{"id":10412,"date":"2019-09-09T00:00:00","date_gmt":"2019-09-08T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10412"},"modified":"2019-09-09T00:00:00","modified_gmt":"2019-09-08T22:00:00","slug":"der-kapitalistische-klimaschutz-oder-wie-man-den-bock-zum-gaertner-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10412","title":{"rendered":"Der kapitalistische Klimaschutz \u2013 oder: wie man den Bock zum G\u00e4rtner macht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Niemand kann mehr leugnen \u2013 mit Ausnahme des US-amerikanischen Pr\u00e4sidenten Donald Trump nat\u00fcrlich \u2013, dass das Klima einem Wandel unterliegt. Deshalb steht f\u00fcr viele Menschen der Klimaschutz an erster Stelle. Dies kommt beispielsweise in den Fridays-for-Future-Demonstrationen zum Ausdruck. Der Klimaschutz ist zur Zeit das beherrschende Thema, weil die Menschen von den Folgen unmittelbar betroffen sind. Es geht hier nicht mehr \u201enur\u201c um den Regenwald, der weit entfernt auf einem anderen Kontinent gerodet wird. Es geht auch nicht um ein Ozonloch, das man nicht sieht. Der Klimawandel ist in der westlichen Welt direkt wahrnehmbar, wie etwa im extrem hei\u00dfen Sommer oder im ausbleibenden Regen, der beispielsweise f\u00fcr die Landwirtschaft fatale Folgen hat und nicht nur den Profit schm\u00e4lert, sondern die Existenz der Landwirte gef\u00e4hrdet. Das Dumme am Klimawandel ist, dass er eine globale Angelegenheit darstellt, keine nationalen Grenzen kennt und niemanden verschont. Er gef\u00e4hrdet die westliche Welt genauso wie den Rest der Menschen.Die westliche Welt denkt in Sachen Klimaschutz in erster Linie kapitalistisch und somit nur an sich. Den Menschen geht es im Westen haupts\u00e4chlich darum, dass sie in ihren eigenen L\u00e4ndern saubere Luft atmen. Ob der Inder, der \u00c4gypter oder der Kongolese intakte Umweltbedingungen vorfindet, ist unerheblich. Welche Opfer andere f\u00fcr den westlichen Klimaschutz aufbringen m\u00fcssen, ist den Menschen in den reichen Industriestaaten egal. Das \u201eklimafreundliche\u201c Elektroauto ist ein klassisches Beispiel daf\u00fcr. F\u00fcr die Herstellung ben\u00f6tigt man Kobalt, das ein wesentlicher Bestandteil der Lithium-Ionen-Batterien ist. Der Abbau von Kobalt ist sehr aufwendig und belastet die Umwelt. Das ist aber noch nicht das Schlimmste. Moralisch verwerflich ist vor allem, dass es unter anderem durch Kinderarbeit gef\u00f6rdert wird, und zwar unter unzumutbaren Bedingungen und unter Gef\u00e4hrdung der Gesundheit der Arbeiter. Das meiste Kobalt stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, wo man die Arbeiter zu einem Hungerlohn in die Minen schicken kann, um dem Westen das Kobalt zur Verf\u00fcgung zu stellen, damit man am Ende in den westlichen L\u00e4ndern saubere Luft atmet. Abgesehen davon ist die \u00d6kobilanz eines Elektroautos schlecht, denn der Strom, den ein Elektroauto ben\u00f6tigt, stammt gr\u00f6\u00dftenteils aus Kohlekraftwerken. Aber nicht nur der hohe Stromverbrauch ist ein Problem, sondern auch die Produktion der gro\u00dfen Batterie. Wenn also ein Elektroauto w\u00e4hrend des Fahrens kein CO2 ausst\u00f6\u00dft, hei\u00dft das nicht, dass es keine hohe CO2-Belastung verursacht. So sieht der kapitalistische Klima- und Umweltschutz aus: Er geht auf Kosten der Armen und suggeriert dabei Klima- und Umweltfreundlichkeit. Kapitalistischer Klimaschutz ist Augenwischerei.Auch giftiger Elektrom\u00fcll aus westlichen Industriestaaten landet bei den \u00c4rmsten der Armen. In Ghana gibt es eine der gr\u00f6\u00dften M\u00fchlkippen f\u00fcr Elektroschrott, wo Kinder die Elektroger\u00e4te aus den Industriestaaten zum Teil verbrennen, um an die Rohstoffe zu kommen. Giftige D\u00e4mpfe werden dabei freigesetzt, die von den Kindern und Jugendlichen eingeatmet werden. Auch die Suche nach Gold, Coltan oder Kupfer in den Altger\u00e4ten, die sich auf einer giftigen M\u00fcllkippe befinden, ist extrem gesundheitssch\u00e4dlich. Solange man seinen Elektrom\u00fcll in L\u00e4ndern wie Ghana loswird, sieht man aber keinen Handlungsbedarf. Man nimmt leichtfertig in Kauf, dass andere sich ihre Gesundheit mit den ganzen Giftstoffen ruinieren. Oder soll man etwa gegen kapitalistische Prinzipien versto\u00dfen und die Menschen in den reichen Industriestaaten dazu animieren, ihren Konsum zu drosseln und weniger Elektrom\u00fcll zu produzieren?Solange der M\u00fcll, der in westlichen Industriestaaten in Unmengen produziert wurde, nach China verschifft werden konnte, war alles in Ordnung. Doch seit Ende 2017 importiert China nur noch hochwertige Plastikabf\u00e4lle, nachdem eine strenge Verunreinigungsgrenze festgelegt wurde. Doch der Westen blieb dadurch nicht auf seinem M\u00fcll sitzen, sondern suchte sich andere L\u00e4nder wie Malaysia und Indonesien. Aber auch diese L\u00e4nder sind inzwischen nicht mehr bereit, als M\u00fcllhalde f\u00fcr die Industriestaaten herzuhalten und auf minderwertigem, nicht recycelbarem Plastikm\u00fcll sitzen zu bleiben. So wird vor allem der Plastikm\u00fcll zu einem immer gr\u00f6\u00dferen Problem, zumal vieles davon ins Meer gelangt und \u00fcber die ganze Welt verteilt wird. Auf diese Weise landet Mikroplastik m\u00f6glicherweise in Form eines Fischfilets auf dem eigenen Teller und im eigenen Magen.Es ist der Kapitalismus, der die Welt geradewegs in eine globale Klimakatastrophe steuert. Das Problem ist Teil dieser Ideologie, denn sie lehrt den Menschen, seine Handlungen auf einer Maximierung des eigenen Nutzens aufzubauen. Wie soll man Menschen, die verinnerlicht haben, dass Profit und Nutzen der Handlungsma\u00dfstab sind, dazu bringen, weniger zu fliegen, ihren Fleischkonsum zu reduzieren, das Auto stehen zu lassen und dergleichen, um das Klima zu sch\u00fctzen? Da helfen auch keine gesetzlichen Vorgaben, wie der Dieselskandal gezeigt hat. Trotz der Grenzwerte f\u00fcr den Stickoxid-Aussto\u00df von Dieselautos hat die Autoindustrie sich nicht daran gehalten und durch illegale Abschalteinrichtungen in der Motorsteuerung die Abgaswerte manipuliert und verf\u00e4lscht. Die Wirtschaft als Hauptmerkmal des Kapitalismus wird immer versuchen, den Klimaschutz mit allen ihr zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln zu umgehen, weil Klimaschutz in der Regel weniger Profit bedeutet.Erkennt man den Zusammenhang zwischen dem kapitalistischen System und der Zerst\u00f6rung unseres Planeten, wundert es nicht, dass ein kernkapitalistisches Land wie die USA, das in Trump seinen wahren Repr\u00e4sentanten gefunden hat, aus dem Klimaabkommen ausgestiegen ist und den gr\u00f6\u00dften Ressourcen-Raubbau betreibt. Geht man von dem \u201eBedarf\u201c an Energie und Rohstoffen aus, so br\u00e4uchten die USA laut Global Footprint Network f\u00fcnf Erden. Deutschland kommt mit drei Erden nicht viel besser weg. W\u00fcrden weltweit alle so leben wie die Menschen in den Industriestaaten, g\u00e4be es die eine Erde schon nicht mehr. An dieser Stelle muss man sich ernsthaft fragen, ob Klima- und Umweltschutz innerhalb des kapitalistischen Systems \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, wenn doch der Kapitalismus selbst die Ursache des Problems bildet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niemand kann mehr leugnen \u2013 mit Ausnahme des US-amerikanischen Pr\u00e4sidenten Donald Trump nat\u00fcrlich \u2013, dass das Klima einem Wandel unterliegt. 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