{"id":9564,"date":"2014-12-17T00:00:00","date_gmt":"2014-12-16T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9564"},"modified":"2014-12-17T00:00:00","modified_gmt":"2014-12-16T23:00:00","slug":"aus-der-sprachwissenschaft-formulierungsformen-fuer-pflichten-im-islam-am-beispiel-des-kalifats","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9564","title":{"rendered":"Aus der Sprachwissenschaft: Formulierungsformen f\u00fcr Pflichten im Islam am Beispiel des Kalifats"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betrachtet man die Art und Weise, wie Allah (s.w.t.) Seine Befehle und Verbote im Qur\u2019an zum Ausdruck bringt, so wird ersichtlich, dass eine grammatikalische Unterschiedlichkeit vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn jemand etwas befiehlt oder anordnet, wird dies in den meisten F\u00e4llen mit dem Imperativ (lateinisch: imperare \u2013 befehlen) ausgedr\u00fcckt. Die bekannte Form des Imperativs ist die, bei der kein Personalpronomen verwendet wird und die Aufforderung klar zu erkennen ist. Beispielsweise w\u00fcrde man bei der Aufforderung an eine Person, sich zu entfernen, sagen: <em>&#8222;Geh!&#8220;<\/em> oder <em>&#8222;Entferne dich!&#8220;<\/em>. Im Qur\u2018an gibt es hierf\u00fcr zahlreiche Beispiele. So befiehlt Der Erhabene:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zentriert wp-block-paragraph\"><b>&#8222;Und verrichtet das Gebet, und entrichtet die Zakat und verbeugt euch (im Gebet) mit den sich Verbeugenden!&#8220; (Sura Al-Baqara 2, Aya 43)<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiterhin sagt Er:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zentriert wp-block-paragraph\"><b>&#8222;Dem Dieb und der Diebin schneidet die H\u00e4nde ab, als Vergeltung f\u00fcr das, was sie begangen haben und als abschreckende Strafe von Allah. Und Allah ist Allm\u00e4chtig, Allweise!&#8220; (Sura Al-Ma\u2019ida 5, Aya 38)<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dfer dem Imperativ existieren aber noch andere Formen, um Befehle auszusprechen. Diese finden im Qur\u2019an reichlich Anwendung. So gibt es die M\u00f6glichkeit, Gebote bzw. Verbote im Indikativ zu formulieren, wie zum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zentriert wp-block-paragraph\"><b>&#8222;[\u2026] Und Allah hat den Handel erlaubt und das Zinsnehmen verboten [\u2026]!&#8220; (Sura Al-Baqara 2, Aya 275),<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">oder auch:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zentriert wp-block-paragraph\"><b>&#8222;Verboten wurde euch das Verendete, das Blut und das Schweinefleisch und das, wor\u00fcber etwas anderes als der Name Allahs angerufen wurde. [\u2026]!<em><strong>&#8220; <\/strong><\/em>(Sura Al-Ma\u2019ida 5, Aya 3)<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Formulierungsform von Geboten sticht besonders hervor und gilt im islamischen Recht als besonders wichtig. Es handelt sich hierbei um eine Aufforderungsform, die rein grammatikalisch die Negierung einer Tat im Futur I darstellt. Es ist dies die Beschreibung einer Sache als ein Faktum, das auch in Zukunft G\u00fcltigkeit hat. So hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zentriert wp-block-paragraph\"><b>&#8222;[&#8230;] Und Allah wird niemals den Ungl\u00e4ubigen die Oberhand \u00fcber die Gl\u00e4ubigen geben!&#8220; (Sura An-Nisa\u2018a 4, Aya 141)<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei n\u00e4herer Betrachtung wird jedoch klar, dass der Vers einen Zustand beschreibt, der niemals eintreten darf: Mit der Negierung des im Vers Beschriebenen, dr\u00fcckt Allah (s.w.t.) das absolute Verbot aus, diesen Zustand, in dem die Ungl\u00e4ubigen die Oberhand \u00fcber die Gl\u00e4ubigen inne haben, zuzulassen. Anders ausgedr\u00fcckt haben wir Muslime die Pflicht, in einem permanenten Zustand der Souver\u00e4nit\u00e4t zu leben und diesen nicht abhanden kommen zu lassen.<br>Dies kann mit der Anordnung eines Vaters an seinen Sohn verglichen werden. Wenn der Vater beispielsweise nicht m\u00f6chte, dass sich sein Sohn nach 22 Uhr noch drau\u00dfen befindet, kann er ihm entweder im g\u00e4ngigen Imperativ sagen:<br>&#8222;Sei sp\u00e4testens um 22 Uhr zuhause!\u201c<br>oder aber als Tatsache beschreibend:<br><b>&#8222;Du bist nach 22 Uhr nicht mehr drau\u00dfen!&#8220;<\/b><br>Hierbei handelt es sich um ein grammatikalisch-stilistisches Mittel, um seinem Willen noch mehr Geltung zu verleihen. Denn wenn der Sohn sich bei der ersten Aufforderung nicht an die Anordnung seines Vaters h\u00e4lt, ist es lediglich die Missachtung des Befehls.<br>Bei der \u00dcbertretung der zweiten Aufforderungsform hat der Sohn allerdings nicht nur den Befehl seines Vaters missachtet, sondern gleichzeitig seine Autorit\u00e4t in Frage gestellt bzw. gar seine Person blo\u00dfgestellt, da der Vater einen Zustand als ein Faktum beschreibt (<em>&#8222;Du bist nach 22 Uhr nicht mehr drau\u00dfen!&#8220;<\/em>) und der Sohn dem von ihm beschriebenen Faktum widerspricht.<br>H\u00e4tte der Vater mit Selbstsicherheit einem Bekannten erz\u00e4hlt:<br><b>&#8222;Mein Sohn kommt nie nach 22 Uhr nach Hause!&#8220;,<\/b><br>und dieser k\u00e4me erst sp\u00e4ter zur\u00fcck, w\u00fcrde dies dazu f\u00fchren, dass er die Anordnung seines Vaters missachtet und ihn dar\u00fcber hinaus noch vor seinem Bekannten blo\u00dfgestellt h\u00e4tte.<br>In diesem Kontext muss der zitierte Vers:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zentriert wp-block-paragraph\"><b>&#8222;[&#8230;] Und Allah wird niemals den Ungl\u00e4ubigen die Oberhand \u00fcber die Gl\u00e4ubigen geben!&#8220;<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">als zwingende Anordnung verstanden werden, dass Nichtmuslime \u00fcber Muslime keine Art von Macht aus\u00fcben d\u00fcrfen bzw. die Muslime daf\u00fcr sorgen m\u00fcssen, dass dieser Zustand nicht eintritt. Denn ansonsten w\u00fcrde nicht nur die Anordnung Allahs (s.w.t.) missachtet, sondern auch Seine Autorit\u00e4t in Frage gestellt werden, was an S\u00fcndhaftigkeit gravierender nicht sein kann. Der Partikel \u2018niemals\u2018 verleiht dem Ganzen Nachdruck.<br>Ferner zeigen auch die folgenden Verse bei eingehender Betrachtung, was f\u00fcr eine gewaltige S\u00fcnde es darstellt, wenn der Muslim sich nicht daf\u00fcr einsetzt, einen von Allah (s.w.t.) als Faktum erkl\u00e4rten Zustand ins Leben zu rufen. So sagt Allah (s.w.t.):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zentriert wp-block-paragraph\"><b>&#8222;Sie wollen Allahs Licht (den Islam) mit ihrem Gerede (ihrer Propaganda) ausl\u00f6schen. Allah aber will Sein Licht vollenden, auch wenn es den Ungl\u00e4ubigen zuwider ist. Er ist es, der Seinen Gesandten mit der Rechtleitung und dem Din (Lebensordnung) der Wahrheit entsandt hat, um ihn (den Islam) \u00fcber jeden anderen Din zu erheben, auch wenn es den G\u00f6tzendienern zuwider ist!&#8220; (Sura As-Saff 61, Ayat 8-9)<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allah (s.w.t.) teilt uns in diesen Versen mit, dass die Herrschaft des Islam \u2013 das Rechtgeleitete Kalifat \u2013 nicht nur existieren, sondern sich auch gegen jede andere Herrschaftsform durchsetzen wird. Allah (s.w.t.) stellt dies als eine Tatsache dar, die heute jedoch nirgends auf der Welt vorzufinden ist. Faktum ist vielmehr, dass der Islam in seiner Gesamtheit gegenw\u00e4rtig in keinem islamisch gepr\u00e4gten Land die Herrschaft inne hat. Die Abwesenheit der Herrschaft des Islam stellt somit eine der gr\u00f6\u00dften S\u00fcnden dar, entsprechend der Art und Weise, auf die Allah (s.w.t.) uns Muslime zum Vorhandensein und Erhalt der islamischen Herrschaft verpflichtet. In den darauf folgenden Versen hei\u00dft es n\u00e4mlich:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zentriert wp-block-paragraph\"><b>&#8222;O ihr, die ihr Iman habt, soll Ich euch (den Weg) zu einem Handel weisen, der euch vor einer qualvollen Strafe retten wird? Ihr sollt an Allah und an Seinen Gesandten glauben und f\u00fcr Allahs Sache mit eurem Gut und eurem Blut eifrig k\u00e4mpfen. Das ist besser f\u00fcr euch, wenn ihr es nur w\u00fcsstet.&#8220; (Sura As-Saff 61, Ayat 10-11)<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier deutet Allah (s.w.t.) darauf hin, dass der von Ihm zuvor beschriebene Zustand von uns Muslimen unterst\u00fctzt und aufrecht erhalten werden muss. Denn Er beschreibt in den Versen zuerst, wie der Islam die Herrschaft auf Erden erlangen wird, um darauf folgend die rhetorische Frage zu stellen, ob Er uns den Weg zu einem Handel weisen soll, der uns vor einer qualvollen Strafe erretten und zu den Erlauchten geh\u00f6ren lassen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zentriert wp-block-paragraph\"><b>&#8222;Er wird euch eure S\u00fcnden vergeben und euch in G\u00e4rten f\u00fchren, durcheilt von B\u00e4chen, und in sch\u00f6ne Wohnungen in den G\u00e4rten Edens. Dies ist die gro\u00dfe Gl\u00fcckseligkeit.&#8220; (Sura As-Saff 61, Aya 12),<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">und als ob das nicht reichen w\u00fcrde, verspricht uns Allah (s.w.t.) nicht nur den Erfolg im Jenseits, sondern auch den Sieg im Diesseits:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zentriert wp-block-paragraph\"><b>&#8222;Und noch etwas anderes, das ihr liebt, (wird euch zuteil sein): Hilfe von Allah und ein naher Sieg. Und so verk\u00fcnde den Gl\u00e4ubigen die frohe Botschaft.&#8220; (Sura As-Saff 61, Aya 13)<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies hat Der Erhabene jedoch an eine Bedingung gekn\u00fcpft: Wir m\u00fcssen uns an Seinen Gesetzen festklammern und uns mit Aufrichtigkeit f\u00fcr Seine Sache einsetzen, gem\u00e4\u00df der Vorgehensweise des Propheten Muhammad (s.a.s.).<br>Gegenw\u00e4rtig vollzieht sich in der islamischen Welt ein Sinneswandel, der immer mehr Einzug unter die Massen findet. Die Idee der Vereinigung der islamischen Welt unter der Herrschaft des Islam scheint heute nicht blo\u00df die Utopie einiger Idealisten zu sein, sondern r\u00fcckt immer mehr ins Blickfeld der Massen. F\u00fcr dieses Ziel der Emporhebung des Islam lohnt es sich wahrlich, sich mit seinem Hab und Gut einzusetzen. Allah (s.w.t.) hat unseren Einsatz nicht n\u00f6tig. Vielmehr ist kann uns die Ehre zuteil werden, uns an Seinem Siegeszug zu beteiligen und noch im Diesseits Zeugen hiervon zu werden.<br>Jede Epoche hat ihre besonderen Ereignisse zu verzeichnen. So gab es die Zeit der Prophetengef\u00e4hrten und den Aufbau des ersten islamischen Staates, die Zeit der Er\u00f6ffnungen von L\u00e4ndern f\u00fcr den Islam, die Zeit der gro\u00dfen Rechtsgelehrten, die Zeit der Kreuzfahrer und der Befreiung Jerusalems. Nun ist die Zeit der Wiedererrichtung des Kalifats gekommen. Diese Aufgabe ist von uns als gro\u00dfe Chance zu sehen. Als Chance dem Weg jener zu folgen, die in der Fr\u00fchzeit des Islam diese Aufgabe erf\u00fcllt und uns mit ihrem Einsatz das beste Vorbild gegeben haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Betrachtet man die Art und Weise, wie Allah (s.w.t.) 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