{"id":10458,"date":"2020-02-18T00:00:00","date_gmt":"2020-02-17T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10458"},"modified":"2020-02-18T00:00:00","modified_gmt":"2020-02-17T23:00:00","slug":"das-rassenkonzept-der-aufklaerung-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10458","title":{"rendered":"Das Rassenkonzept der Aufkl\u00e4rung (Teil 1)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Rechtspopulismus von heute scheint auf den ersten Blick ein Erbe des Nationalsozialismus zu sein. Die Urspr\u00fcnge dieses Rassismus in einer Zeit zu suchen, die nur einige Jahrzehnte zur\u00fcckliegt, erfasst die Problematik nicht ann\u00e4hernd und erkl\u00e4rt auch nicht, weshalb der Rassismus so tief in der Gesellschaft verwurzelt ist. Ein paar Jahre Hitler reichen als Erkl\u00e4rung nicht aus, warum der Rassismus in Deutschland eine gesellschaftliche und politische Selbstverst\u00e4ndlichkeit darstellt und Alltag ist. Man bek\u00e4mpft ihn auch nicht, indem man das Dritte Reich im Geschichtsunterricht thematisiert oder Hitler-Dokumentationen im Fernsehen zeigt. Die Nationalsozialisten haben den Rassismus auch nur geerbt, und zwar von jenen, die das Denken in Europa entscheidend pr\u00e4gten, auf die man sich noch immer stolz beruft und die irrt\u00fcmlich mit den Menschenrechten in Verbindung gebracht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht die Nationalsozialisten, sondern die deutschen Denker und Dichter aus dem Zeitalter der Aufkl\u00e4rung etablierten den Rassismus. Die Losung der Franz\u00f6sischen Revolution \u201eFreiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit\u201c galt, anders als man annehmen m\u00fcsste, nicht f\u00fcr alle Menschen. Das Gleichheitspostulat der Aufkl\u00e4rung bezog sich nur auf den wei\u00dfen Mann in Europa, w\u00e4hrend der gr\u00f6\u00dfte Teil der Menschheit davon ausgeschlossen blieb. Vielmehr versuchten die Aufkl\u00e4rer, eine Ungleichheit der Menschen wissenschaftlich zu beweisen, allen voran der gro\u00dfe Aufkl\u00e4rungsphilosoph Immanuel Kant, der sogar als Begr\u00fcnder des wissenschaftlichen Rassenbegriffs gilt. Sein Vernunftbegriff muss vor dem Hintergrund seiner anthropologischen Schriften und seines daraus hervorgehenden Rassenbegriffs beurteilt werden, da seine Rassentheorie die Menschen anderer Hautfarbe als nicht vernunftbegabt klassifiziert und ihnen eine niedrigere Entwicklungsstufe zuschreibt als den Wei\u00dfen. Nur deshalb existiert der Begriff Rasse, den Aufkl\u00e4rer wie Kant popul\u00e4r machten. Dieser Seite Kants wird aber wenig Beachtung geschenkt \u2013 sie wird geradezu unterschlagen \u2013, obwohl die Konsequenz seiner Rassentheorie weitreichend ist, weil Kants Moralphilosophie in Anbetracht dessen nur f\u00fcr den Wei\u00dfen gilt. Wenn man seine Rassentheorie ber\u00fccksichtigt, wird deutlich, dass er nicht von der Gleichheit, sondern von der Ungleichheit der Menschen ausgeht. Aber noch immer unterliegt der Westen dem Selbstbetrug, Kant h\u00e4tte den Grundstein f\u00fcr Gleichheit und Gerechtigkeit gelegt. Beispielsweise schreibt Otfried H\u00f6ffe in seinem Buch \u201eKants Kritik der praktischen Vernunft: Eine Philosophie der Freiheit\u201c: \u201eUnd wer den Gleichheitsgedanken in der Menschenrechtsidee schon enthalten sieht, findet bei Kant beide Aspekte, Freiheit und Gleichheit, hervorgehoben.\u201c Wie aber kann man bei Kant von Freiheit und Gleichheit sprechen, wenn er nur im Wei\u00dfen den vollkommenen Menschen sieht? Der Westen will sich nicht eingestehen, dass seine gro\u00dfen Philosophen den Grundstein f\u00fcr den Rassismus von heute legten. Georg Wilhelm Friedrich Hegel beispielsweise gilt noch immer als Verfechter der Gleichberechtigung, obwohl er den Wei\u00dfen f\u00fcr \u00fcberlegen h\u00e4lt, w\u00e4hrend er sich \u00fcber den Schwarzen nur abf\u00e4llig \u00e4u\u00dfert, an dem er nichts Menschliches feststellen kann. Afrika beschreibt Hegel als \u201eKinderland, das jenseits des Tages der selbstbewussten Geschichten in die schwarze Farbe der Nacht geh\u00fcllt ist\u201c. Genau wie Kant geht es ihm nicht nur darum, wissenschaftlich zu belegen, dass es unterschiedliche Rassen gibt, sondern dass eine Rangordnung, d.&nbsp;h. eine Ungleichheit, zwischen Rassen existiert. Die Idee von der Gleichheit aller Menschen hat in der Aufkl\u00e4rung nie existiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So, wie die Aufkl\u00e4rung ein kulturelles Erbe Europas ist, ist es auch der Rassismus, der von der Aufkl\u00e4rung nicht getrennt betrachtet werden kann. Er bildet mit ihr eine feste Einheit, denn die Aufkl\u00e4rung hat ein \u00dcberlegenheitsgef\u00fchl im Europ\u00e4er geweckt und ihn gelehrt, auf andere V\u00f6lker mit Verachtung herabzublicken und sie zu beherrschen. Mit dem Ausschluss nicht europ\u00e4ischer V\u00f6lker von dem Freiheits- und Gleichheitspostulat und sogar vom Menschsein spielte die Aufkl\u00e4rung sie dem Kolonialismus geradezu in die Arme. Man kann sogar behaupten, dass das Rassenkonzept der Aufkl\u00e4rer zu genau diesem Zweck entstanden ist, n\u00e4mlich andere Menschen zu diskriminieren und ihre Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung sowie ihre Ausrottung zu legitimieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Niemand kann bestreiten, dass unterschiedliche V\u00f6lker \u00e4u\u00dferliche Unterschiede aufweisen. V\u00f6lker k\u00f6nnen sich durch ihre Hautfarbe, ihre Augenform, ihre Haarstruktur, ihre Gesichtsz\u00fcge und andere physische Merkmale unterscheiden. An der Feststellung, dass es diese Unterschiede gibt, ist nichts verwerflich, solange diese wertfrei bleibt. Problematisch wird es erst, wenn man auf dieser Grundlage von unterschiedlichen Menschenrassen spricht, obwohl in der Realit\u00e4t keine Rassen, sondern V\u00f6lker existieren. Unterschiedliche Menschenrassen nach dem Vorbild der Unterscheidung von Tierarten und Unterarten gibt es nicht; sie sind eine reine Konstruktion. Es macht deshalb einen gewaltigen Unterschied, ob man von Rasse oder Volk spricht. Der Begriff Volk ist wertfrei und beschreibt die Realit\u00e4t, w\u00e4hrend der Begriff Rasse eine Wertigkeit unter den Menschen widergibt, weil die \u00e4u\u00dferen Merkmale mit bestimmten Eigenschaften kombiniert werden, so dass beispielweise eine dunkle Hautfarbe mit geringer Intelligenz verkn\u00fcpft wird. Der franz\u00f6sische Philosoph Voltaire, der als einflussreichster Aufkl\u00e4rer gilt, schreibt 1755 in seinem Essay \u201e\u00dcber den Geist und die Sitten der Nationen\u201c: \u201eDie Rasse der Neger ist eine von der unsrigen v\u00f6llig verschiedene Menschenart. Man kann sagen, dass ihre Intelligenz nicht einfach anders geartet ist als die unsrige, sie ist ihr weit unterlegen.\u201c Auch Kant h\u00e4lt Dummheit f\u00fcr bewiesen, wenn jemand \u201evom Kopf bis auf die F\u00fc\u00dfe ganz schwarz\u201c ist. Die eigentlich irrelevanten k\u00f6rperlichen Unterschiede der Menschen spielen bei Rassentheoretikern eine zentrale Rolle, weil sie ihnen willk\u00fcrlich kognitive, moralische und andere Merkmale zuschreiben k\u00f6nnen. Genau darum geht es bei der Einteilung der Menschen in Rassen: eine Hierarchie zu schaffen, die vom wei\u00dfen Europ\u00e4er angef\u00fchrt wird, w\u00e4hrend der Rest in Abstufungen kognitiv, kulturell und zivilisatorisch minderwertig und zur\u00fcckgeblieben dasteht und infolgedessen unterworfen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wesentliche Frage muss lauten, wie und durch wen das Rassenkonzept und die daran gekn\u00fcpfte Vorstellung einer Hierarchie unter den Menschen aufgrund k\u00f6rperlicher Unterschiede popul\u00e4r wurden, warum der Rassismus sich durchsetzen konnte und wieso seine Vertreter bis heute nicht hinterfragt und kritisiert werden. Nur so l\u00e4sst sich beantworten, wieso der Rassismus noch heute Teil einer Gesellschaft ist, die sich f\u00fcr modern und aufgekl\u00e4rt h\u00e4lt. Selbst jene, die sich nicht f\u00fcr Rassisten halten, tragen mehr Rassismus in sich, als ihnen bewusst ist. Auch bei Kritikern des Rassismus fehlen eine echte Reflexion und ein Eingest\u00e4ndnis, dass die Wurzeln in der Aufkl\u00e4rung liegen. Die Suche nach den Ursachen endet bei ihnen immer beim Nationalsozialismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verbreitung des Rassenkonzepts erfolgte durch namhafte Personen, die man nicht mit Rassismus in Verbindung sehen will und auch nicht auf Anhieb damit assoziiert, obwohl sie aktiv daran beteiligt waren, den rassistischen Blick auf die Welt zu verbreiten und zu festigen. So bemerkt Friedrich Schiller bei seiner Antrittsrede als Geschichtsprofessor in Jena im Jahr 1789: \u201eDie Entdeckungen, welche unsere europ\u00e4ischen Seefahrer in fernen Meeren und auf entlegenen K\u00fcsten gemacht haben, geben uns ein eben so lehrreiches als unterhaltendes Schauspiel. Sie zeigen uns V\u00f6lkerschaften, die auf den mannigfaltigsten Stufen der Bildung um uns herum gelagert sind, wie Kinder verschiedenen Alters um einen Erwachsenen herum stehen und durch ihr Beispiel ihm in Erinnerung bringen, was er selbst vormals gewesen und wovon er ausgegangen ist.\u201c Aus Schillers Perspektive haben nichteurop\u00e4ische V\u00f6lker den Entwicklungsstand von Kindern und sind damit unm\u00fcndig \u2013 eine Meinung, die er mit vielen seiner Zeitgenossen teilt. Implizit hei\u00dft das, dass andere V\u00f6lker bevormundet werden k\u00f6nnen vom bereits \u201eerwachsenen\u201c Europ\u00e4er, da er ihnen an Bildung und Fortschritt weit voraus ist. Schiller thematisiert nicht nur den vermeintlich niedrigen Bildungsstand nichteurop\u00e4ischer V\u00f6lker, sondern auch die scheinbar fehlende zivilisatorische Entwicklung. In seiner Antrittsrede hei\u00dft es: \u201eWas erz\u00e4hlen uns die Reiseschreiber nun von diesen Wilden? Manche fanden sie ohne Bekanntschaft mit den unentbehrlichsten K\u00fcnsten, ohne das Eisen, ohne den Pflug, einige sogar ohne den Besitz des Feuers. Manche rangen noch mit wilden Thieren um Speise und Wohnung, bei vielen hatte sich die Sprache noch kaum von thierischen T\u00f6nen zu verst\u00e4ndlichen Zeichen erhoben.\u201c Der Ausdruck Mensch taucht hier bei Schiller in Zusammenhang mit anderen V\u00f6lkern nicht auf. Er beschreibt sie als Wilde, die von Tieren kaum zu unterscheiden sind, weder in ihrer Sprache noch in ihrem Verhalten. Schiller entmenschlicht sie v\u00f6llig, wenn er behauptet, dass sie \u201emit wilden Thieren um Speise und Wohnung\u201c konkurrierten, als die europ\u00e4ischen Seefahrer auf sie trafen. Zudem spricht Schiller diesen Wilden, wie er sie nennt, jedes Moralverhalten ab, weil sie, wie er meint, \u201enicht einmal das so einfache Band der <em>Ehe<\/em>\u201c kennen. In seiner Darstellung besitzen Sie au\u00dferdem nicht genug Intelligenz, um aus ihren Erfahrungen zu lernen. Schiller sagt hierzu: \u201e[\u2026] hier konnte die schlaffe Seele noch nicht einmal eine Erfahrung festhalten, die sie doch t\u00e4glich wiederholte [\u2026].\u201c Fassen wir die Punkte zusammen, die Schiller erw\u00e4hnt, dann sind nichteurop\u00e4ische Menschen Wilde, d.&nbsp;h. unzivilisiert, ungebildet, unm\u00fcndig und ohne Moral und Intelligenz. Sie sind zu Bildung und Fortschritt nicht f\u00e4hig und gleichen eher den Tieren als den Menschen. Diese Darstellung Schillers passt zu der verbreiteten Vorstellung, dass der Affe das h\u00f6chststehende Tier sei und deshalb in der Hierarchie der Rassen in n\u00e4chster N\u00e4he zur niedrigsten Menschenrasse, d.&nbsp;h. zum Schwarzen, stehe. Wer aber w\u00fcrde Schiller als Rassisten bezeichnen und ihn f\u00fcr sein rassistisches Menschenbild kritisieren wollen, wo er doch zu den gro\u00dfen deutschen Dichtern geh\u00f6rt und seine theoretischen Schriften ebenso zum kulturellen Erbe Deutschlands z\u00e4hlen wie seine Dichtung?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wulf D. Hund, Soziologieprofessor und Verfasser des Buches \u201eWie die Deutschen Wei\u00df wurden\u201c spricht von Rassismus als kulturellem Code, an dem Dichter, Musiker und Philosophen beteiligt sind. Hund konstatiert: \u201eDie Vorstellung, dass Rassismus eine Veranstaltung mehr oder weniger intellektuell zur\u00fcckgebliebener Dummbeutel ist, die Vorstellung ist falsch. Rassismus h\u00e4tte sich gar nicht zu dem entwickeln k\u00f6nnen, was es nicht nur heute ist, sondern fr\u00fcher schon war, wenn nicht die f\u00fchrenden K\u00f6pfe der jeweiligen Epoche daran mitgearbeitet h\u00e4tten.\u201c Es sind vor allem Intellektuelle, die damals wie heute daf\u00fcr sorgen, dass der Rassismus auch f\u00fcr kommende Generationen erhalten bleibt. Anders ausgedr\u00fcckt, ist der Rassismus in Deutschland ein Kulturgut, das von Epoche zu Epoche und von Generation zu Generation weitergegeben wird. Der Rassenbegriff ist n\u00e4mlich keine isolierte Idee, sondern h\u00e4ngt mit dem ganzen Konzept der Aufkl\u00e4rung zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Teil 2: <a href=\"http:\/\/kalifat1.com\/artikel\/3547-das-rassenkonzept-der-aufklaerung-teil-2\/\">Das Rassenkonzept der Aufkl\u00e4rung (Teil 2)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Teil 3: <a href=\"http:\/\/kalifat1.com\/artikel\/3561-das-rassenkonzept-der-aufklaerung-teil-3\/\">Das Rassenkonzept der Aufkl\u00e4rung (Teil 3)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rechtspopulismus von heute scheint auf den ersten Blick ein Erbe des Nationalsozialismus zu sein. 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