{"id":10518,"date":"2020-09-06T00:00:00","date_gmt":"2020-09-05T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10518"},"modified":"2020-09-06T00:00:00","modified_gmt":"2020-09-05T22:00:00","slug":"koenig-der-bestien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10518","title":{"rendered":"K\u00f6nig der Bestien"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Adolf Hitler hat die Messlatte f\u00fcr Gr\u00e4ueltaten sehr hoch gelegt. Aber hei\u00dft das auch, dass sie im Laufe der Menschheitsgeschichte nie h\u00f6her lag und Hitler weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart je \u00fcbertroffen wurde? Wenn es um die gro\u00dfen Menschheitsverbrechen der j\u00fcngeren Geschichte geht, stehen die Verbrechen der Nationalsozialisten immer an erster Stelle. Die Geschichtsschreibung vermittelt den Eindruck, dass es nie etwas Schlimmeres gegeben h\u00e4tte als den Holocaust. Doch was ist der Ma\u00dfstab? Ist es die Zahl der Opfer oder vielleicht der Grad der Grausamkeit und Menschenverachtung?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon ein oberfl\u00e4chlicher Blick auf die belgische Kolonialgeschichte im Kongo offenbart, dass eine Steigerung m\u00f6glich ist. Den Verbrechen des belgischen K\u00f6nigs Leopold II. fielen viel mehr Menschen zum Opfer als denen Hitlers. Leopolds II. Kolonialherrschaft im Kongo kostete 8 bis 10 Millionen Menschen das Leben. Was im Kongo unter belgischer Kolonialherrschaft geschah, z\u00e4hlt zu den gro\u00dfen Menschheitsverbrechen der Geschichte. Warum also ist ein Denkmal Leopolds II. in Belgien moralisch vertretbar, ein Denkmal Adolf Hitlers in Deutschland aber nicht? Weshalb hat man so lange gewartet, die Entfernung seiner Statuen zu fordern, und zwar nachdem der Afroamerikaner George Floyd wegen rassistischer Polizeigewalt in den USA zu Tode kam und das Verbrechen weltweite Proteste gegen Rassismus lostrat?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die belgische Schreckensherrschaft im Kongo und die Menschheitsverbrechen, die die Belgier dort ver\u00fcbten oder ver\u00fcben lie\u00dfen, sollten bewusst in Vergessenheit geraten, denn sie sind Teil des europ\u00e4ischen Kolonialismus, auf dem der ganze Wohlstand und der Reichtum Europas gr\u00fcnden. Hierzu vernichteten belgische Beamte massenhaft Dokumente, die belastendes Material enthielten. Die Archive des belgischen Au\u00dfenministeriums wurden lange Zeit unter Verschluss gehalten, um die Verbrechen zu vertuschen. Die Gr\u00e4uel aus der Zeit der Kolonialherrschaft Leopolds II. im Kongo wurden vom belgischen Staat vollkommen totgeschwiegen. Und so verherrlichen nicht nur Denkm\u00e4ler den Massenm\u00f6rder Leopold II., sondern auch Stra\u00dfen, die seinen Namen tragen. H\u00f6hepunkt der Verf\u00e4lschung der Geschichte war die Rede von Belgiens K\u00f6nig Baudouin bei der Verk\u00fcndung der \u201eUnabh\u00e4ngigkeit\u201c des Kongo am 30. Juni 1960, als er pathetisch erkl\u00e4rte: \u201eDie Unabh\u00e4ngigkeit des Kongo ist der Erfolg des Werkes des genialen Leopold II. Von ihm begonnen, mit hartn\u00e4ckigem Mut, und von Belgien mit Ausdauer zu Ende gef\u00fchrt.\u201c Leopold II. ging als Besch\u00fctzer des Christentums, als Modernisierer und als K\u00e4mpfer gegen die Sklaverei in die Geschichte ein. Kein Wunder also, dass die kolonialen Verbrechen im Kongo weitgehend unbeachtet blieben und weder das historische noch das politische Interesse weckten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leopold II. ist keineswegs ein Nestbeschmutzer des Kolonialismus, nur weil er so \u00fcberaus grausam vorging. Er hat lediglich die M\u00f6glichkeiten maximal ausgesch\u00f6pft, die die europ\u00e4ische Kolonialpolitik zulie\u00df. Alle europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte wendeten in ihren Kolonien Gewalt und Terror an und ver\u00fcbten zu ihrer Bereicherung und zur Wahrung ihrer Interessen die schlimmsten Verbrechen. Die Kolonialpolitik Frankreichs und Gro\u00dfbritanniens trieft nur so vor Grausamkeit und Unrecht. Wie viele Verbrechen ver\u00fcbte beispielsweise Frankreich in Algerien? Selbst an Deutschlands kolonialen H\u00e4nden klebt Blut, doch bis heute ignoriert Deutschland den V\u00f6lkermord an den Herero und Nama in seiner ehemaligen Kolonie Deutsch-S\u00fcdwestafrika Anfang des 20. Jahrhunderts. Leopold II., auch \u201eK\u00f6nig der Bestien\u201c genannt, ist also nicht die Ausnahme von der Regel, sondern die Regel selbst. Zwar stellte der Kongo seit 1885 eine Privatkolonie des belgischen K\u00f6nigs dar, doch f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung einer Kolonie spielt es keine Rolle, ob sie von einem Staat versklavt, ausgebeutet und massakriert wird oder von einem K\u00f6nig, der die Kolonie als seinen Privatbesitz betrachtet. Als die exzessiven Gr\u00e4ueltaten des K\u00f6nigs im Kongo \u00f6ffentlich bekannt wurden, musste Leopold II. den Kongo 1908 an den belgischen Staat abtreten. F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung \u00e4nderte sich dadurch nur, dass sie nicht mehr Privatbesitz Leopolds II. war, sondern von der Kolonialmacht Belgien terrorisiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verbrechen der \u201ekultivierten\u201c Belgier im Kongo sind das eine, das historische Unterschlagen dieser das andere. Wenn die Geschichte die unbeschreiblichen Menschheitsverbrechen im Kongo verschweigt, dann ist auch das ein gro\u00dfes Menschheitsverbrechen. Denn die Geschichte dr\u00fcckt dadurch aus, dass die Opfer bis heute nur als wertlose Eingeborene betrachtet werden und der Blick auf diese Menschen unver\u00e4ndert geblieben ist. Der Erste, der die Gr\u00e4uel Leopolds II. dokumentierte und \u00f6ffentlich machte, war der Amerikaner George Washington Williams, der 1890 nach einer Begegnung mit dem belgischen K\u00f6nig in den Kongo reiste, um die \u201eMildt\u00e4tigkeit\u201c Leopolds II. zu erfahren, denn dieser gab sich als Wohlt\u00e4ter des Kongo aus und lud amerikanische Missionare ein, die Kolonie zu bereisen, wo er selbst nie gewesen ist. Was Williams vorfand, war das genaue Gegenteil von Wohlt\u00e4tigkeit, und obwohl er Anwalt, Politiker, Journalist, Schriftsteller und Prediger war, ging seine Kritik unter, denn er war schwarz. William Shepard, ebenfalls Amerikaner und schwarzer Missionar im Kongo, hielt die Grausamkeiten mit seiner Kamera fest und ver\u00f6ffentlichte diese. Ber\u00fchmtheit erlangte aber erst das Foto des wei\u00dfen Briten Edmund Dene Morel, das einen Kongolesen zeigt, der vor dem abgetrennten Fu\u00df und der abgetrennten Hand seiner kleinen Tochter sitzt. Vor allem die Fotos, die die Grausamkeiten im Kongo zeigten, brachten die \u00d6ffentlichkeit gegen Leopold II. auf, so dass der belgische Staat die Kolonialherrschaft im Kongo \u00fcbernahm. Die Fotografien schafften es aber nicht, dass die Verbrechen im historischen Ged\u00e4chtnis blieben. Die Geschichte machte den Elefanten zur M\u00fccke, weil es dabei um den Kolonialismus in Afrika geht, der noch immer fortbesteht, jedoch anders in Erscheinung tritt, etwa unter dem Tarnmantel der Entwicklungshilfe. Die Kolonialm\u00e4chte wollen sich auch weiterhin an dem afrikanischen Kontinent bereichern. Da m\u00f6chte nat\u00fcrlich niemand mit dem historischen Finger auf das Unrecht im Kongo zeigen, der noch immer so immens reich an Bodensch\u00e4tzen ist und die uners\u00e4ttliche Gier der europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte geweckt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fortschritt in Europa war schon immer mit dem Leid der Menschen in Afrika verkn\u00fcpft. Die r\u00fccksichtslose Kolonialpolitik war eine Voraussetzung f\u00fcr jede erfolgreiche Entwicklung in Europa. F\u00fcr den Kongo unter der Tyrannenherrschaft Leopolds II. begann der koloniale Albtraum mit der Erfindung des Luftreifens im Jahr 1888, wodurch Kautschuk zum begehrten Rohstoff wurde, das im Kongo in gro\u00dfen Mengen zu finden war. Es entstand ein System der Zwangsarbeit, das an Grausamkeit und Brutalit\u00e4t seinesgleichen sucht. Ein Dorf musste eine bestimmte Lieferquote innerhalb einer bestimmten Frist einhalten. Um die geforderte Menge Kautschuk zu erzwingen, wurden die Frauen in Geiselhaft genommen und im Falle, dass die M\u00e4nner nicht genug Kautschuk zusammenbekamen, get\u00f6tet. Viele Frauen starben in dieser Zeit allein schon durch die Bedingungen ihrer Geiselhaft, in der Vergewaltigungen \u00fcblich waren. D\u00f6rfer, die sich weigerten, Kautschuk zu liefern, wurden vollst\u00e4ndig ausgel\u00f6scht. Es gab also keine Alternative f\u00fcr die Menschen im Kongo, als f\u00fcr den wei\u00dfen Mann Kautschuk zu sammeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Force Publique, eine Art Armee, wurde gegr\u00fcndet, um die Sklaverei und Ausbeutung zu \u00fcberwachen und zu koordinieren. Sie bestand aus Schwarzen, w\u00e4hrend die Offiziere wei\u00dfe Europ\u00e4er waren. Die schwarzen Soldaten der Force Publique wurden bewaffnet, mussten jedoch f\u00fcr jede verschossene Patrone einen Beweis erbringen, dass die Munition nicht f\u00fcr die Jagd oder gar f\u00fcr Aufst\u00e4nde eingesetzt wurde. Als Beweis wurde die abgeschlagene rechte Hand des Get\u00f6teten gefordert, und weil die Munition nicht immer f\u00fcr den f\u00fcr sie vorgesehenen Zweck verschossen wurde, hackte man einfach den Lebenden massenhaft die H\u00e4nde ab. Leopold II. kritisierte diese Praxis, denn er war daran interessiert, dass die Menschen f\u00fcr ihn Sklavenarbeit leisteten, was ohne H\u00e4nde nicht m\u00f6glich war. Daher schlug er vor, statt der H\u00e4nde die Nase abzuschneiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wurde keine Grausamkeit ausgelassen, ob gegen Erwachsene oder Kinder. Kinder wurden beispielsweise ausgepeitscht, wenn sie nur in der Gegenwart von Wei\u00dfen lachten. Ausgepeitscht wurden sie mit der sogenannten Chicotte, einer scharfkantigen Peitsche aus getrockneter und gezwirbelter Nilpferdhaut, die bleibende Narben hinterlie\u00df und schon nach wenigen Peitschenhieben selbst bei Erwachsenen zur Bewusstlosigkeit oder auch zum Tod f\u00fchren konnte. Die Barbarei des Kolonialismus kannte im Kongo keine Grenzen, wenn es um die Bestrafung jener ging, die sich widersetzten. Menschen wurden an den F\u00fc\u00dfen aufgeh\u00e4ngt und unter ihnen ein Feuer entfacht, um sie lebendig zu r\u00f6sten. Mord, Verst\u00fcmmelung, Vergewaltigung und Folter waren an der Tagesordnung und geh\u00f6rten zum System der Zwangsarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie konnte die Geschichte diese Menschheitsverbrechen verheimlichen und herunterspielen? Die Antwort findet sich im Kolonialismus. Denn wie steht es heute um den Kongo \u2013 inzwischen Demokratische Republik Kongo? Statt Kautschuk m\u00fcssen die Kongolesen heute reichlich Kobalt liefern, um dem Westen seinen Traum vom Elektroauto zu erf\u00fcllen. Arbeiter \u2013 Erwachsene wie Kinder \u2013 werden zu einem Hungerlohn in die gef\u00e4hrlichen Minen geschickt, wo sie sich ihre Gesundheit ruinieren und ihr Leben riskieren, um das Kobalt abzubauen. Es hat sich also nicht viel ge\u00e4ndert an der Ausbeutung durch die Kolonialm\u00e4chte, die daf\u00fcr sorgen, dass die Menschen weiterhin unter einer Schreckensherrschaft leben und die gew\u00fcnschten Bodensch\u00e4tze liefern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adolf Hitler hat die Messlatte f\u00fcr Gr\u00e4ueltaten sehr hoch gelegt. 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