{"id":14882,"date":"2022-11-22T00:05:00","date_gmt":"2022-11-21T23:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14882"},"modified":"2022-11-22T00:05:00","modified_gmt":"2022-11-21T23:05:00","slug":"entwicklungshilfe-ist-ein-instrument-des-kolonialismus-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14882","title":{"rendered":"<strong>Entwicklungshilfe ist ein Instrument des Kolonialismus (4)<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So schreibt das Unternehmen Syngenta unter der Rubrik \u201eNews\u201c auf seiner Homepage: \u201eDie Syngenta Stiftung f\u00fcr Nachhaltige Landwirtschaft f\u00fchrt landwirtschaftliche Projekte in Entwicklungsl\u00e4ndern durch. Ihr Hauptziel ist die Verbesserung des kleinb\u00e4uerlichen Einkommens. Der Fokus liegt auf der Erh\u00f6hung von Ertr\u00e4gen und einem verbesserten Marktzugang.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere Projekte der GFP waren die \u201eOilseeds Initiative Africa\u201c, die \u201eBetter Rice Initiative Asia\u201c oder die \u201eCompetitive African Rice Initiative\u201c. Das Prinzip war immer das gleiche: Das BMZ schaffte die politischen Rahmenbedingungen und verschaffte den Konzernen den Zutritt in die begehrten Entwicklungsl\u00e4nder. Es ging haupts\u00e4chlich darum, M\u00e4rkte zu erschlie\u00dfen und z.&nbsp;B. Saatgut f\u00fcr Hybridreissorten in gro\u00dfem Rahmen zu vertreiben. So mussten die Bauern beim Kauf zertifizierter Reissorten sogar noch Lizenzgeb\u00fchren bezahlen. Die rein wirtschaftlichen Motive der GFP waren so offensichtlich, dass NGOs wie Oxfam Kampagnen gegen sie starteten, so dass die GFP 2015 offiziell beendet wurde, w\u00e4hrend aber ihre Projekte noch weiterliefen. Oxfam hatte 2016 zur GFP und ihren Projekten einen Bericht ver\u00f6ffentlicht mit dem Titel \u201eB\u00f6cke zu G\u00e4rtnern. Wie die aktuelle Kooperation mit Agrarkonzernen eine nachhaltige Landwirtschaft verhindert\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei vielen Entwicklungshilfeprojekten wird Kleinbauern, die ohnehin wenig besitzen, die Lebensgrundlage genommen, indem sie von ihrem Boden vertrieben werden, um riesige Palm\u00f6l-, Soja- oder Kaffeeplantagen anzulegen. Kleinbauern m\u00fcssen in der Regel auf Gebiete mit schlechterer Bodenqualit\u00e4t ausweichen. Das bedeutet auch, dass die Menschen von einem riesigen Gebiet ausgeschlossen werden und z.&nbsp;B. keinen Zugang mehr zu Wasser haben oder aber lange Wege in Kauf nehmen m\u00fcssen, um das n\u00e4chste Krankenhaus oder die Schule zu erreichen, weil sie den direkten Weg nicht mehr nutzen k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus l\u00f6sen die Unternehmen ihre Versprechen nicht ein, neue Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen oder Schulen und Krankenh\u00e4user zu bauen. Maschinen erledigen haupts\u00e4chlich die Arbeit. Die Menschen k\u00f6nnen h\u00f6chstens als Tagel\u00f6hner arbeiten und erhalten dabei nur einen Niedriglohn, von dem sie nicht leben k\u00f6nnen. Den meisten ging es zwar vor solchen Entwicklungshilfeprojekten schlecht, aber mit solchen Projekten geht es ihnen noch schlechter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die kolonialen Ambitionen waren mit der Aufl\u00f6sung der GFP keineswegs beendet, denn es gab ja noch andere Initiativen und Projekte. Schon zu Beginn seiner Amtszeit hatte der ehemalige Entwicklungsminister Gerd M\u00fcller (CSU), der von 2013 bis 2021 das BMZ leitete, neben anderen Initiativen auch die Sonderinitiative \u201eEine Welt ohne Hunger\u201c ins Leben gerufen, in deren Rahmen das Projekt \u201eGr\u00fcne Innovationszentren in der Agrar- und Ern\u00e4hrungswirtschaft\u201c l\u00e4uft. Hierzu wurden sogenannte \u201eGr\u00fcne Innovationszentren\u201c in 15 L\u00e4ndern Afrikas und Asiens gr\u00fcndet. Auch da arbeitet man Hand in Hand mit Konzernen aus der Agrar- und Ern\u00e4hrungswirtschaft. Wie bei der GFP geht es um Saatgut, Agrartechnik, Chemikalien, Schulungen und Kredite. Von den \u201eGr\u00fcnen Innovationszentren\u201c profitieren wieder nur die Konzerne nach dem Muster der GFP. Und ausgerechnet von M\u00fcller stammt der Satz: \u201eDie neokolonialistische Ausnutzung der Arbeitskraft und der Ressourcen dieses reichen Kontinents muss ein Ende haben.\u201c 2016 gr\u00fcndete das BMZ au\u00dferdem die Agentur f\u00fcr Wirtschaft und Entwicklung (AWE). Sie ist der Ansprechpartner f\u00fcr deutsche und europ\u00e4ische Unternehmen, die in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern investieren wollen. Die Agentur ber\u00e4t \u00fcber F\u00f6rder- und Finanzm\u00f6glichkeiten der Entwicklungszusammenarbeit, stellt Kontakte im In- und Ausland her und unterst\u00fctzt die Unternehmen bei Projekten in den Entwicklungsl\u00e4ndern. Das BMZ hat letztendlich die Aufgabe, den Kolonialismus aufrechtzuhalten und Konzernen den Weg in Richtung Ausbeutung der Entwicklungsl\u00e4nder zu weisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder will ein St\u00fcck vom Kuchen. In Frankreich gibt es die Franz\u00f6sische Agentur f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit (AFD). Es handelt sich um eine Entwicklungsbank, die aus der Caisse central de la France libre hervorging. Das war die Zentralbank und gleichzeitig die Entwicklungsbank f\u00fcr die ehemaligen Kolonien Frankreichs. \u00dcber die AFD als staatliche Entwicklungsagentur l\u00e4uft der Kolonialismus Frankreichs unter dem Deckmantel der Entwicklungszusammenarbeit weiter. Sie hilft mit ihrer vermeintlichen Entwicklungshilfe nicht, den Hunger zu bek\u00e4mpfen, sondern unterst\u00fctzt Konzerne, wie das folgende Beispiel zeigt. Proparco ist eine Tochtergesellschaft der AFD. Es handelt sich hierbei um eine Entwicklungsbank. Zusammen mit anderen Entwicklungsbanken investierte sie in einen Fonds, aus dem das Unternehmen European Foods Africa in Nairobi 2 Millionen Euro erhielt, dessen Inhaber kein Kenianer, sondern ein Deutscher ist. Dieses Unternehmen vertreibt unter andrem TK-Pizza von Dr. Oetker, die aus Deutschland importiert wird. Der Inhaber investierte das Geld, das er aus dem Entwicklungsfonds erhielt, in moderne K\u00fchlr\u00e4ume f\u00fcr seine Produkte. Die Investoren erwarten von European Foods Africa nat\u00fcrlich, dass es expandiert und den Gewinn steigert. Der Import deutscher TK-Pizza hat selbstverst\u00e4ndlich nichts mit der Bek\u00e4mpfung von Armut und Hunger zu tun, zumal die Pizza in Kenia viel teurer ist als in Deutschland und nur der Oberschicht vorbehalten bleibt. Auch an diesem Beispiel zeigt sich, dass es bei der Entwicklungshilfe darum geht, neue Absatzm\u00e4rkte zu erschlie\u00dfen und den Gewinn zu maximieren. Entwicklungsgelder erhalten also immer nur die Unternehmen, nicht aber die Menschen vor Ort, deren Armut man vorgibt bek\u00e4mpfen zu wollen. Sie sind nur noch als Kunden von Interesse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte noch zahlreiche Beispiele anf\u00fchren, wie die ehemaligen Kolonien unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe und Hungerbek\u00e4mpfung weiter ausgebeutet werden. Die Kolonialm\u00e4chte haben Strukturen aufgebaut, die es erm\u00f6glichen, sich weiterhin am Land, an den Rohstoffen und an den Menschen als Arbeitskraft und inzwischen auch als Kunden zu bedienen. Zu diesen Strukturen geh\u00f6rt z.&nbsp;B. auch die Neue Allianz f\u00fcr Ern\u00e4hrungssicherung, an der selbstverst\u00e4ndlich auch Konzerne beteiligt sind. Es handelt sich um eine 2012 auf dem G8-Gipfel gegr\u00fcndete Initiative, die mit der \u201eganzen Macht des Privatsektors\u201c bis zum Jahr 2020 50 Millionen Menschen von Armut und Hunger befreien wollte, was, wie wir wissen, nicht gelungen ist. Auch die Neue Allianz f\u00fcr Ern\u00e4hrungssicherung hat keinen andren Zweck, als den gro\u00dfen Konzernen dazu zu verhelfen, in den afrikanischen L\u00e4ndern neue Absatzm\u00e4rkte zu erschlie\u00dfen. Sie suggeriert, dass Armuts- und Hungerbek\u00e4mpfung durch Produktionssteigerung erreicht werden k\u00f6nnte. Doch was haben die hungernden Menschen von einer gesteigerten Produktion und von mehr Produkten, die sie sich aber nicht leisten k\u00f6nnen und an denen nur die Konzerne verdienen? Die Neue Allianz f\u00fcr Ern\u00e4hrungssicherung f\u00fchrte die Regierungen der G7-Staaten, die afrikanischen Staaten und die Privatwirtschaft zusammen. Es ging bei der Neuen Allianz f\u00fcr Ern\u00e4hrungssicherung haupts\u00e4chlich um Kooperationsabkommen mit afrikanischen Staaten, die zu Reformma\u00dfnahmen verpflichtet werden. Diese Reformen sollen die Bedingungen f\u00fcr die Konzerne im Agrarsektor erleichtern. Sie verschlechtern gleichzeitig die Bedingungen f\u00fcr die Kleinbauern. Aus alldem wird ersichtlich, dass westliche Industriestaaten noch immer als Kolonialm\u00e4chte agieren. Weil Kolonialismus aber verp\u00f6nt ist, geben sie ihm den positiven Anstrich der Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Wenn westliche Industriestaaten vorgeben, Entwicklungshilfe leisten und Armut und Hunger bek\u00e4mpfen zu wollen, kann man davon ausgehen, dass die von ihnen angesto\u00dfenen Initiativen und Entwicklungshilfeprojekte, die verst\u00e4rkt als \u00f6ffentlich-private Partnerschaften konzipiert sind, nur den eigenen Interessen dienen und den Konzernen die Ausbeutung der Entwicklungsl\u00e4nder erm\u00f6glichen. Auf diese Weise setzt sich der Kolonialismus unbemerkt fort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Konzerne ist das Auftreten unter dem Deckmantel der Bek\u00e4mpfung von Armut und Hunger ein doppelter Gewinn. Zum einen erhalten sie leichteren Zugang zu den M\u00e4rkten Afrikas, zum anderen polieren sie damit ihr Image auf und br\u00fcsten sich mit der L\u00fcge, Entwicklungshilfe zu leisten.<\/p>\n","protected":false},"author":43,"featured_media":14881,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[762,1503],"class_list":["post-14882","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-westliche-konzeptionen","tag-entwicklungshilfe","tag-kolonialismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/43"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14882"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14882\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}