{"id":9572,"date":"2014-12-04T00:00:00","date_gmt":"2014-12-04T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9572"},"modified":"2014-12-04T00:00:00","modified_gmt":"2014-12-04T00:00:00","slug":"offener-brief-an-wolfgang-bosbach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9572","title":{"rendered":"Offener Brief an Wolfgang Bosbach"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sehr geehrter Herr Bosbach,<br>in den letzten zwei Jahren machen Sie unerm\u00fcdlich Front gegen die hier lebenden Muslime, verfassen Schriftst\u00fccke, geben Interviews und lassen in Talkrunden ihren populistischen Tiraden freien Lauf. Dabei geben Sie sich mal als Apologet der freiheitlich-demokratischen (Un)Ordnung und mal als H\u00fcter der christlich-j\u00fcdischen Tradition Europas. In diesen Rollen warnen Sie regelm\u00e4\u00dfig vor apokalyptischen Reitern aus dem Orient, die Ihrer Darstellung zufolge die westlichen Werte zu vernichten drohen. In Ihren Ausf\u00fchrungen zeichnen Sie das Bild von einer Demokratie, die zwar vorgibt, wehrhaft zu sein, in ihrem Kampf gegen den \u201eradikalen Islam\u201c jedoch wie das Kaninchen vor der Schlange in einer verh\u00e4ngnisvollen Paralyse verharrt. Als Ehrensenator der D\u00fcsseldorfer Karnevalsgesellschaft \u201eWeissfr\u00e4cke\u201c verstehen Sie es, ihre Hetze als publikumswirksame Volksbel\u00fcstigung zu verpacken und das deutsche Volk auf diese Weise auf den Kampf gegen den Islam einzustimmen. Ihre karnevalistische Ader ist besonders durch ihre albernen Kommentare bez\u00fcglich der Aktion \u201eScharia-Police\u201c zum Tragen gekommen. So behaupteten Sie in Ihrem Interview mit der <em>Passauer Presse<\/em>, dass es sich bei diesem Unterfangen um eine gezielte Provokation des Rechtsstaates handelte und unterstellten den Beteiligten einen offenkundigen Versto\u00df gegen die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung. Weiter emp\u00f6rten Sie sich \u00fcber den angeblichen Versuch, durch uniformiertes Auftreten eine im krassen Gegensatz zur Verfassung der BRD stehende Rechtsordnung durchzusetzen. In dem am 12.09.2014 auf Ihrer Website ver\u00f6ffentlichten Artikel gingen Sie noch einen Schritt weiter und bezeichneten genau wie ihr Parteigenosse de Maizi\u00e8re die Aktion wider besseren Wissens als \u201eScharia-<strong>Polizei<\/strong>\u201c, mit der Absicht, den Eindruck einer in Deutschland strafbaren Amtsanma\u00dfung zu erwecken. Zu unserem Erstaunen erdreisteten Sie sich zudem die Aufforderung auszusprechen <em>\u201ewer hier anderer Auffassung ist, m\u00f6ge bitte einmal im Detail erkl\u00e4ren, warum er eine derartige Vorgehensweise f\u00fcr rechtskonform h\u00e4lt\u201c<\/em>. Jetzt mal im Ernst Herr Bosbach, ist Ihnen als ausgebildeter Jurist die Unschuldsvermutung eigentlich ein Begriff? Aus welchem Grund sollte Ihnen oder Ihren Gesinnungsgenossen irgendjemand im Detail erkl\u00e4ren m\u00fcssen, weswegen sich die beteiligten Personen nicht strafbar gemacht haben? Wenn Sie und Ihre Kollegen tats\u00e4chlich der Meinung sind, dass durch die besagte Aktion eine Amtsanma\u00dfung vorliegt, das Gewaltmonopol des Staates verletzt und die Exekutive untergraben wird, dann fragen wir uns warum von Ihnen keine Anzeige eingegangen ist. Liegt das an Ihrem mangelnden Vertrauen in die deutsche Justiz oder wissen Sie um die Haltlosigkeit Ihrer intriganten Argumente? Vielleicht liegt es aber auch daran, dass rechtlich \u00e4quivalente Aktionen bisher v\u00f6llig unproblematisch waren. Oder etwa nicht? Haben Sie schon einmal etwas von der \u201ePromille-Polizei\u201c geh\u00f6rt? Es handelt sich dabei um uniformierte Freiwillige, die mit einem Promillemessger\u00e4t bewaffnet durch die Partymeilen deutscher Innenst\u00e4dte ziehen und unbeschwerten Leuten Alkoholtests nahelegen. Bei positivem Ergebnis folgt die eindringliche Belehrung der selbsternannten Ordnungsh\u00fcter, die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen und den eigenen PKW stehen zu lassen. So Herr Bosbach, Ihrer eigenwilligen Beweislastumkehr folgend, m\u00f6gen Sie uns bitte einmal im Detail erkl\u00e4ren, warum Sie eine derartige Vorgehensweise f\u00fcr rechtskonform halten. Wir sind ganz Ohr! Und weil wir so aufmerksame Zuh\u00f6rer sind, ist uns auch Ihr Interview im Info-Radio nicht entgangen, in dem Sie die Glaubensgenossenschaft der \u201eScharia-Police\u201c und der IS ausdr\u00fccklich betonten. Einer Organisation also, die wie Sie sagen, vernichtet werden m\u00fcsse, da sie nur die Sprache der Gewalt verstehe! Was m\u00f6chten Sie uns, den \u00fcbrigen muslimischen Glaubensgenossen, damit sagen Herr Bosbach? Das auch wir keine andere Sprache au\u00dfer der Gewalt verstehen? Auch an dieser Stelle w\u00fcnschen wir uns von Ihnen als talentiertem Rechtsverdreher eine detaillierte Erkl\u00e4rung, warum hier nicht der Tatbestand der Volksverhetzung vorliegt. Wenn Sie diesen expliziten und generellen Aufruf zur Gewalt gegen Muslime schon in aller \u00d6ffentlichkeit rausposaunen, dann wollen wir erst gar nicht wissen, welche T\u00f6ne Sie und Kollege Kauder an ihrem Lieblingsstammtisch im Xantener-Eck in Berlin-Wilmersdorf anschlagen. \u00c0 pros pros politische Parolen in Kneipen, Herr Bosbach, Sie sind nicht der erste deutsche Politiker, der seine Karriere zwischen Bierkrug und Hirschgeweih begonnen hat! Das Ende der Geschichte kennen Sie, schlie\u00dflich prahlten Sie bei G\u00fcnther Jauch ja bereits mit Ihrer umfangreichen historischen Sachkenntnis. Auch angesichts ihrer Verh\u00f6rmethoden in den zahlreichen Talkrunden fallen uns die Parallelen zu den historischen Showprozessen aus der schwarz-wei\u00dfen Zeit Deutschlands auf. <em>\u201eSind sie KV? JA ODER NEIN?\u201c<\/em> Kommt Ihnen diese Fragetechnik bekannt vor, Herr Bosbach? In demselben Tonfall sind Sie es n\u00e4mlich, der die muslimischen G\u00e4ste in den Talkshows mithilfe geschlossener Fragen in sein schwarz-wei\u00dfes Weltbild pressen will. <em>\u201eBekennen Sie sich bedingungslos zur freiheitlichen-demokratischen Grundordnung? JA ODER NEIN? Sind Frauen und M\u00e4nner gleichberechtigt? JA ODER NEIN?\u201c<\/em> Ist das die Diskussionskultur, auf die Sie so stolz sind? Entspringt sie der j\u00fcdisch-christlichen Tradition Europas oder Ihrer freiheitlich-demokratischen Gesinnung? Ist es auch diese Gesinnung die Sie zu dazu treibt, in den besagten Sendungen das Publikum mithilfe absurder Argumente gegen die muslimischen G\u00e4ste aufzustacheln? Bei jeder Diskussion erheben Sie den schweren Vorwurf, in Saudi-Arabien nicht mit einer Bibel einreisen, geschweige denn diese auf der Stra\u00dfe verteilen zu d\u00fcrfen. Abgesehen davon, dass es sich hierbei lediglich um ein polemisches Ablenkungsman\u00f6ver handelt, demaskiert Sie dieses Argument als Heuchler! Wir glauben n\u00e4mlich nicht, dass Ihnen als bekennendem Katholiken die rigide Gesetzeslage im Vatikanstaat unbekannt ist. Sie k\u00f6nnen ja gerne einmal versuchen, mit einem Turban und einem Vollbart verkleidet auf dem Petersplatz Koran-Exemplare zu verteilen. Sollten Sie dabei von der Schweizer Garde aufgehalten werden, erwarten wir voller Vorfreude Ihr entschlossenes Vorgehen gegen die archaische Politik dieses europ\u00e4ischen Staates. Also Herr Bosbach, bevor Sie Saudi-Arabien oder Afghanistan ins Visier nehmen, sollten Sie doch zun\u00e4chst Ihren Glaubensgenossen Nachhilfe in religi\u00f6ser Toleranz geben. Ohnehin wundern wir uns, warum sich ein ach so aufgekl\u00e4rter deutscher Politiker wie Sie dar\u00fcber echauffiert, in irgendeinem Land dieser Welt nicht mit der Bibel einreisen zu d\u00fcrfen. Mit dem deutschen Grundgesetz im Gep\u00e4ck \u2013 der eigentlichen Basis Ihres missionarischen Eifers \u2013 werden Sie in Saudi-Arabien n\u00e4mlich keinerlei Probleme haben. Ebenso wenig wie Saudi-Arabien etwas gegen Ihre Verfassung hat, haben Sie und Ihre Fraktion Probleme damit, R\u00fcstungsg\u00fcter in Milliardenh\u00f6he zu liefern. Im \u201eKrieg gegen den Terror\u201c gilt der Golfstaat als wichtiger Partner und bombardiert gemeinsam mit dem westlichen Milit\u00e4rb\u00fcndnis im Irak und Syrien. Wie w\u00fcrden Sie eigentlich entscheiden, wenn Sie Kanzler w\u00e4ren? Wenn Sie w\u00e4hlen m\u00fcssten zwischen dem B\u00fcndnis mit Saudi-Arabien und Ihrem unstillbarem Bed\u00fcrfnis, den n\u00e4chsten Urlaub in Riad mit einer Bibel verbringen zu k\u00f6nnen. Uns ist sehr wohl bewusst, wie Sie sich entscheiden w\u00fcrden und dass Sie \u00fcberhaupt kein Problem mit all den repressiven Regimen des Nahen Ostens haben, die die islamischen Bewegungen bis aufs Blut bek\u00e4mpfen. Ihre publikumswirksamen Argumente sind also nichts weiter als Populismus, Polemik und Doppelz\u00fcngigkeit der niedertr\u00e4chtigsten Art. Wahrscheinlich erwarten Sie an dieser Stelle unseren Vorwurf, Sie seien Islamophob. Doch Sie k\u00f6nnen sich beruhigt zur\u00fccklehnen, Herr Bosbach. Weder sind sie ein Xeno-, noch ein Islamophob. Nein, das sind Sie wahrlich nicht. Sie sind ein Islamhasser der \u00fcbelsten Sorte! Sie sind ein Hassprediger und ein geistiger Brandstifter, der das friedliche Zusammenleben der Menschen in der Bundesrepublik gef\u00e4hrdet. Die Islamophobie ist das Produkt der Hetze von Leuten wie Ihnen, die am liebsten wieder Gebetsh\u00e4user in deutschen St\u00e4dten brennen sehen w\u00fcrden! Wissen Sie Herr Bosbach, wir k\u00f6nnten Ihnen noch so Vieles sagen und jedes Ihrer paradoxen Argumente sowie all Ihre unversch\u00e4mten Schutzbehauptungen zerlegen. Doch wir sind der Meinung, Ihnen mit diesem Brief schon mehr als genug Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Wir f\u00fcr unseren Teil werden nun zu unserer Tagesordnung \u00fcbergehen und weiter f\u00fcr den Islam in all seinen Facetten einstehen und die Muslime dazu aufrufen, bedingungslos an ihm festzuhalten. Ihre hasserf\u00fcllten Auftritte und ihre pathologische Aversion gegen den Islam werden daran nicht das Geringste \u00e4ndern. In diesem Sinne Herr Bosbach, bleibt uns nur noch Ihnen gute Besserung zu w\u00fcnschen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>in den letzten zwei Jahren machen Sie unerm\u00fcdlich Front gegen die hier lebenden Muslime, verfassen Schriftst\u00fccke, geben Interviews und lassen in Talkrunden ihren populistischen Tiraden freien Lauf. <\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":1228,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[1845,1956],"class_list":["post-9572","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-inland","tag-muslime","tag-offener-brief-an-wolfgang-bosbach"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9572","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9572"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9572\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1228"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9572"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9572"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9572"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}