{"id":14906,"date":"2022-12-06T00:19:19","date_gmt":"2022-12-05T23:19:19","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14906"},"modified":"2022-12-06T00:19:19","modified_gmt":"2022-12-05T23:19:19","slug":"die-balfour-deklaration-1-ein-brief-der-palaestina-zum-verhaengnis-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14906","title":{"rendered":"Die Balfour-Deklaration (1) \u2013 Ein Brief, der Pal\u00e4stina zum Verh\u00e4ngnis wurde"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 02. November 1917 verfasste der britische Au\u00dfenminister Arthur Balfour seine historischen Worte, die er an Lionel Walter Rothschild schrieb. Dabei handelte es sich nicht um einen informellen Austausch von H\u00f6flichkeiten zwischen zwei Individuen. Viel eher ging es um eine sorgf\u00e4ltig ausgearbeitete Erkl\u00e4rung von Seiten der nationalen Politik, die dem Vertreter eines sich im Wartestand befindenden \u201eStaates\u201c \u00fcbergeben wurde. Die in der Tat auf diese Weise inmitten der Weltb\u00fchne ausgetragene Au\u00dfenpolitik, wurde schlussendlich in diesem anr\u00fcchigen Brief festgehalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Bedeutung des Briefes vollst\u00e4ndig zu erfassen \u2013 was dieser \u00fcber die britische Politik in der dortigen Region verr\u00e4t und wie dieser mit den bis heute andauernden Problemen zusammenh\u00e4ngt \u2013 m\u00fcssen wir zun\u00e4chst etwas \u00fcber den Hintergrund des Briefes und die j\u00fcngere Geschichte dieser Zeit in Erfahrung bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die politische Lage Gro\u00dfbritanniens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1917 befand sich Gro\u00dfbritannien nat\u00fcrlich noch mitten im Ersten Weltkrieg, dessen Ausgang noch lange nicht feststand. Zeitgleich hatte es seinen eigenen imperialen Ambitionen nachzukommen: W\u00e4hrend es zum einen den Kriegsaufwand im Auge behielt, suchte es zum anderen nach M\u00f6glichkeiten, wie es sich die Beute eines m\u00f6glichen Sieges auf Kosten der vermeintlichen \u201eAlliierten\u201c, wie Frankreich, sichern konnte. Vor diesem Hintergrund wurde die britische Politik hinsichtlich Pal\u00e4stinas in erster Linie von folgenden Faktoren beeinflusst:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Es wurde die Ansicht vertreten, dass der Feldzug am besten mit den Zionisten an der Seite unterst\u00fctzt werden w\u00fcrde, und dass es eine gute Taktik w\u00e4re, die Juden Amerikas und Russlands f\u00fcr den Kriegseinsatz gegen Deutschland zu gewinnen. In einer Sitzung des Kriegskabinetts am 31. Oktober 1917 erkl\u00e4rte Balfour, dass <em>\u201edie \u00fcberwiegende Mehrheit der Juden in Russland und Amerika, ja in der ganzen Welt, jetzt dem Zionismus positiv gegen\u00fcberzustehen scheint. Wenn wir eine Erkl\u00e4rung abgeben k\u00f6nnten, die ein solches Ideal bef\u00fcrwortet, w\u00e4ren wir in der Lage, sowohl in Russland als auch in Amerika eine \u00e4u\u00dferst n\u00fctzliche Propaganda zu betreiben\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Es war bekannt, dass Deutschland selbst das zionistische Gebilde mit Unterst\u00fctzungsversprechen umwarb, was den Bedarf an einer klaren und \u00f6ffentlichen Absichtserkl\u00e4rung erh\u00f6hte. Balfour selbst erkl\u00e4rte in einer Sitzung des Kriegskabinetts am 4. Oktober 1917, dass <em>&#8222;die deutsche Regierung gro\u00dfe Anstrengungen unternahm, um die Sympathie der zionistischen Bewegung f\u00fcr sich zu gewinnen&#8220;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. An Pal\u00e4stina grenzt \u00c4gypten an. Das wiederum bedeutet, dass die Kontrolle \u00fcber den Suezkanal f\u00fcr Gro\u00dfbritannien von h\u00f6chster strategischer Bedeutung war. Eine Vormachtstellung Frankreichs oder Russlands in Pal\u00e4stina br\u00e4chte diese Beiden zu nahe an ein lebenswichtiges britisches Interesse, so dass dies um jeden Preis verhindert werden musste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Faktoren machten die Errichtung einer von Gro\u00dfbritannien kontrollierten j\u00fcdischen Heimst\u00e4tte \u2013 die von dem zionistischen Gebilde verwaltet werden sollte \u2013 zu einer strategischen Priorit\u00e4t, die als absolut im nationalen Interesse liegend angesehen wurde. Es ist erw\u00e4hnenswert, dass weder ein pl\u00f6tzlicher Anfall von Sympathie f\u00fcr das Leid der Juden, noch eine massenhafte Bekehrung zur zionistischen Sache die britische Politik in irgendeiner Weise beeinflusst haben d\u00fcrfte. Wie viele europ\u00e4ische L\u00e4nder hatte auch Gro\u00dfbritannien eine antisemitische Vergangenheit, und es gab wenig innere Bereitschaft, insbesondere in dieser Kriegszeit, irgendetwas zum Wohle des j\u00fcdischen Volkes zu opfern. Gro\u00dfbritannien handelte damals wie heute ausschlie\u00dflich aus politischem und wirtschaftlichem Eigeninteresse, um das zu sichern, was es als seine nationalen Interessen ansah.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Wahrung dieser Interessen schloss Gro\u00dfbritannien unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit drei Vereinbarungen mit internationalen \u201ePartnern\u201c; Die Vereinbarungen unterschieden sich hierbei entweder geringf\u00fcgig voneinander oder standen zueinander v\u00f6llig im Widerspruch. Die erste Vereinbarung wurde 1915 mit dem \u201eScherifen von Mekka\u201c \u1e24usain bin \u02bfAl\u012b geschlossen. Diese l\u00e4sst sich anhand einer Reihe von Briefen zwischen ihm und Sir Henry McMahon dokumentieren. Diese werden heute als Hussein-McMahon-Korrespondenz bezeichnet. McMahon stimmte dabei im Namen der britischen Regierung und in seiner Funktion als Hochkommissar f\u00fcr \u00c4gypten zu, dass <em>\u201eEngland die Unabh\u00e4ngigkeit der arabischen L\u00e4nder anerkennt, die im Norden durch den 37. Breitengrad \u2013 und somit durch Mersin, Adana, Birecik, Urfa, Mardin, Midyat, Cizre und Amediye \u2013 begrenzt werden, bis hin zur Grenze Persiens; im Osten von der Grenze Persiens bis hin zum Golf von Basra; im S\u00fcden durch den Indischen Ozean\u201c.<\/em> Im Wesentlichen wurden \u1e24usain bin \u02bfAl\u012b &nbsp;die arabischen L\u00e4nder versprochen, als Gegenleistung f\u00fcr eine Rebellion gegen die Osmanen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Vereinbarung war das inzwischen ber\u00fcchtigte Sykes-Picot-Abkommen, welches im Mai 1916 unterzeichnet wurde. Gegenstand dieser Vereinbarung war die Aufteilung der eroberten Gebiete auf Gro\u00dfbritannien, Frankreich und Russland, wobei Pal\u00e4stina (dem Abkommen zufolge) zwischen Gro\u00dfbritannien und Frankreich aufgeteilt werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die letzte Vereinbarung war die zwischen Gro\u00dfbritannien und dem zionistischen Gebilde. Diese wurde in der Balfour-Deklaration festgehalten welche im Jahr 1922 durch den V\u00f6lkerbund im britischen Mandat formalisiert werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die drei genannten Vereinbarungen decken das wahre Wesen Gro\u00dfbritanniens auf, welches ebenso hinterh\u00e4ltig wie heuchlerisch ist und stets auf den eigenen Vorteil bedacht sogar bereit war, seine Kriegsverb\u00fcndeten zu verraten. Es versprach das Land Pal\u00e4stina den verr\u00e4terischen arabischen Herrschern, obwohl es zu jenem Zeitpunkt weder ein Anrecht noch die Kontrolle hatte \u00fcber Pal\u00e4stina hatte. Gro\u00dfbritannien hatte nat\u00fcrlich im Sinn, sich die Unterst\u00fctzung dieser Verr\u00e4ter gegen das Osmanische Kalifat zu sichern. Zur selben Zeit willigte Gro\u00dfbritannien ein, Pal\u00e4stina mit Frankreich teilen zu wollen, um einen Verb\u00fcndeten zufriedenzustellen, auf den es zu diesem Zeitpunkt, zumindest bis zum Ende des Krieges, angewiesen war. W\u00e4hrenddessen liefen die Verhandlungen mit dem zionistischen Gebilde, mit dem wahren Bestreben, eine dauerhafte Stellung in einem strategisch wichtigen Land einzunehmen; und das mit Hilfe eines Partners von dem es sich erhoffte, dass er ihr gegen\u00fcber v\u00f6llig abh\u00e4ngig und unterw\u00fcrfig sein w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ambitionen der zionistischen Politik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zionismus war eine Bewegung, die die Gr\u00fcndung eines j\u00fcdischen Staates in Pal\u00e4stina anstrebte. Sie wurde von der Zionistischen Weltorganisation (WZO) unter dem Vorsitz von Chaim Weizmann angef\u00fchrt, der 1904 die Nachfolge Theodor Herzls, dem Gr\u00fcndervater des Zionismus, antrat. Die Bewegung war zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem in London aktiv. Die Grundlage der zionistischen Doktrin bildete die \u00dcberzeugung, dass alle Juden Pal\u00e4stina \u201ezur\u00fcckerobern\u201c sollten und dass jenes Land unter die Autorit\u00e4t des j\u00fcdischen Volkes fallen sollte. Sie rechtfertigten diesen Anspruch, indem sie die zentrale Stellung Jerusalems f\u00fcr die Juden aus der traditionellen j\u00fcdischen Mythologie aufgriffen. Auf diese Weise st\u00e4rkte der Zionismus durch die Vorstellung eines j\u00fcdischen Staates in Pal\u00e4stina weltweit das j\u00fcdische Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl. Es ist ersichtlich, dass der Zionismus eine politische Bewegung mit einem politischen Motiv war und keineswegs eine Religion. Trotz dieser Tatsache wurden einige Ideen der Bewegung mit dem Judentum begr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im \u00dcbrigen wurde der Zionismus von den j\u00fcdischen Gemeinden nur selten angenommen. Die britischen Juden zum Beispiel hatten \u00fcber Generationen hinweg f\u00fcr ihre Akzeptanz gek\u00e4mpft und begannen sich in die britische Gesellschaft zu integrieren. Sie k\u00e4mpften jahrzehntelang darum, akzeptiert zu werden und erst mit Benjamin Disraeli gelang den Juden der Einzug ins Parlament, um so Machtpositionen einnehmen zu k\u00f6nnen. Der Zionismus mit seiner Behauptung, dass die Juden ein eigenst\u00e4ndiges Volk seien, entwickelte sich f\u00fcr diese Menschen, die um ihren Platz in der britischen Gesellschaft gek\u00e4mpft hatten, zu einer Aversion. Kritisch anzumerken ist jedoch, dass der Zionismus innerhalb der j\u00fcdischen Elite stark verbreitet war. So entstand der Eindruck, dass es sich um eine m\u00e4chtige Bewegung handelte, die Einfluss auf der ganzen Welt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die in Balfours Schreiben zugesagte Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ziele der Zionistische F\u00f6deration wurde der Zionismus zu einem offiziellen Anliegen der britischen Au\u00dfenpolitik. Dies war die erste \u00f6ffentliche Bef\u00fcrwortung des Zionismus durch einen Staat, wodurch dieser Randbewegung der Zugang zur politischen Weltb\u00fchne erm\u00f6glicht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Wortlaut des Schreibens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Schreiben selbst wurde mit gro\u00dfer Sorgfalt und unter Einhaltung strenger Auflagen durch das Ausw\u00e4rtige Amt ausgearbeitet. Sowohl die getroffene Wortwahl als auch die angesprochene Zielgruppe geben hierbei einen aufschlussreichen Einblick.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Text lautet wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eDie Regierung seiner Majest\u00e4t betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimst\u00e4tte f\u00fcr das j\u00fcdische Volk in Pal\u00e4stina und wird sich nach besten Kr\u00e4ften bem\u00fchen, die Verwirklichung dieses Zieles zu erm\u00f6glichen, mit der Ma\u00dfgabe, dass nichts geschehen soll, was die b\u00fcrgerlichen und religi\u00f6sen Rechte der bestehenden nicht-j\u00fcdischen Gemeinschaften in Pal\u00e4stina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen L\u00e4ndern in Frage stellen k\u00f6nnte.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kalifat1.com\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Die-Balfour-Deklaration-1-%E2%80%93-Ein-Brief-der-Palaestina-zum-Verhaengnis-wurde_2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14907\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachstehend einige wichtige Punkte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Deklaration wurde ein neues Konzept eingef\u00fchrt, n\u00e4mlich das Konzept von einer <em>\u201enationalen Heimst\u00e4tte des j\u00fcdischen Volkes\u201c<\/em>. Hinsichtlich der Formulierung <em>\u201enationale Heimst\u00e4tte\u201c<\/em> hatte es im V\u00f6lkerrecht bislang keinen Pr\u00e4zedenzfall gegeben. Zudem wurde der Ausdruck auch absichtlich vage gehalten. Der Ausdruck selbst lie\u00df n\u00e4mlich nicht ersichtlich werden, ob von einem j\u00fcdischen Staat oder lediglich von einer Massenumsiedlung der Juden in ein neues Land die Rede ist. Den Briten gelang es somit zweigleisig zu fahren. Zum einen konnten sie den besorgten arabischen F\u00fchrern gegen\u00fcber, die glaubten, das Land sei ihnen versprochen, letztere Interpretation geltend machen, w\u00e4hrend sie mit ihren zionistischen Partnern im Verborgenen das langfristige Ziel der Erlangung der Souver\u00e4nit\u00e4t in Angriff nehmen konnten. Der Wunsch nach einem j\u00fcdischen Staat war ein offenes Geheimnis, welches von hochrangigen Politikern h\u00e4ufig thematisiert wurde. Am deutlichsten geht dies vermutlich aus einer Kabinettssitzung aus dem Jahr 1922 hervor, in der Churchill in Bezug auf eine Frage zur Bedeutung des Begriffs <em>\u201enationale Heimst\u00e4tte\u201c<\/em> folgende Worte entrichtete: <em>\u201eWenn sie im Laufe der Jahre die Mehrheit im Lande darstellen, w\u00fcrden sie es nat\u00fcrlicherweise \u00fcbernehmen\u2026\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wesentlicher Teil des Entwurfsprozesses konzentrierte sich auf die Terminologie, die sich auf die Juden als Rasse bezog. Nach einigen \u00dcberlegungen wurden allerdings alle Verweise auf den Begriff Rasse gestrichen. Aus dem Dialog ging jedoch hervor, dass die britischen Beamten eine Terminologie verwenden wollten, die alle Juden auf der Welt als eine Rasse hervorhob, d. h. als eine Rasse, die als eine geschlossene Einheit f\u00fcr die Sache des Zionismus inspiriert werden konnte. Im endg\u00fcltigen Entwurf wurde das <em>\u201ej\u00fcdische Volk\u201c<\/em> weiterhin eindeutig identifiziert und erw\u00e4hnt. Dies hingegen steht in v\u00f6lligem Widerspruch zu der Art und Weise, wie der Text auf die bestehende Bev\u00f6lkerung aus Muslimen und Christen Bezug nimmt; hier wird n\u00e4mlich der Sammelbegriff <em>\u201ebestehende nicht-j\u00fcdische Gemeinschaften in Pal\u00e4stina\u201c<\/em> verwendet. Nicht direkt zu benennen, wer diese Gemeinschaften sind, ist an sich schon erniedrigend und entmenschlichend &#8211; ein Trend, der in den kommenden Jahrzehnten durch die Zionisten gepr\u00e4gt werden sollte. Doch das Dokument geht noch einen Schritt weiter: &nbsp;Die Bezugnahme auf andere Bev\u00f6lkerungsgruppen geschieht nur auf indirektem Wege, n\u00e4mlich, indem stets erneut auf die j\u00fcdische Gemeinschaft verwiesen wird. So werden die in Pal\u00e4stina ans\u00e4ssigen Muslime und Christen durchweg als <em>\u201eNichtjuden\u201c<\/em> bezeichnet. Dar\u00fcber hinaus sollte hiermit best\u00e4rkt werden, dass nun die Juden in Pal\u00e4stina die Z\u00fcgel in der Hand haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Erkl\u00e4rung werden au\u00dferdem nur die b\u00fcrgerlichen und religi\u00f6sen Rechte der <em>\u201eNichtjuden\u201c<\/em> zur Sprache gebracht, wohingegen ihnen ihre politischen Rechte aberkannt werden. Das hei\u00dft, dass die dort ans\u00e4ssigen muslimischen und christlichen Bev\u00f6lkerungsgruppen all ihrer politischen Rechte beraubt wurden. Wenn nun ber\u00fccksichtigt wird, dass die Muslime zu diesem Zeitpunkt etwa 91% der dortigen Bev\u00f6lkerung ausmachten, kann dies nur als Beihilfe zur Massenversklavung des pal\u00e4stinensischen Volkes interpretiert werden. Sie w\u00fcrden demnach zwar keine politische Macht besitzen, h\u00e4tten aber die Zusicherung ihrer Herrscher, dass sie gut behandelt werden w\u00fcrden \u2013 solange sie keine Probleme verursachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Schreiben kommt im Originalwortlaut der Begriff <em>\u201ebest endeavours\u201c<\/em> vor, ein anerkannter juristischer Fachausdruck, der im britischen Recht f\u00fcr die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Anstrengung steht, die unternommen werden kann. Die Verwendung dieses Begriffs best\u00e4tigt, dass die britische Politik gewillt war, dieses Vorhaben \u2013 d.h. die Errichtung <em>\u201eeiner nationalen Heimst\u00e4tte f\u00fcr das j\u00fcdische Volk in Pal\u00e4stina\u201c<\/em> &#8211; nach besten Kr\u00e4ften zu unterst\u00fctzen. Gro\u00dfbritannien erkl\u00e4rte sich also erwiesenerma\u00dfen bereit, im Rahmen seiner M\u00f6glichkeiten alles zu tun, um dieses Ziel zu erreichen \u2013 eine k\u00fchne Behauptung. Letztendlich bedeutete dies nichts anderes, als das ein Volk einem zweiten Volk das Land eines dritten Volkes versprach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich war die \u00dcbersendung des Briefes an Lord Rothschild ein klares Signal f\u00fcr die Zustimmung Gro\u00dfbritanniens in Hinblick auf die politischen Ziele der Zionisten. Lord Rothschild war eng mit dem Pr\u00e4sidenten der Zionistischen Weltorganisation, Chaim Weizmann, verb\u00fcndet und galt als Vermittler zwischen der WZO und Gro\u00dfbritannien. Der endg\u00fcltige Entwurf des Schreibens wurde am 02. November 1917 ver\u00f6ffentlicht. Arthur Balfour sandte den Brief an Lord Rothschild, in dem er die Unterst\u00fctzung Gro\u00dfbritanniens bei der Errichtung einer <em>\u201ej\u00fcdischen Heimst\u00e4tte in Pal\u00e4stina\u201c<\/em> erkl\u00e4rte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 02. November gilt sowohl f\u00fcr die j\u00fcdische als auch f\u00fcr die muslimische Welt als ein bedeutsamer Tag und dies aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden. Der \u201eBalfour-Tag\u201c, welcher von Ersteren gefeiert und von Letzteren ge\u00e4chtet wird, markiert den Jahrestag des vielleicht ber\u00fcchtigtsten Briefes der Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":14905,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[355,1987],"class_list":["post-14906","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-balfour-deklaration","tag-palaestina"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14906","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14906"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14906\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14905"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14906"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14906"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14906"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}