{"id":10635,"date":"2021-08-23T00:00:00","date_gmt":"2021-08-22T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10635"},"modified":"2021-08-23T00:00:00","modified_gmt":"2021-08-22T22:00:00","slug":"gespielte-ahnungslosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10635","title":{"rendered":"Gespielte Ahnungslosigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Afghanistan und die Taliban sind das alles beherrschende Thema in Politik und Medien. Es entstand der Eindruck, als w\u00e4ren die Taliban pl\u00f6tzlich auf der Bildfl\u00e4che erschienen und h\u00e4tten Afghanistan aus dem nichts eingenommen. Immer wieder h\u00f6rte man von offizieller Seite die Aussage, dass man die Lage falsch eingesch\u00e4tzt habe. Alle schienen in Panik und mit der Situation \u00fcberfordert zu sein. Beschr\u00e4nkt man sich auf die Bilder des Flughafens in Kabul, wo Menschenmengen rennen, klettern und sich panisch an Flugzeuge klammern, um ausgeflogen zu werden, d.&nbsp;h. nimmt man allein diese Bilder, die am Anfang die Medien dominierten, als Grundlage f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung, k\u00f6nnte man an eine \u00fcberraschende und unvorhergesehene Macht\u00fcbernahme der Taliban glauben, auf die der Westen unvorbereitet schien, als h\u00e4tte er zu diesem Zeitpunkt nicht mit den Taliban rechnen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst ohne politisches Hintergrundwissen h\u00e4tte man von Anfang an erkennen m\u00fcssen, dass die Ereignisse in Afghanistan den US-amerikanischen Segen haben. Von Seiten der USA kamen keine Drohungen gegen die Taliban und keine Aufforderung, die Macht unverz\u00fcglich an den \u201erechtm\u00e4\u00dfig\u201c gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Aschraf Ghani zur\u00fcckzugeben, der mit einem Hubschrauber voll Geld Afghanistan \u201ecouragiert\u201c verlassen hatte. Die Drohungen des US-amerikanischen Pr\u00e4sidenten Joe Biden betrafen ausschlie\u00dflich den Fall, dass die Taliban US-Kr\u00e4fte angreifen. Damit brechen die USA mit ihrer 20-j\u00e4hrigen Tradition in Afghanistan. Im Jahr 2001 brachen sie dort einen Krieg vom Zaun, obwohl die damals regierenden Taliban sich nach den Anschl\u00e4gen vom 11. September sehr kooperativ gezeigt hatten. Man sollte also meinen, dass Biden angesichts der Einnahme Afghanistans durch die Taliban beunruhigt sein und mit einem Milit\u00e4rschlag drohen m\u00fcsste, doch Fehlanzeige. Er wirkte geradezu tiefentspannt. Ebenso wenig h\u00f6rte man von den Taliban irgendwelche Siegesrufe, dass man \u00fcber die USA und den Westen gesiegt habe. Die Reaktionen auf beiden Seiten sind nicht die erwarteten. Untypisch f\u00fcr die politische Lage war auch, dass die westlich ausgebildete afghanische Armee keinerlei Widerstand leistete und keine Versuche unternahm, die Taliban aufzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie \u00fcberraschend kann die Macht\u00fcbernahme der Taliban sein, wenn die USA seit Jahren unter Ausschluss der afghanischen Regierung mit den Taliban verhandelten und am Ende ein Abkommen mit ihnen schlossen? Die deutschen Medien berichteten regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber diese Vorg\u00e4nge. Am 19. November 2018 konnte man beispielsweise online bei N-TV lesen: \u201eDie USA \u00e4ndern ihre Afghanistan-Strategie: Statt Bomben sollen direkte Gespr\u00e4che mit den Taliban die Wende am Hindukusch schaffen. Schon mehrmals haben sich beide Seiten getroffen. Die Regierung in Kabul ist von den Gespr\u00e4chen ausgeschlossen.\u201c Weiter hie\u00df es: \u201eEs war das dritte direkte Treffen von Vertretern der US-Regierung mit den Taliban seit Anfang des Sommers.\u201c Den US-amerikanischen Plan und die Rolle, die die Taliban darin spielen sollten, erw\u00e4hnte der Artikel ebenfalls: \u201eUS-Medienberichten zufolge hatte die Trump-Regierung ihre Topdiplomaten angewiesen, direkte Gespr\u00e4che mit den Taliban zu suchen, um den Krieg zu beenden.\u201c Die Medien berichteten regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Verhandlungen zwischen den USA und den Taliban, die kein Geheimnis waren. So schrieb STERN.DE am 1. August 2019: \u201eDie USA und die Taliban erwarten m\u00f6glicherweise einen Durchbruch in ihren Gespr\u00e4chen \u00fcber Frieden in Afghanistan.\u201c Dort konnte man auch lesen: \u201eSieben Verhandlungsrunden hat der US-Sondergesandte Zalmay Khalilzad daf\u00fcr bisher mit den Taliban gef\u00fchrt. Wie ein Wirbelwind fegte er vom Verhandlungsort Doha nach Kabul, Br\u00fcssel, Berlin, Islamabad und Washington.\u201c In den letzten Jahren hat es immer wieder Treffen und Verhandlungen zwischen den USA und den Taliban gegeben, aus denen schlie\u00dflich am 29. Februar 2020 ein Abkommen hervorging. Dies alles blenden die Medien aktuell aus, weil es medienwirksamer ist, die Taliban als frauenfeindliche Islamisten darzustellen, die Afghanistan \u00fcberrannt h\u00e4tten und nun die Scharia einf\u00fchren wollen. Damit sch\u00fcrt man die Angst der Menschen vor dem Islam und den Muslimen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Afghanistaneinsatz hatte keine h\u00f6heren Ziele, sondern ausschlie\u00dflich wirtschaftliche und politische Interessen. Es ging nie um Menschenrechte, den Kampf gegen Terror, Sicherheit oder Demokratie. Deshalb hatten die USA auch kein Problem damit, ein Abkommen mit den Taliban zu schlie\u00dfen, sofern sie ihre Interessen dadurch weiter wahren k\u00f6nnen. In Deutschland durfte das wahre Motiv f\u00fcr den Afghanistaneinsatz nie ausgesprochen werden. Als der ehemalige Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler diesen Tabubruch beging, musste er 2010 zur\u00fccktreten, nachdem er Folgendes sagte: \u201eMeine Eisch\u00e4tzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Gr\u00f6\u00dfe mit dieser Au\u00dfenhandelsorientierung und damit auch Au\u00dfenhandelsabh\u00e4ngigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch milit\u00e4rischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren [\u2026].\u201c So, wie Deutschland f\u00fcr seine wirtschaftlichen Interessen einen 20-j\u00e4hrigen Milit\u00e4reinsatz mitmachte, wird es sich f\u00fcr ebendiese Interessen mit den Taliban einlassen. Am Ende sollte niemand \u00fcberrascht sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Afghanistan und die Taliban sind das alles beherrschende Thema in Politik und Medien. 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