{"id":15438,"date":"2023-08-13T07:00:00","date_gmt":"2023-08-13T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=15438"},"modified":"2023-08-13T07:00:00","modified_gmt":"2023-08-13T05:00:00","slug":"von-den-schattenseiten-der-wissenschaft-zum-eintritt-in-das-nihilistische-zeitalter-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=15438","title":{"rendered":"Von den Schattenseiten der Wissenschaft zum Eintritt in das nihilistische Zeitalter (Teil 1)"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von den Schattenseiten der Wissenschaft \u2026<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Johann Wolfgang von Goethe schrieb: \u201eWo viel Licht ist, ist starker Schatten.\u201c Doch wer seinen Blick immer nur gen Licht wendet, neigt dazu, den Schatten zu \u00fcbersehen, gar ihn v\u00f6llig aus den Augen zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich schaut es aus mit der Wissenschaft. Wer seinen Blick immer nur auf die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse und den technischen Fortschritt richtet, der \u00fcbersieht allzu schnell das Ausma\u00df der Schattenseiten der Wissenschaft. Wenn dieser einseitige Blick so \u00fcberhandnimmt, dass die Wissenschaft \u2013 an ihrem Erfolg und instrumentellen Nutzen gemessen \u2013 verabsolutiert und selbst in den Bereichen des Lebens zum einzigen Gradmesser erhoben wird, in denen sie eigentlich fehl am Platz ist, dann nennt man das Szientismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Szientismus steht f\u00fcr die Auffassung, alle nur erdenklichen Fragen im Rahmen einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung beantworten zu k\u00f6nnen. Diese Auffassung ist in der heutigen Zeit sehr verbreitet. Zunehmend dominiert sie die unterschiedlichen Formen der politischen, sozialen und \u00f6konomischen Ordnungssysteme sowie die unterschiedlichen Formen der gesellschaftlichen Interaktion \u2013 sowohl in allt\u00e4glichen Diskussionen in Schule, Universit\u00e4t, Beruf und Freizeit als auch im akademischen Diskurs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch was sind die Schattenseiten sowohl der Wissenschaft im Allgemeinen als auch ihrer positivistischen Auslegung? Ist es nur die Zerst\u00f6rung der Natur und ihrer inh\u00e4renten Wertigkeit, die die Wissenschaft im Zuge ihrer Funktion als Werkzeug zur instrumentellen Erm\u00e4chtigung zu verantworten hat? Oder liegt das eigentliche Problem, von dem die Zerst\u00f6rung in Folge kapitalistischer Interessen dann nur ein Symptom w\u00e4re, noch viel tiefer?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Tat werden wir im Folgenden sehen, dass die Problematik dieser sich im neuzeitlichen Europa ausgebildeten Form von Wissenschaft noch viel tiefer sitzt. Die Wissenschaft als Instrumentarium hat nicht nur die zerst\u00f6rerischen Ausw\u00fcchse industriell-kapitalistischer Bestrebungen zu verantworten. Sie ist bestimmt durch die Form des Wissens, das sich im Zuge der neuzeitlichen seins- und erkenntnistheoretischen Entwicklungen konstituiert hat. Dabei wird sich zeigen, dass dies eine Form des Wissens ist, deren Wesen keineswegs weltanschaulich neutral ist. Es ist eine Form des Wissens, die vom ideologischen Standpunkt aus an die aristotelische Wissenschaftstheorie anschlie\u00dft und ihre darin intrinsisch begr\u00fcndete Menschenfeindlichkeit dadurch zum Ausdruck bringt, dass sie im Widerspruch zu selbstevidenten Auffassungen von individueller, zwischenmenschlicher, gesellschaftlicher und sogar zivilisatorischer Natur steht (deren Bedeutung in einem zuk\u00fcnftigen Artikel genauer dargelegt wird).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser eine pauschale Ablehnung der sich im neuzeitlichen Europa ausgebildeten Form von Wissenschaft motivierende Widerspruch sollte bei der folgenden Analyse vor dem Hintergrund verstanden werden, dass im Rahmen dieses Artikels der Blick auf die im modernen Habitus m\u00fcndende <em>performative<\/em> Dimension des instrumentellen Vollzugs der Wissenschaft, seiner abstrakten wissenschaftstheoretischen Grundannahmen sowie der aus der damit zusammenh\u00e4ngenden Lebensform resultierenden Einstellung geworfen wird. Das bedeutet, dass die <em>konstativen<\/em> (im Gegensatz zu <em>performativen<\/em>) wissenschaftlichen Erkenntnisse und daraus hervorgegangenen technischen Errungenschaften nicht per se zu verwerfen oder als ausschlie\u00dflich einer bestimmten kulturhistorischen Genese zuzuordnen sowie aus ihrer Perspektive zu verwenden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beginnen wir mit einem kurzen historischen \u00dcberblick: Genauso wie die meisten Erscheinungen der westlichen Zivilisation auf die Urspr\u00fcnge in der griechischen Philosophie zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, so ist dies auch bei der neuzeitlichen Wissenschaft der Fall. Die Grundlage f\u00fcr die Entstehung der neuzeitlichen Wissenschaft lieferte das kompromisslose Festhalten an der aristotelischen Logik. Zu Beginn der Neuzeit ereignete sich eine auf diesem Boden stattfindende seins- und erkenntnistheoretische Revolution von zentraler Bedeutung: Die auf die griechische Philosophie zur\u00fcckgehende Objekts- ging \u00fcber in die Subjektsphilosophie, die die gesamte Neuzeit und auch das Verst\u00e4ndnis von Wissen und Wissenschaft daraufhin paradigmatisch bestimmen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was war der Grund f\u00fcr diese Revolution und was ereignete sich im \u00dcbergang von Objekts- zu Subjektsphilosophie genau?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihren Anfang nahm diese Revolution in Folge von Ver\u00e4nderungen innerhalb des Dreier-Gef\u00fcges Mensch-Gott-Welt. Das ehemals in sich geschlossene Gef\u00fcge aus den den Kosmos und die menschliche Vernunft zusammenhaltenden G\u00f6tterbildern des philosophischen Gotteskonzeptes bei den Griechen konnte im Zuge der mittelalterlichen nominalistischen sowie okkasionalistischen Theologie und die durch sie propagierte Zentralisierung des Willens Gottes und seiner Transzendenz nicht mehr aufrechterhalten werden. Begr\u00fcndet durch die christliche Vorstellung von der menschlichen Gottesebenbildlichkeit kam es infolgedessen zur menschlichen Usurpation (Inbesitznahme) g\u00f6ttlicher Pr\u00e4dikate, die aufgrund des scholastischen Gottesbildes die Grundlage f\u00fcr die Ausbildung der Autonomie der menschlichen Vernunft bildete. Begleitet wurde diese Entwicklung durch die Entdeckung der r\u00e4umlichen Ausma\u00dfe des Universums und den dadurch bedingten Verlust der Zentralit\u00e4t des Menschen innerhalb des Universums, weshalb der Aufrechterhaltung des Anthropozentrismus eine zentrale Rolle zukam. Im Rahmen eines Kunstgriffes wurde dies durch die Verlagerung der aristotelischen Seinsprinzipien in die Konstitution des menschlichen Bewusstseins verwirklicht. Dies geschah im Sinne der \u00dcberlegung, dass wenn das Dasein auf unserem im Universum verlorenen Irrstern noch irgendeinen Sinn haben sollte, so m\u00fcsse das Sein vom Menschen selbst hineingelegt werden. Der Mensch musste den Irrstern, den man fr\u00fcher Wahrheit nannte, als K\u00fcnstler seiner selbst in souver\u00e4ner Freiheit entwerfen, um aus der Kraft dieses Entwurfes dann leben zu k\u00f6nnen. So wurde das neuzeitliche Subjekt zu dem Produkt einer Projektion, bei der die Evidenz der aristotelischen Prinzipien der Natur dem Inneren des Menschen eingeschrieben wurde, sodass der Mensch meinte, in der Tiefe seiner eigenen Seele das Fundament aller wahren Erkenntnis entdecken zu k\u00f6nnen. Bei dieser Verlagerung spielte der R\u00fcckbezug auf die aristotelische Philosophie in Form der Referenz auf die absolute G\u00fcltigkeit der Logik also die zentrale Rolle. Konsequenz war die zentrale Pr\u00e4misse der neuzeitlichen Wissenschaft, dass die Gesetze der Natur auf den Gesetzen des Denkens beruhen m\u00fcssen, d. h. dass die Physik axiomatisch auf der Logik aufgebaut werden m\u00fcsse. Diese Tatsache dr\u00fcckte sich dann aus in dem Kantischen Grundsatz, dass die Axiome der Logik als Bedingung der M\u00f6glichkeit der Erkenntnis die Bedingungen der M\u00f6glichkeit der Gegenst\u00e4nde der Erkenntnis sein m\u00fcssen. Diese neuzeitliche Revolution endete schlie\u00dflich in der Philosophie der Subjektivit\u00e4t, die wesentlich dadurch charakterisiert war, dass das menschliche Bewusstsein zum Sitz der absoluten Evidenz wurde und es nun die Basis f\u00fcr die Erkenntnis zeitloser Wahrheit bildete. In dieser Folge galt Erkenntnis genau dann als wissenschaftlich, wenn sie von dem Menschen <em>bewiesen<\/em> wurde und das wiederum bedeutete die Demonstration der Notwendigkeit der Erkenntnis unter Verwendung logischer Regeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Implikationen dieser neuzeitlichen Revolution waren nicht nur von einschneidender Bedeutung. Sie f\u00fchrten zu der \u00dcberlagerung vielschichtiger Inkoh\u00e4renzen, die letzten Endes auf den Zusammenbruch der durch sie zusammengehaltenen neuzeitlichen Metaphysik hinauslaufen und die unter der westlichen Hegemonie stehende Zivilisation in ein nihilistisches Zeitalter st\u00fcrzen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schauen wir uns die zentralen Implikationen eine nach der anderen genauer an:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Die Voraussetzungslosigkeit als Voraussetzung: Die positive Wissenschaft unserer Zeit betrachtet ihre Voraussetzungslosigkeit paradoxerweise als eine ihrer Voraussetzungen. Damit versucht sie, sich von der Metaphysik zu emanzipieren, wenngleich sie die Privilegien der Metaphysik \u2013 wie zum Beispiel das Festhalten an den Kategorien der aristotelischen Logik \u2013 nicht von sich streifen m\u00f6chte. Diese Form von Reflexion \u2013 bzw. eher gesagt Nicht-Reflexion \u2013 \u00fcber die eigenen Pr\u00e4missen zeugt von sowohl Hochmut als auch L\u00fcge. Durch sie kleidet sich die grundlos gewordene Positivit\u00e4t der Wissenschaft mit dem Kost\u00fcm der Metaphysik, obwohl sie meint, es schon l\u00e4ngst abgelegt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Der Zweifel an der subjektzentrierten Erkenntnis vor dem Hintergrund der exzentrischen Position des Globus: Die exzentrische Position des Globus sorgt vor dem Hintergrund der Philosophie der Subjektivit\u00e4t nach wie vor daf\u00fcr, dass die Wahrheit des Universums von der Wissenschaft gerade durch das Subjekt erkannt werden soll, das sich in einem abgelegenen Winkel des Universums befindet. Gerade die Gewissheit der physikalischen Erkenntnis \u00fcber die Dimensionen des Universums sorgt also daf\u00fcr, das neuzeitliche Subjekt in den Zweifel seiner Pr\u00e4missen von der subjektzentrierten Erkenntnis zu st\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Die Negation der Anfangslosigkeit der Welt und der Zweifel an der \u00fcberzeitlichen G\u00fcltigkeit der Logik: Die im Zuge der zunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnis bef\u00fcrwortete Negation der zeitlichen Anfangslosigkeit der Welt geriet in den Konflikt mit dem Festhalten an der Vorherrschaft der Logik. Die Forderung nach der absoluten G\u00fcltigkeit der Logik, die als ehemalige Struktur des Seins via Projektion auf das Subjekt der Erkenntnis verlagert wurde, erforderte jedoch nach wie vor das Festhalten an der Ewigkeit der Welt. So wurde der Ursprung der zentralen Pr\u00e4misse der positiven Wissenschaften \u2013 die \u00dcberzeitlichkeit und absolute Vorrangstellung der Logik \u2013 immer noch weiter versch\u00fcttet, sodass die Verlautbarung ihrer Voraussetzungslosigkeit quasi unausweichlich wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. Der Historismus und seine Implikationen: Der in die Geisteswissenschaften Einzug findende Historismus, der besagt, dass alle geistigen Gebilde Ausdruck der Zeitlage sind, in der sie entstanden sind, bef\u00f6rderte einen Relativismus der Geschichtsschreibung, durch den der Anspruch auf \u00fcberzeitliche und demnach absolute Erkenntnis entzogen wurde. Dies steht im Widerspruch zur neuzeitlichen Konstitution des Subjekts der Erkenntnis, das die Grundlage f\u00fcr die Philosophie der Subjektivit\u00e4t bildete. Ferner offenbarte der Historismus, der mit dem dem modernen Fortschrittsglauben kritisch gegen\u00fcberstehenden Aufkommen der postmodernen Reflexion zusammenf\u00e4llt, vor dem Hintergrund der Positivit\u00e4t moderner Wissenschaften eine Konsequenz, die nur schwierig zu glauben war: Wer behauptet, dass die Welt wirklich so sei, wie sie die moderne Wissenschaft darstellt, der ist zugleich gen\u00f6tigt, zu behaupten, dass ausgerechnet in der westlichen Staatengemeinde der kapitalistischen \u00c4ra die Bedingungen gegeben waren, unter denen der Mensch der Wirklichkeit am n\u00e4chsten gekommen ist. Wer dann noch die Erkenntnisse der Physik \u00fcberzeitlich verabsolutiert, der muss behaupten, der westeurop\u00e4ische Kapitalismus sei jene Ordnung der Verh\u00e4ltnisse, in der die absolute Wahrheit zur Erscheinung gelangt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5. Die Verurteilung der Teleologie und die Zertr\u00fcmmerung des aristotelischen Kausalit\u00e4tsgef\u00fcges: Als das in der griechischen Philosophie konstituierte Dreier-Gef\u00fcge Mensch-Gott-Welt noch intakt war, war Aristoteles\u2018 Lehre von der Teleologie und seine davon nicht losgel\u00f6st zu sehende Lehre von den vier Ursachen f\u00fcr eine jede weltimmanente Erkl\u00e4rung der Wirklichkeit noch von zentraler Bedeutung. Durch den Einfluss der mittelalterlichen Scholastik kam es dann sowohl zu einer theologisch begr\u00fcndeten Verurteilung der Teleologie: ein final agierender Gott w\u00e4re ein Anthropomorphismus, als auch zu einer nominalistisch begr\u00fcndeten Verurteilung von Begrifflichkeiten wie Zweck, Sinn, etc., die durch einen von der griechischen Philosophie beeinflussten Okkasionalismus und Atomismus forciert wurde. Durch die neuzeitliche Revolution wurde die Lehre von der Teleologie und dem Gef\u00fcge der vier Ursachen Wirkursache (causa efficiens), Zweckursache (causa finalis), Materialursache (causa materialis) und Formursache (causa formalis) dann schlussendlich zertr\u00fcmmert. Zweck-, Form- und Materialursache wurden eliminiert und nur noch die Wirkursache wurde in einer umgedeuteten Version \u00fcbrig gelassen. Die Zweckursache musste dem Notwendigkeitsideal weichen, das durch die von der Vorherrschaft der Logik bestimmte wissenschaftliche Forschungsmethode impliziert wurde. In diesem Sinne verfolgte die Physik der Neuzeit das Programm, auch die Sph\u00e4re der Ver\u00e4nderung in der Zeit der strikten Notwendigkeit zu unterwerfen; denn nur, wenn die Gesamtheit aller Prozesse der Notwendigkeit unterworfen sind, ist Wissenschaft auch von nat\u00fcrlichen Prozessen m\u00f6glich. Der neuzeitliche Begriff des Naturgesetzes war das Ergebnis dieser Projektion der strikten Notwendigkeit in den Bereich der nat\u00fcrlichen Abl\u00e4ufe der Zeit; und w\u00fcrde man der Zweckursache nur einen kleinen Raum lassen, dann w\u00fcrde der gesamte monolithische Block der Notwendigkeit, auf dessen Geschlossenheit das gesamte Geb\u00e4ude der Physik beruht, in sich zusammenbrechen. Um die Zweckursache dann endg\u00fcltig loszuwerden, wurde mittels der cartesianischen Trennung von der physikalischen Substanz (res extensa) und der denkenden Substanz (res cogitans) das denkende Ich schlussendlich vollends aus der Natur herausgebrochen und in ein Niemandsland au\u00dferhalb der Natur verfrachtet. So lie\u00dfen sich alle \u00fcbrigen Naturprozesse im Sinne ihrer umgedeuteten Wirkursache, d. h. streng deterministisch, erkl\u00e4ren. Die Irrationalit\u00e4t dieser Umdeutung l\u00e4sst sich am deutlichsten daran offenlegen, dass jeder Physiker Physik nur mit dem Zweck betreibt, Kausalit\u00e4t im Sinne der Wirkursache aufzudecken; und dass die Physik sich so sehr mit diesem Zweck identifiziert hat, dass sie nicht einmal bemerkt, dass das gesamte Unternehmen \u201eneuzeitliche Physik\u201c das \u00fcberw\u00e4ltigendste Beispiel f\u00fcr die Wirksamkeit eben jener Finalursache ist, die ausgel\u00f6scht werden sollte. Auch begegnen wir diesem Ph\u00e4nomen in der modernen Biologie, in der es nicht m\u00f6glich zu sein scheint, bei der Beschreibung von komplexen biologischen oder \u00f6kologischen Systemen ohne ein umfassendes Repertoire an Zweckbegrifflichkeiten auszukommen. Dies ist Ausdruck einer milden Form von Schizophrenie, zu der die Wissenschaftler aufgrund ihrer theoretischen Voraussetzungen gen\u00f6tigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6. Das neuzeitliche Materie-Verst\u00e4ndnis als Grundlage f\u00fcr die Produktionsformen der kapitalistischen Industriegesellschaft: Die neuzeitliche Wissenschaft machte aber auch vor dem durch den Modus der M\u00f6glichkeit und vom Gesichtspunkt der Qualit\u00e4t bestimmten Materie-Begriff der Griechen (Platoniker\/Aristoteliker) keinen Halt. Der neuzeitliche Materie-Begriff basiert auf der korpuskularen Atomtheorie der Vorsokratiker Demokrit und Leukipp und ist durch das allumfassende Ideal der Quantifizierung bestimmt. Der Ursprung des neuzeitlichen Quantifizierungsfokus war die Projektion alles dessen, was ist, in das Koordinatensystem des geometrischen Raumes, dem als vierte Koordinate der lineare Zeitparameter hinzugef\u00fcgt wurde. So wurde der Raum der Physik als ein Zwittergebilde konzeptionalisiert: einerseits durch den noetischen Raum der Mathematik, andererseits durch den physikalischen Raum der Materie. Durch die Projektion mathematischer Anschauungsformen in den Bereich der Natur hat sich die Physik die M\u00f6glichkeit geschaffen, alles, was materiell ist, zu quantifizieren. \u00dcbergeordnet kann dies als die Projektion des Raumes der Physik in ein Raum-Zeit-Schema verstanden werden, die der Projektion in die Sph\u00e4re der Notwendigkeit entspricht und die die Grundlage f\u00fcr objektive Erkenntnis und damit f\u00fcr die M\u00f6glichkeit von Wissenschaft lieferte. Obwohl die Grundlagenkrise der Physik des 20. Jahrhunderts immer noch fortbesteht, hat man sich seit der Neuzeit nicht von der Voraussetzung abbringen lassen, Materie als das zu erachten, was es gibt; die nackte Faktizit\u00e4t mache das Wesen der Materie aus. Dabei wird der Materie eine Bestimmung oktroyiert, die einer Denkart entspringt, die f\u00fcr eine ganz spezifische Phase der europ\u00e4ischen Zivilisation steht. Es ist die Denkart, die in einem engen Verflechtungszusammenhang mit dem bourgeoisen Fr\u00fchkapitalismus einzuordnen und dadurch charakterisiert ist, die Materie als das Ausgedehnte im Raum (res extensa) zu erachten. Dadurch, dass die dogmatische Annahme der neuzeitlichen Wissenschaft darin besteht, alles, was materiell und wirklich ist, m\u00fcsse quantifizierbar sein, wurde alles der Materie anhaftende Qualitative entweder auf Quantitatives zur\u00fcckgef\u00fchrt oder ins transzendentale Subjekt (res cogitans) verlagert. Dieser Quantifizierungsanspruch war die wesentliche Voraussetzung daf\u00fcr, dass die neuzeitliche Wissenschaft zur Grundlage f\u00fcr Produktionsformen der kapitalistischen Industriegesellschaft werden konnte; ganz im Sinne des kapitalistischen Grundprinzips der totalen Quantifizierbarkeit. Begleiterscheinung war, dass der Materie alles Werthafte entzogen wurde, was zuvor entweder auf einer teleologisch aufgeladenen griechischen Kosmos-Vorstellung oder auf einem theologisch begr\u00fcndeten Sch\u00f6pfungsparadigma basierte. Dies bef\u00f6rderte die Trennung von Wert und Tatsache, was wiederum die Trennung von Sein und Sollen sowie von Recht und Moral und schlie\u00dflich den die heutige Rechtsordnungen bestimmenden Rechtspositivismus bedingte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7. Die Grundlagenkrise der Mathematik: Best\u00e4rkt wurde der Zweifel an der Vorrangstellung der aristotelischen Philosophie durch die bis in die heutige Zeit andauernde Grundlagenkrise der Mathematik \u2013 der reinsten aller auf die aristotelische Wissenschaftstheorie zur\u00fcckgehenden Wissenschaften. Die Grundlagenkrise wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts durch den Zusammenbruch der euklidischen Geometrie hervorgerufen, die zuvor die zentrale Rolle im Rahmen der mathematischen sowie physikalischen Auseinandersetzung mit der Geometrie des Universums spielte und dar\u00fcber hinaus als eine der Hauptst\u00fctzen der metaphysischen Philosophie schlechthin galt. Im Rahmen der Bem\u00fchungen um eine alternative Fundierung der Mathematik erfuhr die Krise zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die folgenreichen G\u00f6del\u2018schen Unvollst\u00e4ndigkeitss\u00e4tze dann ihre Fortsetzung. Bis zur heutigen Zeit konnte sich die Mathematik davon nicht wirklich erholen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">8. Die Physik in der Sackgasse: Die Physik steckt nun schon seit einem guten halben Jahrhundert in der Krise. Das \u00dcberkommen der Inkommensurabilit\u00e4t zwischen der speziellen und allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie und der Quantenmechanik stellt nach wie vor eine un\u00fcberbr\u00fcckbare Herausforderung dar und r\u00fcckt das physikalische Ideal einer vereinheitlichenden physikalischen Theorie des Universums in weite Ferne. Gewartet wird auf den n\u00e4chsten Paradigmenwechsel, wie er sich in der Geschichte der Physik schon des \u00d6fteren ereignet hat. Im Weg stehen sich die Physiker dabei aber selbst: Mit dem Streben nach Einfachheit, Nat\u00fcrlichkeit, Symmetrie und Eleganz wird die physikalische Theorienbildung durch das Ideal \u00e4sthetischer Attraktivit\u00e4t dominiert. Die Suche nach Sch\u00f6nheit bzw. das Festhalten an den \u00e4sthetischen Anforderungen der aristotelischen Wissenschaftstheorie f\u00fchrt die Physik immer weiter in eine Sackgasse. So hat die moderne Physik schon l\u00e4ngst die Grenzen der empirischen Wissenschaft \u00fcberschritten \u2013 auf Kosten ihrer eigenen fundamentalen Pr\u00e4missen \u2013 und riskiert damit, zu einem Niemandsland zwischen Mathematik, Physik und Philosophie zu werden, das keinem der jeweiligen Anspr\u00fcche gen\u00fcgen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">9. Die Selbstaufhebung der Evolutionsbiologie: Im Rahmen der evolutionsbiologischen Erkl\u00e4rung der Entstehung des Menschen wird die gesamte wissenschaftliche Anthropologie zu einer Theorie von der tierischen Natur des Menschen. Diese Theorie wirft jedoch die ganze metaphysische Lehre von der Philosophie der Subjektivit\u00e4t \u00fcber Bord, die vermittels der aristotelischen Wissenschaftstheorie ihrem Ursprung nach auf die g\u00f6ttliche Erkenntnis zur\u00fcckgeht. Die Naturalisierung der g\u00f6ttlichen Erkenntnis impliziert nicht nur einen inneren Widerspruch, sondern f\u00fchrt zu einem Konflikt mit der Annahme, dass das menschliche Bewusstsein im Besitz jener zeitlosen Erkenntnis w\u00e4re, durch die es sich zum Subjekt der Naturwissenschaften qualifiziert. So f\u00fchrt die Evolutionsbiologie unweigerlich zur Aufhebung der Grundlagen, durch die der wissenschaftliche Anspruch der Evolutionsbiologie selbst verb\u00fcrgt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10. Der reduktionistische Wahn der Psychologie und ihre Einspannung zur Disziplinierung des Menschen: In Folge der Naturalisierung der Anthropologie erfuhr auch die Psychologie einen zutiefst reduktionistischen Einschlag. All das, was wir als spezifisch menschlich und typischerweise als mit der menschlichen Psyche verkn\u00fcpft verstehen, wurde nach und nach entmenschlicht. Im Zuge des wissenschaftspositivistischen Ideals der allumfassenden empirischen Objektivierung gab es keinen Platz mehr f\u00fcr Gef\u00fchle, Emotionen, Mentales, Geistiges, etc., die ja ganz wesentlich subjektiv und nicht von au\u00dfen zug\u00e4nglich sind. Sie mussten weichen, und so wurde die einst als Logos (griech.: Kunde, Lehre, Wissenschaft) von der Psyche (griech.: Seele, Geist, Gem\u00fct) verstandene Wissenschaft zur modernen reduktionistischen Psychologie, die auf dem Prinzip aufbaut, die gesamte menschliche Realit\u00e4t auf das Zusammenspiel von auf physikalischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten beruhenden biologischen, sozialen und kulturellen Determinismen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Diese Naturalisierung der Anthropologie geschah im engen Zusammenspiel mit der Entstehung der auf Profitmaximierung und Kapitalakkumulation ausgerichteten liberal-kapitalistischen \u00d6konomie. Die naturalistische Reduktion des Menschen und die Zentralisierung seiner instrumentellen Rationalit\u00e4t war passender Ausgangspunkt der Disziplinierung des in die kapitalistischen Strukturen eingegliederten B\u00fcrgers, aus dem der <em>homo oeconomicus<\/em> geschaffen wurde, der in all seinen Lebensbeziehungen den N\u00fctzlichkeitswert voranstellt und ausschlie\u00dflich vom Streben nach materiellem Profit geleitet ist. So diente die moderne Psychologie (im Sinne des Freud\u2018schen Mottos \u201eWo Es war, soll Ich werden\u201c, das stellvertretend daf\u00fcr steht, die auf Befriedigung dringenden Triebe \u2013 Es \u2013 eine im Sinne der instrumentellen Rationalit\u00e4t verstandene Vernunft \u2013 Ich \u2013 unterzuordnen) dazu, die Gesellschaft mit einer \u201eOrdnung der Dinge\u201c (M. Foucault) zu \u00fcberziehen, sodass die die Moralit\u00e4t des B\u00fcrgers mittels Recht, B\u00fcrokratie, Mechanisierung, Materialismus und Instrumentalismus im \u201est\u00e4hlernen Geh\u00e4use\u201c (M. Weber) gefangen ist, wo die Individuen auf ihr Funktionieren in der kapitalistischen Maschinerie eingeschworen und zu fragmentierten, sinnentleerten und narzisstischen Staatsb\u00fcrgern erzogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">11. Die Inquisition der Natur im Dienste der Macht: F. Bacons Ausspruch \u201eWissen ist Macht!\u201c steht stellvertretend f\u00fcr ein unter den neuzeitlichen und modernen Wissenschaftlern weit verbreitetes Verh\u00e4ltnis zwischen der Erkenntnis der Wahrheit und dem Feld der Macht. Wie kam es dazu? In Folge der Philosophie der Subjektivit\u00e4t kam es zu einer Gegen\u00fcberstellung vom Menschen und der Natur, bei der die menschliche Naturerkenntnis zu einem Instrument der Naturbeherrschung wurde. Mit der Naturbeherrschung verband die Wissenschaft die Erkl\u00e4rung der Natur im Sinne ihres Gebrauches und ihrer Beherrschung. Eng verbunden mit dem Streben nach dieser Erkenntnis im Sinne einer Inquisition war der in der Aufkl\u00e4rung entwickelte Begriff des autonomen (selbstgesetzgebenden) Selbst. Durch die quantitative Objektivierung und rationale Beherrschung der Natur gewann der Mensch seine Autonomie und Freiheit von den Lasten der Geschichte, Autorit\u00e4t und Unterdr\u00fcckung. Diese Freiheit schlug um in das obsessive Streben nach Wissen zur Kontrolle, Beherrschung und Manipulation. Das Streben nach Wissen gr\u00fcndete dabei im Willen zur Macht \u2013 im Drang nach universeller Herrschaft, die in nichts Anderem endete als in der Zerst\u00f6rung der Natur und ihrer Instrumentalisierung im Rahmen \u00fcbergeordneter, zumeist \u00f6konomischer Interessen. In diesem Lichte stellt sich die folgende mehr als gerechtfertigte Frage: Inwiefern kann eine Wissenschaft, die das Objekt ihrer Erkenntnis zerst\u00f6rt, eine wahre Wissenschaft sein?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">12. Der Konflikt zwischen Theorie und Praxis: Durch die neuzeitliche Projektion der Strukturen des Seins auf das Subjekt der Erkenntnis kam es zu einer Gegen\u00fcberstellung von Subjekts- und Objektssph\u00e4re, bei der eine Vorstellung von der Rationalit\u00e4t des Menschen entstand, die als ma\u00dfgeblich instrumentalistisch zu bezeichnen ist. Im Rahmen dieser wurde der Mensch als ein auf seine autonome Vernunft reduziertes Subjekt konzeptionalisiert, das der objektivierten, auf mechanische Prozesse reduzierten und entzauberten Natur ganz im Sinne ihrer instrumentellen Erm\u00e4chtigung und Unterwerfung gegen\u00fcbergestellt wurde. Konsequenz war die Zerst\u00f6rung der Natur und das Auseinanderbrechen zweier ehemals nicht zu trennender Sph\u00e4ren, die sich als Konflikt zwischen Theorie und Praxis, theoretischer und praktischer Vernunft, Notwendigkeit und M\u00f6glichkeit, Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft, usw. abzeichnen. Dabei wird der Mensch vollends auseinandergerissen: Auf der einen Seite ist er evolution\u00e4res Produkt der Sph\u00e4re der Notwendigkeit und demgem\u00e4\u00df eingespannt in ein kausal-determiniertes Geflecht aus von den Naturgesetzen bestimmten physikalischen Prozessen, die keine Freiheit mehr zulassen, auf der anderen Seite bildet die in Freiheit entworfene Autonomie der Vernunft die Grundlage jedweder zivilisatorischen Erscheinung und eben auch der theoretischen Grundlegung jenes kausalen Determinismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Auflistung k\u00f6nnte auf sowohl horizontaler als auch vertikaler Ebene noch weiter erg\u00e4nzt und ausgef\u00fchrt werden. Eins ist jedoch klar und zur gleichen Zeit bemerkenswert: Fassen wir zusammen, so bekommt die positivistische Auslegung von Wissenschaft vor allem dann eine paradoxe Note, wenn wir bemerken, dass es weder der Zweifel noch das fehlende Wissen ist, was dazu f\u00fchrte, das ehemals in sich stimmige Gef\u00fcge aus Mensch, Gott und Welt und die daraus entstandenen Inkoh\u00e4renzen nicht mehr geschlossen bzw. widerspruchsfrei deuten zu k\u00f6nnen; ganz im Gegenteil, war es die unausweichliche Erkenntnis auf Basis der Pr\u00e4missen der neuzeitlichen Wissenschaft, die dazu f\u00fchrte, die klassische Metaphysik \u2013 gerade des theoretischen Systems der griechischen Philosophen, das die Frage nach den Strukturen des Seins beantwortete und ihren Zusammenhang mit der Wahrheit der Erkenntnis verb\u00fcrgte \u2013 zum Einsturz zu bringen und der westlichen Zivilisation den Eintritt in das nihilistische Zeitalter zu ebnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fazit: Die neuzeitliche sowie moderne Wissenschaft (in ihrer performativen Erscheinungsform) ist keineswegs ein weltanschaulich neutrales Unterfangen. Das durch sie produzierte Wissen ist bestimmt durch eine Form des Wissens, die vom Ursprung her in der aristotelischen Wissenschaftstheorie gr\u00fcndet und sich im Zuge der sich im Rahmen des Paradigmenwechsels von Objekts- zu Subjektsphilosophie ergebenen seins- und erkenntnistheoretischen Revolution der Neuzeit vor allem auf Basis des Festhaltens an der Vorherrschaft der Logik konstituiert hat. Infolgedessen war es nicht mehr m\u00f6glich, die in sich geschlossene Metaphysik der Griechen aufrechtzuerhalten. Durch die Kombination aus reaktion\u00e4rem Festhalten an Elementen der griechischen Metaphysik und die unter der neuzeitlichen Hegemonie der Philosophie der Subjektivit\u00e4t stehende Neuausrichtung war es nicht mehr m\u00f6glich, ein in sich stimmiges Bild des Dreier-Gef\u00fcges Mensch-Gott-Welt zu entwerfen. Dies ging mit der \u00dcberlagerung vielschichtiger Inkoh\u00e4renzen einher, die letzten Endes dazu f\u00fchrten, ein Bild von der Natur des Menschen und der Welt zu entwerfen, das den Eintritt in ein durch den Nihilismus bestimmtes Zeitalter ebnete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So proklamierte die neuzeitliche Wissenschaft, sich von der Metaphysik der Griechen emanzipiert zu haben, w\u00e4hrend sie still und heimlich immer noch das Kleid der Metaphysik anbehielt. Die exzentrische Position des Globus, die wissenschaftlich begr\u00fcndete Negation der Anfangslosigkeit der Welt, der Einzug findende Historismus und die Naturalisierung der wissenschaftlichen Anthropologie zu einer tierischen Natur des Menschen f\u00fchrten dazu, den Zweifel an der der neuzeitlichen Wissenschaft zugrundeliegenden Philosophie der Subjektivit\u00e4t sowie an der Vorherrschaft der Logik zu s\u00e4en. Es kam zur scholastisch begr\u00fcndeten Verurteilung der Teleologie, der Zertr\u00fcmmerung des aristotelischen Kausalit\u00e4tsgef\u00fcges und zu ihrer Ersetzung durch einen alles auf kausal-deterministische Wirkursachen umdeutenden Reduktionismus. Infolgedessen kam es zu einem unter dem Motto der allumfassenden Quantifizierung stehenden atomistischen Materie-Verst\u00e4ndnis, das durch die Austreibung aller der Welt theologisch oder teleologisch begr\u00fcndet anhaftenden inh\u00e4renten Wertigkeit zur Grundlage f\u00fcr die Produktionsformen der kapitalistischen Industriegesellschaft sowie der rechtspositivistisch bestimmten Auslegung des Rechts wurde. Die wesentlichen wissenschaftlichen Disziplinen Mathematik, Physik und Biologie erfuhren tiefgreifende Grundlagenkrisen, von denen sie sich aufgrund ihrer ideologisch vorbelasteten Verblendung bis heute nicht erholen konnten. Die Auswirkungen des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts f\u00fchrten zur instrumentellen Rationalit\u00e4t und der damit zusammenh\u00e4ngenden Vorstellung von der Unterwerfung der Natur im Dienste der Macht sowie der psychoanalytisch begr\u00fcndeten Disziplinierung des inneren Selbst. In der strukturell von der instrumentellen Rationalit\u00e4t ausgehenden Gegen\u00fcberstellung von Subjekt- und Objektssph\u00e4re gipfelte der Konflikt zwischen den unter dem Schlagwort \u201eTheorie vs. Praxis\u201c zusammenzufassenden Dichotomien, die zur Erkenntnis f\u00fchrten, dass die beiden grundlegenden epistemologischen Pfeiler der westlichen Zivilisation \u2013 der wesentlich auf der menschlichen Freiheit gr\u00fcndende Liberalismus sowie der auf die Freiheit vernichtende strikte Notwendigkeit basierende Szientismus \u2013 im Widerspruch zueinander stehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im folgenden zweiten Teil werden wir den Zusammenhang zwischen dem Zusammenbruch der griechischen Metaphysik und dem Eintritt in das nihilistische Zeitalter etwas n\u00e4her beleuchten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Hinblick auf ihre abstrakten wissenschaftstheoretischen Grundannahmen sowie ihren im modernen Habitus m\u00fcndenden instrumentellen Vollzug ist die moderne Wissenschaft ein keineswegs weltanschaulich neutrales Unterfangen. Ihre Konstitution war nur m\u00f6glich vor dem Hintergrund einer jahrhundertelangen kulturhistorischen Genese, die weit \u00fcber die offenbaren Probleme ihrer als Szientismus bezeichneten positivistischen Auslegung zu der \u00dcberlagerung vielschichtiger Inkoh\u00e4renzen und damit zum Zusammenbruch der modernen Metaphysik gef\u00fchrt hat.<\/p>\n","protected":false},"author":50,"featured_media":15441,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,1],"tags":[2898],"class_list":["post-15438","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommentar","category-uncategorized","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15438","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/50"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15438"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15438\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15441"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15438"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15438"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15438"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}