{"id":10516,"date":"2020-08-24T00:00:00","date_gmt":"2020-08-23T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10516"},"modified":"2020-08-24T00:00:00","modified_gmt":"2020-08-23T22:00:00","slug":"kommentar-sind-abkommen-eine-loesung-fuer-palaestina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10516","title":{"rendered":"Kommentar: Sind Abkommen eine L\u00f6sung f\u00fcr Pal\u00e4stina?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jedes Mal, wenn ein arabischer Staat ein Abkommen mit \u201eIsrael\u201c schlie\u00dft, brodelt es in uns. \u00c4gypten beging als erstes arabisches Land diesen Tabubruch. Der \u00e4gyptische Pr\u00e4sident Anwar as-Sadat unterzeichnete 1979 &#8211; nat\u00fcrlich in Washington \u2013 einen Friedensvertrag und signalisierte damit seinem Vertragspartner \u201eIsrael\u201c, dass ihm die Regenten der islamischen Welt zu Diensten sind. Nun haben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ein Abkommen mit \u201eIsrael\u201c geschlossen und gelten neben \u00c4gypten und Jordanien als dritter arabischer Staat, der \u201eIsrael\u201c anerkennt \u2013 als h\u00e4tten alle anderen arabischen Staaten dies nicht l\u00e4ngst getan, nur weil sie es noch nicht in einem Abkommen mit \u201eIsrael\u201c offiziell gemacht haben. Und wenn ein Staat wie die T\u00fcrkei das Abkommen zwischen den VAE und \u201eIsrael\u201c verurteilt, sollte er sich zun\u00e4chst seine eigenen Abkommen mit \u201eIsrael\u201c ins Bewusstsein rufen und erst einmal mit sich ins Gericht gehen. Die Umma ist sich des Verrats ihrer Regenten durchaus bewusst, die sich \u00fcber den \u201eisraelischen\u201c Tisch ziehen lassen, weil am Ende nicht sie daf\u00fcr zahlen, sondern die Umma mit ihrem Boden, ihrem Eigentum und ihrem Leben. Jedes neue Abkommen, dessen Sinn und Zweck ist, \u201eIsrael\u201c den R\u00fccken f\u00fcr seinen Raub freizuhalten, muss von der Umma teuer bezahlt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es k\u00f6nnen noch so viele Abkommen zwischen den islamischen L\u00e4ndern und \u201eIsrael\u201c geschlossen werden, sie k\u00f6nnen nicht \u00fcber die wahre Geschichte hinwegt\u00e4uschen, dass mit der Staatsgr\u00fcndung \u201eIsraels\u201c Menschen ihres Landes beraubt und vertrieben wurden und ein politisches Unrecht im Raum steht, das nicht verbalisiert werden darf. Allein die Andeutung, die Gr\u00fcndung \u201eIsraels\u201c sei nicht \u201ekoscher\u201c, wird von der westlichen Welt verurteilt und geahndet, weil sie ihre Finger mit im Spiel hatte, allen voran Gro\u00dfbritannien, und \u201eIsrael\u201c f\u00fcr sie von Interesse ist in der islamischen Welt. Man darf es \u2013 allen Fakten zum Trotz \u2013 nicht denken und vor allem darf man es nicht \u00e4u\u00dfern. Bei dem Thema \u201eIsrael\u201c und Pal\u00e4stina f\u00fchlt man sich fast wie Winston Smith, der Protagonist aus George Orwells \u201e1984\u201c, der meint: \u201eFreiheit ist die Freiheit zu sagen, das zwei plus zwei vier ist.\u201c Im Verh\u00f6r wird ihm jedoch nahegelegt: \u201eManchmal, Winston, gilt zwei plus zwei gleich f\u00fcnf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Umma geht diese Rechnung jedoch nicht auf, denn die Geschichte Pal\u00e4stinas beginnt nicht erst mit dem 14. Mai 1948, als David Ben-Gurion einen Staat \u201eIsrael\u201c ausrief, als w\u00e4re Pal\u00e4stina ein unbev\u00f6lkertes Land gewesen und die Juden Pioniere, die es neu erschlossen und besiedelt h\u00e4tten. Sie trafen nicht auf ein primitives Volk, das man mit ein paar wertlosen Glasperlen t\u00e4uschen konnte, um im Tausch ihr kostbares Gold zu rauben, wie einst auf dem amerikanischen Kontinent. Die Geschichte Pal\u00e4stinas beginnt auch nicht erst mit dem Sykes-Picot-Abkommen von 1916, in welchem Gro\u00dfbritannien und Frankreich die Provinzen des islamischen Kalifats unter sich aufteilten. Das Abkommen sah f\u00fcr Pal\u00e4stina, das seit 638 n. Chr. Teil des Kalifats war, eine internationale Verwaltung vor, was die Grundsteinlegung des Unrechts in Pal\u00e4stina darstellt. Pal\u00e4stina wurde zum Spielball der Gro\u00dfm\u00e4chte und am Ende den Zionisten \u2013 und nicht etwa den Juden \u2013 in die H\u00e4nde gespielt, als Gro\u00dfbritannien ihnen in der Balfour-Deklaration von 1917 die Zusage machte, ihnen in Pal\u00e4stina eine \u201enationale Heimst\u00e4tte\u201c zu errichten. Es war das Jahr, in welchem die Briten die Herrschaft in Pal\u00e4stina \u00fcbernahmen. Aber an dem Unrecht war nicht nur Gro\u00dfbritannien beteiligt. Im Jahr 1922 best\u00e4tigte der V\u00f6lkerbund das britische Mandat \u00fcber Pal\u00e4stina.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zionisten gr\u00fcndeten einen Staat in Pal\u00e4stina, weil die Gro\u00dfm\u00e4chte ihnen dies erm\u00f6glichten, und nicht, weil es den Holocaust gab. Die Staatsgr\u00fcndung steht mit dem Nationalsozialismus in Deutschland in keinem Zusammenhang, da die Zionisten Pal\u00e4stina bereits Ende des 19. Jahrhunderts ins Auge gefasst und es als Heimst\u00e4tte der Juden propagiert hatten. Es wurde lediglich der passende Zeitpunkt abgewartet und dieser ergab sich mit der Herrschaft der Briten in Pal\u00e4stina und der Zerst\u00f6rung des Kalifats. Entscheidend war vor allem, dass Mustafa Kemal Atat\u00fcrk im Auftrag der Kolonialm\u00e4chte das Kalifat zerst\u00f6rt hatte, wodurch Pal\u00e4stina seinen Schutz verlor. Nicht die Juden waren das Problem, denn schon immer lebten Juden im Kalifat und konnten ihre Religion unbehelligt aus\u00fcben, w\u00e4hrend sie in Europa permanent verfolgt wurden. Das Problem waren und sind vielmehr die Zionisten und ihre Ziele in Pal\u00e4stina. Die sp\u00e4tere Verfolgung der Juden in Deutschland und Europa f\u00f6rderte das zionistische Vorhaben zus\u00e4tzlich, weil es keiner gro\u00dfen \u00dcberzeugungsarbeit mehr bedurfte, um die Juden zum Auswandern zu bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abdulhamid II., der 1876 das Kalifenamt \u00fcbernahm, war sich der Gefahr f\u00fcr Pal\u00e4stina durch die Gro\u00dfm\u00e4chte und die Zionisten bewusst. Die Juden begannen bereits in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts nach Pal\u00e4stina auszuwandern und sich dort anzusiedeln. Der Kalif durchschaute das Vorhaben und forderte den Verwalter Jerusalems in einem Memorandum auf, keine russischen, rum\u00e4nischen und bulgarischen Juden einreisen zu lassen, um die weitere Ansiedlung von Juden in Pal\u00e4stina zu verhindern. Theodor Herzl, der Begr\u00fcnder des Zionismus, bot Abdulhamid II. sogar 20 Millionen Pfund Sterling an, um die j\u00fcdische Einwanderung in Pal\u00e4stina zu f\u00f6rdern und den Juden Land zu geben, wo sie selbst autonom regieren konnten. Abdulhamid II. lehnte trotz leerer Staatskassen das Angebot mit der Begr\u00fcndung ab, dass jeder Zoll Pal\u00e4stinas unver\u00e4u\u00dferlicher Boden der islamischen Umma sei. Ihm war bewusst, dass Pal\u00e4stina mit dem Kalifat steht und f\u00e4llt. Seine folgenden Worte bringen dies zum Ausdruck und sollten sich schlie\u00dflich bewahrheiten: \u201eDie Juden k\u00f6nnen ihre Millionen behalten. Wenn der Tag kommt, an dem das Kalifat zerf\u00e4llt, k\u00f6nnen Sie Pal\u00e4stina umsonst haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus der Abwesenheit des Kalifats erkl\u00e4rt sich die weitere Geschichte Pal\u00e4stinas und das Unrecht, das den Pal\u00e4stinensern von allen Seiten widerfahren ist und weiterhin wiederf\u00e4hrt. Noch vor der Ausrufung eines Staates \u201eIsrael\u201c beschlossen die Vereinten Nationen 1947 die Teilung Pal\u00e4stinas in einen arabischen und einen j\u00fcdischen Flickenteppich, wobei den Juden, die die Minderheit ausmachten, mehr als die H\u00e4lfte Pal\u00e4stinas zugesprochen wurde. Jerusalem sollte eine internationale Verwaltung erhalten. Aber zur Umsetzung dieses Teilungsplans sollte es nicht mehr kommen und am Ende bekamen die Pal\u00e4stinenser nichts. Und dieses Nichts nimmt man ihnen bis heute St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck weg und erkl\u00e4rt sie f\u00fcr antisemitische Terroristen, wenn sie sich der israelischen Siedlungspolitik widersetzen und sich nicht vertreiben und ihres Eigentums berauben lassen wollen. Diese Menschenrechtsverbrechen interessieren den Rest der Welt nicht und werden auch nicht als Verbrechen oder als Unrecht wahrgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Unrecht, das mit der Ausrufung eines Staates \u201eIsrael\u201c einherging, bezeichnet man inzwischen als Nahostkonflikt. Die internationale Welt mit den USA an der Spitze gibt vor, eine L\u00f6sung des sogenannten Nahostkonflikts anzustreben. Im Grunde geht es bei dieser L\u00f6sung darum, die Pal\u00e4stinenser dazu zu bewegen, die Brotkrumen, die man ihnen vorwirft, zu akzeptieren. Diese Brotkrumen reichen weder f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, die in Pal\u00e4stina geblieben sind, noch f\u00fcr die unz\u00e4hligen Pal\u00e4stinenser, die von den Zionisten vertrieben wurden und vor deren Verbrechen fliehen mussten. Viele von ihnen leben noch immer in Fl\u00fcchtlingslagern, etwa im Libanon, wo sie als Menschen zweiter Klasse leben, die weder arbeiten noch Eigentum besitzen d\u00fcrfen. Wenn sie au\u00dferhalb der dicht besiedelten Lager siedeln, sind sie von Zwangsr\u00e4umungen bedroht. Wer meint, aus einer L\u00f6sung des Nahostkonflikts wird irgendwann ein souver\u00e4ner Nationalstaat der Pal\u00e4stinenser hervorgehen, sollte sich der politischen Realit\u00e4t stellen, dass es einen solchen niemals geben wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Nahostkonflikt ist Teil eines viel gr\u00f6\u00dferen Problems, das nicht nur die pal\u00e4stinensischen Muslime betrifft, sondern die gesamte Umma. Es besteht im fehlenden Kalifat. Geht es denn beispielweise den Syrern besser, weil sie einen Staat haben, oder aber den Irakern, den Libyern, den Jemeniten oder den Afghanen? Der schlimme Zustand in der islamischen Welt ist nichts anderes als ein Resultat des Zerfalls des Kalifats, wodurch die Muslime insgesamt den kapitalistischen Staaten schutzlos ausgeliefert sind. Dies spiegelt sich auch im Abkommen zwischen den VAE und \u201eIsrael\u201c wider. Die Regenten in der islamischen Welt geben die Muslime preis, statt sie nach dem Beispiel eines Abdulhamid II. zu sch\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Mal, wenn ein arabischer Staat ein Abkommen mit \u201eIsrael\u201c schlie\u00dft, brodelt es in uns. \u00c4gypten beging als erstes arabisches Land diesen Tabubruch.<\/p>\n","protected":false},"author":92,"featured_media":3076,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[77,1367,1987,2699],"class_list":["post-10516","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommentar","tag-abkommen","tag-israel","tag-palaestina","tag-vae"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10516","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/92"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10516"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10516\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3076"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10516"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10516"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10516"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}