{"id":16137,"date":"2024-08-10T11:19:20","date_gmt":"2024-08-10T09:19:20","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16137"},"modified":"2024-08-10T11:19:20","modified_gmt":"2024-08-10T09:19:20","slug":"konflikte-und-buergerkriege-in-afrika-als-resultat-europaeischer-kolonialpolitik-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16137","title":{"rendered":"Konflikte und B\u00fcrgerkriege in Afrika als Resultat europ\u00e4ischer Kolonialpolitik &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eDer wei\u00dfe Fleck\u201c \u2013 Forschungsexpeditionen als Vorhut des Kolonialismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ethnische Unterschiede bergen viel Potenzial f\u00fcr Konflikte, weil ein ausgepr\u00e4gtes ethnisches Bewusstsein auf den Selbsterhaltungsinstinkt zur\u00fcckgeht und keine rationale Grundlage hat. Menschen, die sich als ethnische Gruppe definieren und sich dar\u00fcber identifizieren, werden immer versuchen, ihr eigenes Territorium zu beanspruchen, ihren Wohlstand gegen andere zu verteidigen und andere ethnische Gruppen zu beherrschen. Diese Tatsache haben sich die Kolonialm\u00e4chte zunutze gemacht. Der Kolonialismus spielte sogar die Hauptrolle in der Schaffung der Rahmenbedingungen ethnischer Konflikte in den \u201eehemaligen\u201c Kolonien. Die Kolonialherren schufen bewusst verschiedene Faktoren, die zu Spannungen zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen f\u00fchrten. Sie haben sogar ethnische Gruppen k\u00fcnstlich geschaffen, um ein hohes Konfliktpotenzial zu erzeugen und dadurch ihren Einfluss und ihre Interessen in ihren Kolonien zu wahren. Es ist daher kein Zufall, dass ethnische Konflikte, die in B\u00fcrgerkriege m\u00fcnden, ausgerechnet in L\u00e4ndern mit kolonialer Vergangenheit ausbrechen. Dies zeigt sich vor allem auf dem afrikanischen Kontinent, der bis heute ein Pulverfass darstellt, dessen Z\u00fcndschnur in den Westen reicht, die jederzeit gez\u00fcndet werden kann. Denn noch immer bestehen die westlichen kolonialen Einfl\u00fcsse in den afrikanischen Staaten, die formell unabh\u00e4ngig sind. Die Kolonialm\u00e4chte haben sich nie aus Afrika zur\u00fcckgezogen, vielmehr haben in der Zwischenzeit weitere Akteure die afrikanische B\u00fchne betreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Europ\u00e4er w\u00e4scht seine H\u00e4nde allerdings in Unschuld, wenn er auf Konflikte und B\u00fcrgerkriege in Afrika blickt. In seiner eindimensionalen Denkweise und seiner Selbstwahrnehmung als Repr\u00e4sentant der \u201ezivilisierten Welt\u201c f\u00fchrt er die blutigen Konflikte darauf zur\u00fcck, dass die Menschen in Afrika unzivilisiert seien. Er h\u00e4lt sie f\u00fcr Wilde, die aufeinander losgehen. Die Mehrheit denkt, dass ethnische Konflikte, B\u00fcrgerkriege und h\u00e4ufige Putsche in afrikanischen L\u00e4ndern an einer R\u00fcckschrittlichkeit von Afrikanern liege. Dass ausgerechnet der Europ\u00e4er mit seinem Kolonialismus die Ursache des Problems ist, verdr\u00e4ngt er. Dabei f\u00fchrt die Spur der meisten Konflikte bis zu ihm und tr\u00e4gt deutlich die Handschrift der Kolonialm\u00e4chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Afrika r\u00fcckte im 19. Jahrhundert in den Fokus der europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte, das bis dahin als \u201ewei\u00dfer Fleck\u201c galt. Es war der letzte gr\u00f6\u00dfere Kontinent, der bis zu diesem Zeitpunkt \u00fcberwiegend unerforscht war und jenseits der K\u00fcstenregionen noch nicht der Kontrolle der europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte unterstand. Das \u201eHerz Afrikas\u201c wurde als \u201ewei\u00dfer Fleck\u201c auf den Karten der Kolonialm\u00e4chte bezeichnet, womit sie zum Ausdruck brachten, dass es sich um ein Gebiet handelte, das man nur zu erschlie\u00dfen und sich einzuverleiben brauchte. Man wollte diesen letzten \u201ewei\u00dfen Fleck\u201c durch Kolonialisierung beseitigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Europ\u00e4ern fehlten jedoch entscheidende Kenntnisse \u00fcber Bev\u00f6lkerung und Ressourcen f\u00fcr die Kolonialisierung des afrikanischen Kontinents. Die Expeditionen von Forschern nach Afrika m\u00fcssen vor diesem Hintergrund gesehen werden und waren untrennbar an die Ziele des Kolonialismus gekn\u00fcpft. Diese waren ihr wahrer Antrieb und nicht etwa irgendein romantisierter Abenteuer- und Forscherdrang. Auf diesen Expeditionen wurden Daten gesammelt, die sich nicht nur auf Flora und Fauna beschr\u00e4nkten, sondern Geographie, Bev\u00f6lkerung und vor allem vorhandene Ressourcen umfassten. Forschungsreisende spielten eine wesentliche Rolle bei der Kartierung Afrikas, die entscheidend f\u00fcr die Kolonialisierung war. Die \u201eForscher\u201c waren folglich die Vorhut des Kolonialismus und begannen Anfang des 19. Jahrhunderts damit, Zentralafrika f\u00fcr die Kolonialm\u00e4chte zu erkunden. Es war deshalb kein Zufall, dass die gro\u00dfen Afrikaforscher jener Zeit Briten waren und somit der Hochburg des Imperialismus entstammten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erkenntnisse und Berichte von Forschungsreisenden trugen zur Erweiterung des europ\u00e4ischen Wissens \u00fcber den Kontinent bei und wirkten sich auf den Kolonialismus und die anschlie\u00dfende Aufteilung Afrikas unter den europ\u00e4ischen M\u00e4chten aus. Beispielsweise unternahm der bekannte Afrikaforscher Henry Morton Stanley im Auftrag des belgischen K\u00f6nigs Leopold II. die ber\u00fchmte Kongo-Expedition. Ziel dieser Expedition war die Erschlie\u00dfung der Region f\u00fcr die Kolonialisierung des Kongo, der schlie\u00dflich Privatkolonie Leopolds II. wurde. Sowohl Stanley als auch der ber\u00fchmte Afrikaforscher David Livingstone waren Mitglieder der Royal Geographical Society, deren Geschichte eng mit der kolonialen Erforschung Afrikas verkn\u00fcpft ist. Es ist die \u00e4lteste geographische Gesellschaft der Welt. Sie unterst\u00fctze Entdeckungsreisen und Expeditionen w\u00e4hrend der Kolonialzeit. So war es beispielsweise ihr Mitglied Stanley, der vorschlug, den Kongo zur britischen Kolonie zu machen. Er hatte rein koloniale Ambitionen und machte kein Geheimnis daraus, dass er Afrika im Grunde seines Herzens hasste. Mit Leidenschaft f\u00fcr Afrika hatten seine Expeditionen nichts zu tun, sondern ausschlie\u00dflich mit dem Drang, den Kongo zur britischen Kolonie zu machen. Er bezeichnete ihn als \u201eneues Indien\u201c und war besessen von dessen Kolonialisierung. Gro\u00dfbritannien war zu diesem Zeitpunkt jedoch angesichts seiner Kolonien in \u00c4gypten und dem Sudan an den Nilquellen interessiert, auf deren Suche die Kolonialm\u00e4chte waren und um die sie wetteiferten. Der Nil war f\u00fcr sie strategisch enorm wichtig. Und so nutzte Leopold II. von Belgien die Gunst der Stunde und schlug beim Kongo zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten Menschen im Westen empfinden Krisen, Konflikte und B\u00fcrgerkriege in Afrika als Normalit\u00e4t. Das geht so weit, dass afrikanische L\u00e4nder grunds\u00e4tzlich mit ethnischen Konflikten und B\u00fcrgerkriegen assoziiert werden. Nach den Ursachen wird nicht gefragt und man zeigt sich relativ gleichg\u00fcltig. F\u00fcr die Menschen in Afrika bedeutet jedoch das, was im Westen als Normalzustand empfunden wird, viel Leid. Wir m\u00fcssen also nach den Ursachen dieses Leids fragen.<\/p>\n","protected":false},"author":92,"featured_media":16136,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[107,806,1434,1503,1508],"class_list":["post-16137","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-afrika","tag-europa","tag-kapitalismus","tag-kolonialismus","tag-kolonialpolitik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16137","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/92"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16137"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16137\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/16136"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16137"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16137"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16137"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}