{"id":9597,"date":"2011-02-20T00:00:00","date_gmt":"2011-02-19T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9597"},"modified":"2026-06-17T06:23:50","modified_gmt":"2026-06-17T04:23:50","slug":"die-zerstoerung-des-kalifats","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9597","title":{"rendered":"Die Zerst\u00f6rung des Kalifats"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Der Kalif Abdul Medid, sein Sohn \u00d6mer Faruk Efendi und ihre n\u00e4chsten Familienangeh\u00f6rigen mussten Konstantinopel nachts und ohne gro\u00dfes Aufsehen verlassen. Diese Entscheidung der Nationalversammlung in Ankara wurde dem Kalifen im Thronsaal des Dolmabahce Palastes durch den Wali (Gouverneur) von Konstantinopel, Dr. Adnan Bey, dem Repr\u00e4sentanten des t\u00fcrkischen Au\u00dfenministeriums und Sadeddin Bey, dem Leiter der Konstantinopler Polizei zusammen mit dem Vorsitzenden der Polizei von Ankara bekanntgegeben.&#8220; (&#8222;The Times&#8220;, Mittwoch, 5. M\u00e4rz 1924)<br>Seither repr\u00e4sentiert der 3. M\u00e4rz eines jeden Jahres die traurige Erkenntnis von der Zerst\u00f6rung des islamischen Staates, dem Kalifat. Der Kalif Abdul Mecid war chronologisch der letzte von Kalifen der muslimischen Umma, die mit Abu Bakr (r.a.) im Jahre 633 n.Chr. den ersten Kalifen der islamischen Geschichte erlebt hatte. Den verschiedenen Epochen der islamischen Geschichte war es gemeinsam, dass die Umma stets einen Kalifen hatte, dem sie den Treueeid , die Bai&#8217;a, gegeben hatte und von dem verlangt wurde, dass er die Umma nach Qur&#8217;an und Sunna regieren sollte. Dieser einhellige Konsens unter den Muslimen ist von der Zeit der Rechtgeleiteten Kalifen \u00fcber die Umayyaden und Abbasiden bis hin zu den Osmanen unumstritten. Der islamische Staat repr\u00e4sentierte stets das Licht des Islam auf der Welt; ein Staat, der daf\u00fcr sorge trug, dass das Gebet aufrechterhalten und die Zakat eingetrieben und verteilt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Bei der geschichtlichen Analyse der Beziehungen des islamischen Staates zu den \u00fcbrigen V\u00f6lkern der Welt m\u00fcssen wir wissen, dass v.a. die westlich-christlichen Staaten und ihre Verb\u00fcndeten einen jahrhundertelangen Hass und Vorurteile gegen den Islam und die Muslime predigten und grausam-blutige Kriege gegen die Muslime f\u00fchrten und es ihr innigstes Anliegen war, die Vormachtstellung des Islamischen Staates bei entsprechender Gelegenheit zu brechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Bei der letztendlichen Zerst\u00f6rung des Kalifats sind insbesondere England und Frankreich als Protagonisten zu nennen, die, trotz ihrer unterschiedlichen Auffassung von der Aufteilung der muslimischen Gebiete, in ihrem Streben nach milit\u00e4rischer, politischer und v.a. kultureller Invasion und Kolonialisierung der Muslime sowie der Ausschaltung des Islam als politisches System mit vereinten Kr\u00e4ften arbeiteten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Dabei haben die Engl\u00e4nder mit Hilfe ihrer Agenten eine f\u00fcr sie erfolgsversprechende Beziehung zu der Al-Saud Familie aufgebaut, die dem Stamm der Al-Anzah zugeh\u00f6rig sind, und die in diversen Schlachten f\u00fcr eine Abspaltung vom islamisch-osmanischen Kalifat k\u00e4mpften. In ihrem Streben wurden sie unerm\u00fcdlich von den Briten sowohl finanziell wie auch milit\u00e4risch mit Waffen aus Indien unterst\u00fctzt. Ideologisch wurde die wahabitische Bewegung von Muhammad ibn Saud und seinen S\u00f6hnen mit bewusster britischer Unterst\u00fctzung unter dem Vorwand missbraucht und propagiert, um eine vermeintlich islamrechtlich legitimierte Front gegen den Kalifen zu begr\u00fcnden.Ferner wurde die Zerschlagung des Kalifats systematisch durch das Hervorheben von nationalistischem und separatistischem Gedankengut und die Gr\u00fcndung von diversen Instituten und sog. Clubs in muslimischen Gebieten vorbereitet, die eben diese Ideen unter die Intellektuellen der muslimischen Welt verbreiten sollten. Insbesondere versuchte man durch die Kreation eines arabischen und t\u00fcrkischen Nationalismus einen Keil zwischen die Muslime zu schlagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>So wurde ein Zentrum in Beirut er\u00f6ffnet, das zum Ziel hatte, die Jugend mit islamfremden Gedankengut zu infiltrieren, so dass eine feindliche Gesinnung zum Islam entstehen sollte. In diesem Sinne lautete dann auch die Zielsetzung der wissenschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Vereinigung dieses Zentrums, langfristig die westliche Kultur und islamfremdes Gedankengut zu verbreiten. Andere Vereinigungen wie z.B. die &#8222;Geheime Vereinigung&#8220;, die 1875 gegr\u00fcndet wurde, hatten zum Ziel, arabischen Nationalismus zu propagieren und die Araber auf eine besondere Abstammung zu reduzieren und in ihnen das Bewusstsein zu wecken, dass die T\u00fcrken ihnen unrechtm\u00e4\u00dfig das Kalifat entrissen h\u00e4tten. Gleichzeitig wurde die Bewegung der Jungt\u00fcrken in Paris ins Leben gerufen, die ihre Arbeit in der \u201eEinheits- und Fortschrittspartei&#8220; b\u00fcndelte. Die Ideen und Parolen der Jungt\u00fcrken entsprangen vornehmlich denen der Franz\u00f6sischen Revolution. Ihre Zielsetzung bestand darin, westliche Ideen und Kultur in die T\u00fcrkei zu importieren. Sie hatten sich daf\u00fcr verschiedene Zentren in Europa aufgebaut, die sie f\u00fcr die Durchf\u00fchrung ihrer Ziele benutzten. Auch innerhalb des Osmanischen Staates zeigte sich mehr und mehr die Dekadenz und das falsche Islamverst\u00e4ndnis, das die Umma im Laufe der Zeit angesammelt hatte. So begann der Staat westliche Gesetzgebungen zu adaptieren, die zudem auch noch durch eine Fatwa des Scheikh ul Islam legitimiert wurden. Dabei wurden nicht die eindeutigen islamischen Rechtsspr\u00fcche ber\u00fccksichtigt, die eine Unvereinbarkeit zwischen dem islamischen System und des westlichen Demokratieverst\u00e4ndnisses postulieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Obwohl westliche Staaten wie Frankreich, Russland und die USA sowie Italien die politische und milit\u00e4rische Invasion des Islamischen Staates vorantrieben, muss das beispiellose Vorgehen der Engl\u00e4nder diesbez\u00fcglich hervorgehoben werden, die auf vielf\u00e4ltigsten Ebenen eine Zerschlagung des Staates einleiteten. So versuchten sie u.a. Schl\u00fcsselpositionen innerhalb des Staates zu infiltrieren und sie gegen den Kalifen aufzuwiegeln, wie sie z.B. Cemal Pascha, dem Gouverneur von Syrien, f\u00fcr ihre teuflischen Machenschaften gewinnen konnten. Eine Schl\u00fcsselfigur bei der Zerst\u00f6rung des Kalifats war Mustafa Kemal Pascha, der als Atat\u00fcrk, der &#8222;Vater der T\u00fcrken&#8220;, bekannt wurde. Mustafa Kemal war weit davon entfernt, der &#8222;Retter der T\u00fcrken&#8220; zu sein, wie es gern von seinen Gefolgsleuten behauptet wurde. Vielmehr war er ein enger Vertrauter der Engl\u00e4nder und ihr Handlanger bei der Zerst\u00f6rung des Kalifats.<br>Er wurde systematisch von einem einfachen Unteroffizier, der bekannt f\u00fcr die Verherrlichung westlicher Ideen war, zu einer Schl\u00fcsselfigur aufgebaut, die es den Briten erm\u00f6glichen sollte, einen bestimmenden milit\u00e4rischen Einfluss \u00fcber den Islamischen Staat zu erlangen. Mustafa Kemal war von der Idee des S\u00e4kularismus begeistert und f\u00fchrte einen offenkundigen Kreuzzug gegen das Kalifat. Er versuchte Unruhen in der Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fcren und die Umma gegen den Kalifen aufzubringen, sogar zu einer Zeit, als die Griechen 1919 Izmir besetzt hielten und den Hidjab (Kleidung) der muslimischen Frauen auszogen. Als die Briten sahen, dass niemand aus der Umma bereit war, das Kalifat abzuschaffen, begannen sie Mustafa Kemal noch mehr Unterst\u00fctzung zukommen zu lassen und fabrizierten durch ihre Medien international das Bild von einem Volksaufstand in der T\u00fcrkei, angef\u00fchrt von Mustafa Kemal, um so nationalistische Emotionen zu sch\u00fcren, die eine Unabh\u00e4ngigkeit f\u00fcr die T\u00fcrkei fordern sollten. Schlie\u00dflich erlie\u00df Mustafa Kemal am 1. M\u00e4rz 1924 durch die Nationalversammlung ein Dekret, das die Abschaffung des Kalifats, die Ausweisung des Kalifen und eine Trennung von Religion (Din) und Staat forderte. In seiner Ansprache an die Nationalversammlung sagte er:<br>&#8222;Wir m\u00fcssen unter allen Umst\u00e4nden die Republik besch\u00fctzen und einen Aufstieg auf Grundlage einer soliden wissenschaftlichen Basis erreichen. Der Kalif und die Vertreter der &#8218;Osmanischen Familie&#8216; m\u00fcssen das Land verlassen, die \u00fcberkommenen religi\u00f6sen Gerichte und ihre Gesetze m\u00fcssen durch moderne Gerichte und Gesetze ersetzt werden und die klerikalen Schulen m\u00fcssen s\u00e4kularen staatlichen Schulen weichen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Nach zwei Tagen heftiger Debatten verabschiedete die Nationalversammlung am Morgen des 3. M\u00e4rz 1924 die Abschaffung des Kalifats und die Trennung von Religion (Din) und Staat. Es wurde eine unabh\u00e4ngige t\u00fcrkische Republik gegr\u00fcndet und dadurch der Wunsch der westlichen Staaten nach einer Abschaffung des Kalifats vollends verwirklicht.<br>Der englische Aussenminister Lord Curzon sagte hierzu: &#8222;Die Sache stellt sich jetzt so dar, dass der Osmanische Staat zerst\u00f6rt wurde und sich niemals wieder erheben kann, weil wir seine geistige St\u00e4rke vernichtet haben: Das Kalifat und den Islam.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Diese Aussage verdeutlicht unmissverst\u00e4ndlich die wahren Motive derjenigen, die die Abschaffung des Kalifats forderten. Heutzutage m\u00fcssen wir aus der islamischen Geschichte und der Scharia erkennen, dass die Wiedererrichtung des Islamischen Staates unter der F\u00fchrung des Kalifen die Schicksalsfrage der Muslime bedeutet und dass es aus Qur&#8217;an und Sunna verpflichtend f\u00fcr die Muslime ist, dieses System zu etablieren. Wir wissen, dass der Islam die absolute Wahrheit und das einzig richtige Lebenssystem ist. Daher ist es von vitalem Interesse, dass die muslimische Umma ihre hervorragende Stellung unter allen V\u00f6lkern wiedererlangt und die islamische Ideologie mit allen Mitteln sch\u00fctzt, weil es nur die Ideologie ist, die einen Aufstieg und die St\u00e4rke von V\u00f6lkern erzielen l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kalif Abdul Medid, sein Sohn \u00d6mer Faruk Efendi und ihre n\u00e4chsten Familienangeh\u00f6rigen mussten Konstantinopel nachts und ohne gro\u00dfes Aufsehen verlassen. 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