, weil 50 Muslime starben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Merkel verdrehte zudem die Tatsachen. Denn die Demokratie und die Werte Neuseelands waren nicht Ziel des Anschlags. Es war ein gezielter Anschlag auf Muslime. Der Attent\u00e4ter w\u00e4hlte seine Opfer aufgrund ihres islamischen Glaubens aus und nicht wegen irgendwelcher demokratischen Werte. Es war auch nicht die Absicht des T\u00e4ters, Neuseeland anzugreifen und dem neuseel\u00e4ndischen Staat zu schaden. Im Gegenteil: mit seiner Tat wollte er die westliche Wertegemeinschaft, zu der ja auch Neuseeland geh\u00f6rt, vor einer vermeintlichen Islamisierung sch\u00fctzen. Weshalb sollte man sich als Muslim also anbiedern und den Neuseel\u00e4ndern mit den Worten kondolieren \u201eHeute sind wir alle Neuseel\u00e4nder\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Anschlag in Christchurch wurde offiziell als Tat eines Einzelt\u00e4ters abgehakt. Tats\u00e4chlich hat der Attent\u00e4ter aber ideologische Komplizen und diese sitzen in Europa und entziehen sich ihrer Verantwortung f\u00fcr die Tat, als h\u00e4tte ihre Hetze gegen den Islam und die Muslime nichts damit zu tun. Sie sind sogar mehr als Komplizen, ja Mitt\u00e4ter, weil sie den Hass gegen den Islam und die Muslime ges\u00e4t haben. Im Grunde fiel das Todesurteil gegen diese muslimischen Opfer in Europa und wurde in Neuseeland nur vollstreckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gegen die Muslime gerichtete und um sich greifende Populismus in Europa konnte nicht folgenlos bleiben. Der Zusammenhang zwischen der Antiislampolitik Europas und dem Motiv des T\u00e4ters, Muslime hinzurichten, muss selbst dem Politikverdrossenen direkt ins Auge stechen, wird aber von Politikern wie Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geleugnet. Seehofer, der einen wesentlichen Beitrag zum islamfeindlichen Klima in Deutschland geleistet hat, sieht kein islamfeindliches Klima in Deutschland, wie er nach dem Anschlag in Christchurch betonte. Auch Merkel-Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will den Zusammenhang zwischen der Islamfeindlichkeit und dem Attentat auf Muslime unterschlagen, indem sie auf Twitter schreibt: \u201eEgal gegen wen sich Hass, Gewalt und Terror richten, am Ende sterben Menschen, verlieren Kinder ihre Eltern und Eltern ihre Kinder.\u201c Kramp-Karrenbauer stellt den islamischen Glauben als irrelevant f\u00fcr die Tat dar, obwohl er das einzige Motiv des T\u00e4ters darstellt. In diesem Fall ist es ganz und gar nicht egal, \u201egegen wen sich Hass, Gewalt und Terror richten\u201c. Die einzige Verbindung zwischen den Opfern war ihre islamische Identit\u00e4t und nichts anderes. Indem Politiker wie Kramp-Karrenbauer und Seehofer den islamfeindlichen Aspekt dieser Tat einfach ausblenden und \u00fcbergehen, demonstrieren sie, wie schlimm es um die Islamfeindlichkeit in Europa tats\u00e4chlich steht. Es fehlt jedes Unrechtsbewusstsein, dass die eigene Islamhetze einen Anschlag auf Muslime provoziert hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zentrale Frage bei muslimischen Attent\u00e4tern war immer, wo sie sich radikalisiert h\u00e4tten. An diese Frage traut sich jedoch niemand im Falle des australischen Attent\u00e4ters heran, weil die Antwort darauf mit einem Leuchtpfeil direkt auf Europa zeigt. Der Titel seines Manifests, das er ver\u00f6ffentlichte, lautet \u201eDer gro\u00dfe Austausch\u201c und geht zur\u00fcck auf das Buch des rechten franz\u00f6sischen Publizisten Renaud Camus, dessen Titel \u201eLe grand remplacement\u201c lautet. Camus, der als Vordenker des Front National gilt, verbreitet in seinem Buch die Idee der Macht\u00fcbernahme von Muslimen in Frankreich durch die Einwanderung. Brenton Tarrant, der Attent\u00e4ter von Christchurch, \u00fcbernahm die Idee, dass Muslime das christlich gepr\u00e4gte Europa beherrschen werden. Zudem bereiste er Europa auf den Spuren der Kreuzritter. Wie gro\u00df der Einfluss der europ\u00e4ischen Islamfeindlichkeit auf Tarrant ist und wie stark seine Bindung an Europa ist, zeigt zudem seine gro\u00dfe Geldspende an die \u201eIdentit\u00e4re Bewegung\u201c in \u00d6sterreich im Jahr 2018.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Politiker leugnen. Und die Medien, die das antiislamische Klima zu einem Gro\u00dfteil mit zu verschulden haben, h\u00fcllen sich in Schweigen. Die sehr d\u00fcrftige Berichterstattung \u00fcber das Attentat steht in keinem Verh\u00e4ltnis zu der Schwere und dem Ausma\u00df des Anschlags. Anschl\u00e4ge, die von muslimischen Attent\u00e4tern ver\u00fcbt wurden, wurden bis ins Kleinste ausgeschlachtet und analysiert, w\u00e4hrend das Thema des Anschlags auf Muslime ziemlich schnell aus den Medien verschwand. Keine einzige Polit-Talkshow thematisierte die Islamfeindlichkeit und ihre Folgen. Die Medien konzentrierten sich schnell auf die Solidarit\u00e4tsbekundungen und Blumenniederlegungen der Neuseel\u00e4nder und weniger bis gar nicht auf die Ursachen und Hintergr\u00fcnde des Anschlags.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die muslimischen Opfer gerieten in den Hintergrund, und pl\u00f6tzlich stand Jacinda Ardern, die Premierministerin Neuseelands, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Ihr Verhalten wurde heroisiert, obwohl es doch selbstverst\u00e4ndlich sein muss, dass ein Staat seinen B\u00fcrgern, die Opfer eines Anschlags wurden, Respekt zollt und das Attentat verurteilt. Aber immerhin brachte Ardern den muslimischen Opfern Respekt und Achtung entgegen, die ihnen von den Regenten in der islamischen Welt verwehrt wurden. Statt die muslimischen Opfer in der islamischen Welt zu ehren, projizierte Dubai ein Bild der neuseel\u00e4ndischen Premierministerin auf Burj Khalifa, dem h\u00f6chsten Geb\u00e4ude der Welt. Bilder der Opfer zu projizieren, hielt man nicht f\u00fcr n\u00f6tig. Auf die wahren Helden vom 15. M\u00e4rz, die versucht hatten, sich dem Attent\u00e4ter entgegenzustellen, um ihn aufzuhalten, geht niemand ein. Denn das widerspricht dem g\u00e4ngigen Denkschema, das die Politik vorgibt und Muslime immer nur zu T\u00e4tern erkl\u00e4rt, aber niemals Opfer sein l\u00e4sst. Deshalb hat sich in Europa auch niemand mit den muslimischen Opfern symbolisch solidarisiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Anschlag auf zwei Moscheen im neuseel\u00e4ndischen Christchurch am 15. M\u00e4rz geht in die Geschichte Neuseelands ein. 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