{"id":16494,"date":"2025-01-28T00:05:00","date_gmt":"2025-01-27T23:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16494"},"modified":"2025-01-28T00:05:00","modified_gmt":"2025-01-27T23:05:00","slug":"israel-ein-konstrukt-westlicher-kolonialpolitik-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=16494","title":{"rendered":"\u201eIsrael\u201c \u2013 Ein Konstrukt westlicher Kolonialpolitik (Teil 3)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als am 22. Juli 1946 kurz vor zw\u00f6lf Uhr mittags ein Lastwagen am Jerusalemer King-David-Hotel eintraf, ahnte noch keiner der G\u00e4ste, dass es sich beim Inhalt der gelieferten Milchkannen um hochexplosiven Sprengstoff handelte, der binnen kurzer Zeit \u00fcber 90 Menschen in den Tod rei\u00dfen sollte. Der Terroranschlag sollte als der f\u00fcr Jahrzehnte schwerwiegendste Anschlag in Pal\u00e4stina in die Geschichte eingehen. Ziel der Terroristen waren die Briten, die im Luxushotel ganze Etagen mieteten, um von dort aus das <em>Mandatsgebiet<\/em> Pal\u00e4stina zu verwalten. Doch die Attent\u00e4ter waren keine Pal\u00e4stinenser, Araber oder Muslime, die sich an den Kolonialherren r\u00e4chen wollten. Die Attent\u00e4ter waren j\u00fcdische Zionisten, Mitglieder der verbotenen Terrororganisation <em>Irgun<\/em>. Kopf der Terrorbande war niemand geringeres als Menachem Begin, sp\u00e4terer <em>israelischer<\/em> Regierungschef und \u2013 als h\u00e4tte der Anschlag nie stattgefunden \u2013 Friedensnobelpreistr\u00e4ger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch was veranlasste die Zionisten zu diesem Anschlag gegen Gro\u00dfbritannien? Jene Macht, die ihnen Jahrzehnte zuvor die Besiedlung des Heiligen Landes zubilligte, ja gar unterst\u00fctzte? Jenes Gro\u00dfbritannien, das ihnen \u2013 noch bevor Jerusalem einverleibt wurde \u2013 im Jahre 1917 in der Balfour-Deklaration eine <em>nationale Heimst\u00e4tte<\/em> zugesichert hatte? Es wird einer gesamtgeschichtlichen Darstellung und Differenzierung nicht gerecht, die zionistischen Aggressionen gegen die britische Mandatsmacht auf einige wenige Ereignisse herunterzubrechen. Gleichwohl ist festzuhalten, dass der arabische Widerstand \u2013 samt seiner diplomatischen Bem\u00fchungen \u2013 insoweit Fr\u00fcchte getragen hatte, dass die Briten das Vorhandensein realer pal\u00e4stinensischer Bed\u00fcrfnisse und die beispiellose Aggression der Zionisten nicht mehr ignorieren konnten. Mehr noch, r\u00fcckten diese Bed\u00fcrfnisse immer weiter in den Vordergrund, ging doch die fantastische Vorstellung der vom Sozialdarwinismus gepr\u00e4gten Kolonialisten nicht auf, dass sich die Muslime binnen kurzer Zeit dem Kolonialplan vollends ergeben w\u00fcrden. Dabei war die Rechnung recht simpel: Kommen die <em>zur\u00fcckgebliebenen Araber<\/em>, die \u00fcber Generationen hinweg von <em>den T\u00fcrken<\/em> ignoriert wurden, erst einmal in den Genuss technologischen, infrastrukturellen und wirtschaftlichen Fortschritts, so w\u00fcrden die hilfebed\u00fcrftigen Muslime die Briten auf Knien darum anbetteln, kolonialisiert zu werden. In Wahrheit waren die Muslime und Christen \u2013 ja sogar die \u00fcber Generationen hinweg ans\u00e4ssigen osmanischen Juden \u2013 mit der vollen H\u00e4rte der kolonialen Hegemonie konfrontiert, die einen unkontrollierbaren Fl\u00e4chenbrand im gesamten Nahen Osten zur Folge hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwar gingen die Briten und Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg als Sieger hervor und schmiedeten bereits ein Jahr vor dessen Ende ihre kolonialen Teilungspl\u00e4ne in der islamischen Welt; doch wurden sie nicht \u2013 wie angenommen \u2013 Herr \u00fcber die Situation. W\u00e4hrend Frankreich seinen Einfluss gegen\u00fcber den Briten schnell r\u00e4umen musste, stand das <em>British Empire<\/em> vor einem Scherbenhaufen, der sich als zu gewaltig und zu komplex erwies. Kaum vom <em>Great War<\/em> erholt, waren Unmengen an weiteren Ressourcen vonn\u00f6ten, um die Lage in der kolonialisierten islamischen Welt in den Griff zu bekommen. Dabei stand die Zeit nicht auf der Seite der Briten: Mit der nationalsozialistischen Macht\u00fcbernahme Adolf Hitlers war es nur eine Frage der Zeit, bis die britische Regierung in einen neuen Weltkrieg gezerrt w\u00fcrde. Ein weiterer Aufstand in Pal\u00e4stina seitens der Muslime und die Verselbstst\u00e4ndigung der Zionisten bzw. ein damit einhergehender Kontrollverlust bildeten ein erschreckendes Szenario f\u00fcr die britischen Kolonialherren, die ohnehin Gefahr liefen, dass Pal\u00e4stina zu einem weiteren Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher bedurfte es eines entschlossenen Handelns im Heiligen Land, um die Pal\u00e4stina-Frage allm\u00e4hlich abzuschlie\u00dfen. Ein schwieriges \u2013 um nicht zu sagen unm\u00f6gliches \u2013 Unterfangen, waren die Briten doch wenig zimperlich, beiden Parteien (Zionisten wie Muslimen) eine Vielzahl von Versprechungen zu geben, um sie zu beschwichtigen. Dass diese Heilsversprechen nicht selten im Widerspruch zueinanderstanden, zeugt von der Unf\u00e4higkeit des europ\u00e4ischen Kolonialismus, eine neue und zugleich stabile Ordnung im Nahen Osten herzustellen \u2013 ein Faktum, das bis heute Millionen von Menschenleben gekostet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem es bereits in den 1920er Jahren zu Demonstrationen und Aufst\u00e4nden der arabischen Bev\u00f6lkerung gekommen war, spitzte sich der Widerstand gegen die Kolonialpolitik und die zunehmende zionistische Besiedlung Pal\u00e4stinas in den 1930er Jahren weiter zu. So f\u00fchrte die von Sheikh Izz ad-Din al-Qassam gegr\u00fcndete Gruppe <em>al-Kaf al-Aswad<\/em> (die schwarze Hand) zahlreiche Angriffe auf zionistische Siedlerstrukturen und britische Kolonialeinrichtungen durch. 1933 schickte al-Qassam einen Abgesandten zum Gro\u00dfmufti von Jerusalem Mohammad Amin al-Husseini und bat ihn um seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Aufstand gegen die Briten. Dieser lehnte jedoch ab und pl\u00e4dierte f\u00fcr eine politische L\u00f6sung. Unterst\u00fctzung erhielt Izz ad-Din al-Qassam bei diesem <em>Jihad<\/em> hingegen von Sheikh Taqi ad-Din an-Nabhani, der in der Scharia-Abteilung des pal\u00e4stinensischen Bildungsministeriums t\u00e4tig war. Am 20. November 1935 wurde al-Qassam in dem Dorf Sheikh Zaid in Dschenin nach einem Feuergefecht mit britischen Soldaten schlie\u00dflich get\u00f6tet. Dies trug zum Ausbruch des <em>Arabischen Aufstands <\/em>bei, der von 20.000 Soldaten der britischen Kolonialmacht und 15.000 K\u00e4mpfern zionistischer Terrorgruppen wie der <em>Haganah<\/em> und <em>Irgun<\/em> brutal niedergeschlagen wurde. Bei den K\u00e4mpfen wurden Sch\u00e4tzungen zufolge bis zu 5000 Araber, 300 Juden und 262 britische Soldaten und Polizisten get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der Niederschlagung des Aufstands, erzeugte dieser einen enormen Handlungsdruck auf die britische Kolonialmacht, die nun zusehends danach bestrebt war, ihre Kolonialinteressen mit Blick auf die von ihnen beherrschten <em>arabischen<\/em> Gebiete zu sch\u00fctzen. So galt es die von ihnen eingesetzten Herrschereliten in Transjordanien, Irak und \u00c4gypten zu stabilisieren und der Entstehung einer antikolonialen Bewegung in der Region vorzubeugen. Denn ein ausgedehnter Aufstand der Muslime h\u00e4tte die Kontrolle des Suezkanals als lebenswichtige Verbindung zwischen Gro\u00dfbritannien und dessen Kolonien im indischen Subkontinent gef\u00e4hrden, Transjordanien als wichtigen <em>Pufferstaat<\/em> destabilisieren und den Zugriff auf die strategischen \u00d6lfelder im Irak und Iran bedrohen k\u00f6nnen. Ferner galt es, die arabischen Kolonialgebiete vor einer potenziellen Einflussnahme durch das nationalsozialistische Deutschland und dem faschistischen Italien zu sch\u00fctzen. All diese Faktoren f\u00fchrten zu einem strategischen Umdenken der Briten. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit einem neuen Strategiepapier, dem MacDonald-Wei\u00dfbuch, im Mai 1939 erhoffte die von John Woodhead geleitete Untersuchungskommission den erw\u00fcnschten Durchbruch zu erzielen. So lautete die Kernaussage des Wei\u00dfbuchs: <em>Die Regierung Seiner Majest\u00e4t ist der \u00dcberzeugung, dass die Verfasser des Mandats, in das die Balfour-Erkl\u00e4rung aufgenommen wurde, nicht beabsichtigt haben k\u00f6nnen, Pal\u00e4stina gegen den Willen der arabischen Bev\u00f6lkerung des Landes in einen j\u00fcdischen Staat zu verwandeln.<\/em> Anders als die Balfour-Deklaration sollte das neue Wei\u00dfbuch konkreter sein \u2013 auch in Zahlen. So beschloss die Kolonialmacht, die j\u00fcdische Einwanderung drastisch einzuschr\u00e4nken: \u00dcber einen Zeitraum von f\u00fcnf Jahren sollte es nur noch 75 000 Juden m\u00f6glich sein, sich in Pal\u00e4stina anzusiedeln. Nach den f\u00fcnf Jahren durfte eine weitere j\u00fcdische Immigration ausschlie\u00dflich mit der Einwilligung der Araber stattfinden. Dar\u00fcber hinaus wurde der j\u00fcdische Landerwerb auf spezifische Regionen und unter Ausschluss der dicht besiedelten arabischen Gebiete beschr\u00e4nkt. Was f\u00fcr die Zionisten jedoch ein gr\u00f6\u00dferer Affront \u2013 unl\u00e4ngst sprach man von <em>Verrat<\/em> \u2013 war, war die Tatsache, dass in dem Kolonialgebiet <em>ein<\/em> Staat Pal\u00e4stina entstehen sollte, der von Juden und Arabern gemeinsam verwaltet und regiert werden sollte. Herzls Vision und die messianische Hoffnung der Zionisten auf einen <em>Judenstaat<\/em> schienen von heute auf morgen von der britischen Agenda verschwunden zu sein. Man m\u00f6ge sich fragen, wie dieses Wei\u00dfbuch mit dem Versprechen der Balfour-Deklaration zu vereinbaren war. F\u00fcr die Briten war die Antwort klar: Da sich \u00fcber Jahrzehnte fast eine halbe Million Juden in Pal\u00e4stina angesiedelt hatten, sei die Existenz <em>einer nationalen Heimst\u00e4tte f\u00fcr das j\u00fcdische Volk<\/em> erf\u00fcllt \u2013 auch in einem Staat Pal\u00e4stina.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenngleich sich das MacDonald-Wei\u00dfbuch auf den ersten Blick wie ein deutlicher Sieg f\u00fcr die Araber anf\u00fchlte \u2013 und nicht wenige arabische Nationalisten empfanden derart -, war es vor allem eines: ein Kompromiss und keine L\u00f6sung. Die Zionisten waren in Rage und der einst von den Briten auserkorene Gro\u00dfmufti al-Husseini zeigte sich ebenfalls nicht einverstanden. Das Wei\u00dfbuch ging schlie\u00dflich nicht weit genug; zu viel wurde den Muslimen bereits genommen, sodass ein <em>Kompromiss<\/em> dieser Art einer Niederlage gleichkam. Daher res\u00fcmierte die Historikerin Gudrun Kr\u00e4mer den Vorschlag der Briten wie folgt: <em>Alles in allem war das Wei\u00dfbuch ein Fehlschlag: Es emp\u00f6rte die Zionisten, ohne die Araber zufriedenzustellen. Beide wiesen es zur\u00fcck.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei waren es insbesondere die Zionisten, welche die Briten nun verbal und physisch attackierten. So erkl\u00e4rte Chaim Weizmann, der belarussische Zionist und erster Staatspr\u00e4sident <em>Israels<\/em>, dass die Briten kein Recht h\u00e4tten, den Juden zu verbieten, sich ohne die Erlaubnis der Araber weiter und unbegrenzt in Pal\u00e4stina anzusiedeln. Schlie\u00dflich, so Weizmann, waren die Briten ja auch nicht mit arabischer Zustimmung in Pal\u00e4stina. Das Ende der vermeintlich harmonischen und zuverl\u00e4ssigen Zusammenarbeit zwischen den britischen Kolonialherren und den Zionisten war besiegelt. Zu gro\u00df waren die Differenzen beider Parteien und zu \u00fcberfordert waren die Briten mit der komplexen Situation in Pal\u00e4stina. Doch im Angesicht eines gemeinsamen Feindes \u2013 dem nationalsozialistischen Deutschland und dem faschistischen Italien \u2013 war der Zeitpunkt f\u00fcr den vollst\u00e4ndigen Bruch noch nicht gekommen. Denn der Konflikt mit den Achsenm\u00e4chten drohte auf den Nahen Osten \u00fcberzugreifen und so kam es im Jahr 1940 dazu, dass die italienische Luftwaffe pal\u00e4stinensische St\u00e4dte bombardierte, darunter auch die Hafenstadt Haifa, welche die Briten zu einem strategisch wichtigen Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt machten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungewiss war zudem, wie sich die Araber \u2013 nicht nur in Pal\u00e4stina \u2013 w\u00e4hrend des Weltkrieges positionieren w\u00fcrden: Hielten sie der britischen Kolonialmacht die Treue, oder w\u00fcrden sie die Gelegenheit nutzen, um sich ihrer zu entledigen? Weder f\u00fcr Gro\u00dfbritannien noch f\u00fcr die Achsenm\u00e4chte war klar, auf welche Seite sich die arabischen F\u00fchrer schlagen w\u00fcrden, waren sich doch selbst die arabischen Nationalisten nicht einig, wie man sich nun positionieren sollte. Trotz dieser Unklarheit kam es zu gef\u00e4hrlichen Entwicklungen: So putschte im April 1941 der irakische Nationalist Rashid Ali al-Kailani den pro-britischen Premierminister Nuri al-Said aus dem Amt und suchte Unterst\u00fctzung bei Deutschland und Italien, um die britische Vorherrschaft zu brechen. Mithilfe des transjordanischen K\u00f6nigs Abdullah ibn Hussain gelang es Gro\u00dfbritannien jedoch den Aufstand niederzuschlagen und die Vasallenregierung von K\u00f6nig Faisal II. \u2013 dem Gro\u00dfneffen von Abdullah ibn Hussain \u2013 unter F\u00fchrung von Nuri al-Said wiederherzustellen. Dar\u00fcber hinaus kam es im November 1941 in Berlin zu dem Treffen zwischen Gro\u00dfmufti Amin al-Husseini und Adolf Hitler, was jedoch ohne strategische Folgen mit Blick auf das (fehlende) nationalsozialistische Engagement in Pal\u00e4stina blieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gefahr eines Sieges der Achsenm\u00e4chte und die Ungewissheit, ob die arabischen Staaten die Gunst der Stunde nutzen w\u00fcrden, bildete f\u00fcr die Zionisten zu jenem Zeitpunkt eine weitaus gr\u00f6\u00dfere Bedrohung als die Gefahr, dass die Briten ihr Versprechen aus der Balfour-Deklaration nicht einhalten w\u00fcrden. Vor diesem Hintergrund schlossen sich Juden zwar den britischen Streitkr\u00e4ften im Nahen Osten an, doch von einer Einheit konnte kaum die Rede sein. Der Russe David Ben-Gurion, der einige Jahre sp\u00e4ter als erster Ministerpr\u00e4sident den <em>israelischen<\/em> <em>Staat<\/em> ausrufen sollte, brachte die Zusammenarbeit mit Gro\u00dfbritannien folgenderma\u00dfen zum Ausdruck: <em>Wir werden gemeinsam mit England gegen Hitler k\u00e4mpfen, als ob es kein Wei\u00dfbuch g\u00e4be, und wir werden gegen das Wei\u00dfbuch k\u00e4mpfen, als ob es keinen Hitler g\u00e4be<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses ambivalente Verh\u00e4ltnis \u00e4u\u00dferte sich insbesondere in den Aktionen der zionistischen Terrororganisationen <em>Irgun<\/em> und <em>Haganah<\/em> (dt. Verteidigung) \u2013 die nach der Staatsgr\u00fcndung nahtlos in das <em>israelische<\/em> Milit\u00e4r integriert werden sollten \u2013 und ihren Anschl\u00e4gen auf britische Zivil- und Milit\u00e4reinrichtungen. Das Feindbild der j\u00fcdischen Invasoren verschob sich nun zunehmend: <em>Araber spielten in dieser Phase als Feind und Opfer allenfalls eine Nebenrolle. Nicht sie standen der sofortigen Schaffung eines j\u00fcdischen Staats im Wege, sondern die Briten<\/em>, so Kr\u00e4mer. Der Historiker und Journalist Ralf Balke fasste die Haltung der Zionisten wie folgt zusammen: <em>Das vor Kriegsausbruch von London beschlossene Wei\u00dfbuch hatte die Basis einer britisch-zionistischen Zusammenarbeit nachhaltig zerst\u00f6rt [\u2026]. David Ben Gurion und Chaim Weizmann beschlossen, eine Politik auf den Weg zu bringen, die das Wei\u00dfbuch ignorieren sollte [\u2026]. Damit kristallisierte sich im Jischuv eine v\u00f6llig neue Position heraus, n\u00e4mlich, dass das britische Mandat fortan nicht mehr w\u00fcnschenswert war.<\/em> Aus dieser Haltung heraus setzten die Zionisten die Einwanderung in Pal\u00e4stina fort, ungeachtet der Tatsache, dass diese nun f\u00fcr illegal erkl\u00e4rt wurde. Die Briten antworteten mit verst\u00e4rkten Kontrollen, der Abweisung von andockenden Fl\u00fcchtlingsschiffen und mit Verhaftungen. Die politischen Spannungen nahmen stetig zu und so sank im Jahre 1941 das Dampfschiff <em>Struma<\/em> samt seiner 769 j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlinge, weil die Kolonialmacht eine Landung in Pal\u00e4stina verhinderte. Auf dieses Verhalten reagierten die Zionisten wiederum mit Gewalt und Terror. Ein Jahr zuvor veranlassten die Briten, 3600 j\u00fcdische Fl\u00fcchtlinge wieder abzuschieben und luden sie auf das Schiff <em>Patria<\/em>. Die terroristische Untergrundorganisation <em>Haganah<\/em> platzierte eine Bombe an dem Schiff, um die Abschiebung zu verhindern. Die Folge war das Kentern des Schiffes und der Tod von 200 Fl\u00fcchtlingen \u2013 einen Preis, den die gewaltbereiten Zionisten zu zahlen bereit waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den H\u00f6hepunkt der zionistisch-britischen Auseinandersetzung bildeten die Jahre 1946 und 1947. So f\u00fchrte die <em>Irgun<\/em> unter F\u00fchrung Menachem Begins im Juli 1946 den Terroranschlag auf das Hauptquartier der britischen Mandatsverwaltung im King-David-Hotel durch und im Juli 1947 kam es zur sogenannten <em>Exodus-Aff\u00e4re<\/em>. Als sich das von der <em>Haganah<\/em> betriebene Schiff <em>Exodus<\/em> samt 4500 KZ-\u00dcberlebenden von Marseille in Richtung Pal\u00e4stina bewegte, beobachteten die Briten das Schiff \u00fcber mehrere Tage und enterten dieses in einer spektakul\u00e4ren Aktion, bei der einige Passagiere starben. Der internationale Image-Schaden f\u00fcr Gro\u00dfbritannien war nicht nur auf die Tatsache zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass es sich bei den Insassen um KZ-\u00dcberlebende handelte, sondern auch darauf, dass die Briten das Schiff ausgerechnet wieder zur\u00fcck nach Deutschland schickten. W\u00e4hrend die Aufregung der internationalen Gemeinschaft gro\u00df war, war jedoch kein einziger Staat bereit, die <em>Displaced Persons<\/em> \u2013 jene zumeist j\u00fcdischen KZ-\u00dcberlebenden \u2013 aufzunehmen; allen voran die USA, Kanada und Australien, die weiterhin an ihren restriktiven Einwanderungspolitiken festhielten. Doch war die Causa <em>Exodus<\/em> von enormer emotionaler Tragweite, sodass der internationale Druck auf Gro\u00dfbritannien immer weiter zunahm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zionisten haben indes im Vorfeld daf\u00fcr gesorgt, die Unterst\u00fctzung einer neuen Kolonialmacht und so neue Verb\u00fcndete f\u00fcr ihre Pl\u00e4ne zu gewinnen. Weitsichtig erkannten auch sie, dass Gro\u00dfbritannien in Zukunft nicht mehr die Z\u00fcgel in der Hand halten und die politische Neuordnung des Nahen Ostens woanders bestimmt w\u00fcrde: <em>Angesichts der Konflikte mit den Briten richteten die F\u00fchrer des Jischuv zugleich den Blick auf andere potentielle Helfer und fanden sie in den USA<\/em>, so Kr\u00e4mer. Daher bereiteten sich die zionistischen Entscheidungstr\u00e4ger fr\u00fch darauf vor, ihren Einfluss in der US-amerikanischen Nahostpolitik geltend zu machen. Dies gelang durch <em>die Ausweitung zionistischer Verb\u00e4nde in den USA; eine intensive und sehr erfolgreiche Werbe- und Spendenkampagne, die noch mehr Echo fand, als gegen Ende 1942 die ersten Nachrichten von der Judenvernichtung im okkupierten Europa nach au\u00dfen drangen; die systematische Lobbyarbeit unter amerikanischen Politikern bis hin zum Pr\u00e4sidenten; die Gr\u00fcndung prozionistischer christlicher Organisationen, die sich in der Tradition der Philosemiten des 19. Jahrhunderts f\u00fcr die R\u00fcckf\u00fchrung des Volkes Israel in das Land seiner V\u00e4ter einsetzten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die britische Regierung hingegen wurde sich zunehmend \u00fcber die schwierige Lage und der Herausforderung, ihre Kolonialinteressen durch stringente politische Ma\u00dfnahmen zu bewahren, bewusst. So \u00e4u\u00dferte sich das britische Au\u00dfenministerium zu der entgleisten Situation im Nahen Osten: <em>M\u00f6glicherweise stehen wir bald vor der Wahl, die j\u00fcdische Weltmeinung gegen uns aufzubringen oder Schwierigkeiten mit den Arabern zu bekommen.<\/em> Zudem sollte sich die Kolonialmacht ausgiebig mit der Frage besch\u00e4ftigen, inwiefern das Fortf\u00fchren des Mandats in Pal\u00e4stina f\u00fcr sie noch zukunftstr\u00e4chtig ist. Hierzu f\u00fchrt Balke aus: <em>Kurzum, Gro\u00dfbritannien war nicht mehr Herr der Lage in Pal\u00e4stina. Die Kosten der Stationierung von immer mehr Truppen vor Ort stiegen in astronomische H\u00f6hen. Hinzu kam, dass das Land infolge der Unabh\u00e4ngigkeit Indiens nicht mehr die gleiche strategische Bedeutung hatte wie zuvor.<\/em> Am 30. M\u00e4rz 1947 verk\u00fcndete der britische Au\u00dfenminister Ernest Bevin schlussendlich: <em>Wir sind an einem Punkt angelangt, wo die Mandatsherrschaft nicht weiter andauern kann<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit wurde der Weg geebnet, die Pal\u00e4stina-Frage der internationalen Gemeinschaft vorzulegen. Die Briten verk\u00fcndeten, sich aus eventuellen Teilungspl\u00e4nen herauszuhalten und die UN-Versammlung bestimmen zu lassen, wie mit dem Heiligen Land verfahren werden solle. Federf\u00fchrend sollte es nun die US-Regierung sein, die als neuer Hegemon die kolonialen Geschicke im Nahen Osten leiten w\u00fcrde. In dem Buch <em>Politische Konzeptionen von Hizb ut-Tahrir<\/em> hei\u00dft es hierzu: <em>Mit dem Auftreten der Judenfrage in Pal\u00e4stina entschieden sich die USA f\u00fcr die dortige Errichtung eines j\u00fcdischen Staates, um ihn als Instrument zur Kolonialisierung der Region einzusetzen. Gro\u00dfbritannien hatte bez\u00fcglich der Errichtung eines j\u00fcdischen Staates noch keine Entscheidung getroffen. Es schwankte darin, ob aus Pal\u00e4stina ein Staatsgebilde unter j\u00fcdischer Kontrolle oder explizit ein j\u00fcdischer Staat werden sollte. Es hatte vor, das Ganze in Einklang mit seiner Kolonialisierung der \u00fcbrigen arabischen Staaten zu bringen. Deswegen traf es diesbez\u00fcglich keine definitive Entscheidung, sondern reichte die Angelegenheit an die UNO weiter. Nachdem die UNO durch Einwirkung der USA die Errichtung eines j\u00fcdischen Staates beschloss, nahm Gro\u00dfbritannien dies stillschweigend hin und lie\u00df die Zeit dar\u00fcber entscheiden, ob die Region die Existenz eines j\u00fcdischen Staates inmitten der Muslime verdauen kann oder der islamische K\u00f6rper ihn absto\u00dfen wird. Und so beruhte die britische Politik gegen\u00fcber dem j\u00fcdischen Staat auf das Abwarten wie sich die Angelegenheit mit der Zeit entwickelt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies f\u00fchrte zu jenem verh\u00e4ngnisvollen Tag des 27. November 1947, bei dem 33 der 56 UN-Staaten f\u00fcr die Teilung Pal\u00e4stinas in einen arabisch-muslimischen und einen j\u00fcdischen Teil stimmten und somit den Zionisten die Errichtung eines <em>Judenstaates<\/em> erm\u00f6glichten. W\u00e4hrend sich Gro\u00dfbritannien bei der Abstimmung zur Resolution 181 enthielt, unterst\u00fctzte die US-Regierung unter Pr\u00e4sident Truman den Teilungsplan explizit und erkannte den zionistischen Staat nur 11 Minuten nach dessen Ausrufung am 14. Mai 1948 an. Ungeachtet dessen konnte nicht die Rede davon sein, dass die Entscheidung, einen <em>Judenstaat<\/em> entstehen zu lassen, einstimmig getroffen wurde. Hochrangige US-Diplomaten und CIA-Beamte \u00e4u\u00dferten ihre Bedenken. Und einige von ihnen sollten mit ihrer Einsch\u00e4tzung \u2013 wie sich dieser Tage erneut zeigt \u2013 recht behalten. So sagte General George Marshall: <em>W\u00fcrden wir die Gr\u00fcndung eines j\u00fcdischen Staates in Pal\u00e4stina unterst\u00fctzen, so w\u00fcrden wir damit in Wirklichkeit die extremen Ziele des politischen Zionismus zum Nachteil der globalen Sicherheitsinteressen der USA unterst\u00fctzen. <\/em>\u00c4hnlich kritisch \u00e4u\u00dferte sich der Botschafter und damalige Abteilungsdirektor f\u00fcr den Nahen Osten im US-Au\u00dfenministerium Loy Henderson, der vorhersah, dass eine Teilung Pal\u00e4stinas <em>zuk\u00fcnftig zu unvorhersehbaren Problemen f\u00fchren<\/em> werde und dass die USA <em>Prestigeeinbu\u00dfen in der arabischen Welt erleiden<\/em> w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Clark Clifford, Rechtsberater des US-Pr\u00e4sidenten Truman, das Wei\u00dfe Haus mit dem Argument \u00fcberzeugen wollte, dass der zionistische Staat ohnehin bereits Realit\u00e4t sei und dass man \u2013 den anbahnenden Kalten Krieg vor Augen \u2013 den Staat <em>Israel<\/em> nun anerkennen m\u00fcsse, noch bevor es die Sowjetunion t\u00e4te, sah man insbesondere in den Terroraktionen der <em>Haganah<\/em> noch ein Risiko, dass den eigenen Interessen zuwiderlaufen k\u00f6nnte. So sahen die Zionisten durch den herannahenden Abzug der britischen Truppen einen Freibrief, die arabisch-muslimische Bev\u00f6lkerung in Pal\u00e4stina nun vollends zu vertreiben, was wiederum ein enormes Sicherheitsrisiko im Nahen Osten darstellte. Robert McClintock, damals Mitglied der US-Delegation bei den Vereinten Nationen, gab zu verstehen, dass der Sicherheitsrat sich wohl bald mit der Frage befassen m\u00fcsse, <em>ob die j\u00fcdischen bewaffneten Aktionen gegen arabische Gemeinschaften in Pal\u00e4stina legitim sind oder ob sie die internationale Friedens- und Sicherheitsordnung so sehr gef\u00e4hrden, dass der Sicherheitsrat Zwangsma\u00dfnahmen ergreifen muss.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der darauffolgenden <em>Nakba<\/em> offenbaren die hier formulierten Bedenken das eigentliche Kalk\u00fcl der USA, welches im Kern in der Festigung seiner hegemonialen Position im Nahen Osten bestand. So bot der zionistische Staat die M\u00f6glichkeit, einen strategischen Ankerpunkt f\u00fcr die USA zu bilden, um die eigene Vormachtstellung im Nahen Osten strategisch abzusichern und ein Eindringen der Sowjet-Union zu verhindern. Dass man hierf\u00fcr auch bereit war, den Einfluss der ehemaligen Kolonialm\u00e4chte Gro\u00dfbritannien und Frankreich zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, zeigte sp\u00e4testens die US-Unterst\u00fctzung f\u00fcr Husni az-Za\u2019im, der im Jahre 1949 gegen den pro-britischen Ministerpr\u00e4sidenten Shukri al-Quwatli putschte. Bei der Planung und Durchf\u00fchrung des Staatsstreichs spielte die nur zwei Jahre zuvor gegr\u00fcndete <em>Central Intelligence Agency (CIA)<\/em> eine zentrale Rolle. Insbesondere der US-amerikanische Milit\u00e4rattach\u00e9 Stephen J. Meade und CIA-Stationschef in Damaskus Miles Copeland Jr. waren wesentliche Akteure, die mit ihrer verdeckten Aktion eine \u00c4ra der Milit\u00e4rputsche im Nahen Osten einleiteten. &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die Jahre setzten sich die USA letztlich als neuer und einziger Hegemon in Pal\u00e4stina und der Region durch, w\u00e4hrend der britische Einfluss immer mehr in den Hintergrund r\u00fcckte. Und es ist dieser Hegemon, der die genozidale Politik des kolonialen Konstrukts bis zum heutigen Tag erm\u00f6glicht. Der tollw\u00fctige Hund <em>Israel<\/em> scheint hierbei keine Grenzen zu kennen, sollte sich aber stets dar\u00fcber im Klaren sein, dass seine Existenz und sein Fortbestehen nicht in den eigenen H\u00e4nden liegen. Der Tag, an dem die Unterst\u00fctzung seiner Kolonialherren in Washington schwindet, wird den Beginn seines Untergangs und die \u00dcberwindung der kolonialen Ordnung im Nahen Osten markieren. Denn aus eigener Kraft sind die Zionisten nicht einmal in der Lage, das von der Welt abgeschnittene Gaza zu besiegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00fcberm\u00e4chtig erscheinenden Zionisten und ihr Staat sind nichts weiter als ein Konstrukt westlicher Kolonialpolitik. 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