{"id":9595,"date":"2011-02-20T00:00:00","date_gmt":"2011-02-19T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9595"},"modified":"2011-02-20T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-19T23:00:00","slug":"das-abkommen-von-hudaibiya","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9595","title":{"rendered":"Das Abkommen von Hudaibiya"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Name des Ortes Hudaibiya auf der arabischen Halbinsel ist direkt gekoppelt an das ber\u00fchmte Abkommen, welches zwischen Muhammad (s.a.s.) als F\u00fchrer des Islamischen Staates und Suhail als Vertreter der Quraisch in Mekka im Jahre sechs nach der Hijra (Beginn der islamischen Zeitrechnung) geschlossen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Hudaibiya liegt ungef\u00e4hr 13 km vor den Grenzen der Geweihten Moschee [Masjid-al-Haraam] in Mekka. In den folgenden sechs Jahren nach Gr\u00fcndung des Islamischen Staates in Medina hatten die Muslime unter der F\u00fchrung des Propheten (s.a.s.) immer mehr an politischem Einfluss gewonnen, sodass die geographisch umliegenden V\u00f6lker wie etwa die Juden von Khaibar und die Quraisch aus Mekka politische Abkommen zu schlie\u00dfen beabsichtigten, um gegen die Muslime vorzugehen. Der Gesandte (s.a.s.) beschloss schlie\u00dflich, mit den Muslimen eine Umra zu vollziehen und brach mit ca. 1600 unbewaffneten Muslimen von Medina nach Mekka auf. Nach einem kurzen Stopp in Dhul Hulaybah zur Vorbereitung der Umra, zogen sie mit folgenden Worten Richtung Mekka weiter: \u201eLabbaik Allahumma Labbaik. Labbaik Laa Scharika Laka Labbaik Innal Hamda Wannimata laka walmulk Laa Scharika Lak&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Die Quraisch f\u00fcrchteten hinter der offensichtlich friedlichen Absicht zum Vollzug der Umra ein strategisches Man\u00f6ver seitens Muhammads (s.a.s.), um nach Mekka einzudringen und die Stadt einzunehmen. Deshalb bereiteten sie eine Armee unter der F\u00fchrung von Khalid Ibn Al-Walid und Ikrima Ibn Abi Dschahl vor, die die Muslime daran hindern sollte, in Mekka einzumarschieren.<br>Nach Ankunft in Usfan, einem Dorf, das ungef\u00e4hr zwei Tagesm\u00e4rsche von Mekka entfernt lag, berichtete ein Mann aus dem Stamm der Banu Ka&#8217;bs dem Propheten \u00fcber die Armee der Quraisch, die sie an der Weiterreise hindern w\u00fcrde. Angesichts des friedlichen Vorhabens, w\u00e4hlte der Gesandte (s.a.s.) eine alternative Route bis nach Hudaibiya.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Hier begannen schlie\u00dflich die langen und z\u00e4hen Verhandlungen zwischen den Quraisch und den Muslimen. Die Quraisch schickten mehrere Delegationen zu Muhammad (s.a.s.), um sie von den vermeintlich feindlichen Absichten der Muslime zu \u00fcberzeugen und sie so zu einem B\u00fcndnis gegen die Muslime zu gewinnen. Unter ihnen waren beispielsweise Budayl Ibn Waraqa mit einigen Leuten von Khuza&#8217;a, Al Hulays, F\u00fchrer der Ahabisch, sowie Urwah Ibn Masud Al-Thaqafi. Diese waren allesamt nach den Gespr\u00e4chen mit dem Propheten (s.a.s.) \u00fcberzeugt, dass er in friedlicher Absicht gekommen war. W\u00e4hrendessen provozierten die Quraisch die Muslime, indem sie z. B. nachts Steine nach ihnen warfen. Doch die Muslime hielten sich &#8211; auch wenn es ihnen schwer fiel &#8211; unter der starken F\u00fchrung Muhammads zur\u00fcck und blieben friedlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Die Quraisch waren weiterhin nicht bereit, den Muslimen die beabsichtigte Umra zu gew\u00e4hren und schickten schlie\u00dflich ihre Vertreter zum Aushandeln eines Abkommens mit Muhammad (s.a.s.). Nach langen Verhandlungen kam es zum so genannten Vertrag von Hudaibiya, dessen Kernpunkte in folgender \u00dcberlieferung wiedergegeben sind:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>&#8222;Dies sind die Bedingungen des Friedensvertrages zwischen Muhammad, dem Sohn Abdullahs und Suhail, Sohn von Amr, als Vertreter Mekkas. Es soll keinen Krieg geben f\u00fcr zehn Jahre. Jeder, der sich Muhammad anschlie\u00dfen oder ein Abkommen mit ihm treffen m\u00f6chte, ist frei dazu. Jeder der sich den Quraisch anschlie\u00dfen oder ein Abkommen mit ihnen treffen m\u00f6chte, ist frei dazu. Wenn ein junger Mann oder jemand, dessen Vater am Leben ist, zu Muhammad geht ohne die Erlaubnis seines Vaters bzw. Vormundes, wird er zu seinem Vater oder Vormund zur\u00fcckgeschickt. Aber falls jemand zu den Quraisch \u00fcbergeht, so wird er nicht zur\u00fcckgeschickt. Dieses Jahr wird Muhammad zur\u00fcckkehren, ohne Mekka zu betreten, aber im Folgejahr kann er in Mekka eintreten, dort drei Tage verbleiben und die Riten praktizieren. W\u00e4hrend dieser drei Tage werden die Quraisch sich auf die benachbarten Berge zur\u00fcckziehen. Wenn Muhammad und seine Anh\u00e4nger Mekka betreten, werden sie unbewaffnet sein au\u00dfer mit Schwertern in der Scheide&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Auf die urspr\u00fcnglich vom Propheten (s.a.s.) vorgesehene Einleitung des Abkommens mit den Worten \u201eIm Namen Allahs, des Allerbarmers des Barmherzigen&#8220; wurde verzichtet, da die Quraisch den Bezug auf das islamische Gottesverst\u00e4ndnis ablehnten, ebenso die Bezeichnung \u201eProphet Gottes&#8220; f\u00fcr Muhammad (s.a.s.), da es gerade diese Inhalte und die daraus folgenden Ideen und Konzepte waren, weshalb sie die Muslime, die ja engste Bekannte und Verwandte von ihnen waren, bis aufs Blut bek\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Manche Gef\u00e4hrten des Gesandten (s.a.s.) waren mit dem genannten Abkommen von Hudaibiya unzufrieden, da sie in der Ungleichbehandlung eine Erniedrigung des Islam sahen. Umar Ibn Al-Hattaab trat mit seiner Unzufriedenheit zun\u00e4chst an Abu Bakr und anschlie\u00dfend auch an den Propheten (s.a.s.) heran. Als er ihn mehrfach aufforderte, das Abkommen zur\u00fcckzuweisen, entgegnete ihm Muhammad (s.a.s.) mit folgenden Worten: <strong>\u201eIch bin Diener und Gesandter Allahs und ich werde Seinem Befehl nicht zuwiderhandeln.&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Analysiert man das Abkommen von Hudaibiya, so wird deutlich:<br>1. Die Akzeptanz des Abkommens seitens des Propheten (s.a.s.) geschah mit dem Wohlwollen Allahs, also durch Offenbarung (Wahy).2. Das Abkommen zwischen den Muslimen und den Quraisch war auf eine bestimmte Frist festgesetzt, n\u00e4mlich auf zehn Jahre.3. Durch das Abkommen kam es gleichzeitig zur Anerkennung der Muslime als eine ernstzunehmende politische Macht seitens der Quraisch.4. Das Abkommen erm\u00f6glicht dem Propheten (s.a.s.), den Aufruf zum Islam an K\u00f6nige und andere Herrscher sowie an die weiteren St\u00e4mme der arabischen Halbinsel heranzutragen.5. Der in Medina neu gegr\u00fcndete Islamische Staat konnte hiermit gegen die Juden von Khaibar, die das junge Kalifat anzugreifen beabsichtigten, vorgehen.6. Aus dem Abkommen geht auch hervor, dass der Prophet (s.a.s.) kein von den Muslimen er\u00f6ffnetes Land an die G\u00f6tzendiener abgetreten hat, da Mekka seinerzeit nicht Teil des islamischen Staates war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Das Abkommen von Hudaibiya war \u2013 langfristig betrachtet &#8211; ein politischer Sieg f\u00fcr den Propheten, auch wenn die einzelnen Vertragspunkte dies nicht unmittelbar offenlegen. So hatten die Quraisch nun diejenigen, die sie bisher verleumdet, gefoltert und boykottiert hatten, als ebenb\u00fcrtigen Verhandlungspartner und Muhammad (s.a.s.) als F\u00fchrer dieser politischen Entit\u00e4t anerkannt.<br>Dem Propheten (s.a.s.) wurde durch den Vertag die Kontrolle \u00fcber die n\u00f6rdlichen Handelswege der Quraisch zuerkannt. Auch h\u00e4tten die Quraisch den Islamischen Staat in Medina ohne dieses Abkommen nicht als ein politisches Gebilde akzeptiert und somit auch nicht Muhammad (s) als seinen F\u00fchrer. Dar\u00fcber hinaus ebnete der den Weg f\u00fcr eine gro\u00df angelegte Dawa-Offensive seitens der Muslime. Man nahm mit den K\u00f6nigen und Herrschern Kontakt auf sowie mit den anderen arabischen St\u00e4mmen, trug die neue Botschaft an sie heran und schaffte ein positives Klima f\u00fcr den Islam und die Muslime. In den folgenden zwei Jahren traten ungleich mehr Leute und St\u00e4mme in den Islam ein als in den sechs Jahren davor seit der Staatsgr\u00fcndung, was die Voraussetzung f\u00fcr die Eroberung Mekkas im Jahre 8 n. H. schuf. Angesichts dieser Tatsachen erwiesen sich die Ereignisse von Hudaibiya zweifelsohne als Erfolg f\u00fcr die Muslime und den Islamischen Staat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Dieses Abkommen wurde auch von den umliegenden St\u00e4mmen als eine Anerkennung des Islamischen Staates seitens der Quraisch betrachtet. Somit nahmen die Muslime ihre Position als politisches Gebilde auf der \u201einternationalen&#8220; Ebene ein.<br>Vertr\u00e4ge und Abkommen jedoch, die zwischen den ungl\u00e4ubigen M\u00e4chten und den heutigen Unrechtsherrschern in der islamischen Welt geschlossen werden, sind islamisch gesehen ung\u00fcltig und in keinster Weise f\u00fcr uns bindend, da sie:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>1. nicht von islamisch legitimen Herrschern, sprich von Kalifen geschlossen wurden<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. keine festgesetzte Frist aufweisen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Verrat am Islam beinhalten, n\u00e4mlich die Abtretung islamischen Bodens an die Ungl\u00e4ubigen, wie im Falle Israels, und die Akzeptanz unrechtm\u00e4\u00dfiger Grenzen zwischen den einzelnen islamischen L\u00e4ndern<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. die Nutzung von Flug- und Seeh\u00e4fen auf islamischem Boden gestatten, damit die Armeen des Unglaubens Angriffe gegen Muslime f\u00fchren k\u00f6nnen5. unzul\u00e4ssige milit\u00e4rische B\u00fcndnisse darstellen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Name des Ortes Hudaibiya auf der arabischen Halbinsel ist direkt gekoppelt an das ber\u00fchmte Abkommen, welches zwischen Muhammad (s.a.s.) als F\u00fchrer des Islamischen Staates und Suhail als Vertreter der Quraisch in Mekka im Jahre sechs nach der Hijra (Beginn der islamischen Zeitrechnung) geschlossen wurde.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":1714,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[78,1303,1845,2144],"class_list":["post-9595","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-abkommen-von-hudaibiya","tag-islam","tag-muslime","tag-quraisch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9595","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9595"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9595\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1714"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9595"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9595"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9595"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}