{"id":16141,"date":"2024-08-13T10:44:26","date_gmt":"2024-08-13T08:44:26","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16141"},"modified":"2024-08-13T10:44:26","modified_gmt":"2024-08-13T08:44:26","slug":"konflikte-und-buergerkriege-in-afrika-als-resultat-europaeischer-kolonialpolitik-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16141","title":{"rendered":"Konflikte und B\u00fcrgerkriege in Afrika als Resultat europ\u00e4ischer Kolonialpolitik &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Wettlauf um Afrika \u2013 \u201eMein St\u00fcck vom Kuchen!\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sowohl Frankreich als auch Gro\u00dfbritannien hatten zur Durchsetzung ihrer Kolonialpl\u00e4ne in Afrika eine gro\u00dfe Eisenbahnverbindung geplant. Gro\u00dfbritannien wollte mit einer Kap-Kairo-Linie eine Eisenbahnverbindung von S\u00fcden nach Norden schaffen. Es sollte eine durchgehende Eisenbahnstrecke zwischen Kapstadt und Kairo sein, die die britischen Kolonien miteinander verbinden und den Kolonialismus erleichtern sollte. Frankreich hatte jedoch \u00e4hnliche Pl\u00e4ne und wollte mit dem Kongo-Nil-Projekt eine Eisenbahnstrecke zwischen Dakar im Westen und Dschibuti im Osten bauen, um seine Kolonien in Westafrika mit denen an der Somalik\u00fcste zu verbinden. Der Eisenbahnbau war ein wesentlicher Bestandteil der Erschlie\u00dfung und Kolonialisierung Afrikas. Wer den Wettlauf um Afrika gewinnen wollte, musste den imperialen Eisenbahnbau vorantreiben. Der Plan einer durchgehenden britischen Bahnverbindung von S\u00fcden nach Norden und einer franz\u00f6sischen Bahnstrecke von Westen nach Osten bedeutete, dass sich die Verbindungen irgendwo kreuzen mussten. F\u00fcr beide Projekte war der S\u00fcdsudan aufgrund seiner zentralen Lage von Bedeutung. Beide Staaten entsandten eine bewaffnete Expedition und trafen in Faschoda im S\u00fcdsudan aufeinander. Die franz\u00f6sischen Truppen erreichten Faschoda, ein verlassenes Fort, im Juni 1898 und besetzten es. Die Briten wollten das nicht akzeptieren und die Franzosen von dort vertreiben. Sie trafen im September desselben Jahres auf die franz\u00f6sischen Truppen in Faschoda. Es drohte ein Krieg zwischen beiden Kolonialm\u00e4chten auszubrechen. Doch schlie\u00dflich zwang Gro\u00dfbritannien im Sudanvertrag von 1899 Frankreich zum R\u00fcckzug, das zuvor schon seinen Einfluss in \u00c4gypten verloren hatte und das Feld dem britischen Rivalen \u00fcberlassen musste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es mischten auch andere L\u00e4nder wie Deutschland, Spanien, Italien, Portugal oder Belgien mit. Jeder wollte dem anderen zuvorkommen und den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Kolonialbesitz ergattern und seinen Stand in der Weltpolitik festigen. Es war ein erbitterter Wettstreit um die Kolonialisierung Afrikas, den auch die Kongokonferenz von 1884 bis 1885 nicht beenden konnte, die in Berlin unter der Leitung des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck stattfand und in der man versuchte, Afrika unter \u201egeregelten Verh\u00e4ltnissen\u201c unter sich aufzuteilen. Dass dies misslang, belegt die Faschoda-Krise. Der Name der Konferenz suggeriert zwar, dass es um das Kongogebiet ging, auf das alle scharf waren und Anspruch erhoben. Doch in Wahrheit ging es um die Aufteilung des ganzen afrikanischen Kontinents und darum, die Anspr\u00fcche, die man in Afrika erhob, von den anderen europ\u00e4ischen M\u00e4chten anerkennen zu lassen. Hierbei verhielten sich die europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte wie hungrige Raubtiere, die ein gro\u00dfes saftiges St\u00fcck Fleisch vor sich sahen, das jeder allein verschlingen wollte. Jeder war versessen auf eine afrikanische Kolonie. Beispielsweise schrieb Leopold II., dass er sich \u201esein St\u00fcck am afrikanischen Kuchen\u201c sichern wolle. Die Kolonialm\u00e4chte hielten Afrika f\u00fcr ein offenes Buffet, an dem sie sich uneingeschr\u00e4nkt bedienen konnten. Jeder wollte sich die besten St\u00fccke auf den Teller schaufeln. Der Hunger der europ\u00e4ischen Staaten auf Afrika war unstillbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kolonialm\u00e4chte zogen ihre Grenzen ohne R\u00fccksicht auf die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit der Menschen. Frankreich und Gro\u00dfbritannien rissen Afrika regelrecht in Fetzen mit den Grenzen, die sie um ihre ergatterten Kolonien zogen und deren Folgen bis heute zu sp\u00fcren sind. Eine Gruppe von Afrikanern, die die Kolonialherren als ethnische Gruppe zu identifizieren meinten, konnte sich \u00fcber ein Gebiet erstrecken, das den kolonialen Grenzvorstellungen nicht entsprach, was die Kolonialm\u00e4chte jedoch nicht daran hinderte, eine trennende Aufteilung vorzunehmen. Ein besonders anschauliches Beispiel f\u00fcr die willk\u00fcrliche Grenzziehung ist der Senegal, der als franz\u00f6sische Kolonie durch die britische Kolonie Gambia in zwei Teile geteilt wurde. Gambia befindet sich eigentlich mitten im Senegal und wird von diesem fast vollst\u00e4ndig umschlossen. Auf der Karte sieht es aus, als h\u00e4tte sich Gro\u00dfbritannien mit seiner Kolonie Gambia wie ein Wurm in die franz\u00f6sische Kolonie Senegal hineingefressen. Die Existenz Gambias und des Senegal als eigenst\u00e4ndige Staaten vermittelt den Eindruck, dass es sich um zwei unterschiedliche V\u00f6lker handelt, die in diesen beiden Staaten leben. In Wahrheit sind es Menschen derselben Ethnie mit derselben Geschichte, Sprache und sogar derselben Religion, die der Kolonialismus entzweite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Aufteilung Afrikas wurden die Menschen gespalten, wobei der Keil zwischen ihnen nicht nur durch koloniale Grenzziehung zustande kam. Denn die Kolonialm\u00e4chte spalteten die Menschen innerhalb ein und derselben Kolonie in ethnische Gruppen. Hierbei wendeten sie das Prinzip des \u201eDivide et impera\u201c an, d.&nbsp;h. des Teilens und Herrschens. Dieser Grundsatz besagt, dass eine Macht ein zu beherrschendes Volk in Gruppen mit gegens\u00e4tzlichen Interessen spalten soll, um diese in gegenseitige Konflikte zu verwickeln und davon abzuhalten, sich gegen den gemeinsamen Feind zu verb\u00fcnden. Es geht darum, Gruppen gegeneinander auszuspielen und Feindschaft und Rivalit\u00e4ten zu sch\u00fcren, um einen vereinten Widerstand gegen die Kolonialmacht zu verhindern. Die Kolonialm\u00e4chte haben dieses menschenverachtende Prinzip perfektioniert. Sie rissen mithilfe von Grenzen V\u00f6lker auseinander oder spalteten existierende ethnische Gruppen, indem sie Hierarchien schufen und die eine ethnische Gruppe \u00fcber die andere herrschen lie\u00dfen. Hierzu konstruierten sie sogar ethnische Gruppen, wenn in einer Kolonie nur eine Ethnie vorhanden war. Der einen Gruppe gaben sie Privilegien, w\u00e4hrend die andere bewusst benachteiligt wurde, um eine Kluft und ein Ungleichgewicht zu schaffen. Denn die Kolonialm\u00e4chte, insbesondere Gro\u00dfbritannien, wendeten die indirekte Herrschaft in ihren Kolonien in Afrika an und setzten afrikanische Herrscher, sogenannte Chiefs, ein, die der Kolonialverwaltung verpflichtet waren. Das hei\u00dft, die eine Gruppe durfte herrschen, w\u00e4hrend die andere beherrscht wurde. Neben anderen Vorteilen der indirekten Herrschaft erleichterte das die Arbeit der Kolonialherren, weil sie sich so nicht um die allt\u00e4glichen Streitigkeiten der Einheimischen k\u00fcmmern mussten. Die lokalen Herrscher waren Despoten, die die Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung ihrer eigenen Leute im Namen der Kolonialm\u00e4chte \u00fcbernahmen. Denn die Kolonialm\u00e4chte bauten korrupte Herrscherklassen auf. Sie brachten die afrikanischen Herrscher auf ihre Seite, indem sie in Machtk\u00e4mpfe eingriffen, was noch heute praktiziert wird und wie damals funktioniert. Auf diese Weise wurden Interessenkonflikte zwischen ethnischen Gruppen k\u00fcnstlich hervorgebracht. Das hei\u00dft, die Kolonialm\u00e4chte f\u00fchrten eine Politik der Unterscheidung und Diskriminierung, um anschlie\u00dfend die Unterschiede politisch instrumentalisieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Resultat dieser Kolonialpolitik sind bestialische Konflikte und B\u00fcrgerkriege und sogar V\u00f6lkermorde, die bis heute andauern. Was man im Westen einfach nur als ethnische Konflikte \u201er\u00fcckschrittlicher\u201c Afrikaner abtut, sind in Wahrheit B\u00fcrgerkriege, auf die es die Kolonialm\u00e4chte mit ihrer Kolonialpolitik angelegt hatten, um ihre Interessen in Afrika durchzusetzen, indem sie die eine oder die andere Seite im Hintergrund unterst\u00fctzen. Je mehr die Kolonialm\u00e4chte um eine Region in Afrika konkurrieren, desto grausamer ist der Konflikt bzw. der Stellvertreterkrieg, der in Afrika ausgetragen wird. Es ist keineswegs nur eine Mitverantwortung, die sie aufgrund vergangener Kolonialpolitik tragen, sondern eine direkte Beteiligung und Einmischung, die man ihnen vorwerfen muss. Das Problem ist n\u00e4mlich nicht nur die koloniale Vorgeschichte Afrikas, sondern die koloniale Gegenwart und die noch vorherrschenden Strukturen, die der Kolonialismus geschaffen hat. Die Kolonialm\u00e4chte wollten ihren Einfluss in Afrika auch nach der formellen Unabh\u00e4ngigkeit ihrer Kolonien aufrechterhalten und wandelten beispielsweise ihre Kolonialministerien in Entwicklungshilfeministerien um. Der Kolonialismus bekam mit der Bezeichnung Entwicklungshilfe bzw. Entwicklungszusammenarbeit einfach einen neuen Namen. Schon fr\u00fcher deklarierten die Kolonialm\u00e4chte ihren Kolonialismus in Afrika als Entwicklungspolitik. So hielten sie in der General-Akte der Kongokonferenz fest, dass sie \u201eauf Mittel zur Hebung der sittlichen und materiellen Wohlfahrt der eingeborenen V\u00f6lkerschaften bedacht\u201c seien. Mit ihrer Kolonialpolitik hatten die Kolonialm\u00e4chte vorgesorgt, um ihren Einfluss zu behalten. Sie spalteten Afrika zu ihren Gunsten in ethnische Gruppen, um den Kontinent leichter kolonialisieren zu k\u00f6nnen. Diese Unterteilung in Ethnien kam im Laufe der Zeit in der Gr\u00fcndung von oftmals ethnisch orientierten Bewegungen und Parteien zum Ausdruck, die nach Erlangen der Unabh\u00e4ngigkeit der Kolonien die Konflikte austrugen. Denn die Kolonialm\u00e4chte hatten privilegierte Ethnien mit einem Anspruch auf Herrschaft geschaffen, auf die andere ethnische Gruppen, die von Herrschaft, Macht und \u00c4mtern ausgeschlossen waren, nach der Unabh\u00e4ngigkeit ebenfalls Anspruch erhoben. Auch das kommt den Kolonialm\u00e4chten zugute, die hinter den Kulissen durch Unterst\u00fctzung von Bewegungen und Parteien die Machtverh\u00e4ltnisse zu ihren Gunsten zu beeinflussen versuchen, um ihre Interessen in Afrika zu wahren. Darin bietet sich einer Kolonialmacht die M\u00f6glichkeit, sich gegen die Konkurrenz anderer Kolonialm\u00e4chte durchzusetzen. Das Resultat sind verheerende Stellvertreterkriege um politischen Einfluss und Bodensch\u00e4tze, die als B\u00fcrgerkriege getarnt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im 19. Jahrhundert waren Frankreich und Gro\u00dfbritannien die f\u00fchrenden Kolonialm\u00e4chte. Der sogenannte \u201eWettlauf um Afrika\u201c fand vor allem zwischen diesen beiden Kolonialstaaten statt. So kam es 1898 zwischen beiden Gro\u00dfm\u00e4chten zur Faschoda-Krise, als ihre Kolonialisierungspl\u00e4ne offen miteinander kollidierten.<\/p>\n","protected":false},"author":92,"featured_media":16145,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[107,910,1109,1503,1508],"class_list":["post-16141","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-afrika","tag-frankreich","tag-grossbritannien","tag-kolonialismus","tag-kolonialpolitik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16141","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/92"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16141"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16141\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/16145"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16141"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16141"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16141"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}