{"id":16278,"date":"2024-10-16T00:52:00","date_gmt":"2024-10-15T22:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16278"},"modified":"2024-10-16T00:52:00","modified_gmt":"2024-10-15T22:52:00","slug":"antwort-auf-eine-frage-zum-wirtschaftssystem-im-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16278","title":{"rendered":"Antwort auf eine Frage zum Wirtschaftssystem im Kapitalismus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">As-Salamu Aleikum,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe einige Fragen zum Buch \u201eDas Wirtschaftssystem im Islam\u201c, und zwar in Bezug auf das kapitalistische Wirtschaftssystem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1.) Wir sagen, dass das Wirtschaftssystem im Kapitalismus sich auf drei Prinzipien st\u00fctzt. Wenn man sich die Historie der \u00d6konomie im Kapitalismus anschaut, f\u00e4ngt sie an bei der Klassischen \u00d6konomie (Smith, Malthus, Ricardo, Mill usw.) und geht historisch weiter mit den Neoklassischen Theorien, dem Keynesianismus und dem Monetarismus. Meine Frage hierzu ist, inwiefern haben sich diese drei Prinzipien des Wirtschaftssystems im Kapitalismus in dieser Historie herausgebildet? Haben diese drei Prinzipien die klassischen \u00d6konomen bereits herausgebracht und haben sie sich dann als die Fundamente durchgesetzt oder war es anders?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.) Zum zweiten Prinzip des Wertes eines Produkts haben wir gesagt, dass die Kapitalisten die Idee des Grenznutzens vertreten. Inwiefern vertreten sie geschlossen die Grenznutzentheorie? Wieso ich diese Frage stelle: Wenn man sich ihre \u00d6konomen von heute in den Nachrichten oder Diskussionsrunden anh\u00f6rt, kann man das erste und dritte Prinzip immer wieder heraush\u00f6ren. Aber \u00fcber den Grenznutzen habe ich sie nie reden sehen. Also um es extrem zu formulieren: Wenn ich in unseren B\u00fcchern nicht gesehen h\u00e4tte, dass die Kapitalisten die Idee des Grenznutzens haben, h\u00e4tte ich \u00fcber die Existenz dieser Idee durch ihre \u00d6konomen nichts erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3.) Eine andere Frage bezieht sich auf den Monetarismus. Popul\u00e4r wurde die <em>&#8222;Modern Monetary Theorie&#8220;<\/em>, kurz MMT. Die MMT beschreibt die Realit\u00e4t des heutigen Fiatgeldes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die MMT besagt, dass der Staat, der souver\u00e4n ist und der seine eigene W\u00e4hrung herausbringt, niemals pleitegehen kann. Er kann schlie\u00dflich, wann immer er es braucht, Geld drucken, also Schulden nehmen. Die Idee dahinter: Privatpersonen k\u00f6nnen nur das ausgeben, was sie einnehmen. Beim Staat ist es aber genau andersherum. Er kann nur das einnehmen, was er ausgibt. Denn er ist schlie\u00dflich der W\u00e4hrungsherausgeber. Er muss erst das Geld ausgeben, damit die Privatwirtschaft dieses Geld einnehmen kann, um dann wieder von ihnen Steuern einzunehmen. Und derjenige, der die W\u00e4hrung herausgibt, kann in seiner eigenen W\u00e4hrung nicht pleitegehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach ihrer Logik ist es deshalb auch gar nicht schlimm, wenn der Staat sich verschuldet, denn er muss es nicht zur\u00fcckzahlen, da die Schulden des Staates die Einnahmen der Privatwirtschaft sind. Gehen die Staatsschulden zur\u00fcck oder werden sie abgebaut, gehen die Einnahmen der Privatwirtschaft zur\u00fcck und die Menschen werden \u00e4rmer usw. Der Staat kann nur in einer Fremdw\u00e4hrung pleitegehen, weil er nicht der Herausgeber dieser Fremdw\u00e4hrung ist. In einer Fremdw\u00e4hrung ist er wie eine Privatperson. Er kann nur das ausgeben, was er einnimmt. Hat er zu wenig Einnahmen in der Fremdw\u00e4hrung, muss er seine Exporte erh\u00f6hen, um mehr von der Fremdw\u00e4hrung zu bekommen oder Schulden in der Fremdw\u00e4hrung nehmen, die er aber im Unterschied zur inl\u00e4ndischen W\u00e4hrung zur\u00fcckzahlen muss, weil er nicht der Herausgeber dieser W\u00e4hrung ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Staat kann aber auch nicht immerzu Geld drucken (Schulden nehmen). Ohne die Ber\u00fccksichtigung gewisser Dinge, unter anderem Vollbesch\u00e4ftigung, ist dies nicht ohne weiteres m\u00f6glich, da so die Inflation unkontrolliert steigen w\u00fcrde. Deshalb muss der Staat sich genau \u00fcberlegen, wie er durch Steuern dem Markt Geld entzieht und durch Schulden wieder Geld hineinpumpt. Die Kunst soll eben darin liegen, dass die Politiker sich \u00fcber diese Ma\u00dfnahmen Gedanken machen, damit die Inflation unter Kontrolle ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Frage: Ist diese Theorie in Bezug auf das Fiatgeld richtig? Wenn ja, k\u00f6nnte man ja dann nicht mehr ohne Weiteres die Verschuldungspolitik der USA und anderer gro\u00dfen Staaten als negativ ansehen. Denn nach dieser Theorie w\u00e4re das nicht schlimm, vor allem f\u00fcr die USA, die der souver\u00e4nste Staat der Welt sind. Wo liegt der Haken in dieser Theorie?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bitte um Entschuldigung f\u00fcr die lange Ausf\u00fchrung und beende mein Schreiben mit den Worten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">As-Salamu Aleikum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Antwort:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ehrenwerter Bruder,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>wa alaikum sal\u0101m wa ra\u1e25matullahi wa barak\u0101tuh!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Zur 1. Frage:<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die von uns genannten drei Prinzipien des kapitalistischen Wirtschaftssystems wurden weitgehend von den klassischen westlichen \u00d6konomen behandelt und als Normen festgelegt. So wurde das 1. Prinzip, n\u00e4mlich die relative Knappheit von G\u00fctern und Dienstleistungen, vom Begr\u00fcnder der National\u00f6konomie (urspr\u00fcngliche Bezeichnung f\u00fcr das liberale kapitalistische Wirtschaftssystem), Adam Smith, in seinem Standardwerk \u201eDer Wohlstand der Nationen\u201c von 1776 (Originaltitel: <em>An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations<\/em>) als grunds\u00e4tzliches Wirtschaftsprinzip postuliert. Ebenso wurde es von Thomas Malthus (1766\u20131834) in seinem Werk \u201eAn Essay on the Principle of Population\u201c von 1798 (<em>Eine Abhandlung \u00fcber das Bev\u00f6lkerungsgesetz<\/em>) ausf\u00fchrlich behandelt. Malthus ging sogar so weit zu behaupten, die Ursache f\u00fcr die relative Knappheit von G\u00fctern und Dienstleistungen liege darin, dass die Bev\u00f6lkerung st\u00e4rker wachse als das Angebot an Waren und Dienstleistungen steige. Eine Idee, die mehr als 170 Jahre sp\u00e4ter vom amerikanischen Au\u00dfenminister Henry Kissinger \u00fcbernommen wurde, der sie als Rechtfertigung f\u00fcr die Notwendigkeit zur Dezimierung der Weltbev\u00f6lkerung heranzog.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das 2. Prinzip, der Nutz- und Tauschwert einer Ware, wurde unter den klassischen \u00d6konomen vor allem von David Ricardo in seinem Werk \u201eOn the Principles of Political Economy and Taxation\u201c von 1817 (<em>Grunds\u00e4tze der politischen \u00d6konomie und der Besteuerung<\/em>) ausf\u00fchrlich untersucht. Anzumerken ist, dass der Begriff \u201ePolitische \u00d6konomie\u201c im 19. Jahrhundert die g\u00e4ngige Bezeichnung f\u00fcr das liberale (kapitalistische) Wirtschaftssystem war. Ein weiterer \u00d6konom, der sich intensiv mit dem Nutz- und Tauschwert von Waren besch\u00e4ftigt hat, ist Karl Marx. In seinem Werk \u201eDas Kapital\u201c analysiert Marx den Unterschied zwischen dem Gebrauchswert (Nutzwert) und dem Tauschwert von Waren. Der Gebrauchswert bezieht sich auf den praktischen Nutzen eines Gutes, w\u00e4hrend der Tauschwert den Wert eines Gutes im Austausch gegen andere Waren oder Geld darstellt \u2013 eine Definition, die wir im Buch \u201eWirtschaftssystem\u201c fast w\u00f6rtlich \u00fcbernommen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das 3. Prinzip, n\u00e4mlich der Preis und seine Rolle bei Produktion, Konsum und Verteilung, wurde ebenso von Adam Smith in seinem Grundlagenwerk \u201eDer Wohlstand der Nationen\u201c von 1776 behandelt. Darin analysiert Smith die Preisbildung durch Angebot und Nachfrage und die Rolle des Marktes bei der Verteilung von Ressourcen. Auch hat sich David Ricardo in seinem Werk \u201eOn the Principles of Political Economy and Taxation\u201c (<em>Grunds\u00e4tze der politischen \u00d6konomie und der Besteuerung<\/em>) von 1817 mit der Preisbildung besch\u00e4ftigt sowie mit der Arbeitswerttheorie und der Bestimmung des Tauschwerts von Waren. Alfred Marshall entwickelte die Theorie der Preisbildung durch Angebot und Nachfrage weiter und f\u00fchrte das Konzept der Preiselastizit\u00e4t ein. Sein Werk \u201ePrinciples of Economics\u201c (1890) ist ein grundlegender Text der Mikro\u00f6konomie. Leon Walras entwickelte seinerseits die Theorie des allgemeinen Gleichgewichts, die die Interdependenz von M\u00e4rkten und die Preisbildung in einem gesamten Wirtschaftssystem beschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die westlichen \u00d6konomen in ihren Werken mehr als drei Wirtschaftsprinzipien aufz\u00e4hlen, kristallisieren sich aus der Gesamtbetrachtung ihrer Analysen sowie aus der Untersuchung der Realit\u00e4t des westlichen kapitalistischen Wirtschaftssystems diese drei Prinzipien als Hauptmerkmale heraus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Zur 2. Frage:<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer sich etwas eingehender mit den westlichen Wirtschaftswissenschaften besch\u00e4ftigt, wird rasch auf die Untersuchungen der Grenzwerttheorie sto\u00dfen, die zu den Eckpfeilern der modernen Wirtschaftsanalysen z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Theorie des Grenzwertes, insbesondere im Kontext der Grenznutzentheorie, die in unserem Buch bei der Erl\u00e4uterung des 2. Prinzips er\u00f6rtert wurde, wurde ausf\u00fchrlich von Carl Menger, einem der Begr\u00fcnder der \u00d6sterreichischen Schule der National\u00f6konomie, untersucht. In seinem Werk \u201eGrunds\u00e4tze der Volkswirtschaftslehre\u201c (1871) legte Menger den Grundstein f\u00fcr die Grenznutzentheorie, die besagt, dass <em>der Wert eines Gutes durch den Nutzen bestimmt wird, den der letzte (marginale) Konsum dieses Gutes stiftet<\/em> (Im Buch \u201eWirtschaftssystem\u201c auf Seite 22 zitiert).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus kapitalistischer Sicht l\u00f6ste Menger damit das sogenannte \u201eWasser-Diamanten-Paradoxon\u201c, das zuvor viele westliche \u00d6konomen besch\u00e4ftigt hatte: Warum sind Diamanten teurer als Wasser, obwohl Wasser lebensnotwendiger ist? Die Antwort liege laut Menger im Grenznutzen: Der zus\u00e4tzliche Nutzen eines weiteren Diamanten sei h\u00f6her als der eines weiteren Glases Wasser, da Wasser im \u00dcberfluss vorhanden sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig von Menger entwickelte William Stanley Jevons eine \u00e4hnliche Theorie. Die Entwicklung der Grenznutzentheorie durch Menger, Jevos und Valras f\u00fchrte direkt zur sogenannten \u201eMarginalrevolution\u201c, die das \u00f6konomische Denken im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert revolutionierte und den Weg zur Entstehung der neoklassischen \u00d6konomie ebnete, die der klassischen, auf dem Arbeitswert basierenden Werttheorie f\u00fcr Waren und Dienstleistungen widersprach. Heute ist die Grenzwerttheorie aus den westlichen Untersuchungen \u00fcber Preis und Wert nicht mehr wegzudenken. Dass sie in Talkshows nicht \u00f6fter erw\u00e4hnt wird, tut dieser Tatsache nichts ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Zur 3. Frage:<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die MMT ist ein typisches Beispiel daf\u00fcr, wie man im Westen durch rein logisches Denken und die Aneinanderreihung von Pr\u00e4missen &#8211; ohne ihre \u00dcbereinstimmung mit der Realit\u00e4t durch rationales Denken zu \u00fcberpr\u00fcfen &#8211; bestimmte Schl\u00fcsse zieht, die man als Wahrheiten hinstellt. Schon ihr Gedankengang widerspricht der Wirtschafts- und W\u00e4hrungsrealit\u00e4t, auch hat sich diese Theorie in ihrer Anwendung als falsch erwiesen. So ist die Behauptung, dass ein Staat, der seine eigene W\u00e4hrung herausbringt, niemals pleitegehen kann, falsch und durch die Realit\u00e4t widerlegt worden. Denn das unbegrenzte Aufnehmen von Schulden in der eigenen W\u00e4hrung, sprich: das unkontrollierte Drucken von Geldscheinen, die in Umlauf gebracht werden, f\u00fchrt letztlich zu einer Hyperinflation, die die Kaufkraft des Geldes vernichtet und die Wirtschaft ruiniert. Reale Beispiele daf\u00fcr sind viele L\u00e4nder der Dritten Welt, etwa Venezuela, wo die Landesw\u00e4hrung keinerlei Wert mehr besitzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In gewisser Weise haben auch die westlichen \u00d6konomen dieses Problem erkannt, wie du es in deiner Frage ausf\u00fchrst: <em>Der Staat kann aber auch nicht einfach immerzu Geld drucken (Schulden nehmen). Ohne die Ber\u00fccksichtigung gewisser Dinge, unter anderem Vollbesch\u00e4ftigung, ist dies nicht ohne weiteres m\u00f6glich, da so die Inflation unkontrolliert steigen w\u00fcrde. <\/em>Die Ursache f\u00fcr die unkontrollierte Inflation ist aber nicht <em>der Mangel an Vollbesch\u00e4ftigung<\/em>, wie sie behaupten, sondern die Tatsache, dass ihre W\u00e4hrung keinen intrinsischen (also inneren) Wert hat, anders als Gold oder Silber zum Beispiel. Dies ist die Hauptursache f\u00fcr Inflation und W\u00e4hrungsinstabilit\u00e4t, wie man es seit Entstehung des Fiatgeldes vor mehr als hundert Jahren klar erkennen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem ist ihre Theorie von Grund auf falsch. Denn ein Staat nimmt nicht nur \u201edas ein, was er ausgibt\u201c. So hat ein Staat mit einer starken Exportwirtschaft (z.&nbsp;B. China) gro\u00dfe Geldzufl\u00fcsse aus dem Ausland, die er nicht durch seine eigene W\u00e4hrung generiert hat. Gerade in einer Zeit, wo der internationale Handel immer weiter zunimmt und der wirtschaftliche Isolationismus kaum mehr praktiziert wird, hat der Ansatz der Modern Monetary Theory (MMT) praktisch keine G\u00fcltigkeit mehr. Die heterogenen Eink\u00fcnfte eines Staates sind jedoch nicht nur auf den Export beschr\u00e4nkt. Wenn Verm\u00f6genswerte anderer Staaten im Zuge politischer oder milit\u00e4rischer Krisen konfisziert werden &#8211; aktuelles Beispiel sind die russischen Verm\u00f6genswerte im Westen &#8211; dann sind dies ebenso Einnahmen f\u00fcr den Staat, die er nicht selbst (mit seiner eigenen W\u00e4hrung) generiert hat. Zudem widerspricht die Realit\u00e4t der internationalen Kreditvergaben ihrer Theorie. Wenn n\u00e4mlich ein Staat einem anderen Kredite gew\u00e4hrt und der kreditnehmende Staat die j\u00e4hrlichen Zinsen an den kreditgebenden Staat bezahlt, dann stellt dieses Geld ebenso eine Einnahme dar, die der kreditgebende Staat nicht selbst generiert hat. Im Grunde war diese Praxis f\u00fcr die westlichen Staaten in den vergangenen Jahrzehnten ein \u00e4u\u00dferst lukratives Gesch\u00e4ftsmodell, wodurch viele Staaten der Dritten Welt, allen voran islamische L\u00e4nder, in den Ruin getrieben wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberdies ist die Modern Monetary Theory (MMT) selbst von westlichen \u00d6konomen kritisiert und infrage gestellt worden, unter anderem von:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paul Krugman: Der Nobelpreistr\u00e4ger und Keynesianer hat MMT kritisiert, weil er meint, dass sie die Risiken der Inflation untersch\u00e4tzt. Krugman argumentiert, dass eine unkontrollierte Geldsch\u00f6pfung durch den Staat zu einer Hyperinflation f\u00fchren k\u00f6nnte, wenn die Wirtschaft ihre Kapazit\u00e4tsgrenzen erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kenneth Rogoff: Rogoff, ein weiterer prominenter \u00d6konom, hat Bedenken ge\u00e4u\u00dfert, dass MMT die langfristigen Auswirkungen von hohen Staatsverschuldungen ignoriert. Er betont, dass hohe Schulden die Zinsen erh\u00f6hen und das Wirtschaftswachstum bremsen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lawrence Summers: Der ehemalige US-Finanzminister und \u00d6konom hat MMT als \u201egef\u00e4hrlich\u201c bezeichnet. Er argumentiert, dass die Theorie die Bedeutung von fiskalischer Disziplin und die potenziellen negativen Auswirkungen auf die Kreditw\u00fcrdigkeit eines Landes vernachl\u00e4ssigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Scott Sumner: Sumner hat f\u00fcnf Hauptprobleme mit MMT identifiziert, darunter ein fehlerhaftes Inflationsmodell, das die Bedeutung von wirtschaftlicher \u201eSlack\u201c (ungenutzten Ressourcen) \u00fcbersch\u00e4tzt. Er argumentiert, dass MMT die Komplexit\u00e4t der Inflation und die Rolle der Erwartungen der Marktteilnehmer nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl sie alle als westliche \u00d6konomen und Fiatgeld-Vertreter in ihrer Kritik nicht den Kern des Problems treffen (n\u00e4mlich das Fehlen eines intrinsischen Wertes im Fiatgeld), so haben sie dennoch mehrere Problematiken dieser Theorie offengelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kommen wir nun zum letzten Punkt deiner Frage, zur W\u00e4hrungspolitik der USA:<\/strong> Obgleich der Dollar nach Aufhebung seiner Bindung an Gold durch Richard Nixon im Jahr 1971 zu einem reinen Fiatgeld geworden ist, hatten die USA es durch diese Goldbindung geschafft, ihn als Welthandelsw\u00e4hrung zu etablieren. Zahlreiche wichtige Rohstoffe und G\u00fcter (z.&nbsp;B. Roh\u00f6l, Erdgas, Kupfer, Weizen und viele Technologieprodukte) werden in Dollar gehandelt. Folglich m\u00fcssen Staaten, die solche G\u00fcter ben\u00f6tigen, zuerst Dollar kaufen, um die G\u00fcter am internationalen Markt erwerben zu k\u00f6nnen. Das bedeutet: Solange die Nachfrage nach diesen essenziellen G\u00fctern besteht (und die bleibt ewig bestehen), wird auch die Nachfrage nach dem Dollar bestehen bleiben. Die USA k\u00f6nnen also nach Belieben Dollar drucken (bzw. digital sch\u00f6pfen), sie werden stets Abnehmer daf\u00fcr finden. Der ehemalige Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, brachte es auf den Punkt, als er 2002 in einer Rede erkl\u00e4rte: <em>Die US-Regierung verf\u00fcgt \u00fcber eine Technologie, genannt Druckerpresse (oder heute deren elektronische Entsprechung), die es ihr erm\u00f6glicht, so viele US-Dollar zu produzieren, wie sie m\u00f6chte, im Wesentlichen ohne Kosten.<\/em> (Eine Aussage, die, wie es kaum jemand abstreiten wird, auf die venezolanische Druckerpresse eher weniger zutrifft&nbsp;\u2026)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Umstand hat auch dazu gef\u00fchrt, dass sich die Staaten ihre Fremdw\u00e4hrungsreserven haupts\u00e4chlich in US-Dollar anlegen. So belaufen sich aktuell die Dollar-W\u00e4hrungsreserven Chinas auf etwa 3,256 Billionen US-Dollar (Stand Juli 2024). Sollte nun der Dollar nur 5% an Wert verlieren, w\u00fcrde das bedeuten, dass sich das chinesische Verm\u00f6gen auf einen Schlag um 162,8 Milliarden Dollar verringert. Das hei\u00dft, dass China ein Eigeninteresse daran hat, den Dollar zu st\u00fctzen. Im Grunde gilt dies gleicherma\u00dfen f\u00fcr die restlichen Staaten der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die Etablierung des Dollars als Weltw\u00e4hrung ist es den USA gelungen, alle anderen L\u00e4nder in Geiselhaft zu nehmen, die ihrerseits gezwungen sind, den Dollar zu kaufen und zu st\u00fctzen. Die Nachfrage nach dem Dollar ist dadurch schier endlos geworden, obwohl es sich, wie es der US-Notenbankchef selbst erkl\u00e4rt hat, nur um ein St\u00fcck Papier ohne inneren Wert handelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verschuldung der USA mit 34 Billionen Dollar (ca. 123,8% des Bruttoinlandsprodukts &#8211; Stand 2024) ist also durchaus als schlimm zu erachten und w\u00fcrde bei anderen Staaten recht bald zu einem Kollaps f\u00fchren. (Zum Vergleich: die EU erlaubt ihren Mitgliedern eine maximale Staatsverschuldung von 60% des BIP.) Doch aufgrund der o.&nbsp;a. Faktoren und ihres weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Einflusses konnten die USA es bis dato verhindern, dass ihre prek\u00e4re Finanzlage sie in den Abgrund zieht&nbsp;&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir hoffen, dass die Antworten klargeworden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dein Kalifat.com-Team<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hat uns die folgende Frage erreicht. 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