{"id":10400,"date":"2019-07-21T00:00:00","date_gmt":"2019-07-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10400"},"modified":"2019-07-21T00:00:00","modified_gmt":"2019-07-20T22:00:00","slug":"das-zunehmende-interesse-an-muslimischen-kindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10400","title":{"rendered":"Das zunehmende Interesse an muslimischen Kindern"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Generation der Muslime war f\u00fcr Deutschland nur als Arbeitskraft interessant. Der islamische Glaube war vollkommen irrelevant, zumal man davon ausging, dass der Aufenthalt der Muslime in Deutschland zeitlich begrenzt sei. Es bestand folglich keine Notwendigkeit, sich in irgendeiner Form mit dem Islam auseinanderzusetzen, von dem die meisten Deutschen in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts ohnehin nie etwas geh\u00f6rt hatten. Sie bekamen lediglich mit, dass die muslimischen Gastarbeiter kein Schweinefleisch a\u00dfen und keinen Alkohol tranken, und darauf beschr\u00e4nkte sich dann lange Zeit ihr Wissen \u00fcber den Islam. In der Wahrnehmung der Gastarbeiter gab es keinen gro\u00dfen Unterschied zwischen dem T\u00fcrken oder dem Italiener, denn sie waren f\u00fcr den Deutschen in erster Linie Ausl\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kinder der ersten Generation waren zum gr\u00f6\u00dften Teil in Deutschland geboren. Diese zweite Generation der Muslime war auf das islamische Wissen der Eltern angewiesen und darauf, was diese ihnen \u00fcbermittelten. Im Laufe der Zeit merkte die zweite Generation aber, dass ihr die erste Generation viele Fragen bez\u00fcglich des Islam nicht beantworten konnte. Denn die erste Generation war in einem islamischen Umfeld aufgewachsen, hielt vieles f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich und musste sich nicht bewusst mit dem Islam auseinandersetzen, weil sie nicht mit den Fragen konfrontiert wurde, denen Muslime der zweiten Generation durch den t\u00e4glichen Kontakt mit Nichtmuslimen zun\u00e4chst in der Schule und sp\u00e4ter in Studium und Beruf begegneten. Der Kontakt mit der nichtislamischen Lebensweise kam bei ihnen also bereits im Kindes- und Jugendalter zustande, nicht erst im Erwachsenenalter. Die Muslime der zweiten Generation sollten anderen den Islam erkl\u00e4ren und mussten ihn im Grunde erst einmal sich selbst erkl\u00e4ren. Die Suche nach befriedigenden Antworten war m\u00fchselig, weil Literatur auf Deutsch, die nicht aus orientalistischer Sicht verfasst war, nicht verf\u00fcgbar war und man sich den Islam nicht unbedingt aus der Feder Peter Scholl-Latours aneignen sollte. Eine anst\u00e4ndige deutsche \u00dcbersetzung des Koran zu finden, war lange unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Situation veranlasste viele Muslime der zweiten Generation dazu, sich tiefgr\u00fcndig sowohl mit den islamischen als auch mit den nichtislamischen Ideen auseinanderzusetzen. Zu den nichtislamischen Ideen geh\u00f6rt auch die Idee der Freiheit, wie sie der Westen vertritt. Die Nichtmuslime nahmen an, dass die Idee der Freiheit von den Muslimen der zweiten Generation bereitwillig angenommen werden w\u00fcrde und sie sich vom Glauben ihrer Eltern gr\u00f6\u00dftenteils l\u00f6sen w\u00fcrden. Bei einem Teil der Muslime der zweiten Generation war dies auch der Fall. Aber es gab auch jenen Teil, der am Islam festhielt, und dieser Teil geriet in den Fokus, weil er die Unvereinbarkeit zwischen den islamischen und den westlichen Ideen erkannte. Es gab Konzepte wie den sogenannten Euro-Islam, um den Muslimen die Vorstellung von der Einheit der Umma auszureden und ihnen zu suggerieren, dass es m\u00f6glich sei, eine Br\u00fccke zwischen den islamischen und den westlichen Ideen zu schlagen. Haupts\u00e4chlich ging es um die Idee der Trennung von Religion und Staat. Denn die Muslime der zweiten Generation, die am Islam festhielten, hatten begriffen, dass der Islam eine Lebensordnung ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Generationen, die folgten, d. h. die dritte und teilweise schon die vierte Generation, zeigen sich weiterhin unbeeindruckt von der Idee der Freiheit \u2013 nicht alle Muslime, aber viele. In Deutschland hatte man eigentlich damit gerechnet, dass sp\u00e4testens die dritte Generation vollst\u00e4ndig assimiliert sei. Doch das Gegenteil ist der Fall. Immer mehr muslimische M\u00e4dchen entscheiden sich beispielsweise f\u00fcr das Tragen des Kopftuchs in der Schule. Das Kopftuch geh\u00f6rt inzwischen zum normalen Erscheinungsbild junger Musliminnen. Mehr noch, sie verteidigen es und fordern ein, es tragen zu d\u00fcrfen. Am verpflichtenden Schwimmunterricht nehmen sie einfach mit einem Burkini teil, statt sich n\u00f6tigen zu lassen, das Kopftuch w\u00e4hrend des Schwimmens abzulegen und in einem Badeanzug zu erscheinen oder als Au\u00dfenseiter die Teilnahme zu verweigern. Muslimische Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler m\u00f6chten ihr Gebet auch in der Schule verrichten d\u00fcrfen. Auch das Fasten ist f\u00fcr sie eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Das Interesse junger Muslime am Islam hat insgesamt nicht ab-, sondern zugenommen. Je mehr Druck von au\u00dfen auf sie ausge\u00fcbt wird, desto mehr m\u00f6chten sie an ihrer islamischen Identit\u00e4t festhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Politikwissenschaftler Bassam Tibi, von dem die Idee des Euro-Islam und der Leitkultur stammt, stellte fest, dass der \u201eKopftuch-Islam\u201c den Euro-Islam besiegt habe, wobei er mit der Wahl des Begriffs \u201eKopftuch-Islam\u201c nat\u00fcrlich mit b\u00f6ser Absicht dem Kopftuch eine negative Symbolfunktion f\u00fcr einen aus seiner Sicht schlechten Islam zuschreibt. Worum es aber eigentlich geht, ist, dass die Muslime sich nicht assimilieren lassen wollten, was bedeutet h\u00e4tte, den islamischen Glauben aufzugeben. Deshalb f\u00e4hrt man inzwischen andere Gesch\u00fctze auf, indem man aktiv in die Erziehung muslimischer Kinder eingreifen und diese kontrollieren will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da das Kopftuch nat\u00fcrlich sofort ins Auge sticht und die Religionszugeh\u00f6rigkeit zum Ausdruck bringt, m\u00f6chte man vor allem hier ansetzen und muslimischen Eltern verbieten, ihren T\u00f6chtern zu erlauben, ein Kopftuch in der Schule zu tragen. Hierbei geht es gar nicht um jene muslimischen Sch\u00fclerinnen, die unfreiwillig ein Kopftuch tragen, sondern um eine direkte Einmischung in die Erziehung muslimischer Eltern. Indem man das Kopftuch an Grundschulen verbietet, wie es in \u00d6sterreich der Fall ist, oder aber dar\u00fcber diskutiert, M\u00e4dchen unter 14 Jahren das Tragen des Kopftuchs an Schulen zu untersagen, wie in Deutschland, m\u00f6chte man muslimischen Eltern Steine in den Weg legen, ihre Kinder islamisch zu erziehen. Man unterstellt ihnen Kindswohlgef\u00e4hrdung und stellt sie als schlechte Eltern hin, die ihre Kinder nach einem Glauben erziehen, dem man grunds\u00e4tzlich eine Kindswohlgef\u00e4hrdung anlasten m\u00f6chte, um einen Grund zu haben, muslimische Eltern zu bevormunden. Es geht hierbei nicht nur um das Kopftuch. So erhielten muslimische Eltern vor und w\u00e4hrend des Fastenmonats Briefe von der Schule, in denen sie aufgefordert wurden, darauf zu achten, dass ihre Kinder nicht fasten. In allem liegt der Vorwurf, dass muslimische Eltern in der Erziehung ihrer Kinder weder auf das psychische noch auf das physische Wohl ihrer Kinder R\u00fccksicht n\u00e4hmen. Auf diese Weise nimmt man sich das Recht heraus, ihnen Vorschriften zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kindswohl ist mit Sicherheit nicht der Aspekt, um den es eigentlich geht. Es gibt zahlreiche Beispiele f\u00fcr Kindswohlgef\u00e4hrdung, f\u00fcr die sich niemand interessiert. Vielmehr geht es bei dem Eingriff in die Erziehung um den Prozess der Assimilation, den man bei den Muslimen vorantreiben m\u00f6chte. Da eine automatische Assimilation misslang, verbietet man muslimischen Eltern ganz einfach, ihre Kinder islamisch zu erziehen, und zwar in der Hoffnung, dass sich das Sprichwort \u201eWas H\u00e4nschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr\u201c erf\u00fcllt. Das Kopftuchverbot wird mit Sicherheit nicht die einzige Einmischung bleiben, um die Ausformung einer islamischen Identit\u00e4t bei Muslimen zu verhindern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste Generation der Muslime war f\u00fcr Deutschland nur als Arbeitskraft interessant. Der islamische Glaube war vollkommen irrelevant, zumal man davon ausging, dass der Aufenthalt der Muslime in Deutschland zeitlich begrenzt sei. 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