{"id":16303,"date":"2024-10-26T00:05:00","date_gmt":"2024-10-25T22:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16303"},"modified":"2024-10-26T00:05:00","modified_gmt":"2024-10-25T22:05:00","slug":"der-einfluss-hybrider-kriegsfuehrung-auf-moderne-konflikte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16303","title":{"rendered":"Der Einfluss hybrider Kriegsf\u00fchrung auf moderne Konflikte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ereignisse im Nahen Osten \u00fcberschlagen sich und die Konfliktdynamik nimmt beinahe t\u00e4glich zu. Dabei verlagert sich der Schwerpunkt der K\u00e4mpfe vom Gaza-Streifen zunehmend auf die sogenannte Nordfront \u2013 also der Grenze zwischen dem zionistischen Konstrukt und Libanon. Seit dem 8. Oktober letzten Jahres gibt es dort wechselseitigen Beschuss, der schnell zu einer Art Normalzustand wurde, in dessen Zuge 200.000 Israelis fl\u00fcchteten, von denen bis heute noch \u00fcber 90.000 nicht in \u201eihre\u201c H\u00e4user zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Insbesondere die Ereignisse der letzten Wochen haben jedoch zu einer massiven Zuspitzung der Situation gef\u00fchrt, wodurch auch auf libanesischer Seite etwa eine Millionen Menschen aus dem S\u00fcden des Landes fliehen mussten. Auf eine Eskalation folgte die N\u00e4chste. Doch wie konnte sich die Hisbollah nach monatelanger Konfliktroutine auf einmal so leicht \u00fcberrumpeln lassen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 2. Januar 2024 fand ein Treffen zwischen Hamas-Vertretern und der libanesischen al-Dschama\u2018a al-Islamiya in einem Vorort von Beirut statt, als ein israelischer Luftangriff das Geb\u00e4ude vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rte. Dabei kamen sieben Menschen ums Leben, darunter Saleh al-Aruri, der Gr\u00fcnder der Qassam-Brigaden, dem milit\u00e4rischen Arm der Hamas. Dies war das erste gezielte Attentat auf einen hochrangigen Hamas-Anf\u00fchrer au\u00dferhalb der Pal\u00e4stinensergebiete seit dem Ausbruch des Konflikts am 7. Oktober 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 1. April 2024 flog die israelische Luftwaffe einen Angriff auf das iranische Konsulat in Damaskus. Unter den Opfern befand sich Mohammed Reza Zahedi, ein hochrangiges Mitglied der iranischen Revolutionsgarden, der eine Schl\u00fcsselrolle bei der milit\u00e4rischen Unterst\u00fctzung der Hisbollah innehatte. Dies veranlasste den Iran dazu, erstmals selbst einen Angriff auf das zionistische Besatzungsregime vorzunehmen. Es kamen dabei mehr als 300 Drohnen, Marschflugk\u00f6rper und ballistische Raketen zum Einsatz, allerdings erst, nachdem der Iran mehr als 24 Stunden vorher \u00fcber verschiedene diplomatische Kan\u00e4le eine Warnung \u00fcbermittelt und Israel und den USA dadurch die M\u00f6glichkeit gegeben hatte, sich entsprechend vorzubereiten. So konnten die meisten Flugk\u00f6rper abgefangen werden, jedoch nur durch massive Unterst\u00fctzung der USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Jordan und Saudi-Arabien. Insgesamt \u00fcberwanden gerade einmal neun Raketen die Luftabwehr, ohne gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den zu verursachen. Getroffen wurde dabei aber Nevatim, also jener Milit\u00e4rflugplatz, von dem aus den israelischen Kampfjets gestartet sein sollen, die den Angriff auf das iranische Konsulat in Damaskus ausgef\u00fchrt haben. Die Botschaft war also symbolischer Natur und darauf ausgerichtet, das iranische Abschreckungspotenzial wiederherzustellen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 30. Juli 2024 wurde jedoch Fuad Schukr, ein enger milit\u00e4rischer Berater von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, durch einen weiteren israelischen Luftangriff in einem Vorort von Beirut get\u00f6tet. Nur wenige Stunden sp\u00e4ter, am 31. Juli 2024, wurde Ismail Haniya, der Leiter des politischen B\u00fcros der Hamas, bei einer Explosion in einem G\u00e4stehaus der Revolutionsgarden in Teheran get\u00f6tet. Bis heute ist unklar, ob die Detonation durch einen Luftangriff, eine ferngesteuerte Rakete oder einen zuvor platzierten Sprengsatz verursacht wurde. Dies stellte eine massive Eskalation dar, da ein hoher Staatsgast direkt in der iranischen Hauptstadt get\u00f6tet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 20. September folgte die n\u00e4chste Eskalation der Zionisten, als Ibrahim Aqil, der Anf\u00fchrer der Radwan-Eliteeinheit und am 27. September schlie\u00dflich Nasrallah selbst bei einem Luftangriff get\u00f6tet wurden. Die iranische Reaktion folgte am 01. Oktober 2024 \u2013 drei Monate nach dem Anschlag auf Ismail Haniya. Dabei feuerte der Iran ca. 200 ballistische Raketen auf das Besatzungsregime ab, von denen mindestens 80 die Luftabwehr durchbrachen und u.a. auf den Milit\u00e4rflugpl\u00e4tzen Nevatim und Tel Nof sowie in der N\u00e4he des Mossad-Hauptquartiers in Tel-Aviv einschlugen. Erneut sollen dabei jedoch keine gr\u00f6\u00dferen Sch\u00e4den entstanden sein, was abermals auf die Absicht des Iran hinweist, seine F\u00e4higkeiten zu demonstrieren, anstatt einen schwerwiegenden Angriff durchzuf\u00fchren. Seitens der Hisbollah wurde am 19. Oktober zudem ein Drohnenangriff auf die Privatresidenz des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu durchgef\u00fchrt, bei dem niemand zu Schaden kam. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie dieser Schlagabtausch demonstriert, sind bei konventionellen Kriegen nach wie vor auch konventionelle Waffensysteme \u2013 wie z.B. Raketen, Marschflugk\u00f6rper, Kampfjets und Drohnen \u2013 von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung. Doch der wachsende Einfluss von hybrider Kriegsf\u00fchrung ist auch hier deutlich zu erkennen. Denn die aktuelle Eskalationsdynamik an der Nordfront begann vor allem am 17. September 2024 Fahrt aufzunehmen, als es zu den sogenannten Pager-Explosionen im gesamten Libanon kam. Dabei wurde in den Batterien tausender von der Hisbollah genutzten Pager kleine aber hochexplosive Menge Sprengstoff aus Plastik versteckt, die nicht von herk\u00f6mmlichen Sprengstoffdetektoren erkannt wird, die beispielsweise an Flugh\u00e4fen genutzt werden. Im Vorfeld machten sich bei der Hisbollah vor allem Sicherheitsbedenken bez\u00fcglich der Abh\u00f6rsicherheit von Smartphones und Mobiltelefonen breit, da bereits einige ihrer Mitglieder Attentaten zum Opfer fielen, bei denen die Ortung \u00fcber Mobilfunkger\u00e4te eine entscheidende Rolle gespielt hat. Also entschieden sie sich zur Kommunikation auf Pager umzusteigen. Eine entsprechende Gegenma\u00dfnahme \u2013 die Pager-Attacke \u2013 wurde vom Mossad lange und akribisch geplant. Dazu hat der zionistische Geheimdienst eine Scheinfirma in Bulgarien gegr\u00fcndet, die eine Kooperation mit der renommierten taiwanesischen Firma Gold Apollo eingegangen ist, um die pr\u00e4parierten Pager unter dem bekannten Markennamen von Gold Apollo verkaufen zu k\u00f6nnen. Dazu wurden eigens ein Onlineshop, Foren mit Diskussionen und Bewertungen zu den Produkten und sogar YouTube-Videos mit Reviews zu den Pagern und Batterien aufgesetzt. Au\u00dferdem wurden die Pager zu einem sehr g\u00fcnstigen Preis angeboten. Die renommierte Marke, die vermeintliche Bekanntheit unter Fachkreisen in entsprechenden Foren und die fehlende N\u00e4he von Taiwan (oder Bulgarien) zu den Zionisten r\u00e4umten alle Zweifel bei der Hisbollah, welche die Pager sogar noch zu einem Sonderpreis erhielt, als sie f\u00fcr eine Gro\u00dfbestellung anfragten. Am 18. September \u2013 also einen Tag nach der Pager-Attacke \u2013 explodierten auch noch hunderte Walkie-Talkies, die vor allem im Gefechtsfeld zum Einsatz kommen. Diese trugen den Markennamen der japanischen Firma Icom, die diese jedoch seit 10 Jahren nicht mehr produziert und bereits in der Vergangenheit davor warnte, dass viele F\u00e4lschungen im Umlauf seien. S\u00e4mtliche Funk\u00fcbertragungsger\u00e4te werden in Japan hergestellt und entsprechen den internationalen Sicherheitsvorschriften f\u00fcr die Branche, so das Unternehmen. Au\u00dferdem w\u00fcrden keine Bauteile anderer Hersteller in ihren Produkten verwendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz aller Vorsichtsma\u00dfnahmen der Hisbollah konnte der Mossad auf diese Weise einen sensiblen Schlag landen, bei dem 37 Menschen get\u00f6tet und ca. 3000 weitere verletzt worden sind \u2013 darunter sogar Modschtaba Amani, der iranische Botschafter im Libanon. Zwar sind es nach wie vor die konventionellen Angriffe gewesen, die die gesamte F\u00fchrungsriege und auch Hassan Nasrallah selbst get\u00f6tet haben. Nichtsdestotrotz haben die Pager-Explosionen \u00fcber den milit\u00e4rischen Schaden hinaus einen massiven psychologischen Effekt erzielt. So waren z.B. Panikausbr\u00fcche die Folge, bei denen Menschen im Libanon sich allen technischen Ger\u00e4ten wie Smartphones, Fernsehern und sogar K\u00fchlschr\u00e4nken entledigen wollten. Verunsichert war jedoch vor allem die Hisbollah, die sich zwangsl\u00e4ufig fragen musste, wie stark der israelische Geheimdienst in die eigenen Strukturen eingedrungen ist und \u00fcber welche Informationen er noch verf\u00fcgt. Nachdem die Erz\u00e4hlung von der \u201est\u00e4rksten Armee des Nahen Ostens\u201c durch den 7. Oktober eigentlich schon begraben wurde, erschienen das zionistische Konstrukt und sein Nachrichtendienst nun wieder omnipr\u00e4sent und schier unbesiegbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pager-Attacke l\u00e4sst sich unterdessen eindeutig unter der Kategorie hybride Kriegsf\u00fchrung subsumieren. So beschreibt Oberst a. D. Ralph Thiele, Vorsitzender der Politisch-Milit\u00e4rischen Gesellschaft (PMG), die hybride Kriegsf\u00fchrung als <em>kreativen Akt der Gewalt, der ein breites Spektrum milit\u00e4rischer und nicht-milit\u00e4rischer Instrumente und Machtvektoren auf einem ausgedehnten, mehrere Bereiche umfassenden Schlachtfeld kombiniert<\/em>. [\u2026] <em>Von Terrorismus, Terror, Sabotage und Subversion bis hin zum Guerillakrieg, zur konventionellen Kriegsf\u00fchrung und sogar zum nuklearen Bereich k\u00f6nnen alle m\u00f6glichen Ebenen der vertikalen Eskalation einbezogen oder sogar kombiniert werden. <\/em>Das Vorgehen des Mossad war ohne Zweifel ein kreativer Akt der Gewalt, Sabotage und \u2013 der Einsch\u00e4tzung des ehemaligen CIA-Chefs Leon Panetta zufolge \u2013 eine Form von Terrorismus. Auch handelte es sich nicht um eine isolierte Aktion, sondern um einen Auftakt f\u00fcr jene konventionellen Angriffe, die eine umfassende Milit\u00e4roffensive gegen die Hisbollah einleiteten \u2013 die gezielten T\u00f6tungen von Ibrahim Aqil und Hassan Nasrallah sowie den Beginn der begrenzte Bodenoffensive im S\u00fcdlibanon. Unter Ber\u00fccksichtigung dieser Zusammenh\u00e4nge entspricht die Pager-Attacke exakt der Definition der RAND Corporation, der zu folge hybride Kriegsf\u00fchrung in der <em>Koordination und Kombination unterschiedlicher Kampfformen wie konventionelle Operationen <\/em>und<em> irregul\u00e4re Taktiken <\/em>bestehe, <em>die darauf abzielen, einen Gegner zu verwirren, zu schw\u00e4chen und zu destabilisieren, bevor es zu einer offenen milit\u00e4rischen Konfrontation kommt. <\/em>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vulnerabilit\u00e4t der Hisbollah liegt unterdessen darin begr\u00fcndet, dass es sich um eine Miliz mit begrenzten Ressourcen bzw. einen vom Iran abh\u00e4ngigen Proxy handelt. Im Gegensatz dazu w\u00fcrde sich das Kalifat bei milit\u00e4rischer und auch sonst sicherheitsrelevanter Ausr\u00fcstung niemals auf fremde Staaten verlassen, sondern die Produktion selbst in die Hand nehmen \u2013 seien es konventionelle Waffen, Raketen, Drohnen, Fahrzeuge, Kommunikationsmittel oder moderne Infrastrukturen und Technologien. Um selbst ein handlungsf\u00e4higer und potenter Akteur zu sein, bildet dies die absolute Grundvoraussetzung. Eine mangelnde Autarkie in diesen Bereichen bedeutet immer ein m\u00f6gliches Einfallstor f\u00fcr den Feind. Notwendig ist auch nicht ein begrenzter Einfluss, den beispielsweise der Iran oder die T\u00fcrkei auf Milizen in gescheiterten Staaten haben, sondern \u00fcberregionale Macht in wirtschaftlichen, politischen, milit\u00e4rischen und auch technologischen Dimensionen. Um diese Macht aufbauen zu k\u00f6nnen, muss erst die eigene Unabh\u00e4ngigkeit gefestigt sein. Und dies beginnt mit der Befreiung aus dem beschr\u00e4nkten Denken und Handeln, das sich aus der nationalstaatlichen Ordnung und den kolonialen Machtstrukturen im Nahen Osten ergibt. Erst wenn man von feindlichem Einfluss befreit ist, kann man die n\u00f6tigen Kapazit\u00e4ten aufbauen, um ausreichende Resilienzen und selbst M\u00f6glichkeiten der Einflussnahme zu schaffen. \u00dcber konventionelle Mittel hinaus, k\u00e4men dann auch M\u00f6glichkeiten der hybriden Kriegsf\u00fchrung in Frage. Erst durch die technischen M\u00f6glichkeiten, die ein politisch handlungsf\u00e4higer Industriestaat bietet, wird es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, solche Operationen durchzuf\u00fchren. Schlie\u00dflich m\u00fcssen entsprechende Technologien erst selbst entwickelt werden, um sie effektiv f\u00fcr solche Zwecke nutzen und entlang eigener Interessen einsetzen zu k\u00f6nnen. Ist eine Miliz oder ein Staat jedoch nicht einmal in der Lage, eigene Pager zu produzieren, ist das undenkbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">All dies verdeutlicht, dass die Hisbollah nur bedingt handlungsf\u00e4hig ist und selbst die beschr\u00e4nkten M\u00f6glichkeiten, \u00fcber die sie verf\u00fcgt, erh\u00e4lt sie gr\u00f6\u00dftenteils durch den Iran. Das Regime in Teheran nutzt die Hisbollah \u2013 gem\u00e4\u00df ihrer strukturellen Staat-Proxy-Beziehung \u2013 jedoch nur f\u00fcr seine eigenen Interessen und geht einer gr\u00f6\u00dferen Konfrontation mit dem zionistischen Konstrukt gezielt aus dem Weg. In letzter Konsequenz ist der Iran als territorial verfasster Nationalstaat selbst Teil der kolonialen Ordnung, die sich nur so lange h\u00e4lt, bis das Kalifat zur\u00fcckkehrt und die unnat\u00fcrlichen Staatskonstrukte im Nahen Osten abschafft \u2013 inklusive des zionistischen Besatzungsregimes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren h\u00f6rt man immer wieder von Hybrider Kriegsf\u00fchrung und auch im aktuellen Konflikt im Nahen Osten spielt diese Art der Kriegsf\u00fchrung eine Rolle. 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