{"id":16260,"date":"2024-10-07T06:05:00","date_gmt":"2024-10-07T04:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16260"},"modified":"2026-06-17T06:21:01","modified_gmt":"2026-06-17T04:21:01","slug":"linker-geschichtsrevisionismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16260","title":{"rendered":"Linker Geschichtsrevisionismus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seitdem das Thema <em>Kalifat<\/em> in den \u00f6ffentlichen Diskurs Einzug gehalten hat, f\u00fchren Politik und Medien einen semantischen Kampf um diesen Begriff. Ziel ist es, die Deutungshoheit an sich zu rei\u00dfen und es nicht der muslimischen Gemeinschaft zu \u00fcberlassen, den Begriff mit islamischen Inhalten zu f\u00fcllen. Inwieweit sie mit dieser Strategie Erfolg haben werden, h\u00e4ngt nicht zuletzt davon ab, wie sich die muslimischen Akteure positionieren und ob sie dies als Zeichen verstehen, sich dieser politischen Auseinandersetzung zu stellen oder in der Defensive zu verharren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn die Gefahr besteht nicht nur darin, dass das <em>Kalifat<\/em> in das Vokabular <em>extremistischer<\/em> Begriffe aufgenommen und die Muslime erneut aus dem Diskurs ausgeschlossen werden. Vielmehr zielt die derzeitige politisch-mediale Hetzkampagne darauf ab, Muslime aufgrund ihrer politischen Vorstellungen zu kriminalisieren. Sie sollen eine Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung allein deswegen schon sein, weil sie eine dem Grundgesetz widersprechende Auffassung von Staat und Gesellschaft haben. Ihren vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt erreichte diese Hetzkampagne nach den sogenannten Kalifat-Demos in Hamburg, als f\u00fchrende Politiker Repressionsma\u00dfnahmen forderten, die von Vereinsverboten und Haftstrafen bis hin zu Abschiebungen reichten. Zeitgleich traten die \u00fcblichen <em>Experten<\/em> auf den Plan, die in diversen Beitr\u00e4gen und Diskussionen das Kalifat als ordnungspolitisches Konzept zu diskreditieren versuchten und es kurzerhand mit Diktaturen gleichsetzten. Wiederholt rekurrieren sie dabei auf die IS-Herrschaft, um der \u00d6ffentlichkeit vor Augen zu f\u00fchren, was den Menschen im Nahen Osten bl\u00fcht, wenn der Islam <em>erneut<\/em> in staatliche Strukturen \u00fcberf\u00fchrt werden sollte. Aber auch mit Blick auf die islamische Geschichte habe das Kalifat dieser Lesart zufolge nichts weiter als <em>eine einzige Blutspur hinterlassen<\/em>. Interne Konflikte \u2013 insbesondere jene zur Anfangszeit \u2013 werden hervorgehoben und sollen belegen, dass der Islam in sich bereits \u00fcber ein Konfliktpotenzial verf\u00fcge, das seine <em>zerst\u00f6rerische<\/em> Wirkung schlie\u00dflich durch seine gesellschaftspolitische Anwendung entfalten w\u00fcrde. Aus diesem Grund stehen allen voran die politischen Akteure unter den Muslimen in der Pflicht, sich diesem Diskurs nicht l\u00e4nger zu verweigern. Es kommt <em>jetzt<\/em> darauf an, die Staatsform des Kalifats anhand der islamischen Quelltexte darzulegen und es auf diese Weise wieder ins richtige Licht zu r\u00fccken \u2013 also mit einem Gegennarrativ aufzuwarten. Dabei muss sich vor allem unter den hierlebenden Muslimen die Erkenntnis durchsetzen, dass das Kalifat als Gegenentwurf zur kolonialen Ordnung die einzige politische Alternative f\u00fcr den Nahen Osten ist, die dieser Region tats\u00e4chlichen Frieden und Stabilit\u00e4t bringen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dieser rein negativen bzw. konfliktorientierten Darstellung l\u00e4sst sich auch ein weiteres Narrativ beobachten, das vielen auf den ersten Blick eher als eine n\u00fcchtern-kritische Analyse erscheint, unter dem Strich jedoch auf das gleiche Ergebnis hinausl\u00e4uft. Dabei wird zun\u00e4chst in Frage gestellt, ob sich aus den islamischen Offenbarungstexten \u00fcberhaupt ein f\u00fcr alle Zeiten geltendes und verbindliches politisches System in Form des Kalifats ableiten l\u00e4sst. Die Staatsgr\u00fcndung in Medina durch den Propheten (sas) wird zwar nicht verneint. Dennoch habe dies mit den politischen Organisationsprinzipien <em>moderner Staatlichkeit<\/em> nichts gemein. Was in Medina stattgefunden habe, sei eher die Gr\u00fcndung einer losen Konf\u00f6deration, in der dem Propheten (sas) die Rolle eines <em>Schiedsrichters<\/em> zuteilwurde. Auch in den darauffolgenden Epochen habe sich kein genuin islamisches Staatsmodell entwickelt. Vielmehr behielten die Muslime die tribale Ordnung bei und nahmen schrittweise \u00e4u\u00dfere Elemente auf. Mit anderen Worten habe sich in der islamischen Geschichte eine Art politisches Amalgam herausgebildet; gewisserma\u00dfen ein Ordnungsprinzip, das sich nicht ausschlie\u00dflich auf die islamischen Quellen zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst, sondern politisch, kulturell und rechtlich von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen gepr\u00e4gt wurde. Zwar ist diese Kritik nicht neu und h\u00e4lt einer islamrechtlichen als auch historischen Betrachtung nach wie vor nicht Stand. Dennoch ist sie durchaus imstande unter jenen Muslimen f\u00fcr Verwirrung zu sorgen, denen es an islamischen als auch geschichtlichen Kenntnissen hinsichtlich des Kalifats fehlt. So versucht beispielsweise der Religionswissenschaftler Ilyas Ibn Karim in einem k\u00fcrzlich erschienen Beitrag in dem linken Magazin <em>Jacobin<\/em> genau diese These belegen zu wollen. Darin vertritt er die Auffassung, dass die bisherige Politik das Problem des <em>Islamismus<\/em> in Deutschland nicht in den Griff bekommt und nach einem anderen L\u00f6sungsansatz suchen m\u00fcsse. Gerade das Konzept der <em>Leitkultur<\/em> sei im Kontext der Integrationspolitik fehlgeschlagen, da es den <em>Islamisten<\/em> im Grunde genommen in die H\u00e4nde spielt und sie in ihrer Erz\u00e4hlung best\u00e4tigt, die deutsche Politik bek\u00e4mpfe den Islam: <em>Der aktuelle Diskurs in Deutschland verhindert nicht Islamismus, er schw\u00e4cht ihn nicht, er gibt ihm recht. Jedes Mal, wenn man von Leitkultur redet, gibt man ihm recht. Immer dann, wenn man einen deutschen, franz\u00f6sischen oder sonst wie europ\u00e4ischen Islam fordert, stimmt man ihm zu. Immer, wenn man von Aufkl\u00e4rung und Reformation spricht, st\u00e4rkt man ihn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Effektiv eind\u00e4mmen l\u00e4sst sich der <em>Islamismus<\/em> aus seiner Sicht nur, wenn sein Narrativ dekonstruiert wird \u2013 die politische Vision einer <em>Gesellschaft, die in allen Bereichen von islamischen Normen bestimmt wird, und einen Staat, der das durchsetzen kann<\/em>. Hierbei versucht Ilyas Ibn Karim darzulegen, dass <em>islamistische<\/em> Organisationen mit ihrer Vorstellung eines Kalifats im Grunde einer Illusion hinterherlaufen, die wenig mit der islamischen Geschichte zu tun h\u00e4tte. Ein Kalifat, in welchem die Scharia vollumf\u00e4nglich zur Anwendung kam, habe es ihm zufolge so nie gegeben. Vielmehr gab es <em>Alkoholkonsum und homoerotische Poesie [\u2026] in der Hauptstadt des Kalifats reichlich. Es war auch keine Utopie, in der nur islamische Identit\u00e4t z\u00e4hlte. Sozialer Stand und ethnische Zugeh\u00f6rigkeit waren damals mindestens genauso wichtig wie heute. Nicht einmal das erste Kalifat der vier rechtgeleiteten Kalifen \u2013 den Gef\u00e4hrten Muhammads \u2013 war eine solche Gesellschaft. Islamisten wollen \u00fcber das Kalifat den Islam einen, dabei waren es die Konflikte des ersten Kalifats, die den Islam \u00fcberhaupt spalteten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig kn\u00fcpft Ilyas Ibn Karim bei der Entstehungsgeschichte des <em>Islamismus<\/em> an die im Westen \u00fcblichen Erkl\u00e4rungen unter Historikern und Islamwissenschaftlern an. Danach sei der <em>Islamismus<\/em> als Reaktion auf die europ\u00e4ische Kolonialisierung der islamischen Welt entstanden, deren politischer Aktivismus als ein <em>modernes<\/em> Ph\u00e4nomen innerhalb des Islams verstanden wird. Nach dem Untergang des Osmanischen Kalifats wurde seine Widererrichtung dabei zu einer zentralen politischen Idee vieler <em>islamistischer<\/em> Gruppierungen. Als wichtige Vordenker, die ma\u00dfgeblich zur Entstehung des <em>Islamismus<\/em> beitrugen, verweisen Historiker und Islamwissenschaftler in der Regel auf drei Personen: Dschmal ad-Din al-Afghani (1838\u20131897), Muhammad Abduh (1849\u20131905) und Rashid Rida (1865\u20131935). Ilyas Ibn Karim betont, dass ihre Antwort auf den europ\u00e4ischen Kolonialismus und dem Niedergang des Kalifats der Pan-Islamismus gewesen sei, wobei <em>gerade Al-Afghani und Abduh nicht unserem heutigen Bild von Islamisten entsprechen. Beide gelten als Vorreiter progressiver und moderner Lesearten des Islams. Al-Afghani pl\u00e4dierte nicht f\u00fcr eine totalit\u00e4re, islamische Ordnung. Stattdessen war er der festen \u00dcberzeugung, dass Religion und Wissenschaft voneinander getrennt geh\u00f6ren, <\/em>so der Religionswissenschaftler.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ilyas Ibn Karim versucht das argumentativ kaum \u00fcberzeugende Narrativ am Leben zu erhalten, dass das Kalifat als ein autarkes ordnungspolitisches System nicht ein Produkt des Islams, sondern des <em>Islamismus<\/em> sei \u2013 also einer <em>modernistischen <\/em>Str\u00f6mung. Mit anderen Worten soll der Eindruck entstehen, dass die gesellschaftspolitische Dimension des Islams eine Erfindung der <em>Islamisten<\/em> sei, um auf die Kolonialisierung der islamischen Welt und der damit einhergehenden Dominanz des Westens angemessen zu reagieren. Auch manifestiere sich im Anspruch, die <em>Umma<\/em> politisch einen zu wollen, das <em>islamistische<\/em> Denken. Die islamische Geschichte sei dagegen ein Beweis daf\u00fcr, dass ein derartiges Verst\u00e4ndnis sowohl vom Kalifat als auch der Einheit der <em>Umma<\/em> in dieser Form, wie es sich die <em>islamistischen<\/em> Bewegungen vorstellen, nicht existierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Absurdit\u00e4t dieser Thesen zeigt sich unter anderem darin, dass Wissenschaftler wie Ilyas Ibn Karim in ihrer historischen Betrachtung keine Differenzierung vornehmen, zwischen dem normativen Anspruch des Islams sowie dessen grunds\u00e4tzlicher Anwendung auf der einen und historischen Abweichungen auf der anderen Seite. Dass es in der langen islamischen Geschichte zu etwaigen Verwerfungen oder teilweise zur falschen Umsetzung der Scharia kam, ist zwar Fakt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Scharia damit \u00fcberhaupt keine gesellschaftspolitische Rolle gespielt und die Muslime Staat und Gesellschaft nach anderen Prinzipien organisiert h\u00e4tten. Selbst das in diesem Kontext immer wieder vorgebrachte Beispiel von Bagdad als Hauptstadt des abbasidischen Kalifats belegt im Grunde nichts anderes, als die Nachl\u00e4ssigkeit der Muslime in der Umsetzung des Islams in einer spezifischen Region und Epoche. Keineswegs kann hier die Rede von einer <em>Gesellschaft der Ambiguit\u00e4ten<\/em> sein, in der alles m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Der Rahmen f\u00fcr das \u00f6ffentliche Leben wurde zu jeder Epoche des Kalifats grunds\u00e4tzlich durch die Scharia definiert. Somit geh\u00f6rten <em>Alkoholkonsum<\/em> und <em>homoerotische Poesie<\/em> \u2013 ganz abgesehen von der Frage, in welchem Ausma\u00df dies tats\u00e4chlich \u00f6ffentlich praktiziert wurde \u2013 zur absoluten Ausnahme und entsprach nicht der Norm. Zumal Gelehrte zu jeder Zeit derartige Missst\u00e4nde auch \u00f6ffentlich kritisierten und die politisch Verantwortlichen auf ihre islamrechtliche Pflicht hinwiesen, den <em>munkar<\/em> zu beseitigen, um den normativen Anspruch zu erf\u00fcllen. Auch wurde die Institution des Kalifats nie in Frage gestellt, was nicht zuletzt daran zu erkennen ist, dass die Herrscher in der islamischen Geschichte Wert darauf legten, den Titel des Kalifen zu \u00fcbernehmen. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee eines islamischen Regierungssystems ist folglich keine Erfindung der <em>Moderne<\/em> bzw. der <em>Islamisten<\/em>, sondern fest verankert in der islamischen Normenlehre. Ein einfacher Blick in die Werke der klassischen Gelehrten gibt Aufschluss dar\u00fcber, dass sie bereits in der Fr\u00fchzeit des Islams den obligatorischen Charakter des Kalifats hervorgehoben und die wesentlichen politischen Strukturen eines Staates aus den islamischen Quelltexten abgeleitet haben. Exemplarisch kann hier das Werk <em>al-Ahkam al-Sultaniyya<\/em> des auch im Westen bekannten Gelehrten Abu l-Hasan al-Mawardi aus dem 10. Jahrhundert herangezogen werden. Darin gibt er einen theoretischen Abriss zur Frage der Herrschaft und beleuchtet dieses Thema unter islamrechtlichen Gesichtspunkten. Und al-Mawardi stellt dabei mitnichten eine Ausnahme dar. Denn die Normativit\u00e4t des Kalifats wurde von Gelehrten in s\u00e4mtlichen Rechtsschulen und Str\u00f6mungen explizit dargelegt, so z.B. durch ibn Khaldun, al-Juwayni, al-Ghazali, an-Nasafi, al-Amidi, al-Qurtubi, an-Nawawi, ibn Hazm, ibn Taymiyya, al-Haskafi und ibn Abidin \u2013 um nur einige zu nennen. Ebenso best\u00e4tigen die zahlreichen juristischen Werke, dass die Gelehrten und Richter bei der Rechtsfindung ausschlie\u00dflich die islamischen Quelltexte herangezogen haben. Und selbst die von ihm zitierten Urv\u00e4ter des Islamismus waren mit Blick auf das Kalifat keine Ausnahme \u2013 zumindest nicht so wie in dem Artikel insinuiert. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum einen existierte zu jener Zeit ja noch das Kalifat als einheitliches Ordnungssystem im Nahen Osten. Zum anderen waren sogenannte Traditionalisten, wie der vorletzte <em>Sheikh ul-Islam<\/em> des Osmanischen Reichs, Mustafa Sabri, unmissverst\u00e4ndlich in ihrer Haltung zum Kalifat und betonten dessen normativen Charakter. Letzterer war dar\u00fcber hinaus ein radikaler Kritiker der <em>Tajdid<\/em>-Bewegung und ihrer Vertreter wie Abduh und al-Afghani, was die Erz\u00e4hlung von der Erfindung des Kalifats durch <em>modernistische Str\u00f6mungen<\/em> vollends ad absurdum f\u00fchrt. Und selbst die von westlichen Historikern und Islamwissenschaftlern transportierten <em>Freigeister<\/em> der islamischen Geschichte haben die Normativit\u00e4t der Scharia nie angezweifelt. So war Averroes bzw. ibn Rushd nicht nur Philosoph, sondern auch Jurist und Richter. Er verfasste bedeutende Werke zu den Grundlagen der islamischen Normenlehre und des Rechts, darunter das Werk <em>ad-Daruri fi Usul al-Fiqh<\/em> und das rechtsvergleichende Werk <em>Bidayat al-Mujtahid wa Nihayat al-Muqtasid<\/em>.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund sind die Ausf\u00fchrungen von Ilyas Ibn Karim vor allem deshalb kaum ernst zu nehmen, weil er durch eine Verdrehung der historischen Faktenlage, Ausnahmeerscheinungen zur Norm erkl\u00e4ren m\u00f6chte. So als ob der \u00f6ffentliche Versto\u00df gegen die g\u00f6ttlichen Gebote die gesamte islamische Geschichte hindurch an der Tagesordnung gewesen w\u00e4re. Gerade die Tatsache, dass nach dem Niedergang des Kalifats unter Gelehrten als auch unter Muslimen im Allgemeinen zahlreiche Diskussionen dar\u00fcber entbrannten, wie denn mit den <em>neuen<\/em> soziopolitischen Verh\u00e4ltnissen umgegangen werden m\u00fcsse, beweist mehr als deutlich, dass die Muslime zuvor doch in einer Gesellschaft lebten, in der ihre Angelegenheiten durch die islamischen Normen geregelt wurden und es nun zu einem historischen Bruch gekommen war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungeachtet dessen ist dieser von Ilyas Ibn Karim betriebene Geschichtsrevisionismus f\u00fcr die muslimische Community dennoch gef\u00e4hrlich, weil er eben nicht zu den <em>offensichtlich<\/em> feindlichen Narrativen geh\u00f6rt und stadtessen differenziert und akademisch daherkommt. Gerade deswegen kann er in der aktuellen Debatte um das Kalifat seine zersetzende Wirkung unter Muslimen entfalten. Denn warum sollten wir f\u00fcr den Nahen Osten eine Staatsform fordern, die es in der Geschichte vermeintlich nie wirklich gab?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Begriffe wie Scharia oder Kalifat die deutsche Gesellschaft in Angst und Schrecken versetzen, ist der politisch-medialen Hetze der letzten Jahrzehnte geschuldet. 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