{"id":14878,"date":"2022-11-20T00:50:28","date_gmt":"2022-11-19T23:50:28","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14878"},"modified":"2022-11-20T00:50:28","modified_gmt":"2022-11-19T23:50:28","slug":"entwicklungshilfe-ist-ein-instrument-des-kolonialismus-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14878","title":{"rendered":"<strong>Entwicklungshilfe ist ein Instrument des Kolonialismus (3)<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u00dcbel dieser \u00f6ffentlich-privaten Verflechtung von Entwicklungshilfe, die als Entwicklungszusammenarbeit deklariert wird, versteht man am besten anhand von Beispielen. Bereits 2012 hatte das Bundesamt f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Initiative German Food Partnership (GFP) ins Leben gerufen \u2013 vorgeblich zur St\u00e4rkung der Ern\u00e4hrungssicherung in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern. Der Initiative lag das Prinzip der \u00f6ffentlich-privaten Kooperation zugrunde, bei der sich \u00f6ffentliche und private Gelder vermischen. Beteiligt waren neben dem BMZ, das die Schirmherrschaft hatte und einen Teil mit \u00f6ffentlichen Geldern finanzierte, auch die Bill &amp; Melinda Gates Foundation sowie an die 30 Konzerne aus dem Agrar- und Ern\u00e4hrungssektor. In der GFP hatten sich gro\u00dfe Player zusammengetan, wie z. B. Bayer Crop Science, BASF, die Europlant Gruppe und Syngenta, die zu den globalen Marktf\u00fchrern bei Saatgut und Agrarchemie geh\u00f6ren. K+S Kali und Yara, die f\u00fchrenden Anbieter f\u00fcr D\u00fcngemittel, geh\u00f6rten ebenfalls dazu genau wie das globale Handelsunternehmen Metro und der Lebensmittelhersteller Mars. Die GFP ist also eine Kooperation zwischen dem BMZ und f\u00fchrenden Agrar- und Chemiekonzernen. Diese Konstellation l\u00e4sst schon erahnen, dass die Bek\u00e4mpfung von Armut und Hunger nicht auf dem Plan stand. Vielmehr diente diese Kooperation den wirtschaftlichen Interessen der Konzerne, die sich mithilfe der GFP neue M\u00e4rkte mit viel Potential in den Entwicklungsl\u00e4ndern erschlie\u00dfen und sich Land- und Saatgutrechte sichern wollten. 80 Millionen Euro kamen von den Geldgebern insgesamt f\u00fcr die Initiative zusammen. Von diesem Geld flossen 1,8 Millionen Euro im Rahmen des Projekts \u201ePotato Initiative Africa\u201c (PIA) in die sogenannte Kartoffel-Initiative in Kenia. Das BMZ hatte die \u201ePotato Initiative Africa\u201c (PIA) 2014 gestartet, die von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgef\u00fchrt wurde. Diesem Projekt ging 2013 eine Forderung des damaligen Staatssekret\u00e4rs des BMZ Hans-J\u00fcrgen Beerfeltz voraus, der sagte: \u201eDie Kartoffel muss nach Afrika!\u201c Dieser Satz ist nat\u00fcrlich v\u00f6lliger Unfug, denn in Afrika gibt es seit Jahrhunderten die Kartoffel. Was Beerfeltz eigentlich meinte, war, dass die europ\u00e4ische Kartoffel nach Afrika m\u00fcsse. Man gab vor, die Kleinbauern darin unterst\u00fctzen zu wollen, mit dem Anbau von Kartoffeln Geld zu verdienen. Die Kartoffel-Initiative wollte das Saatgut verbessern, um die Ernte ertragreicher zu machen. Statt aber lokale Kartoffelsorten zu nehmen, kamen die Kartoffelsorten von europ\u00e4ischen Firmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die deutschen Entwicklungshelfer suchten sich eine kenianische Gro\u00dffarm als Partner, wo zertifiziertes Saatgut produziert werden konnte. Mit den zertifizierten Kartoffeln sollten zwar h\u00f6here Ertr\u00e4ge erzielt werden, jedoch konnten sich Kleinbauern das zertifizierte Saatgut nicht leisten. Denn ein S\u00e4ckchen kostete 25 Euro. Zudem musste das Saatgut jede Saison neu gekauft werden. Normalerweise entstehen bei den Kleinbauern keine Kosten f\u00fcr die Beschaffung von Saatgut. Denn sie bewahren die kleinsten Kartoffeln f\u00fcr die n\u00e4chste Aussaat auf. Das hei\u00dft, nur die gro\u00dfen und mittleren Unternehmen konnten sich das zertifizierte Saatgut kaufen. Aber genau diese Unternehmen leiden nicht an Armut, sondern die Kleinbauern, die die Mehrheit der Bauern ausmachen und sich f\u00fcr den Kauf von zertifiziertem Saatgut verschulden mussten. Damit machten sie sich von Saatgutherstellern wie Bayer Crop Science oder Syngenta abh\u00e4ngig. Um ihre Macht zu konzentrieren, lie\u00dfen die gro\u00dfen Saatgutkonzerne das Saatgut patentieren, um sicherzustellen, dass niemand anders das Saatgut herstellen konnte. Damit nicht genug, ben\u00f6tigten die Bauern f\u00fcr den Anbau dieser neuen Kartoffelsorten Pestizide und D\u00fcnger, da diese ertragreichen Kartoffelsorten sonst nicht wuchsen. Auch das konnten sich die armen Kleinbauern nicht leisten, ohne sich zu verschulden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Form des Kartoffelanbaus ist f\u00fcr die Kleinbauern viel kostenintensiver als der Kartoffelanbau lokaler Kartoffelsorten. Das bedeutet, dass die Kartoffel-Initiative rein gar nichts mit der Bek\u00e4mpfung von Armut und Hunger zu tun hatte, sondern Bauern im Fokus hatte, die schon \u00fcber Kapital verf\u00fcgten und sich das Saatgut, den D\u00fcnger und die Pestizide leisten und den Konzernen abkaufen konnten. Zudem motivierte man die Kleinbauern dazu, sich zu verschulden. Von den Kooperationsprojekten des BMZ mit Agrarkonzernen profitieren somit nur die Konzerne. Zu den Unternehmen der GFP geh\u00f6rten auch Unternehmen, die Erntemaschinen verkaufen. Das Landwirtschaftsministerium des Bezirks Nyandarua in Kenia beispielsweise kaufte eine Erntemaschine von einem Unternehmen der GFP und diese Maschine konnten sich die Bauern dann mieten. Davon profitierte vor allem das Unternehmen und allenfalls der Bauer, der sich die Erntemaschine leisten konnte, weil er damit Erntehelfer einsparte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber sollte es bei der Entwicklungshilfe nicht urspr\u00fcnglich darum gehen, die Lebensbedingungen der Armen zu verbessern, damit sie f\u00fcr ihren Lebensunterhalt selbst sorgen konnten? Wollte die Entwicklungshilfe bzw. die Entwicklungszusammenarbeit die Menschen in Afrika nicht dazu bef\u00e4higen, f\u00fcr sich selbst zu sorgen? Wollte sie nicht auch Arbeitspl\u00e4tze schaffen? Mit der Erntemaschine in Nyandarua wurden Arbeitspl\u00e4tze abgebaut und die Lage der Menschen dadurch noch verschlimmert. Fassen wir das Ganze noch einmal kurz zusammen: Im Rahmen der vermeintlichen Entwicklungshilfe des BMZ f\u00fchrte man zertifiziertes Kartoffelsaatgut in Kenia ein, das ohne Zugabe von D\u00fcnger und ohne Einsatz von Pestiziden nicht w\u00e4chst. In den Schulungen der Bauern, die sie bei diesem Projekt ebenfalls erhielten, wurden selbstverst\u00e4ndlich nur bestimmte Produkte empfohlen. Sogar hochgiftige Pestizide wurden angepriesen, ohne die daf\u00fcr notwendige Schutzkleidung zur Verf\u00fcgung zu stellen. F\u00fcr die Sicherheit und den Schutz der Gesundheit f\u00fchlten sich die Konzerne nicht verantwortlich. Sowohl das Saatgut als auch der chemische D\u00fcnger und die Pestizide wurden von den Konzernen hergestellt, die zur GFP geh\u00f6rten. Ihr Interesse galt einem wachsenden Markt in Kenia, wo es an die 800.000 Kartoffelbauern gibt. Das eigentliche Motiv war also, die Bauern in Kenia als Kunden zu gewinnen und neue M\u00e4rkte in Afrika zu erschlie\u00dfen. Man wollte die Kartoffelbauern nicht nur dazu bringen, zertifiziertes Saatgut zu verwenden, sondern neue Kartoffelsorten anzubauen, die sich f\u00fcr die Weiterverarbeitung zu Pommes und Chips eignen. Der Ansto\u00df kam vom BMZ, das den Hunger in Kenia scheinbar mit ungesunden Pommes und Chips bek\u00e4mpfen wollte. In Wahrheit aber brauchten die Bauern kein neues zertifiziertes Saatgut und keine neuen Kartoffelsorten, die nur durch Zugabe von chemischem D\u00fcnger und giftigen Pestiziden wachsen, sondern eine Verbesserung des Saatguts ihrer eigenen Kartoffelsorten und vor allem eine Verbesserung der Bodenqualit\u00e4t. Denn die Bauern in Kenia ernten aufgrund der schlechten Bodenqualit\u00e4t einfach weniger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher wurde Entwicklungshilfe aus \u00f6ffentlichen Geldern finanziert. Inzwischen erfolgt sie vermehrt in Form von \u00f6ffentlich-privaten Partnerschaften, so dass sich \u00f6ffentliche und private Gelder versmischen. Das Problem besteht aber nicht darin, dass \u00f6ffentliche und private Gelder in einen Topf geworfen werden, sondern darin, dass die Privatwirtschaft, d. h. rein profitorientierte Konzerne, einbezogen wurde. Die Konzerne k\u00f6nnen mit staatlicher Unterst\u00fctzung und unter dem Deckmantel der Entwicklungszusammenarbeit ihr kapitalistisches Unwesen in den Entwicklungsl\u00e4ndern treiben und im Namen der guten Sache die Menschen ausbeuten.<\/p>\n","protected":false},"author":43,"featured_media":14880,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[762,1503],"class_list":["post-14878","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-westliche-konzeptionen","tag-entwicklungshilfe","tag-kolonialismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14878","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/43"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14878"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14878\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14880"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14878"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14878"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14878"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}