{"id":11266,"date":"2022-01-14T20:57:29","date_gmt":"2022-01-14T19:57:29","guid":{"rendered":"http:\/\/test2021.kalifat.com\/?p=11266"},"modified":"2022-01-14T20:57:29","modified_gmt":"2022-01-14T19:57:29","slug":"chronik-der-islamfeindlichkeit-teil-1-die-meilensteine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=11266","title":{"rendered":"Chronik der Islamfeindlichkeit (Teil 1): Die Meilensteine"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Thema Islam hat sich irgendwann wie Nebelschwaden \u00fcber den politischen und \u00f6ffentlichen Diskurs gelegt und dort festgesetzt. Aus der Auseinandersetzung erwuchs Islamfeindlichkeit in der breiten Masse und aus der Feindlichkeit entsteht Hass. Mit einer Trendwende darf nicht gerechnet werden. Retrospektiv betrachtet, gibt es zwar mehrere Z\u00e4suren, aber die Entwicklung geht nur in eine Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland ist der Motor der Islamfeindlichkeit nicht erst durch den Marsch der PEGIDA des nachts im Oktober 2014 durch Dresdens Gassen in Gang gesetzt worden. Auch als die AfD die politische B\u00fchne betrat, musste sie blo\u00df den Fu\u00dfspuren folgen, die die sogenannten Volksparteien ihr hinterlassen haben. Die obskure Weltsicht der besorgten B\u00fcrger ist keine Merkw\u00fcrdigkeit, die aus dem Nichts erwuchs. Sie sind die Symptomtr\u00e4ger einer l\u00e4ngst aufgeflammten Krankheit, mit der sie in den letzten Jahren systematisch infiziert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem 11. September 2001 wurde der Islam international als Ideologie in die politische Agenda aufgenommen. Der Westen schrieb den sogenannten \u201eKampf gegen den Terrorismus\u201c auf seine Fahne. Danach war es um ein Vielfaches einfacher geworden, in die L\u00e4nder der Muslime einzumarschieren. Inzwischen ist es schon gar kein Skandal mehr, wenn bei einem \u201egezielten\u201c Drohnenangriff nicht nur der \u201eTerrorist\u201c, sondern auch Zivilisten ums Leben kommen. Ein afghanisches Kind mehr oder weniger, wen soll es k\u00fcmmern? Wenigstens m\u00fcssen sich die Eltern dann nicht mehr bem\u00fchen, in den Westen zu fl\u00fcchten. Au\u00dferdem entstand nach dem Zusammensturz der T\u00fcrme ein Misstrauen gegen die muslimischen Nachbarn, die zwar unbescholten wirken, aber allesamt Schl\u00e4fer sein konnten. Die Vorstellung erwuchs, dass jeder Muslim ein potentieller Terrorist sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im September 2005 wurde dann der \u201eKampf gegen die W\u00fcrde des Islam\u201c eingel\u00e4utet: Damals wurden in der d\u00e4nischen Tageszeitung Jyllands-Posten erstmalig Kurt Westergaards Karikaturen des Propheten (s.a.s) ver\u00f6ffentlicht. Die Karikaturen erschienen am 30. September 2005 auf einer ganzen Seite im Kulturteil von Jyllands-Posten mit der \u00dcberschirift \u201eDas Gesicht Mohammeds\u201c. Eine Zeichnung verunglimpft den Propheten (s.a.s) mit einem Krumms\u00e4bel und zwei ver\u00e4ngstigten, fast vollst\u00e4ndig verschleierten Frauen. Eine andere Karikatur stellte den Propheten (s.a.s) als eine Art Petrus am Himmelstor dar. Er h\u00e4lt eine Gruppe von Selbstmordattent\u00e4tern zur\u00fcck und ruft ihnen zu, dass im Himmel die Jungfrauen ausgegangen seien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ver\u00f6ffentlichung dieser k\u00fcnstlerisch fragw\u00fcrdigen Bilder in der bis dato unerheblichen Zeitung hatte lediglich die Funktion, die Muslime bis ins Mark zu treffen. Vor allem rechnete man damit, dass Muslime eine solche Beleidigung des Propheten niemals hinnehmen w\u00fcrden. Entsprechend den Erwartungen kam es zu Protesten und in verschiedenen Staaten st\u00fcrmten Muslime d\u00e4nische Botschaften. Dies f\u00fchrte wiederum zu Debatten, in denen die Frage aufgeworfen wurde, wie viele Zugest\u00e4ndnisse man den Muslimen noch machen d\u00fcrfe, ohne dabei die \u201ehohen Werte des Westens\u201c zu verlieren. Der Kulturredakteur Flemming Rose erkl\u00e4rte den Lesern in einem zu den Karikaturen zugeh\u00f6rigen Text, warum Jyllands-Posten es f\u00fcr erforderlich gehalten habe, Mohammed-Karikaturen zu drucken: \u201eDie moderne, s\u00e4kularisierte Gesellschaft wird von einigen Muslimen abgelehnt. Sie verlangen eine Sonderbehandlung, indem sie auf einer besonderen R\u00fccksichtnahme auf ihre eigenen religi\u00f6sen Gef\u00fchle bestehen. Das ist unvereinbar mit einer weltlichen Demokratie und der Meinungsfreiheit, in der man damit klarkommen muss, sich Hohn, Spott und H\u00e4me auszusetzen.\u201c Die Ver\u00f6ffentlichung hatte also nur ein Ziel: Die Muslime sollten schlie\u00dflich dahingehend erzogen werden, dass sie in Zukunft jegliche noch so abscheuliche Beleidigung als Beweis ihrer Achtung der Meinungsfreiheit hinnehmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in Deutschland f\u00fchrte man diese Debatte, hielt sich aber bei der Ver\u00f6ffentlichung der Karikaturen noch vornehm zur\u00fcck. Zwar verwies man auf die Pressefreiheit, verzichtete aber weitgehend auf einen Abdruck. Doch f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter war von dieser vornehmen Zur\u00fcckhaltung nichts mehr zu sp\u00fcren. 2010 wurde der Karikaturist Westergaard in Deutschland mit einem Medienpreis ausgezeichnet. Ihm zu Ehren hielt Angela Merkel pers\u00f6nlich eine Rede auf der Veranstaltung in Potsdam. Dort sagte sie Folgendes: \u201eEs geht darum, ob er [also Westergaard] in einer westlichen Gesellschaft mit ihren Werten seine Mohammed-Karikaturen in einer Zeitung ver\u00f6ffentlichen darf \u2013 egal, ob wir seine Karikaturen geschmackvoll finden oder nicht, ob wir sie f\u00fcr n\u00f6tig und hilfreich halten oder eben nicht.\u201c \u201eDarf er das? Ja, er darf\u201c, so die Kanzlerin. Die Aussage der Kanzlerin sollte nicht verwundern, denn sie entsprach dem damaligen Zeitgeist. Islamfeindlichkeit war da schon l\u00e4ngst salonf\u00e4hig. Au\u00dferdem erwuchs das Gef\u00fchl, dass man den K\u00fcbel von H\u00e4me und Spott \u00fcber Muslime gie\u00dfen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2010 war der moralische Staudamm in Bezug auf den Islam schon l\u00e4ngst gebrochen. Im Grunde wurde er bereits im Herbst 2009 nahezu gesprengt. Der damalige Berliner Finanzsenator und Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank Thilo Sarrazin gab dem Magazin Lettre International sein wohl bekanntestes Interview mit dem Titel \u201eKlasse statt Masse\u201c. Zur Erinnerung: Sarrazin stellte in diesem fragw\u00fcrdigen Interview zwei Gruppen kontr\u00e4r gegen\u00fcber, n\u00e4mlich die sogenannte Elite, die in der Alltagssprache \u201eKlasse\u201c genannt wird, und die \u201eMasse\u201c. Die Masse, das sei der unproduktive, wertlose und somit unn\u00fctze Teil der deutschen Gesellschaft. Das sind all jene Menschen, die laut Sarrazin \u00f6konomisch nicht gebraucht werden, wie Hartz IV-Empf\u00e4nger, Migranten und Muslime. Die \u201eT\u00fcrken\u201c und die \u201eAraber\u201c, deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen habe und die keine produktive Funktion au\u00dfer f\u00fcr den Obst- und Gem\u00fcsehandel h\u00e4tten, stellten f\u00fcr Sarrazin ein gesamtgesellschaftliches Problem dar. Dieser Teil m\u00fcsse sich \u201eauswachsen\u201c, lautet seine Probleml\u00f6sung. Das Wort&nbsp;<strong>\u201e<\/strong>auswachsen<strong>\u201c<\/strong>&nbsp;ist ein offener Versto\u00df im \u00f6ffentlichen Sprachgebrauch. Es war lange her, dass ein Mann der Elite ein Wort wie \u201eauswachsen\u201c so unverhohlen und unkontrolliert in aller \u00d6ffentlichkeit in den Mund nahm. Der Begriff \u201eauswachsen\u201c ist zweifelsohne das Pendant zur faschistischen Vokabel \u201eausmerzen\u201c. Darin verbirgt sich der gleiche psychopathologische Grad an Entmenschlichung, den man von den Nationalsozialisten kennt. Sarrazin widerstrebt es ganz und gar, Muslime als Menschen zu betrachten, und so bringt das Interview seine ganze menschenverachtende Ideologie zum Vorschein: \u201eKein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun. St\u00e4ndig werden Br\u00e4ute nachgeliefert.\u201c Es d\u00fcrfe auch nicht mehr sein, dass \u201est\u00e4ndig neue Kopftuchm\u00e4dchen produziert\u201c werden, so Sarrazin. Da Muslime in seiner Welt nicht der Kategorie Mensch zugeordnet werden, bekommen sie keine Kinder. Nein, sie \u201eproduzieren\u201c sie und vergr\u00f6\u00dfern die ihm verhasste Masse in solch einem Ausma\u00df, dass die Klasse auf bedrohliche Art und Weise verdr\u00e4ngt werde. Mit seinem Wort \u201eproduzieren\u201c, das f\u00fcr gew\u00f6hnlich in Zusammenhang mit Sachen verwendet wird, bringt er seinen tiefen Ekel vor den Muslimen zum Ausdruck. Frauen, die Kopftuch tragen, existieren in Sarrazins Welt nicht als Individuen, sondern lediglich als Produkt in Form eines \u201ekleinen Kopftuchm\u00e4dchens\u201c. Wenn Muslime versachlicht werden, dann sollen sie als Objekte wahrgenommen werden. Wer im anderen nur einen Gegenstand sieht, verliert schneller seine Skrupel zu misshandeln oder misshandeln zu lassen. Nat\u00fcrlich wei\u00df ein Sarrazin, dass auch Muslime irgendwie zur Kategorie Lebewesen geh\u00f6ren m\u00fcssen, aber ihre Herabw\u00fcrdigung und \u201eObjektifizierung\u201c sind ein effektives Mittel der Gewalt, ohne dass man dabei selbst mit dem Schlagstock in der Hand erwischt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema Islam hat sich irgendwann wie Nebelschwaden \u00fcber den politischen und \u00f6ffentlichen Diskurs gelegt und dort festgesetzt. 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