{"id":13016,"date":"2022-03-05T19:28:44","date_gmt":"2022-03-05T18:28:44","guid":{"rendered":"http:\/\/test2021.kalifat.com\/?p=13016"},"modified":"2022-03-05T19:28:44","modified_gmt":"2022-03-05T18:28:44","slug":"staat-vs-big-tech-wem-gehoert-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=13016","title":{"rendered":"Staat vs. Big-Tech \u2013 Wem geh\u00f6rt die Zukunft?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Twitter sperrt den US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump auf seiner Plattform, die EU m\u00f6chte mit dem <em>Digital Services Act<\/em> Facebook st\u00e4rker regulieren und selbst in China geriet Jack Ma, Gr\u00fcnder von AliBaba, unter Druck der Kommunistischen Partei. Entbrennt nun \u00fcberall ein Machtkampf zwischen gro\u00dfen Technologiekonzernen und Regierungen oder ist er bereits in vollem Gange?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie konnte es \u00fcberhaupt dazu kommen, dass Technologiekonzerne, die als ganz normale Unternehmen begonnen haben, so m\u00e4chtig wurden, dass sie sich scheinbar m\u00fchelos \u00fcber Regierungen hinwegsetzen und mit ihnen um Einfluss ringen? Schlie\u00dflich begannen sowohl Bill Gates als auch Jeff Bezos und Elon Musk in einer Garage \u2013 lange also, bevor an irgendeine Art politischer Einflussnahme oder gesellschaftlicher Machtaus\u00fcbung zu denken war. Ein Musterbeispiel f\u00fcr den amerikanischen Traum mag manch einer meinen und doch ist auff\u00e4llig, dass der gro\u00dfe Unterschied zu herk\u00f6mmlichen Unternehmen erst damit einsetzte, als sich die gro\u00dfen Technologiekonzerne beinahe der gesamten Konkurrenz entledigten und sich oligopolistische Strukturen herausbildeten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So punktete beispielsweise Microsoft nicht etwa durch die hervorragende Qualit\u00e4t seiner Betriebssysteme, sondern f\u00fchrte eine extrem aggressive Gesch\u00e4ftspolitik, die es unkooperativen Wettbewerbern kaum erm\u00f6glichte, am Markt zu bestehen. Konkurrenten wurden durch massive Behinderung ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit dazu gezwungen, auf das Windows-Betriebssystem zur\u00fcckzugreifen, denn bei der Softwareentwicklung ist es obligatorisch, bestimmte Schnittstellenspezifikationen der Betriebssysteme zu kennen, um Programme f\u00fcr diese entwickeln zu k\u00f6nnen. Microsoft hat diese Anforderungen vor Erscheinen neuer Windows-Versionen jedoch nur mit jenen Unternehmen geteilt, die sich dazu verpflichteten, keine Software f\u00fcr die Konkurrenz zu entwickeln. Zus\u00e4tzlich werden Unternehmen fortw\u00e4hrend dazu gen\u00f6tigt auf die jeweils neueste Version von Microsoft umzustellen, indem bewusst Inkompatibilit\u00e4ten zu ihren Softwareprodukten erzeugt werden. Bis zu einem Verbot des US-Justizministeriums im Jahre 2001 hat Microsoft zudem PC-Hersteller mit au\u00dfergew\u00f6hnlich g\u00fcnstigen Konditionen an sich gebunden, um sie anschlie\u00dfend zu verpflichten, ihre Rechner nur mit einem vorinstallierten Windows-Betriebssystem zu verkaufen. Facebook hingegen kaufte einige seiner Konkurrenten einfach auf und verleibte sie sich ein, bis es zum mit Abstand gr\u00f6\u00dften Anbieter f\u00fcr Soziale Netzwerke avancierte. So wurde Instagram \u2013 als das Unternehmen erst zwei Jahre alt war und gerade einmal 12 Mitarbeiter besch\u00e4ftigte \u2013 f\u00fcr eine Milliarde US-Dollar von Facebook gekauft und auch WhatsApp wurde Jahr 2014 f\u00fcr 19 Milliarden US-Dollar \u00fcbernommen. Neben diesen Beispielen f\u00fcr Gesch\u00e4ftspraktiken einzelner Tech-Unternehmen kommt es jedoch auch dazu, dass Big Player zusammenkommen, um den gesamten Markt zu kontrollieren. So verf\u00fcgt beispielsweise Android, das zu Google geh\u00f6rt, bei Smartphone-Betriebssystemen einen Marktanteil von 70%, w\u00e4hrend die restlichen 30% auf Apple fallen. 2018 einigten sich Tim Cook (CEO von Apple) und Sundar Pichai (CEO von Google) gegen eine j\u00e4hrliche Zahlung von 8-12 Milliarden US-Dollar darauf, Google auf allen Apple-Smartphones vorzuinstallieren, womit sie den Markt zu 100% abdecken. In E-Mails von Apple-Managern an Google hie\u00df es: <em>\u201eUnsere Vision ist es gemeinsam, wie ein Unternehmen zu arbeiten\u201c<\/em>. Ein Paradebeispiel also f\u00fcr eine wettbewerbswidrige Kartellbildung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die zunehmende Monopolisierung und der damit einhergehenden Marktmacht wuchs auch die (sicherheits-)politische Bedeutung der Tech-Unternehmen. Sp\u00e4testens seit den Enth\u00fcllungen durch Wikileaks, ist klar, dass amerikanische Technologiekonzerne in gro\u00dfem Stil mit den Nachrichtendiensten zusammenarbeiten. So hat die NSA beispielsweise nicht nur Zugriff auf Millionen von Nutzerdaten, sondern war bereits an der Entwicklung diverser Produkte, wie zum Beispiel dem E-Mail-Dienst Microsoft Outlook beteiligt. Auch die Furcht europ\u00e4ischer Staaten vor einer Verflechtung von Technologiekonzernen in sicherheitsrelevante Infrastrukturen ist bereits bittere Realit\u00e4t. Denn w\u00e4hrend aktuelle Debatten vorrangig auf die potenzielle Gefahr eines von Huawei bereitgestellten 5G-Netzes fokussieren, besitzen amerikanische Tech-Unternehmen bereits seit Jahrzehnten Zugriff auf verschiedene europ\u00e4ische IT-Infrastrukturen. Diverse Versuche der EU, sich von Microsoft loszul\u00f6sen, scheiterten, sodass die EU-Kommission unverbl\u00fcmt einr\u00e4umte, sie befinde sich in effektiver Gefangenschaft bei Microsoft. Die Nutzung fremder Technologie in kritischen Infrastrukturen birgt jedenfalls immer ein Sicherheitsrisiko, da hierdurch externe Akteure einen Fu\u00df in der T\u00fcr haben und zumindest potentiell politisch Einfluss aus\u00fcben k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insbesondere mit Blick auf die Nutzung von amerikanischen Betriebssystemen haben sich europ\u00e4ische Staaten l\u00e4ngst in Abh\u00e4ngigkeit begeben. Obwohl der europ\u00e4ische Marktanteil von Windows an Betriebssystemen von 95% im Jahr 2009 auf 75% im Jahr 2021 gesunken ist, stellt dies noch immer eine marktbeherrschende Stellung dar. Besonders kritisch ist dies, da sp\u00e4testens seit Windows XP klar ist, dass US-Geheimdienste aktiv an der Entwicklung aller Windows-Betriebssysteme beteiligt sind. Noch immer nutzen beinahe s\u00e4mtliche Verwaltungsapparate in Europa Microsoft. Hierbei geht es jedoch nicht nur um \u00fcbliche B\u00fcroanwendungen, wie Excel oder Word, sondern auch um spezielle Software f\u00fcr Finanz\u00e4mter, Steuerbeh\u00f6rden, Ministerien, Milit\u00e4r und weiterer systemrelevanter Einrichtungen. Alleine die Tatsache, dass der Windows-Quellcode nicht einsehbar ist, auch nicht f\u00fcr staatliche Akteure, birgt bereits ein immenses Sicherheitsrisiko, da somit immer die Gefahr einer Hintert\u00fcr im Quellcode besteht, durch die sensible Daten abgezapft werden k\u00f6nnen oder Raum f\u00fcr Cyberangriffe bleibt. Auch die Offenlegung des Quellcodes im Rahmen sogenannter Open-Source-Lizenzen bedeutet keine restlose Risikofreiheit, da es auch bei Open-Source-Projekten m\u00f6glich ist, den Quellcode so kompliziert zu gestalten, dass Hintert\u00fcren nicht ohne weiteres erkannt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies f\u00fchrt naturgem\u00e4\u00df dazu, dass Staaten versuchen, die Technologiekonzerne durch regulatorische Ma\u00dfnahmen einzuhegen, um die Kontrolle \u00fcber sie zu behalten bzw. wiederzuerlangen. Seit Jahren tobt beispielsweise ein Rechtsstreit zwischen der EU und Google, bei dem es darum geht, dass der Konzern die eigenen Produkte auf seinen Ger\u00e4ten bevorzugt. So ist der Google Chrome Browser immer als Standardbrowser auf Smartphones vorinstalliert. Allein in den Jahren 2017, 2018 und 2019 hat die EU Google zu Strafen in H\u00f6he von 2,4 Milliarden Euro, 4,3 Milliarden Euro und 1,49 Milliarden Euro verurteilt. Sicherlich spielt dabei auch eine Rolle, dass die EU den Einfluss eines amerikanischen Unternehmens zur\u00fcckdr\u00e4ngen wollte, doch selbst in den USA geraten amerikanische Tech-Unternehmen immer wieder ins Visier der Beh\u00f6rden. Aktuell l\u00e4uft beispielsweise gegen Google ein Kartellverfahren in den USA.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass es zu Auseinandersetzungen zwischen gro\u00dfen Tech-Unternehmen und Regierungen kommt ist aber keineswegs eine neue Entwicklung. Dabei geht es in der Regel jedoch nicht um die Zerschlagung der Unternehmen, sondern eher um die Kontrolle ebendieser. Neben der Einhegung des gesellschaftspolitischen Einflusses geht es \u00fcberdies darum, die Tech-Unternehmen und ihre Kapazit\u00e4ten als Instrumente f\u00fcr die eigene Innen-, Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik nutzbar zu machen. Schon in den Neunzigern stand beispielsweise Bill Gates in den USA vor Gericht und wurde dazu verurteilt, Microsoft aufzul\u00f6sen und in zwei Unternehmen zu unterteilen, um hierdurch das Quasi-Monopol zu zerschlagen. Doch Bill Gates legte Berufung ein und mit dem Amtsantritt von George W. Bush kam ein wohlgesinnter Pr\u00e4sident ins <em>Oval Office<\/em>, der prompt den Justizminister austauschte und Microsoft lediglich dazu verpflichtete, f\u00fcr f\u00fcnf Jahre der Konkurrenz Zugang zu ihren Schnittstellen zu gew\u00e4hren. Dar\u00fcber hinaus kam es zu der bereits erw\u00e4hnten Kooperation zwischen der NSA und Microsoft, das sich auf diese Weise zu einem au\u00dfen- und sicherheitspolitischen Werkzeug der USA entwickelte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Machtkampf zwischen gro\u00dfen Tech-Unternehmen und Staaten ist also schon seit vielen Jahren in vollem Gange, ist in seiner Natur jedoch weitaus ambivalenter und vielschichtiger als gemeinhin angenommen. Nichtsdestotrotz stellt sich die Grundsatzfrage, wie sich Staat und Gesellschaft vor der drohenden Abh\u00e4ngigkeit gro\u00dfer Technologiekonzerne sch\u00fctzen k\u00f6nnen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">China lieferte auf diese Frage eine simple Antwort, als es im Jahre 2014 Google und seine Dienste kurzerhand verbot und den Zugang zum chinesischen Markt verwehrte. Doch nicht nur autokratische Staaten greifen zu solch drastischen Mitteln. So setzten die USA im Jahre 2019 Huawei auf die schwarze Liste und schr\u00e4nkten auf diese Weise die Zusammenarbeit von US-Unternehmen mit dem chinesischen Tech-Konzern massiv ein. Wie bereits erw\u00e4hnt, stellen nicht nur ausl\u00e4ndische Tech-Unternehmen eine Gefahr f\u00fcr heimische M\u00e4rkte und die politischen Machtverh\u00e4ltnisse dar, sondern auch landeseigene Konzerne. Schlussendlich sitzen die Regierungen souver\u00e4ner Staaten jedoch am l\u00e4ngeren Hebel, denn sie k\u00f6nnen den Unternehmen Regularien auferlegen, an die sich letztere im Interesse ihres eigenen Fortbestands halten m\u00fcssen. Auch Technologiekonzerne sind letztlich herk\u00f6mmliche Unternehmen, die vorrangig wirtschaftliche Interessen verfolgen und diesen oberste Priorit\u00e4t einr\u00e4umen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor dem Hintergrund der hier skizzierten Entwicklungen muss die <em>Umma<\/em> ein Bewusstsein f\u00fcr die immense Bedeutung der Digitalisierung und der Tech-Konzerne entwickeln. Um das k\u00fcnftige Kalifat vor ausl\u00e4ndischer Einflussnahme zu sch\u00fctzen und die eigene \u00f6konomische und geopolitische Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gew\u00e4hrleisten, gilt es, aus eigener Kraft entsprechende Strukturen und F\u00e4higkeiten aufzubauen und diese sowohl defensiv als auch offensiv einzusetzen. Besonders digitale Infrastrukturen bergen Sicherheitsrisiken, die oft erst nach Jahren erkannt werden. Heute ist mehr denn je ersichtlich, dass eine aus eigener Kraft aufgebaute sichere IT-Infrastruktur eine neu entstandene Dimension politischer Macht darstellt. Denn schon seit Jahren tobt nicht nur ein Tauziehen zwischen einzelnen Regierungen und Tech-Unternehmen, sondern ein internationaler Cyberkrieg, an dem praktisch alle relevanten Staaten der Welt beteiligt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Twitter sperrt den US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump auf seiner Plattform, die EU m\u00f6chte mit dem Digital Services Act Facebook st\u00e4rker regulieren und selbst in China geriet Jack Ma, Gr\u00fcnder von AliBaba, unter Druck der Kommunistischen Partei. Entbrennt nun \u00fcberall ein Machtkampf zwischen gro\u00dfen Technologiekonzernen und Regierungen oder ist er bereits in vollem Gange? 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