{"id":15318,"date":"2023-06-17T19:17:03","date_gmt":"2023-06-17T17:17:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=15318"},"modified":"2023-06-17T19:17:03","modified_gmt":"2023-06-17T17:17:03","slug":"geschlecht-unter-vorbehalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=15318","title":{"rendered":"Geschlecht unter Vorbehalt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bald scheint es so weit zu sein. Jeder B\u00fcrger soll in Deutschland die M\u00f6glichkeit haben, sein Geschlecht als auch seinen Vornamen unb\u00fcrokratisch beim Standesamt \u00e4ndern zu lassen \u2013 bereits im Alter von 14 Jahren. Das sieht das geplante Selbstbestimmungsgesetz vor, dessen Entwurf noch vor der Sommerpause dem Kabinett vorgelegt wird, bevor es zum Bundestag und Bundesrat weitergeht. Das Papier ist mittlerweile auch an die \u00d6ffentlichkeit gelangt und sorgt erwartungsgem\u00e4\u00df f\u00fcr Diskussionsstoff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Ampelkoalition hingegen ist das geplante Gesetz l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig. Schlie\u00dflich gehe es darum, das \u00fcberholte Transsexuellen-Gesetz nach \u00fcber 40 Jahren endlich abzuschaffen. In der Begr\u00fcndung zum Gesetzentwurf hei\u00dft es, dass dem Transsexuellen-Gesetz ein <em>medizinisch veraltetes, pathologisierendes Verst\u00e4ndnis von Transgeschlechtlichkeit<\/em> zugrunde liege. K\u00fcnftig soll f\u00fcr eine \u00c4nderung des Geschlechtseintrags niemand mehr ein Gerichtsverfahren durchlaufen m\u00fcssen oder \u00e4rztliche Bescheinigungen und psychologische Gutachten ben\u00f6tigen. Stattdessen soll die Entfaltung der eigenen Pers\u00f6nlichkeit auch die Wahl nach dem <em>richtigen<\/em> Geschlecht umfassen. Irreversibel ist im Vergleich zur Geschlechtsumwandlung die \u00c4nderung des Geschlechtseintrags beim Standesamt jedoch nicht. Denn die Verfasser des Selbstbestimmungsgesetzes haben in weiser Voraussicht darauf hingewiesen, dass die Geschlechts\u00e4nderung nach 12 Monaten r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht respektive erneut ge\u00e4ndert werden kann. Damit tr\u00e4gt sie der Vielfalt an <em>Geschlechteridentit\u00e4ten<\/em> und ihrem fluiden Charakter in der hiesigen Gesellschaft Rechnung. Auf diese Weise wird die unkomplizierte \u00c4nderung des Geschlechtseintrags zu einem reinen Verwaltungsakt verharmlost.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grund zur Sorge g\u00e4be es allerdings keine. Schlie\u00dflich w\u00fcrde sich mit dem geplanten Selbstbestimmungsgesetz auf praktischer Ebene nicht viel \u00e4ndern. Denn das Geschlecht als auch den Vornamen konnten Betroffene auch unter dem Transsexuellen-Gesetz \u00e4ndern \u2013 wenn auch mit den genannten Bedingungen. Gleichzeitig sieht das neue Gesetz durchaus Einschr\u00e4nkungen vor, wie die Sonderregelung im Verteidigungsfall. Danach k\u00f6nnten M\u00e4nner trotz ihres ge\u00e4nderten Geschlechtseintrags im Falle einer Einberufung sich dem Wehrdienst nicht entziehen. Doch unabh\u00e4ngig von den rechtlichen Detailfragen muss die soziopolitische Dimension dieses Vorhabens begriffen werden. Das geplante Selbstbestimmungsgesetz sendet n\u00e4mlich an die Gesellschaft eine unmissverst\u00e4ndlich klare Botschaft aus; der individuellen Freiheit werden hinsichtlich der Sexualit\u00e4t offenbar keinerlei Grenzen mehr gesetzt \u2013 frei nach dem Motto, nach oben ist noch genug Luft. Die gesellschaftlichen Auswirkungen indes werden verheerend sein und sind bereits jetzt zu beobachten. Denn die Grundperspektive auf das Geschlecht als soziale Ordnungskategorie und die daraus resultierenden Beziehungen zwischen M\u00e4nnern und Frauen machen im Westen seit Jahrzehnten einen fundamentalen Wandel durch und erleben derzeit ihren vorl\u00e4ufigen Tiefpunkt. Die sogenannte Pluralisierung der Lebensformen f\u00fchrt dazu, dass das traditionelle Eheverst\u00e4ndnis \u2013 welches auch im Westen viele Jahrhunderte lang gesellschaftlicher Konsens war \u2013 derart ersch\u00fcttert wird, dass es nicht mehr als exklusiver Bund zwischen Mann und Frau verstanden werden k\u00f6nne. Vielmehr m\u00fcsse auch die Ehe sich der Idee der sexuellen Selbstbestimmung unterordnen und f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare genauso offen sein. Zugleich stellt die Eheschlie\u00dfung f\u00fcr den Geschlechtsverkehr weder eine juristische noch eine moralische Voraussetzung dar. Der Trauschein ist somit \u00fcberfl\u00fcssig geworden und das freie Individuum kann sexuelle Kontakte problemlos unterhalten, ohne sich daf\u00fcr rechtfertigen oder soziale Ablehnung bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen. M\u00f6glich wurde dieser Paradigmenwechsel dadurch, dass die westlichen Gesellschaften eine folgenschwere Revision der Ziele der Ehe vollzogen, womit sich auch die Auffassung von Sexualit\u00e4t grundlegend \u00e4nderte. Das sexuelle Verlangen wurde auf diese Weise von seinem eigentlichen Zweck \u2013 dem Fortbestand der menschlichen Art \u2013 vollst\u00e4ndig entkoppelt und zum Selbstzweck erhoben. Die Fortpflanzung bzw. die Erhaltung der menschlichen Art ist damit in den Hintergrund ger\u00fcckt. Das einzig entscheidende ist das sexuelle Vergn\u00fcgen, welches beispielsweise der Mann nicht zwangsl\u00e4ufig mit einer Frau und schon gar nicht im Rahmen der Ehe haben muss. Die liberal-s\u00e4kulare Gesellschaft verleiht dem Menschen demzufolge die Freiheit, seine sexuellen Bed\u00fcrfnisse auf beliebige Art und Weise zu befriedigen: innerhalb oder au\u00dferhalb der Ehe, mit oder ohne Seitensprung, homo-, hetero- oder bisexuell, als Masochist, Sadist oder Sodomist, als Prostituierte oder Freier \u2013 ganz so, wie es dem Individuum gerade in den Kopf kommt. Und da der Freiheitsgedanke ein Fass ohne Boden ist und mit der Zeit in immer tiefere Abgr\u00fcnde f\u00e4llt, kann das selbstbestimmte Individuum mittlerweile auch zwischen den <em>geschlechtlichen<\/em> Varianzen w\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die daraus resultierenden Verwerfungen sind vielf\u00e4ltig und stellen auf lange Sicht f\u00fcr das soziokulturelle Gef\u00fcge eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Dazu geh\u00f6rt zweifellos das vieldiskutierte Problem rund um den demografischen Wandel. Die Gefahr liegt hierbei nicht so sehr in einem Bev\u00f6lkerungsschwund, wie noch Anfang der 1990er prognostiziert wurde \u2013 als zahlreiche Experten davon ausgingen, Deutschland entwickle sich in naher Zukunft zu einer <em>Rentnerrepublik<\/em>. Angesichts der Migrations- und Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me konnte dieses Szenario f\u00fcrs erste abgewendet werden, so dass auch im Jahre 2023 \u00fcber 80 Millionen Menschen in diesem Land leben. Zentraler Kritikpunkt insbesondere seitens konservativer und rechter Politiker ist vielmehr die Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerung. Zum einen stehen immer weniger Kinder immer mehr Alten gegen\u00fcber, was sich unter anderem massiv auf das hiesige Rentensystem auswirkt und den als so fortschrittlich betrachteten <em>Generationenvertrag<\/em> ad absurdum f\u00fchrt \u2013 falls sich dieser Trend weiter fortsetzt. Zur gleichen Zeit sieht sich der Arbeitsmarkt seit l\u00e4ngerem mit dem Fachkr\u00e4ftemangel konfrontiert, dem mittels einer <em>klugen<\/em> Einwanderungspolitik entgegengesteuert werden soll. An diesem Punkt setzt die Kritik an; denn es sind immer weniger die Deutschen, die das Schrumpfen der eigenen Bev\u00f6lkerung verhindern werden k\u00f6nnen, sondern Migranten! In Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin sticht dieser Aspekt besonders ins Auge. Exemplarisch hierf\u00fcr lassen sich zahlreiche Grundschulen anf\u00fchren, in denen die Mehrheit der eingeschulten Kinder inzwischen einen Migrationshintergrund besitzen oder im Zuge der letzten Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me nach Deutschland kamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gedanke, dass sich auf diesem Wege die kulturelle Pr\u00e4gung Deutschlands im Begriff ist aufzul\u00f6sen, erscheint angesichts dieser Ausf\u00fchrungen nicht unplausibel. Vor allen Dingen sollte aber der Zusammenhang zwischen dem demografischen Wandel und der oben beschriebenen Aufgabe der bin\u00e4ren Geschlechterordnung deutlich sein. Denn unabh\u00e4ngig davon, welche der konstruierten Geschlechteridentit\u00e4ten gesellschaftliche Akzeptanz erfahren soll, haben sie doch alle eines gemeinsam: ihre Lebensentw\u00fcrfe sind nicht auf die Fortpflanzung bzw. die Erhaltung der menschlichen Art ausgerichtet. Daher verfehlen auch finanzielle Anreize in Form von h\u00f6heren Kindergeldbeitr\u00e4gen oder Steuererleichterungen ebenso wie attraktivere Arbeitszeitmodelle ihre Wirkung. Denn der exzessive Individualismus korrespondiert nicht mit diesen Ma\u00dfnahmen und besch\u00e4ftigt den Menschen vielmehr mit der Frage, ob er sich noch im <em>richtigen<\/em> K\u00f6rper befindet. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem geplanten Selbstbestimmungsgesetz gibt die sogenannte offene Gesellschaft dem Individuum nun einen weiteren Grund an die Hand, sich um den eigenen Nachwuchs nicht weiter scheren zu m\u00fcssen und stattdessen an der eigenen Geschlechtsentfaltung zu feilen. Doch auch die kritischen Stimmen aus dem konservativen und rechten politischen Spektrum bieten keine \u00fcberzeugende und tragf\u00e4hige Alternative. Zumindest was die Union und weite Teile der AfD angeht, dreht sich ihre Kritik eher um die Umsetzung des Gesetzes, als das dahinterstehende Geschlechterbild fundamental in Zweifel zu ziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Per Sprechakt das eigene Geschlecht \u00e4ndern \u2013 die offene Gesellschaft will auch daf\u00fcr bald den Weg frei machen. 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