{"id":15416,"date":"2023-08-01T11:11:32","date_gmt":"2023-08-01T09:11:32","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=15416"},"modified":"2023-08-01T11:11:32","modified_gmt":"2023-08-01T09:11:32","slug":"alternative-fuer-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=15416","title":{"rendered":"Alternative f\u00fcr Deutschland?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines der zentralen Anliegen konservativ-rechter Str\u00f6mungen ist bekannterma\u00dfen der Erhalt der Familie als Keimzelle der Gesellschaft. Daher spielen Geschlechterpolitiken in diesem Lager seit jeher eine wesentliche Rolle. Doch die <em>traditionellen<\/em> Familienstrukturen stehen zunehmend unter Beschuss und werden vom linksliberalen Mainstream nicht mehr als einzige Familienform akzeptiert. Sie sollen durch neue Leitbilder, wie der Regenbogenfamilie etwa, erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das Aufbrechen der <em>traditionellen<\/em> Familie f\u00fchrte unweigerlich dazu, dass das Geschlecht selbst zu einem ausbauf\u00e4higen Identit\u00e4tskonstrukt wurde. Das sich selbst transzendierende Individuum gibt sich nicht mehr damit zufrieden, lediglich die Geschlechterunterschiede zwischen Mann und Frau zu \u00fcberwinden oder die heterosexuelle Norm zur Disposition zu stellen. Mittlerweile ist es dazu \u00fcbergangen, die Binarit\u00e4t der Geschlechter abzuschaffen. Die Folgen werden verheerend sein und sind bereits jetzt auf unterschiedlichen Ebenen deutlich zu sp\u00fcren. Mit der faktischen Aufl\u00f6sung des bin\u00e4ren Geschlechtersystems versch\u00e4rft sich beispielsweise das demografische Dilemma, in dem sich auch Deutschland derzeit befindet. Damit wird nicht nur der Fachkr\u00e4ftemangel zu einem ernstzunehmenden Problem; vielmehr steht die eigene liberal-s\u00e4kulare Lebensweise auf dem Spiel. Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die berechtigte Frage, ob bzw. was das konservativ-rechte Parteienspektrum dem konkret entgegensetzen kann. Schlie\u00dflich sieht es sich dem eigenen Selbstverst\u00e4ndnis zufolge als jene gesellschaftliche Kraft, die eben diese <em>Traditionsbest\u00e4nde<\/em> wie Familie oder Identit\u00e4t erhalten und bewahren soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Exemplarisch hierf\u00fcr k\u00f6nnen die Reaktionen auf das geplante Selbstbestimmungsgesetz herangezogen werden, das jedem B\u00fcrger erm\u00f6glichen soll, seinen Geschlechtseintrag beim Standesamt qua Sprechakt \u00e4ndern zu k\u00f6nnen. Offiziell \u00e4u\u00dferten sich bislang gro\u00dfe Teile der CDU\/CSU-Fraktion als auch der AfD kritisch gegen das Vorhaben der Ampelregierung. Bei genauerer Betrachtung jedoch f\u00e4llt auf, dass die Kritik sich haupts\u00e4chlich auf bestimmte Aspekte in der Umsetzung bezieht, ohne das dahinterstehende Geschlechterbild fundamental in Frage zu stellen. So wies die CSU-Politikerin Dorothee B\u00e4r in einem Gastbeitrag f\u00fcr die FAZ zwar darauf hin, dass Selbstbestimmung und hier vor allem die geschlechtliche Identit\u00e4t nicht mit grenzenloser Beliebigkeit gleichzusetzen sei. Es m\u00fcsse vielmehr verhindert werden, dass mit einem derartigen Gesetz der Einfluss der Eltern auf ihre Kinder juristisch ausgehebelt wird. Dennoch m\u00fcsse der Staat die besonderen Lebenssituationen von transgeschlechtlichen Menschen ber\u00fccksichtigen. In einem gemeinsamen Brief an die Unionsfraktion \u00e4u\u00dferten die Fachpolitiker aus CDU und CSU \u00e4hnliche Bedenken. Nichtsdestotrotz sei man <em>offen f\u00fcr eine pragmatische Anpassung des Verfahrens zur \u00c4nderung des Namens beziehungsweise des Personenstands von transgeschlechtlichen Menschen, um dem Eindruck diskriminierender Regeln entgegenzutreten<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kritik der AfD dagegen schl\u00e4gt im Vergleich zur Union einen weitaus sch\u00e4rferen Ton an und erteilte dem geplanten Gesetz von vornherein eine Absage. F\u00fcr den familienpolitischen Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion Martin Reichardt habe das Recht zur \u00c4nderung des Geschlechtseintrags nichts mit <em>echter<\/em> Selbstbestimmung zu tun. In einer offiziellen Stellungnahme unterstreicht Reichardt die Position seiner Partei wie folgt: <em>Die AfD-Fraktion lehnt das ganze Gesetz entschieden ab, verweist auf m\u00f6gliche schwere Folgen f\u00fcr das k\u00f6rperliche und seelische Wohlbefinden, insbesondere der Kinder und Jugendlichen, wie auch f\u00fcr Frauen beispielsweise in Saunen oder \u00f6ffentlichen Toiletten. Das Gesetz hat den Namen Selbstbestimmung nicht verdient und t\u00e4uscht \u00fcber seinen wahren Kern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl also das Selbstbestimmungsgesetz aus Sicht der CDU\/CSU und der AfD \u00e4u\u00dferst problematisch erscheint bzw. abzulehnen ist, bleiben sie mit ihrer Kritik insgesamt an der Oberfl\u00e4che h\u00e4ngen. In den offiziellen \u00c4u\u00dferungen sind zudem keinerlei Ans\u00e4tze zu erkennen, die den Kern des Problems treffen und eine \u00fcberzeugende Alternative bieten w\u00fcrden. Vielmehr ist zu beobachten, dass insbesondere die beiden Unionsparteien ihre konservativen Vorstellungen der <em>Freiheit auf pers\u00f6nliche Selbstentfaltung<\/em> unterordnen. Als der Bundestag beispielsweise 2017 das Gesetz zur <em>Homo-Ehe<\/em> verabschiedete, lehnte zwar ein gro\u00dfer Teil der CDU\/CSU-Fraktion den Gesetzesentwurf ab. Am Ende jedoch stimmten ein Viertel der Unionsabgeordneten zu und betonten, dass die verschiedenen Standpunkte innerhalb der Fraktion keineswegs bedeuten sollen, dass Menschen hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden d\u00fcrfen. Der Beleg daf\u00fcr sei das seit 2001 geltende Gesetz \u00fcber die eingetragene Lebenspartnerschaft, welches zum ersten Mal in Deutschland gleichgeschlechtliche Paare rechtlich anerkannt hatte und von der Union mitgetragen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch das neurechte Lager samt seiner Ideengeber liefert ebenso wenig einen \u00fcberzeugenden Gegenentwurf. Zwar erkl\u00e4ren prominente Vordenker wie Karlheinz Wei\u00dfmann oder Alain de Benoist den Liberalismus zu ihrem politischen Hauptfeind und unterziehen ihn in diversen Streitschriften und Vortr\u00e4gen einer rigorosen Kritik. Allerdings bleibt es letztlich bei dieser Kritik, so scharf sie diese stellenweise auch formulieren m\u00f6gen. So unterstellt Alain de Benoist in seinem aktuellen Buch <em>Gegen den Liberalismus<\/em> der liberalen Ideologie eine starke Tendenz zur Entgrenzung. Bek\u00e4mpft wird aus seiner Sicht alles, was dem einzelnen jenseits der Marktlogik Zugeh\u00f6rigkeit und Identit\u00e4t verleiht: Familie, Volk, Glaube, Abstammung. Ziel des Liberalismus sei es, dass endg\u00fcltig <em>befreite<\/em> <em>Individuum<\/em> ohne Bindung, ohne Halt darauf einzustellen, sich auf dem Markt seine neue Identit\u00e4t zusammenzuflicken. Gleichwohl bleibt er dem Leser ein klar umrissenes politisches Konzept schuldig, das den Liberalismus ernsthaft herausfordern k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb das konservativ-rechte Lager in der Debatte um Geschlechterrollen und Familienbilder vor dem linksliberalen Mainstream offensichtlich kapituliert \u2013 trotz ihrer zum Teil scharfz\u00fcngigen Kritik. Die Antwort darauf l\u00e4sst sich in der politischen Ideengeschichte Europas finden. Sowohl die Rechte als auch die Linke mit ihren zahlreichen Spielarten sind aus den historischen Umw\u00e4lzungsprozessen der Aufkl\u00e4rung entstanden und leiten demzufolge ihre politischen Grundpositionen aus demselben Kerngedanken her. Ob sich das daraus resultierende Menschen- und Gesellschaftsbild in einer parlamentarischen Demokratie oder in einem F\u00fchrerstaat manifestiert ist unterm Strich zweitrangig. Denn in beiden F\u00e4llen stellt der Mensch als autonomes und selbstbestimmtes Wesen den philosophisch-politischen Referenzrahmen dar und bestimmt folglich \u00fcber die normative Ordnung. Jegliche L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr soziopolitische Problemstellungen werden bzw. lassen sich infolgedessen ausschlie\u00dflich aus diesen Grundannahmen ableiten. Die Forderung, das <em>traditionelle<\/em> Familienmodell zu erhalten, ist folglich nur schwer zu erf\u00fcllen, solange diesem Wert und den ihm entspringenden Normen der transzendente \u2013 sprich g\u00f6ttliche Bezug fehlt, der diesem Wert die erforderliche Validit\u00e4t und Verbindlichkeit verleiht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter diesen Voraussetzungen wird es dem konservativ-rechten Lager als vermeintlich letzte Bastion zur Bewahrung <em>traditioneller<\/em> Werte nicht gelingen, sich gegen\u00fcber linksliberalen Politiken erfolgreich zu behaupten und mit einem autarken gesellschaftspolitischen Entwurf aufzuwarten. Wohl aus dieser Ern\u00fcchterung heraus halten es einige neurechte Akteure sogar f\u00fcr denkbar, in ihrem Kampf gegen den Liberalismus den Schulterschluss mit dem Islam und den Muslimen zu suchen. Zumindest sehen sie den Islam nicht als ihren politischen Hauptgegner. Aus ihrer Sicht erweist er sich bisher als ausgesprochen resistent gegen den zersetzenden <em>Antitraditionalismus<\/em> des Westens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob sich dieser Ansatz im neurechten Lager tats\u00e4chlich durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Unter islamischen Gesichtspunkten jedoch erscheint eine solch taktische Ann\u00e4herung nicht denkbar. Vielmehr m\u00fcsste sich das konservativ-rechte Lager weltanschaulich dem Islam und seinen L\u00f6sungsans\u00e4tzen tats\u00e4chlich \u00f6ffnen, um der postmodernen Zersetzungsmaschinerie ein Ende zu setzen. &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geraten hierzulande Traditionen wie Familie oder Identit\u00e4t ins Wanken, rief dies stets konservative und rechte Kr\u00e4fte auf den Plan. Doch das postmoderne Denken greift immer weiter um sich und m\u00f6chte in Sachen Ehe und Familie auch die letzten Gewissheiten Vergangenheit werden lassen. Kann sich das konservativ-rechte Lager diesem Prozess entgegenstellen und gleichzeitig eine \u00fcberzeugende Alternative anbieten?<\/p>\n","protected":false},"author":109,"featured_media":15417,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[98,638],"class_list":["post-15416","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommentar","tag-afd","tag-deutschland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15416","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/109"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15416"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15416\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15417"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}