{"id":15444,"date":"2023-08-15T07:00:00","date_gmt":"2023-08-15T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=15444"},"modified":"2023-08-15T07:00:00","modified_gmt":"2023-08-15T05:00:00","slug":"von-den-schattenseiten-der-wissenschaft-zum-eintritt-in-das-nihilistische-zeitalter-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=15444","title":{"rendered":"Von den Schattenseiten der Wissenschaft zum Eintritt in das nihilistische Zeitalter (Teil 2)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026 zum Eintritt in das nihilistische Zeitalter<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben im <a href=\"https:\/\/kalifat1.com\/?p=15438\" data-type=\"post\" data-id=\"15438\">ersten Teil<\/a> gesehen, dass die neuzeitliche sowie moderne Wissenschaft (in ihrer <em>performativen<\/em> Dimension) keineswegs ein weltanschaulich neutrales Unterfangen ist. Die durch sie produzierte Form des Wissens gr\u00fcndet vom Ursprung her in der aristotelischen Wissenschaftstheorie und hat sich im Zuge der sich im Rahmen des Paradigmenwechsels von Objekts- zu Subjektsphilosophie ergebenen seins- und erkenntnistheoretischen Revolution der Neuzeit vor allem auf Basis des Festhaltens an der Vorherrschaft der Logik konstituiert. Infolgedessen war es nicht mehr m\u00f6glich, die in sich geschlossene Metaphysik der Griechen aufrechtzuerhalten. Durch die Kombination aus reaktion\u00e4rem Festhalten an Elementen der griechischen Metaphysik und die unter der neuzeitlichen Hegemonie der Philosophie der Subjektivit\u00e4t stehende Neuausrichtung war es nicht mehr m\u00f6glich, ein in sich stimmiges Bild des Dreier-Gef\u00fcges Mensch-Gott-Welt zu entwerfen. Dies ging mit der \u00dcberlagerung vielschichtiger Inkoh\u00e4renzen einher, die letzten Endes dazu f\u00fchrten, ein Bild von der Natur des Menschen und der Welt zu entwerfen, das die klassische Metaphysik \u2013 gerade des theoretischen Systems der griechischen Philosophen, das die Frage nach den Strukturen des Seins beantwortete und ihren Zusammenhang mit der Wahrheit der Erkenntnis verb\u00fcrgte \u2013 zum Einsturz bringen sollte und daraufhin der westlichen Zivilisation den Eintritt in ein durch den Nihilismus bestimmtes Zeitalter ebnete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der durch den Wissenschaftspositivismus bestimmten Gegenwart leben wir also im Zeitalter des Zusammenbruchs der klassischen Metaphysik \u2013 im Zeitalter gerade jenes epochalen Ereignisses der menschlichen Geschichte, das F. Nietzsche mit seinem oft nur oberfl\u00e4chlich verstandenem Ausspruch \u201eGott ist tot!\u201c prognostizierte. In <em>Die fr\u00f6hliche Wissenschaft<\/em> von 1882 schrieb er dazu im Aphorismus mit der Nummer 125 in unnachahmlicher Manier:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDer tolle Mensch. \u2013 Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen geh\u00f6rt, der am hellen Vormittage eine Laterne anz\u00fcndete, auf den Markt lief und unaufh\u00f6rlich schrie: \u00bbIch suche Gott! Ich suche Gott!\u00ab \u2013 Da dort gerade viele von denen zusammenstanden, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein gro\u00dfes Gel\u00e4chter. Ist er denn verlorengegangen? sagte der eine. Hat er sich verlaufen wie ein Kind? sagte der andere. Oder h\u00e4lt er sich versteckt? F\u00fcrchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert? \u2013 so schrien und lachten sie durcheinander. Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. \u00bbWohin ist Gott?\u00ab rief er, \u00bbich will es euch sagen! <em>Wir haben ihn get\u00f6tet<\/em> \u2013 ihr und ich! Wir alle sind seine M\u00f6rder! Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? St\u00fcrzen wir nicht fortw\u00e4hrend? Und r\u00fcckw\u00e4rts, seitw\u00e4rts, vorw\u00e4rts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht k\u00e4lter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? M\u00fcssen nicht Laternen am Vormittage angez\u00fcndet werden? H\u00f6ren wir noch nichts von dem L\u00e4rm der Totengr\u00e4ber, welche Gott begraben? Riechen wir noch nichts von der g\u00f6ttlichen Verwesung? \u2013 auch G\u00f6tter verwesen! Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn get\u00f6tet! Wie tr\u00f6sten wir uns, die M\u00f6rder aller M\u00f6rder? Das Heiligste und M\u00e4chtigste, was die Welt bisher besa\u00df, es ist unter unsern Messern verblutet \u2013 wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchem Wasser k\u00f6nnten wir uns reinigen? Welche S\u00fchnefeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden m\u00fcssen? Ist nicht die Gr\u00f6\u00dfe dieser Tat zu gro\u00df f\u00fcr uns? M\u00fcssen wir nicht selber zu G\u00f6ttern werden, um nur ihrer w\u00fcrdig zu erscheinen? Es gab nie eine gr\u00f6\u00dfere Tat \u2013 und wer nur immer nach uns geboren wird, geh\u00f6rt um dieser Tat willen in eine h\u00f6here Geschichte, als alle Geschichte bisher war!\u00ab \u2013 Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuh\u00f6rer an: auch sie schwiegen und blickten befremdet auf ihn. Endlich warf er seine Laterne auf den Boden, da\u00df sie in St\u00fccke sprang und erlosch. \u00bbIch komme zu fr\u00fch\u00ab, sagte er dann, \u00bbich bin noch nicht an der Zeit. Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert \u2013 es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Taten brauchen Zeit, auch nachdem sie getan sind, um gesehn und geh\u00f6rt zu werden. Diese Tat ist ihnen immer noch ferner als die fernsten Gestirne \u2013 <em>und doch haben sie dieselbe getan<\/em>!\u00ab \u2013 Man erz\u00e4hlt noch, da\u00df der tolle Mensch desselbigen Tages in verschiedene Kirchen eingedrungen sei und darin sein <em>Requiem aeternam deo<\/em> angestimmt habe. Hinausgef\u00fchrt und zur Rede gesetzt, habe er immer nur dies entgegnet: \u00bbWas sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Gr\u00fcfte und Grabm\u00e4ler Gottes sind?\u00ab\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Nietzsche hatte Recht: \u201eGott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn get\u00f6tet!\u201c \u2013 Warum? Wenn Nietzsche hier vom Tod Gottes spricht, dann ist das weder Wunschdenken noch Ausdruck einer atheistischen Haltung. Es ist die damalige Voraussage des gesellschaftlichen Zustandes unseres technisch-wissenschaftlichen Zeitalters. Wie eine philologisch-philosophische&nbsp; Aufarbeitung zeigen w\u00fcrde (vgl. G. Picht, <em>Nietzsche<\/em>), steht bei Nietzsche der Tod Gottes f\u00fcr den Zusammenbruch der klassischen Metaphysik, die bis in die heutige Zeit die Basis f\u00fcr die theoretische sowie praktische Grundlegung der westlichen Zivilisation darstellte. Wenn Nietzsche hier also den Tod Gottes prognostiziert, dann ist das keine belanglose Randglosse. Es kommt einer Ersch\u00fctterung der Grundlagen der westlichen Zivilisation gleich, was sowohl Rationalit\u00e4t und Moralit\u00e4t als auch die gesamte gesellschaftspolitische Ordnung unserer Zeit betrifft. Es ist das, was Nietzsche als Nihilismus bezeichnet: der Zusammenbruch der Metaphysik ebnet den Eintritt in ein nihilistisches Zeitalter, das durch die Nichtigkeit der inneren Stimmigkeit jedweder Rationalit\u00e4t, die Inkoh\u00e4renz einer jeden Begr\u00fcndung von Moral und durch ein manipulatives Auftreten gesellschaftspolitischer Ordnungssysteme bestimmt ist. Damit kommt Nietzsches Prognose zentrale Relevanz zu; sowohl f\u00fcr den Bef\u00fcrworter als auch den Kritiker der in das technisch-wissenschaftliche Zeitalter eintretenden westlichen Zivilisation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch was hat das Ganze mit Gott zu tun? Der Zusammenhang zwischen dem \u201eTod Gottes\u201c und dem Zusammenbruch der Metaphysik wird uns direkt ersichtlich, wenn wir einsehen, dass die Metaphysik dadurch charakterisiert ist, Gott als Grund der Wahrheit in jedem Denken mitzudenken.&nbsp; Doch welcher Gott ist hier gemeint? Der Gott der Offenbarungsreligionen, der Gott einer wie auch immer gearteten Theologie, oder das Produkt der Ideenwelt der griechischen Philosophen? Es ist letzterer \u2013 der Gott der Philosophen, wie er von Picht bezeichnet und auf die folgende Weise beschrieben wird: Der Gott der Philosophen ist die Bedingung der M\u00f6glichkeit von Philosophie. Er steht f\u00fcr das \u201eLicht der Evidenz\u201c, d. h. f\u00fcr den, in dessen Licht das Denken die Wahrheit erkennt. Er ist der, \u201ein dessen Licht sich die Gewalten der Natur zu einem Kosmos willig zusammenf\u00fcgen\u201c, und \u201edessen erleuchtende Kraft die Fundamente der europ\u00e4ischen Gesittung, n\u00e4mlich Vernunft und Humanit\u00e4t, entdecken lie\u00df.\u201c Er ist der, \u201emit dem wir nach der gemeinsamen Lehre der gesamten westlichen Philosophie zu denken beginnen m\u00fcssen, wenn wir \u00fcberhaupt denken wollen\u201c. Bei Platon hei\u00dft er die <em>Idee des Guten<\/em>, bei Aristoteles der <em>nous<\/em>, dann sp\u00e4ter bei Kant das <em>transzendentale Subjekt<\/em> und bei Hegel der <em>absolute Geist<\/em>. Er zieht sich durch die gesamte westliche Philosophie hindurch, als derjenige, der die Wahrheit verb\u00fcrgt, der alles zusammenh\u00e4lt, und ohne den alles zusammenfallen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund erkennen wir direkt, welch dramatische Konsequenzen auf die westliche (und nicht nur intellektuelle) Zivilisation einzubrechen drohen, wenn dieser Gott von der Bildfl\u00e4che verschwindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Nietzsche steht der Tod Gottes allerdings nicht nur f\u00fcr den Tod des Gottes der Philosophen allein, sondern gleicherma\u00dfen auch f\u00fcr den Tod des Gottes des Christentums. Das liegt darin begr\u00fcndet, dass er das Christentum im Rahmen seiner scholastisch-theologischen Darlegung als zutiefst mit dem Platonismus verschmolzen diagnostiziert. Im Rahmen der Philosophisierung des Gottesbildes durch die christliche Theologie wurde der Gott der urspr\u00fcnglichen Offenbarung mit dem Gott der Philosophen in Eins gesetzt, sodass das Christentum mit dem Zusammenbruch der Metaphysik notwendigerweise das gleiche Schicksal ereilen muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Picht kommt zu dem Schluss, dass obwohl die christliche Theologie nicht von der Metaphysik der Griechen loszul\u00f6sen ist, eine theologische Revision es vermag, den Gott der urspr\u00fcnglichen Offenbarung von seiner philosophischen Umklammerung zu l\u00f6sen und im Tod des Gottes der Philosophen die Chance zu erkennen, eine Entfesselung bzw. Wiederbelebung des Gottes der Offenbarung anzustreben. Inwiefern das Wesen der heute im Laufe der Tradition vielfach philosophisch aufgeladenen christlichen Offenbarung geeignet ist, eine f\u00fcr die Revision entsprechende Grundlage zu bieten, scheint mehr als fraglich. Doch mit R\u00fcckbezug auf die authentisch erhaltene islamische Offenbarung \u2013 den Koran und die Sunna des Propheten Muhammad (s) \u2013 bahnt sich vor dem Hintergrund dieser Problemstellung insbesondere f\u00fcr das islamische Denken und Handeln in Form der islamischen Umma ein Ausweg aus dem nihilistischen Dilemma, wenn es es vermag, an die noch vorhandenen der in der Dialektik der westlichen Zivilisation gefangen gehaltenen positiven Best\u00e4nde anzuschlie\u00dfen, eine Revision der mit der Metaphysik verwachsenen islamischen Scholastik vorzunehmen und an jene islamische Traditionen anzukn\u00fcpfen, die die Ressourcen f\u00fcr eine durch das islamische Paradigma bestimmte Rationalit\u00e4t und Normativit\u00e4t sowie eine daraus abgeleitete Gesellschaftsform bieten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die L\u00f6sung der Grundproblematik \u2013 die philosophische Umklammerung des Gottes der Offenbarung unter der Hegemonie des Gottes der Philosophen und ihre (Umklammerung) gesamtgesellschaftliche Implikation \u2013 kann also nur darin bestehen, den Gott der Philosophen im Angesicht seines durch die seins- und erkenntnistheoretische Revolution der Neuzeit und durch die positive Wissenschaft zu seinem heutigen Schattendasein bef\u00f6rderten Wesens endg\u00fcltig zu begraben, um dann Raum zu schaffen, f\u00fcr den wahren Gott \u2013 den Gott der Offenbarung \u2013, der im Denken des Menschen ansonsten durch teuflische Einfl\u00fcsterung immer wieder Gefahr laufen wird, vom Gott der Philosophen und seinen Propheten&nbsp; \u00fcberdeckt oder eingeh\u00fcllt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Begraben des Gottes der Philosophen ist dabei jedoch kein Leichtes, schlie\u00dflich war das gesamte Gef\u00fcge der politischen, der gesellschaftlichen und der moralischen Ordnung und \u00fcberhaupt der gesamte Bau der westlichen Kultur auf dem Fundament entwickelt, das mit dem Tod Gottes zu wanken beginnt. Und auch die bis dato vorherrschende menschliche Vernunft ist ein G\u00f6tterbild des Gottes der Philosophen, indem die Erkenntnis der Wahrheit mittels der Vernunft die Erscheinung der g\u00f6ttlichen Gegenwart in ihr ist. Und dar\u00fcber hinaus h\u00e4ngt im Gott der Philosophen nicht nur das Wesen der vorherrschenden Vernunft, sondern auch jegliche Form der Moralit\u00e4t, die begr\u00fcndet wurde, als man den Menschen zum Bilde Gottes zu gestalten begann. So muss nicht nur die traditionelle europ\u00e4ische Moral \u2013 wie die aristotelische Tugendethik \u2013 mit dem Tod Gottes zusammenbrechen, sondern auch jedwede moderne Moral, die versucht wird, zur\u00fcckgehend auf die autonome Vernunft des Menschen zu begr\u00fcnden. Denn auch die autonome Vernunft existiert nur dank der in ihr fortlebenden Reminiszenz an den Gott der Philosophen. Es geht also nicht nur um den Tod des Gottes der Philosophen, sondern um das Einrei\u00dfen von G\u00f6tterbildern, auf denen die gesamte westliche Zivilisation basiert; und nicht zuletzt, ganz im Gegenteil, um die Wiederbelebung einer Zivilisation \u2013 die islamische Zivilisation \u2013, die es \u00fcber Jahrhunderte hinweg vermochte, sowohl ein Rechts- als auch ein darin immanentes Moralsystem zu etablieren, das historisch betrachtet aufgrund defizit\u00e4rer Zust\u00e4nde zwar nicht immer vor Krisen gefeit war, das aber doch ein allumfassendes, in sich stimmiges und auf g\u00f6ttlicher Offenbarung beruhendes Gesamtgef\u00fcge darstellte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fazit: Wir sind eingestiegen mit der Offenlegung der Schattenseiten der positiven Wissenschaft. Anhand dieser konnten wir feststellen, dass sich die performative Dimension der positiven Wissenschaft keineswegs als ein weltanschaulich neutrales Unterfangen schm\u00fccken kann; ganz im Gegenteil hat sich die von ihr produzierte Form des Wissens im Zuge der seins- und erkenntnistheoretischen Revolution der Neuzeit vor allem auf Basis des Festhaltens an den wesentlichen Prinzipien der aristotelischen Wissenschaftstheorie konstituiert. Aus dieser Perspektive betrachtet, ist die positive Wissenschaft entgegen der von ihr behaupteten Voraussetzungslosigkeit angewandte Metaphysik. Durch die unter der neuzeitlichen Hegemonie der Philosophie der Subjektivit\u00e4t stehende Neuausrichtung kam es allerdings zu allerlei Inkoh\u00e4renzen, sodass das aus einem spezifischen Zusammenspiel von Mensch, Gott und Welt bestehende und in sich geschlossene Weltbild der Griechen nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Gerade die Kombination aus dem reaktion\u00e4ren \u00dcberziehen des Gewandes der Metaphysik und der neuzeitlichen Neuausrichtung im Sinne der Zentralisierung des menschlichen Subjektes f\u00fchrte zu diesen Unstimmigkeiten. Konsequenz war der allm\u00e4hlich eintretende Zusammenbruch der klassischen Metaphysik \u2013 in Nietzsches Worten: der Tod Gottes. Da jedoch die gesamte westliche Zivilisation, sowohl die westliche Vernunft- als auch Moralvorstellung, von diesem Gott \u2013 dem Gott der Philosophen \u2013 zusammengehalten wurde, bedeutete der von Nietzsche prophezeite Zusammenbruch der Metaphysik den Eintritt in ein durch den Nihilismus bestimmtes Zeitalter, der in der heutigen Zeit allgegenw\u00e4rtig erscheint. So kommen der positiven Wissenschaft mehrere zwiesp\u00e4ltige Rollen gleichzeitig zu: Durch ihr Festhalten am Schatten des Gottes der Philosophen brachte sie Konsequenzen mit sich, die im Widerspruch zu auf dem menschlichen Selbstverst\u00e4ndnis beruhenden Auffassungen von individueller, zwischenmenschlicher, gesellschaftlicher und zivilisatorischer Natur stehen, zum anderen spielte sie die Rolle des Totengr\u00e4bers des Gottes der Philosophen selbst, was wiederum gerade den Raum daf\u00fcr schaffte, die unter dem Schlagw\u00f6rtern \u201eGott der Offenbarung\u201c und \u201e islamische Zivilisation\u201c zusammengefasste sich historisch bereits bew\u00e4hrte islamische Alternative ins Spiel zu bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Konstitution der modernen Wissenschaft f\u00fchrte zu vielschichtigen Inkoh\u00e4renzen und damit zum Zusammenbruch der klassischen Metaphysik, die bis in die heutige Zeit die Basis f\u00fcr die theoretische sowie praktische Grundlegung der westlichen Zivilisation darstellt. Diese Ersch\u00fctterung der Grundlagen der westlichen Zivilisation betrifft sowohl Rationalit\u00e4t und Moralit\u00e4t als auch die gesamte gesellschaftspolitische Ordnung unserer Zeit und ebnet den Eintritt in ein durch den Nihilismus bestimmtes Zeitalter.<\/p>\n","protected":false},"author":50,"featured_media":15446,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[2866,2898],"class_list":["post-15444","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommentar","tag-westen","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15444","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/50"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15444"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15444\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15446"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15444"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15444"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}