{"id":10480,"date":"2020-05-02T00:00:00","date_gmt":"2020-05-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10480"},"modified":"2020-05-02T00:00:00","modified_gmt":"2020-05-01T22:00:00","slug":"die-grundidee-des-kapitalismus-seine-auswirkungen-und-seine-falschheit-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10480","title":{"rendered":"Die Grundidee des Kapitalismus, seine Auswirkungen und seine Falschheit \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Automobilindustrie ist ein hervorragendes Beispiel daf\u00fcr, wie das kapitalistische Wirtschaftssystem funktioniert, n\u00e4mlich auf der Grundlage von Ausbeutung. Dies trat vor allem beim VW-Abgasskandal in Erscheinung. Selbst die breite \u00d6ffentlichkeit musste feststellen, wie unethisch der Produktionshintergrund der meisten Konsumg\u00fcter eigentlich ist, in diesem Fall des Elektroautos. Bei der Produktion von Elektroautos besteht das Hauptproblem vor allem in der Beschaffung wichtiger Ressourcen wie Kobalt. Kobalt ist ein wesentlicher Bestandteil moderner Lithium-Ionen- Batterien. Man kennt die Problematik bereits von der Herstellung von Handy-Akkus. F\u00fcr die Produktion von Elektroautos ben\u00f6tigen Automobilhersteller tonnenweise Kobalt. Der Abbau ist sehr aufw\u00e4ndig und umweltbelastend. Er rentiert sich nicht in L\u00e4ndern, in denen Arbeiter Rechte haben und es so etwas wie Umweltschutz gibt. Er funktioniert nur in Staaten, in denen man Menschen zu einem Hungerlohn und unter Lebensgefahr in Minen treiben kann. Mehr als die H\u00e4lfte des gef\u00f6rderten Kobalts stammt deshalb aus der Demokratischen Republik Kongo. Der Wunsch nach sauberer Luft ist nur zu realisieren, wenn daf\u00fcr die Gesundheit und das Leben von Menschen anderswo auf der Welt aufs Spiel gesetzt wird, und gleichzeitig keine Einbu\u00dfe den eigenen Nutzen betreffend zu erleiden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts der erhofften gewaltigen Wachstumsraten der Elektroautos in den n\u00e4chsten Jahrzehnten bef\u00fcrchten Experten der Autobranche bereits jetzt, dass die bisherige F\u00f6rderung des Ausgangsstoffes, Lithiumcarbonat, und andere wichtige Rohstoffe vor allem in Australien, S\u00fcdamerika und China nicht ausreichen d\u00fcrfte. Der zu erwartende Engpass l\u00e4sst die Automobilhersteller einen st\u00e4rkeren Fokus auf die Rohstoffquellen legen, sodass der eigene Profit keinesfalls gef\u00e4hrdet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grundgedanke der Verknappung von Nahrungsmitteln bzw. Rohstoffen f\u00fchrt Konzerne und Investoren weltweit, aber auch Staaten zu uners\u00e4ttlicher Handlungslust. Der Kampf um Ressourcen ist mittlerweile die zweith\u00e4ufigste Konfliktursache. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind meist der wirtschaftliche Aufschwung von Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern, allen voran China, das weltweite Wachstum von Schl\u00fcsselsektoren, wie Telekommunikation und Digitalisierung, die spezifische Materialien (z.B. Erze) ben\u00f6tigen, die nur in wenigen L\u00e4ndern vorhanden sind und abgebaut werden k\u00f6nnen, die Zunahme der Weltbev\u00f6lkerung sowie der Klimawandel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob die Konkurrenz um Ressourcen sich versch\u00e4rft, ist dabei gar nicht allein von der verf\u00fcgbaren physischen Menge abh\u00e4ngig, sondern vielmehr von der relativen Knappheit, d.h. von der konkreten Verteilung der Vorkommen und Zugangsrechte sowie der Nachfrage. In der Theorie der Marktwirtschaft regelt sich das Verh\u00e4ltnis aus Angebot und Nachfrage \u00fcber den Preis. Schlie\u00dflich haben alle Seiten prinzipiell die M\u00f6glichkeit, ihren Ressourcenbedarf \u00fcber Kauf und Handel zu decken. Doch gerade auf den internationalen Rohstoffm\u00e4rkten funktioniert dieser Mechanismus h\u00e4ufig schlecht. Wirtschaftliche Kartelle und Oligopole oder protektionistische Staaten verzehren aufgrund ihrer dominierenden Marktmacht bzw. mit Z\u00f6llen und anderen Handelsbeschr\u00e4nkungen den Markt. Hinzu kommen Spekulanten, die turbulente Preisentwicklungen anfachen, ausnutzen und damit k\u00fcnstliche Knappheit oder ein k\u00fcnstliches \u00dcberangebot hervorrufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verteilungskonkurrenz eskaliert meist dann, wenn eine Partei die Konkurrenz um eine bestimmte Ressource mit anderen Interessen verkn\u00fcpft oder als Bedrohung der eigenen Sicherheit wahrnimmt. Es geht nicht mehr nur um eine marktkonforme Verteilung von Ressourcen, sondern um politische Ziele, wie Machterhalt, regionale Vorherrschaft, Sezession oder ideologische Dominanz. Solche politischen Konflikte gehen viel h\u00e4ufiger als die rein wirtschaftliche Konkurrenz mit dem Einsatz von Gewalt einher und lassen sich deshalb auch schlechter bearbeiten und regulieren. Der Erdgasstreit zwischen Russland und der Ukraine eskalierte vor allem deswegen, weil beide Seiten haupts\u00e4chlich eine politische Agenda verfolgten. Moskau wollte die Ukraine zwingen, einen deutlich \u00fcberh\u00f6hten Gaspreis zu bezahlen. Kiew sperrte im Gegenzug die Pipeline nach Westeuropa, um dort strategische Zweifel an der Zuverl\u00e4ssigkeit der russischen Erdgaslieferungen zu wecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Konfliktursache h\u00e4ngt mit dem Reichtum an Ressourcen zusammen. Auffallend ist, dass ein solcher \u201eRessourcenfluch\u201c meist in rohstoffreichen Entwicklungs- oder Schwellenl\u00e4ndern zu beobachten ist. Die Aussicht auf Vorteil und Gewinn wecken die \u201eHabgier\u201c sowohl staatlicher als auch wirtschaftlicher und krimineller Akteure. Schwache Staatlichkeit und schlechte Regierungsf\u00fchrung schaffen zudem einen fruchtbaren N\u00e4hrboden f\u00fcr Korruption und Klientelismus. Verteilungsk\u00e4mpfe und Konflikte werden angefacht. Die Gewinne flie\u00dfen in die Taschen der politischen Eliten, internationaler Konzerne und krimineller Netzwerke. Die breite Bev\u00f6lkerung geht meist leer aus. Rund 75% der armen Bev\u00f6lkerung lebt heute in rohstoffreichen L\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Statt Kleinbauern zu f\u00f6rdern, die sich und die Bev\u00f6lkerung der Region versorgen k\u00f6nnten, werden riesige Fl\u00e4chen f\u00fcr eine industriell betriebene Landwirtschaft genutzt, um Getreide f\u00fcr weit entfernte Absatzm\u00e4rkte zu produzieren. Das s\u00fcdkoreanische Handelsunternehmen Daewoo erwarb Ende 2008 in Madagascar die Rechte an 1,3 Millionen Hektar Land &#8211; etwa die H\u00e4lfte der fruchtbaren Fl\u00e4che der Insel, die das Unternehmen im Wesentlichen als Ackerland nutzte, auf dem es Mais und Palm\u00f6l anbaute. Als Pachtzins war die erstaunliche Summe von Null Dollar vereinbart. Die Insel selbst ist auf Reisimporte angewiesen und rangiert im Welthungerindex auf einem der hinteren Pl\u00e4tze. <em>\u201eWir werden Arbeitspl\u00e4tze bereitstellen\u201c<\/em>, erkl\u00e4rte ein Daewoo-Sprecher. Das Unternehmen bringe Know-how und Fachleute auf die Insel und steigere so die Produktivit\u00e4t des Landes. F\u00fcr die internationale Umwelt- und Agrarorganisation Grain ist der Daewoo-Deal mit Madagaskar ein besonders krasser Fall von Landraub, der die Ern\u00e4hrungssicherung der heimischen Bev\u00f6lkerung gef\u00e4hrde. Die Folge war, dass Kleinbauer enteignet wurden. Zudem kam es zu blutigen Aufst\u00e4nden gegen die eigene Regierung, sowie Bodenerosionen und Abholzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zuge der \u201eVerknappung von Nahrungsmitteln\u201c, des Booms von Agrotreibstoffen und der Immobilienkrise wurde die Bedeutung von Ackerland neu definiert. Meist zum Schaden der lokalen Bev\u00f6lkerung. An diesem Landraub beteiligen sich nicht nur westliche Kolonialm\u00e4chte, sondern auch L\u00e4nder wie Indien und \u00c4gypten. In \u00c4thiopien beteiligen sich neben Indien auch andere L\u00e4nder am Landraub. Anfang 2010 hat die Regierung die Verpachtung von 22.000 Hektar an die National Bank of Egypt (NBE) bewilligt. Der benachbarte Zwergstaat Dschibuti hat 3.000 Hektar in Bale erworben. Saudi Star PLC, ein Konzern des Milliard\u00e4rs Scheich Mohamed Al Amudi, ein in \u00c4thiopien geborener Saudi, hat dort 10.000 Hektar f\u00fcr Reis bekommen, der f\u00fcr Saudi-Arabien bestimmt ist. China soll in der Demokratischen Republik Kongo 2,8 Mio. Hektar f\u00fcr die weltgr\u00f6\u00dfte Palm\u00f6lplantage erworben haben. S\u00fcdkorea hat im Sudan 690.000 Hektar f\u00fcr Weizen gepachtet. Die Vereinigten Arabischen Emirate bauen dort auf \u00fcber 400.000 Hektar Mais, Bohnen, Alfalfa, Kartoffeln und Weizen an, \u00c4gypten auf etwa der gleichen Fl\u00e4che Weizen. Die Nachfrage wird kaum nachlassen. Andere Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass Staaten und Firmen weltweit in Fl\u00e4chen von 15 Mio. Hektar investiert haben \u2013 davon betroffen sind aber neben Afrika auch Lateinamerika und Asien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allah (t) hat die Welt und die Menschheit erschaffen und ihre Versorgung (<em>rizq<\/em>) auf Erden garantiert. Die Ursache f\u00fcr die Armut der Menschen bzw. mancher L\u00e4nderteile oder sogar Kontinente ist nicht auf Ressourcenknappheit zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern eher darauf, dass der Kapitalismus das Privateigentum an \u00f6ffentlichen G\u00fctern erlaubt, was folglich zu den oben beschriebenen Folgen f\u00fchrt. Die Ursache f\u00fcr all das Elend ist daher die Profitgier und die Habgier des kapitalistischen Systems und die ungerechte Verteilung der zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kapitalistische Wirtschaftssystem konzentriert sich n\u00e4mlich nur auf ein Ziel, n\u00e4mlich den Reichtum eines Landes als Ganzes zu erh\u00f6hen. Die Vermischung der Untersuchung der Bed\u00fcrfnisbefriedigung mit der Untersuchung der Befriedigungsmittel lie\u00df den \u00d6konomen seinen Fokus eher auf die Produktion des Verm\u00f6gens legen, als auf die Umverteilung zur Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse. Er strebt das h\u00f6chstm\u00f6gliche Produktionsniveau an und macht die Erlangung des h\u00f6chstm\u00f6glichen Wohlstandes f\u00fcr die Individuen vom Anstieg des Bruttoinlandsproduktes und des Produktionsniveaus im Lande abh\u00e4ngig. Die Freiheit, arbeiten zu gehen und sich Verm\u00f6gen aneignen zu k\u00f6nnen soll dem Individuum erm\u00f6glichen, gem\u00e4\u00df seinen Kapazit\u00e4ten und F\u00e4higkeiten Verm\u00f6gen zu erlangen. Und zwar abgesehen davon, ob alle Einzelpersonen tats\u00e4chlich ausreichend Verm\u00f6gen erlangen k\u00f6nnen oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die heutige Wirtschaftsleistung aller L\u00e4nder zusammen k\u00f6nnte ohne Probleme 12 Milliarden Menschen ern\u00e4hren. Im Gegensatz dazu sind 23 Mio. Menschen, wie im Jemen, Somalia oder Kenia vom Hungertod bedroht. Nach den Berichten der Weltbank k\u00f6nnten alleine von den nicht angebauten Ackerfl\u00e4chen 30 Milliarden Menschen ern\u00e4hrt werden, falls sie angebaut und gerecht verteilt w\u00fcrden. So viel nicht benutztes Ackerfl\u00e4chenpotenzial besteht also aktuell auf der Erde. Stattdessen gehen t\u00e4glich 830 Millionen Menschen hungrig ins Bett. J\u00e4hrlich sterben 6 Millionen Menschen nur an Hunger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Afrika leidet unter chronischem Wassermangel, obwohl unter dem Kontinent fast 14.000-mal so viel Wasser wie im Bodensee lagert. Warum die einheimische Bev\u00f6lkerung diese Quelle nicht aussch\u00f6pfen kann, liegt auf der Hand. Denn gro\u00dfe Trinkwasser-Produzenten wie Nestl\u00e9 Waters &amp; Co. erkaufen sich f\u00fcr wenig Geld die Lizenz, vor Ort Brunnen zu bauen, und verkaufen das Wasser in Flaschen f\u00fcr viel Geld. Tats\u00e4chlich sprudelt das Mineralwasser-Gesch\u00e4ft so kr\u00e4ftig wie nie. In Deutschland stieg zuletzt die Mineralwasserproduktion auf ein Rekordniveau. Und in Schwellenl\u00e4ndern boomt die Nachfrage nach in Flaschen abgef\u00fclltem Trinkwasser, weil viele St\u00e4dte keine ausreichend gute kommunale Wasserinfrastruktur besitzen. Vor Ort liefern sich Nestl\u00e9 (Vitel und San Pellegrino), Coca-Cola (Vio) und Danone (Volvic und Hayat)) einen Kampf um den Durst der Asiaten und S\u00fcdamerikaner. Der Schweizer Filmemacher Res Gehriger deckte in seinem Anti-Nestl\u00e9-Film \u201eBottled Life\u201c auf, dass im pakistanischen Dorf Bhatti Dilwan nahe der Wasserproduktion von Nestl\u00e9 der Grundwasserspiegel sank und eine ganze Reihe von Brunnen versiegten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der weltweite Wasserverbrauch f\u00fcr die Bew\u00e4sserung von Golfpl\u00e4tzen entspricht ca. einem Gesamtwasserbedarf des Menschen von 4,3 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Um das Wasserproblem auf der Erde zu l\u00f6sen und neue Quellen im Universum zu erforschen, werden ca. 18,5 Milliarden US-Dollar investiert, wobei das Grundwasserproblem in Somalia nur mit 1,7 Milliarden US-Dollar bereits gel\u00f6st w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die Industriestaaten nur 1\/5 der Weltbev\u00f6lkerung ausmachen, verbrauchen sie 2\/3 der Nahrungsmittel und 80% der Rohstoffe. Insgesamt sind 2,1 Milliarden Menschen \u00fcbergewichtig, vor allem in den Industriel\u00e4ndern. Dort wird zudem ein betr\u00e4chtlicher Teil der Nahrung weggeworfen. Allein in Deutschland wirft jeder Mensch im Durchschnitt j\u00e4hrlich 82 kg an Lebensmitteln in den M\u00fcll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folgen der ungerechten Verteilung liegen also auf der Hand. 42 Reiche besitzen so viel, wie 3,7 Mio. Arme an Verm\u00f6gen besitzen. Die Gesamtbev\u00f6lkerungszahl Afrikas betr\u00e4gt 1,216 Milliarden Menschen. Um die Armut in Afrika endg\u00fcltig zu beenden, w\u00fcrde das Verm\u00f6gen der 14 reichsten Menschen v\u00f6llig ausreichen. Alleine die Ausgaben der Superreichen an Luxusyachten und Jets in H\u00f6he von 33 Milliarden US-Dollar ist h\u00f6her als der weltweite Nahrungsmittelbedarf der Bed\u00fcrftigen in H\u00f6he von 30 Milliarden Dollar j\u00e4hrlich. Das Verm\u00f6gen der drei reichsten Menschen der Welt ist gr\u00f6\u00dfer als das Bruttoinlandsprodukt der 48 \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt. Eines der bedeutendsten Unternehmen, die am amerikanischen B\u00f6rsenmarkt notiert sind, hat einen Unternehmenswert von 320 Milliarden US-Dollar. Dieser Wert ist h\u00f6her als das Bruttoinlandsprodukt von L\u00e4ndern wie Pakistan oder Bangladesch, deren Bev\u00f6lkerung zusammengenommen fast 400 Mio. Menschen umfasst. Die Anstrengung und Produktion von beinahe 400 Mio. Menschen haben also nicht so viel Wert, wie die eines amerikanischen Konzerns. Deutlich wird die soziale Ungleichheit auch am extremen Lohngef\u00e4lle: In nur vier Tagen verdient der Vorstandsvorsitzende von einem der f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Modekonzerne so viel wie eine N\u00e4herin in Bangladesch in ihrem ganzen Leben. Superreiche gewinnen 2,5 Milliarden Dollar pro Tag, wobei die H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung immer \u00e4rmer wird. Die Verm\u00f6gen der Milliard\u00e4re sind im vergangenen Jahr um 12% gestiegen, w\u00e4hrend die \u00e4rmere H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung Einbu\u00dfen von 11% erlitten hat \u2013 dies entspricht etwa 500 Mio. US-Dollar pro Tag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese so genannte politische \u00d6konomie ist grundlegend falsch und widerspricht der Realit\u00e4t. Sie f\u00fchrt nicht zu einem Anstieg des Lebensstandards f\u00fcr alle Einzelpersonen und gew\u00e4hrleistet keinen Wohlstand f\u00fcr jedes Individuum. Der Fehler steckt in der Ignorierung der Tatsache, dass die Bed\u00fcrfnisse, die als menschliche Bed\u00fcrfnisse eine Befriedigung erfordern, individuelle Bed\u00fcrfnisse sind und nicht die Bed\u00fcrfnisse eines Kollektivs. Das Problem liegt also nicht in der darin, das Bruttoinlandsprodukt zu erh\u00f6hen, sondern eher darin, herauszufinden, was die grundlegenden Bed\u00fcrfnisse des Menschen in seiner Eigenschaft als Mensch sind, sowie in der Umverteilung des Verm\u00f6gens auf die Individuen der Gesellschaft. Nur so kann die Befriedigung der grundlegenden Bed\u00fcrfnisse des Menschen gew\u00e4hrleistet werden. Denn die Behandlung der Armut eines Landes l\u00f6st nicht das Armutsproblem jedes Einzelnen in diesem Land. Umgekehrt spornt die L\u00f6sung des Armutsproblems der Einzelnen und die Umverteilung des Reichtums im Land das Kollektiv der Bev\u00f6lkerung und die Einzelpersonen dazu an, das Bruttoinlandsprodukt des Landes zu erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Behauptung, dass die relative Knappheit der Waren und Dienstleistungen das Wirtschaftsproblem verk\u00f6rpert, mit dem die Gesellschaft konfrontiert ist, ist falsch. Auch ist die Aussage falsch, dass die Grundlage des Wirtschaftsproblems die Unzahl an Bed\u00fcrfnissen ist, der nur beschr\u00e4nkte Befriedigungsmittel gegen\u00fcberstehen, dass also die Waren und Dienstleistungen nicht ausreichen, um alle Bed\u00fcrfnisse des Menschen vollst\u00e4ndig zu befriedigen. Beides sind falsche Behauptungen, die der Realit\u00e4t widersprechen. Denn die Bed\u00fcrfnisse, die eine unbedingte Befriedigung erfordern, sind die Grundbed\u00fcrfnisse des Einzelnen in seiner Eigenschaft als Mensch und nicht die sekund\u00e4ren Bed\u00fcrfnisse oder das Bed\u00fcrfnis nach Luxusg\u00fctern, auch wenn der Mensch ihre Befriedigung anstrebt und sich daf\u00fcr einsetzt. Diese grundlegenden Bed\u00fcrfnisse sind sehr wohl beschr\u00e4nkt. Und die Mittel (Waren und Dienstleistungen) zur Befriedigung dieser sind in gen\u00fcgendem Ma\u00dfe auf der Welt vorhanden. So ist es ohne weiteres m\u00f6glich, die Grundbed\u00fcrfnisse f\u00fcr alle einzelnen Verbraucher vollst\u00e4ndig zu befriedigen. Somit ist das vorliegende Problem nicht ein Problem die Grundbed\u00fcrfnisse betreffend, sondern eher ein Verteilungsproblem. Das wirtschaftliche Problem liegt also in der Umverteilung der Waren und Dienstleistungen auf die Einzelpersonen, um deren grundlegenden Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das oben geschilderte Ph\u00e4nomen ist den \u00d6konomen bekannt. Ihre Armutsbek\u00e4mpfungsans\u00e4tze bzw. L\u00f6sungsans\u00e4tze sind allerdings zum Teil kapitalistisch. So sehen Systemkritiker und \u00d6konomen die Probleml\u00f6sungsfindung bei Konzernen und Regenten. Sie sehen nicht, dass das System selbst die Ursache f\u00fcr das Problem darstellt. Entsprechend sind ihre L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge teilkapitalistisch. Um bspw. der Nahrungsmittelknappheit in Afrika entgegenzuwirken, liefert die Europ\u00e4ische Union \u00fcbersch\u00fcssige Agrarprodukte zu Dumpingpreisen in diese Gebiete, mit dem Ergebnis, dass die einheimische Produktion nicht mehr konkurrenzf\u00e4hig ist und ihrer Grundlage beraubt wird. Naturschutzorganisationen streben Ma\u00dfnahmen an, mit dem Ziel, die Armut zu bek\u00e4mpfen, damit die Wilderei auf die Tiere in Naturschutzgebieten verhindert werden kann. Der franz\u00f6sische \u00d6konom Thomas Piketty vertritt in seinem Buch \u201eDas Kapital im 21. Jahrhundert\u201c (2014) folgende Auffassung: Er pl\u00e4diert zur Korrektur des genannten Problems f\u00fcr eine progressive Einkommensteuer sowie f\u00fcr eine globale Kapitalsteuer. Dies sind nur einige Beispiele f\u00fcr die vielen teilkapitalistischen L\u00f6sungsans\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses durch Menschenhand verursachte \u00dcbel und Elend auf Erden ist eigentlich nur auf eine Ursache zur\u00fcck zu f\u00fchren, n\u00e4mlich auf den Grundgedanken des Kapitalismus, also auf die Trennung der Bindung zwischen dem Sch\u00f6pfer und dem Gesch\u00f6pf. Dieser Gedanke f\u00fchrte zu einem Gesellschaftssystem, das der menschliche Verstand hervorbrachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So sagt Allah (t) im Koran:<\/p>\n\n\n\n<section class=\"wp-block-kommy-quran-block\"><p class=\"quran-block-arabic\"><span>\ufd3f<\/span><span class=\"quran-block-arabic-content\">\u0638\u064e\u0647\u064e\u0631\u064e \u0627\u0644\u0652\u0641\u064e\u0633\u064e\u0627\u062f\u064f \u0641\u0650\u064a \u0627\u0644\u0652\u0628\u064e\u0631\u0650\u0651 \u0648\u064e\u0627\u0644\u0652\u0628\u064e\u062d\u0652\u0631\u0650 \u0628\u0650\u0645\u064e\u0627 \u0643\u064e\u0633\u064e\u0628\u064e\u062a\u0652 \u0623\u064e\u064a\u0652\u062f\u0650\u064a \u0627\u0644\u0646\u064e\u0651\u0627\u0633\u0650 \u0644\u0650\u064a\u064f\u0630\u0650\u064a\u0642\u064e\u0647\u064f\u0645 \u0628\u064e\u0639\u0652\u0636\u064e \u0627\u0644\u064e\u0651\u0630\u0650\u064a \u0639\u064e\u0645\u0650\u0644\u064f\u0648\u0627 \u0644\u064e\u0639\u064e\u0644\u064e\u0651\u0647\u064f\u0645\u0652 \u064a\u064e\u0631\u0652\u062c\u0650\u0639\u064f\u0648\u0646\u064e<\/span><span>\ufd3e<\/span><\/p><p class=\"quran-block-trans-ref\"><span class=\"quran-block-translation\">Unheil ist auf dem Festland und im Meer erschienen wegen dessen, was die H\u00e4nde der Menschen erworben haben, damit Er sie einiges von dem kosten l\u00e4sst, was sie getan haben, auf dass sie umkehren m\u00f6gen.<\/span><span class=\"quran-block-reference\"><span>[<\/span><span class=\"quran-block-reference-content\">30:41<\/span><span>]<\/span><\/span><\/p><\/section>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Geschichte der Menschheit gab es keine Katastrophe und kein Ereignis, dass derma\u00dfen viele Hungertode forderte, wie der Kapitalismus. Eine derart absurd hohe Opferzahl hat die Menschheitsgeschichte h\u00f6chstwahrscheinlich noch nie erleiden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<section class=\"wp-block-kommy-quran-block\"><p class=\"quran-block-arabic\"><span>\ufd3f<\/span><span class=\"quran-block-arabic-content\">\u0648\u064e\u0625\u0650\u0630\u064e\u0627 \u062a\u064e\u0648\u064e\u0644\u064e\u0651\u0649\u0670 \u0633\u064e\u0639\u064e\u0649\u0670 \u0641\u0650\u064a \u0627\u0644\u0652\u0623\u064e\u0631\u0652\u0636\u0650 \u0644\u0650\u064a\u064f\u0641\u0652\u0633\u0650\u062f\u064e \u0641\u0650\u064a\u0647\u064e\u0627 \u0648\u064e\u064a\u064f\u0647\u0652\u0644\u0650\u0643\u064e \u0627\u0644\u0652\u062d\u064e\u0631\u0652\u062b\u064e \u0648\u064e\u0627\u0644\u0646\u064e\u0651\u0633\u0652\u0644\u064e \u06d7 \u0648\u064e\u0627\u0644\u0644\u064e\u0651\u0647\u064f \u0644\u064e\u0627 \u064a\u064f\u062d\u0650\u0628\u064f\u0651 \u0627\u0644\u0652\u0641\u064e\u0633\u064e\u0627\u062f\u064e<\/span><span>\ufd3e<\/span><\/p><p class=\"quran-block-trans-ref\"><span class=\"quran-block-translation\">Wenn er sich abkehrt, bem\u00fcht er sich eifrig darum, auf der Erde Unheil zu stiften und Saatfelder und Nachkommenschaft zu vernichten. Aber Allah liebt nicht das Unheil.<\/span><span class=\"quran-block-reference\"><span>[<\/span><span class=\"quran-block-reference-content\">2:205<\/span><span>]<\/span><\/span><\/p><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Automobilindustrie ist ein hervorragendes Beispiel daf\u00fcr, wie das kapitalistische Wirtschaftssystem funktioniert, n\u00e4mlich auf der Grundlage von Ausbeutung. <\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":2878,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[303,837,1116,1434],"class_list":["post-10480","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-westliche-konzeptionen","tag-auswirkungen","tag-falschheit","tag-grundidee","tag-kapitalismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10480","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10480"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10480\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2878"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}