{"id":16072,"date":"2024-07-10T00:05:00","date_gmt":"2024-07-09T22:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16072"},"modified":"2024-07-10T00:05:00","modified_gmt":"2024-07-09T22:05:00","slug":"das-konzept-von-glueck-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16072","title":{"rendered":"Das Konzept von Gl\u00fcck &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit Jahrzehnten ist das Ph\u00e4nomen Gl\u00fcck Gegenstand eines wissenschaftlichen Diskurses. Es wird von Vertretern unterschiedlicher Fachbereiche wie Biologen, Neurowissenschaftlern, Psychologen oder Sozialwissenschaftlern mit Hilfe von bildgebenden Verfahren oder unter Hinzunahme klassischer Frageb\u00f6gen untersucht, beschrieben und diskutiert. Bis dato konnte keine einheitliche \u201eWikipedia-taugliche\u201c Definition pr\u00e4sentiert werden. Nat\u00fcrlich haben sich jahrhundertelang auch die Philosophen von der Antike bis zur Neuzeit, von A wie Aristoteles bis Z wie Zenon, mit dem Gl\u00fcck und der Gl\u00fcckseligkeit besch\u00e4ftigt. F\u00fcr den einen bedeutet Gl\u00fcck die reine Schmerzfreiheit (Epikur), f\u00fcr den anderen ist es ein tugendhaftes Leben mit ausreichend materiellen G\u00fctern (Aristoteles).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Jahren ist die Gl\u00fccksforschung auch auf politisch-gesellschaftlicher Ebene attraktiv geworden.&nbsp; Der Gl\u00fccksforscher Richard Layard ist gar der Meinung, dass Politik das Ziel haben sollte, das menschliche Wohlergehen und nicht materiellen Wohlstand zu maximieren, was ganz und gar der kapitalistischen Maxime widerspricht. Zur Erreichung des Ziels sei die Analyse und Erhebung von Gl\u00fccksindikatoren erforderlich. In Gro\u00dfbritannien werden seit 2006 im Rahmen einer Erhebung Gl\u00fccksindikatoren abgefragt, bei der die Befragten u. a. ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 0 bis 10 einordnen sollen. Im deutschen Bundestag wurde Ende 2010 eine Kommission ins Leben gerufen mit dem Titel \u201eWachstum, Wohlstand, Lebensqualit\u00e4t\u201c, deren Ergebnisse 2013 ver\u00f6ffentlicht wurden. Hier standen folgende Fragen im Fokus: Wie k\u00f6nnen gesellschaftlicher Wohlstand, individuelles Wohlergehen und nachhaltige Entwicklung in einer Gesellschaft angemessen definiert und abgebildet werden in Anbetracht der Tatsache, dass der Fokus auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts nicht mehr ausreicht? Hinter den Wohlstandsperspektiven stehen die Fragen: Gibt es Grenzen des Wachstums und wie geht Deutschland mit m\u00f6glicherweise geringeren Wachstumsraten in den n\u00e4chsten Jahrzehnten um? Zwar konnten die verschiedenen Parteien sich auf keine zufriedenstellenden Antworten einigen, aber, wenn man genauer hinsieht, dann erkennt man folgendes: Hier versuchte man im Hinblick auf m\u00f6gliche Risiken, \u00e4hnlich der Finanzkrise von 2007\/08, die Zufriedenheit der B\u00fcrger nicht mehr nur mit Wohlstand zu koppeln. Pl\u00f6tzlich wollte man erkannt haben, dass Zufriedenheit zwar vom Einkommen abh\u00e4nge, aber nicht automatisch auch die Lebensfreude. Damals hatte noch keiner die geringste Ahnung, dass eine Pandemie und Wirtschaftskriese auf die Welt zurollte, in der die Lebensfreude ihrer B\u00fcrger auf eine harte Probe gestellt werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz aller Differenzen bei der Festlegung des Begriffs, was sicher auch den Paradigmen der unterschiedlichen Disziplinen geschuldet ist, gibt es nichtsdestotrotz einen gemeinsamen Nenner. Gl\u00fcck scheint eine Emotion zu sein, die von externen Faktoren abh\u00e4ngt: von der Gesundheit, der Lebenserwartung, der Umwelt, der Erwerbsarbeit, den Finanzen. Es geht um das Haben und Nichthaben. Es geht also um die Wohlf\u00fchlfaktoren des Lebens, die fortw\u00e4hrend aus der Befriedigung der eigenen Bed\u00fcrfnisse und der Erf\u00fcllung der W\u00fcnsche resultieren. Aber W\u00fcnsche haben eine entscheidende Nebenwirkung: \u201eEin jeder Wunsch, wenn er erf\u00fcllt, kriegt augenblicklich Junge\u201c, hat Wilhelm Busch ganz treffend beschrieben. Menschen trachten nach ihrem Gl\u00fcck, sie haben immer Bed\u00fcrfnisse, die befriedigt werden sollen, und W\u00fcnsche, die immer erf\u00fcllt werden m\u00fcssen. Es gibt keinen Menschen, der sich davon freisprechen kann, kein Muslim, kein Nichtmuslim, kein Erwachsener und kein Kind. Das Streben nach Mehr ist eine Eigenschaft des Menschen, die ihn bis zu seinem Lebensende erf\u00fcllt und antreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u02bfAbb\u0101s ibn Sahl ibn Sa\u02bfd berichtete: <em>Ich h\u00f6rte ibn az-Zubair, als er auf der Kanzel stand und Folgendes predigte: \u201eIhr Menschen, der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, pflegte wahrlich Folgendes zu sagen:<\/em><strong> Wenn dem Sohn Adams ein Tal voll Gold gegeben worden w\u00e4re, h\u00e4tte er gern ein zweites dazu gehabt, und wenn ihm ein zweites gegeben worden w\u00e4re, so h\u00e4tte er gern ein drittes dazu gehabt. Und nichts kann die Bauchh\u00f6hle des Sohnes Adams f\u00fcllen au\u00dfer Sand und Allah wendet Sich demjenigen mit Vergebung gn\u00e4dig zu, der sich reum\u00fctig von seinen Schlechtigkeiten fernh\u00e4lt<em>.<\/em><\/strong>\u201c(al-Bu\u1e2b\u0101r\u012b) <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr uns Muslime ist das richtige Verst\u00e4ndnis, das richtige Konzept von Gl\u00fcck, existentiell. Wir wissen, dass unser Leben begrenzt ist, dass es eine Frist hat, und deshalb m\u00fcssen wir uns immer wieder bewusstmachen, wof\u00fcr wir leben. Man muss sich die Frage nach dem Sinn des Lebens fortw\u00e4hrend stellen, ohne der Antwort \u00fcberdr\u00fcssig zu werden. Betrachtet man all jene, die augenscheinlich ignorieren, dass sie erschaffen wurden, so sieht man, dass sie zwar in der Lage sind, zu genie\u00dfen, aber ihr Genuss nicht in Gl\u00fcck, bzw. Gl\u00fcckseligkeit m\u00fcndet. Also streben sie nach mehr Genuss, egal, wie viel sie besitzen. Aus ihrer Sicht ist es zu wenig, denn solange das Gl\u00fccksgef\u00fchl nicht von Dauer ist, reicht es nie. Das Gl\u00fcck selbst wird zum Sinn des Lebens. Deshalb hat die Corona-Pandemie gerade jenen Menschen, die nur in der Lage sind, zu genie\u00dfen, den Boden unter den F\u00fc\u00dfen weggerissen, denn in dieser Zeit wurde dem Genuss Einhalt geboten. Das Gl\u00fcck konnte nicht mehr in Feiern, Restaurantbesuchen und Reisen gefunden werden. Pl\u00f6tzlich reichte eine Jogginghose im Leben aus, denn die Designerhose wurde \u00fcberfl\u00fcssig, wenn sie von keinem bewundert werden kann. Dieser Umstand betr\u00fcbte nicht nur den gew\u00f6hnlichen B\u00fcrger, sondern mehr noch die Wirtschaft, die doch stets bem\u00fcht ist, den Menschen mit immer mehr Genussmitteln das Geld aus der Tasche zu ziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Jahr blicken Journalisten weltweit erwartungsvoll auf den Happiness Report, um dann in einem obligatorischen Artikel zu verk\u00fcnden, wer das gl\u00fccklichste Land der Welt ist. Dieser j\u00e4hrliche Bericht untersucht weltweit in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und Forschern der New Yorker Columbia University, wie gl\u00fccklich sich die Einwohner in den einzelnen L\u00e4ndern f\u00fchlen. Man k\u00f6nnte im Hinblick auf Gl\u00fcck glauben, dass besonders reiche und freie L\u00e4nder bzw. die L\u00e4nder mit einem hohen Bruttoinlandsprodukt automatisch in der Rangliste weit oben zu finden sind, aber die USA oder Deutschland sucht man dort beispielweise vergebens. Demnach scheint Geld und Freiheit allein nicht gl\u00fccklich zu machen. Doch wenn Geld und Wohlstand alleine Menschen nicht gl\u00fccklich machen, was ist es dann?<\/p>\n","protected":false},"author":95,"featured_media":16071,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[233,1076,1538,2035],"class_list":["post-16072","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-konzeptionen","tag-aristoteles","tag-glueck","tag-konzeption-von-glueck","tag-philosophen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16072","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/95"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16072"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16072\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/16071"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}