{"id":10389,"date":"2019-06-10T00:00:00","date_gmt":"2019-06-09T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10389"},"modified":"2019-06-10T00:00:00","modified_gmt":"2019-06-09T22:00:00","slug":"hauptsache-kein-kopftuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10389","title":{"rendered":"Hauptsache kein Kopftuch"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Gesellschaft, die im Minirock noch immer ein Symbol der Befreiung der Frau sieht, ihr einredet, sie sei selbstbestimmt, und die ihr altes Rollenbild f\u00fcr \u00fcberwunden h\u00e4lt, unterliegt dem obsoleten Wunschdenken des Feminismus, dass die Frau \u00fcber die Idee der Freiheit einen gleichberechtigten Platz neben dem Mann einnehmen kann. Der Emanzipationsdrill hat die Frau nicht von ihrer alten Rolle gel\u00f6st, sondern ihr eine Doppelrolle zugewiesen, die Beruf und Familie in sich vereint und eine Doppelbelastung bedeutet. An ihrer Wahrnehmung in der Gesellschaft hat das aber nichts ge\u00e4ndert. Nimmt man beispielsweise den Minirock als hochgehaltenes Symbol der Emanzipation, so steht er in Wahrheit f\u00fcr die gesellschaftliche Erwartungshaltung gegen\u00fcber der Frau, freiz\u00fcgig zu sein und sich auf das Aussehen zu reduzieren, und die inzwischen emanzipierte Frau hat sich darauf festlegen lassen. Sie bedient bereitwillig diese Erwartung und f\u00f6rdert sie zudem. Und so passt es dann auch zusammen, wenn sich etwa eine S\u00e4ngerin wie Beyonc\u00e9, die ein reines Produkt der Musikindustrie ist und f\u00fcr die Vermarktung der Frau steht, als Feministin bezeichnet. Das Frauenbild, das sie verk\u00f6rpert, ist kein zuf\u00e4lliges Nebenprodukt des Feminismus, sondern eine logische Folge dessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Feminismus mit seinem verbissenen Kampf gegen die M\u00e4nnerwelt hat es nicht geschafft, dass die Frau als vollwertiger Mensch anerkannt wird. Er hat die Frau vielmehr nach dem Geschmack westlicher M\u00e4nnerphantasien geformt, allerdings mit dem Unterschied zu fr\u00fcher, dass die heute emanzipierte Frau selbst das Frauenbild entwirft und sich zum Objekt degradiert. Dazu braucht es dank des Feminismus keinen Mann mehr. Es hat nicht den Anschein, dass die Frau mit diesem Frauenbild unzufrieden ist und sie daran etwas \u00e4ndern m\u00f6chte, solange ihr nur suggeriert wird, sie sei emanzipiert und selbstbestimmt. Die Selbstdarstellung der Frau in den sozialen Medien bringt dies zutage. Mode, Schminken, Kochen und Backen sind die Themen, mit denen Frauen in den sozialen Medien \u00fcberwiegend vertreten sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer hat nicht schon beobachten k\u00f6nnen, wie junge M\u00e4dchen in der \u00d6ffentlichkeit posieren, mit der einen Hand das Handy nach oben halten, mit leicht geneigtem Kopf ihre Schokoladenseite in Position bringen, ein Bein vor das andere stellen, um m\u00f6glichst schlank zu wirken, und einen Schmollmund aufsetzen. Das wird dann mit akribischer Genauigkeit betrieben, bis die optimale Pose erreicht ist und das Bild wie beil\u00e4ufig aufgenommen wirkt, um es dann auf Plattformen wie Instagram hochzuladen. Vorher wird es mit speziellen Apps bis zur modelreifen Unkenntlichkeit bearbeitet, wenn in der Selbstwahrnehmung die Wangen zu dick, die Nase zu gro\u00df, die Stirn zu hoch und die Lippen zu schmal sind. Und wenn man vielleicht noch mit der \u201efalschen\u201c Augenfarbe auf die Welt gekommen ist, kann man mit der \u201erichtigen\u201c Farbe nachhelfen. Gerade die weit verbreitete Nutzung von Bildbearbeitungs-Apps spiegelt das selbstzerst\u00f6rerische Frauenbild wider, das verinnerlicht wurde: Die Frau erwartet von sich selbst ein perfektes \u00c4u\u00dferes und propagiert diesen auf das Aussehen fixierten Perfektionismus \u00fcber die sozialen Medien, wo sie sich auf die Themen Mode und Beauty spezialisiert hat, obwohl die sozialen Medien durchaus viele M\u00f6glichkeiten bieten, sich anders zu inszenieren und darzustellen. In den sozialen Medien herrschen jedoch eigene Gesetze, und zwar die der Likes und Follower. Kein junges M\u00e4dchen eifert einer Vollblut-Feministin wie Alice Schwarzer nach, sondern erfolgreichen Influencerinnen, die diktieren, wie eine Frau zu sein hat und was sie mitbringen muss: schlanke Figur, lange Beine, volle Lippen, dichte lange Wimpern, gl\u00e4nzendes langes Haar usw. Influencerinnen sind die Vorbilder, denen Frauen heute nacheifern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwar gibt es Studien, die sich mit dieser Problematik befassen, etwa die der MaLisa-Stiftung, die den Titel \u201eWeibliche Selbstinszenierung in den neuen Medien\u201c tr\u00e4gt, aber niemand attackiert und verurteilt beispielsweise die Influencerinnen, die dieses Frauenbild verbreiten. Man bezeichnet das Ph\u00e4nomen oft sogar als neuen Feminismus, statt es beim Namen zu nennen: weibliche Selbsterniedrigung. Denn einer emanzipierten Frau darf man schlie\u00dflich nicht vorschreiben, sich anders zu kleiden, sich nicht zu schminken und sich Themen zu widmen, die jenseits von Mode, Beauty und Ern\u00e4hrung liegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Feministinnen wie Alice Schwarzer haben ohnehin keine Zeit, sich ernsthaft mit dieser Problematik zu befassen. Dazu nimmt der Kampf gegen die muslimische Frau viel zu viel Zeit in Anspruch. Neben dem Mann steht bei Schwarzer immer auch die Muslimin mit Kopftuch auf der Abschussliste. Statt das eigene fehlerhafte Frauenbild zu reflektieren und zu \u00fcberdenken, widmet man all seine feministische Energie den Musliminnen und ihrem Kopftuch und diffamiert sie, wo es nur geht. So lie\u00df es sich Schwarzer beispielsweise nicht nehmen, an der Kopftuch-Konferenz, die an der Frankfurter Goethe-Universit\u00e4t stattfand, teilzunehmen und im Zuge dessen die eine oder andere Muslimin zu beleidigen. Auff\u00e4llig herablassend geb\u00e4rdete sie sich gegen\u00fcber den muslimischen Frauen und redete mit ihnen, wie manch alter Mann in Absicht der Erniedrigung mit jungen Frauen redet, die er nicht ernst nimmt. So wurde die ebenfalls zur Konferenz geladene Journalistin Khola Maryam H\u00fcbsch von Schwarzer als s\u00fc\u00dfes \u201eH\u00fcbschchen\u201c tituliert. H\u00e4tte ein Mann sich Schwarzer gegen\u00fcber auf die gleiche Art verhalten, h\u00e4tte gleich die ganze \u201efrauenfeindliche\u201c M\u00e4nnerwelt den Zorn der radikalen Feministin zu sp\u00fcren bekommen. Es spiegelt die Haltung vieler Feministen wider, wie herablassend sie auf die muslimische Frau blicken. Sie wollen die Schieflage ihres eigenen Frauenbildes nicht sehen und widmen sich mit Hingabe der vermeintlichen Unterdr\u00fcckung der muslimischen Frau, der sie durch Verbote vorschreiben wollen, wie sie sich zu kleiden hat. Mit Befreiung hat das nichts zu tun. Auch eine Feministin kann Frauen bevormunden und unterdr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sollen wir tats\u00e4chlich glauben, dass all die jungen M\u00e4dchen und Frauen, die eine Schubkarre voll Minderwertigkeitskomplexe vor sich herschieben und die irgendwelche Influencerinnen nachahmen, selbstbewusst und emanzipiert sind? Sollen wir gleichzeitig glauben, dass muslimische M\u00e4dchen und Frauen, die ihr Kopftuch trotz aller Anfeindungen selbstbewusst in der \u00d6ffentlichkeit tragen und verteidigen, unterdr\u00fcckt sind und kein Selbstbewusstsein besitzen? Nat\u00fcrlich entzieht sich die muslimische Frau dem feministischen Diktat und der Emanzipationspflicht, denn sie ist ihrer islamischen \u00dcberzeugung verpflichtet und l\u00e4sst sich nicht von au\u00dfen vorschreiben, wie sie zu sein hat und wie sie sich kleiden soll. Das Kopftuch signalisiert ganz unmissverst\u00e4ndlich, dass die muslimische Frau nicht konform geht mit dem feministischen Frauenbild und dass sie sich bewusst dagegen entschieden hat. Genau das wird ihr ver\u00fcbelt, denn solange sie das Kopftuch tr\u00e4gt, gibt es ein alternatives Frauenbild, das in Konkurrenz zum feministischen Frauenbild steht. Aus feministischer Sicht darf sich die Frau deshalb jedem Trend und jeder Mode unterwerfen \u2013 alles ist erlaubt, nur nicht das Kopftuch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gesellschaft, die im Minirock noch immer ein Symbol der Befreiung der Frau sieht, ihr einredet, sie sei selbstbestimmt, und die ihr altes Rollenbild f\u00fcr \u00fcberwunden h\u00e4lt, unterliegt dem obsoleten Wunschdenken des Feminismus, dass die Frau \u00fcber die Idee der Freiheit einen gleichberechtigten Platz neben dem Mann einnehmen kann.<\/p>\n","protected":false},"author":92,"featured_media":661,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[1041,1151,1544,1781],"class_list":["post-10389","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-konzeptionen","tag-gesellschaft","tag-hauptsache","tag-kopftuch","tag-minirock"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10389","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/92"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10389"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10389\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/661"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10389"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10389"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10389"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}