{"id":9607,"date":"2011-02-27T00:00:00","date_gmt":"2011-02-26T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9607"},"modified":"2026-06-17T06:23:15","modified_gmt":"2026-06-17T04:23:15","slug":"einfuehrung-in-das-islamische-gerichtswesen-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9607","title":{"rendered":"Einf\u00fchrung in das islamische Gerichtswesen (II)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Das Oberhaupt der Gerichtsbarkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Der Oberster Richter (\u201eQadi al-Qudah&#8220;) ist das Oberhaupt der Gerichtsbarkeit. Er hat die Befugnis, s\u00e4mtliche Richter im Staat sowohl zu ernennen als auch zu entlassen.<br>Es gibt Ausnahmen hiervon, die den Mazalim-Richter betreffen und im Abschnitt Gerichtliche Unabh\u00e4ngigkeit erl\u00e4utert werden. Derjenige, der den Qadi al-Qudah ernennt und entl\u00e4sst, ist der Kalif.<br>Die Bedingungen f\u00fcr den \u201eQadi al-Qudah&#8220; sind dieselben wie f\u00fcr den Mazalim-Richter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br><strong>Gerichtliche Unabh\u00e4ngigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Es gibt zwei Arten gerichtlicher Unabh\u00e4ngigkeit. Die Institutionelle Unabh\u00e4ngigkeit und die Unabh\u00e4ngigkeit in der Entscheidung. Institutionelle Unabh\u00e4ngigkeit bedeutet, dass das Gerichtswesen von exekutiven und legislativen Organgen unabh\u00e4ngig ist. Unabh\u00e4ngigkeit in der Entscheidung soll heissen, dass es dem Richter m\u00f6glich sein sollte, ausschlie\u00dflich nach Fall und Gesetz das Urteil zu f\u00e4llen \u2013 ohne Einflussnahme etwaiger Medien, politischer Umst\u00e4nde oder Anderer.<br>Das Gerichtswesen des Kalifats ber\u00fccksichtigt sowohl die institutionelle Unabh\u00e4ngigkeit als auch die Entscheidungsunabh\u00e4ngigkeit des Gerichts in einem Ma\u00dfe, das weit \u00fcber das der heutigen demokratischen westlichen Staaten hinausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br><strong>Institutionelle Unabh\u00e4ngigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Das Kalifat hat ein unabh\u00e4ngiges Hohes Gericht, das sogenannte Mazalim-Gericht oder Gericht f\u00fcr Saatsvergehen. Es ist mit den hervorragendsten und bestqualifizierten Richtern besetzt und hat durch das islamische Recht weitreichende Befugnisse. Es ist imstande, jeden Staatsbeamten seines Amtes zu entheben, unabh\u00e4ngig von seinem Rang und oder vom Posten, den er bekleidet. Auch die wichtigste Figur, der Kalif, ist inbegriffen, wenn er einen Kurs verfolgt, der sich im Inhalt seiner Bay&#8217;a nicht wiederfindet.<br>Gew\u00f6hnliche B\u00fcrger, die gegen den Staat etwas vorzutragen haben, k\u00f6nnen sich an das Gericht wenden. Das Konzil der Umma bzw. die Ratsversammlung (Madschlis-al-Umma) kann ebenfalls Streitigkeiten, die zwischen ihm und dem Kalifen entstehen, an das Mazalim-Gericht herantragen.<br>Was am Gericht f\u00fcr Staatsvergehen einzigartig ist im Vergleich zu anderen Gerichten, ist die Tatsache, dass der Richter f\u00fcr Staatsvergehen (Qada al-Mazalim) Ermittlungsrechte hat und nicht der Anklage eines Kl\u00e4gers bedarf, um eine Ermittlung einzuleiten. Somit wird dieses Gericht das Tun und Lassen s\u00e4mtlicher Staatsbeamter sowie die erlassene Gesetzgebung \u00fcberwachen, um ihre Konformit\u00e4t mit dem islamischen Recht zu gew\u00e4hrleisten und zu verhindern, dass eine Ungerechtigkeit (Mazlima) gegen das Volk begangen wird.<br>Das (exekutive) Gegengewicht zu diesem Gericht ist grunds\u00e4tzlich der Kalif, der befugt ist, den h\u00f6chsten Richter zu ernennen und auch zu entlassen und auch jeden Richter mit niedrigerem Rang. Der Kalif kann seine Ernennungsbefugnis auf den h\u00f6chsten Richter \u00fcbertragen oder aber er selbst ernennt die Mazalim-Richter.<br>Zu Zeiten der Sultane von \u00c4gypten und von Ash-Sham war das Gericht f\u00fcr Staatsvergehen bekannt als &#8218;Haus der Gerechtigkeit&#8216; (Dar al-&#8218;Adl). Der Sultan Al-Malik Al-Salih Ayyub ernannte Stellvertreter, die in seinem Auftrag im Haus der Gerechtigkeit t\u00e4tig waren und zusammenkamen, um die Mazalim zu beseitigen. Ihnen standen Zeugen, Richter und Gelehrte zur Seite. (Ausf\u00fchrlich dargelegt bei Al-Maqrisi in seinem Werk: \u201eAl-Suluk ila Ma&#8217;rifati Duwal al-Muluk&#8220;)<br>Nasser O. Rabbat, Professor f\u00fcr Islamische Architektur an der MIT, beschreibt die historischen Werke des Dar al-&#8218;Adl:\u201eDiese einzigartige Institution, die man im heutigen Kontext mit &#8218;Palast der Gerechtigkeit&#8216; umschreiben k\u00f6nnte, war Anfangs f\u00fcr den Qada&#8216; al-Mazalim-Dienst gedacht, der ein- bis zweimal pro Woche f\u00fcr \u00f6ffentliche Anh\u00f6rungen zur Verf\u00fcgung stand. Dessen Vorsitz hatte der Herrscher h\u00f6chstpers\u00f6nlich oder seine berufenen Stellvertreter, um Beschwerden, die von seinen Staatsb\u00fcrgern vorgebracht wurden, wiedergutzumachen bzw. zu beseitigen. Das fr\u00fcheste bekannte Dar al-&#8218;Adl (Pl. Dur al-Adl) wurde um 1163 von Nur al-Din Mahmud ibn Zanki in seiner Hauptstadt Damaskus errichtet, und das letzte wurde vom mammelukischen Sultan al-Nasir Muhammad ibn Qalawun (r. 1294-1341, mit zwei Unterbrechungen) bei der Zitadelle des Berges (Qal&#8217;at al-Jabal) 1315 in Kairo konstruiert (es wurde 1334 wiedererbaut). Von drei weiteren Dur al-&#8218;Adl wei\u00df man, dass sie in diesem Abschnitt gebaut wurden: eines 1189 in Aleppo von al-Zahir Ghazi, dem Sohn Salah al-Dins, eine um 1207 von al-Kamil Muhammad in der Zitadelle von Kairo und eine 1262 von al-Zahir Baybars auf dem (Berg)hang des Ausl\u00e4ufers, auf der die Zitadelle von Kairo errichtet wurde. Seither wurden anscheinend keine Dur al-Adl mehr bis in die Moderne Zeit gebaut; danach wurde der Palast der Gerechtigkeit eingef\u00fchrt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br><strong>Unabh\u00e4ngigkeit in der Entscheidung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Das islamische Recht sagt ausdr\u00fccklich, dass ein Richter ein ehrliches, bewandertes, fundiertes und unvoreingenommenes Urteil f\u00e4llen muss.<br>Der Prophet (s.a.s.) sprach:<strong> \u201eDrei Arten von Richtern gibt es, von denen einer ins Paradies und zwei in die H\u00f6lle kommen. Derjenige, der ins Paradies eintreten wird, ist ein Mann, der wei\u00df, was recht ist, und dementsprechend urteilt. Ein Mann aber, der wei\u00df, was recht ist, und in seinem Urteil tyrannisch ist, wird in die H\u00f6lle kommen; und ein Mann, der mit Unwissenheit zwischen den Menschen richtet, wird in die H\u00f6lle kommen.&#8220;<\/strong> (\u00dcberliefert von Abu Dawud und At-Tirmidhiy)<br>Das islamische Recht schreibt auch ganz genau vor, wie sich ein Richter im Gerichtssaal zu benehmen hat.<br>Der Gesandte Allahs (s.a.s.) sagte: <strong>\u201eWen Allah dadurch pr\u00fcft, dass Er ihn Richter werden l\u00e4sst, so sollte er nicht die eine Konfliktseite nahe bei sich sitzen lassen, ohne die andere Partei in seine N\u00e4he zu bringen. Er soll Allah in seiner Sitzhaltung f\u00fcrchten, in seinem Blick zu den beiden (Parteien) und in seinem Urteil ihnen gegen\u00fcber. Er sollte sich h\u00fcten, auf den einen herabzuschauen als sei der andere etwas Besseres, er sollte weder den einen noch den anderen anfahren, und er sollte mit beiden behutsam umgehen.&#8220;<\/strong><br>Al-Mawardiy erl\u00e4utert einige der besonderen Eigenschaften, die das Amt des Mazalim-Richters aufgrund seiner Besonderheit innerhalb des Staates erfordert.<br>\u201eGerichtliche Ermittlungen sind damit bedacht, Unrechtsbegehern wird Angst eingefl\u00f6\u00dft, sie werden zu einem rechtm\u00e4\u00dfigen Verhalten gef\u00fchrt, Konfliktbeteiligte werden durch Einfl\u00f6\u00dfung eines Respektgef\u00fchls von ungeb\u00fchrlichem Starrsinn im Disput abgebracht. Zu den notwendigen Eigenschaften eines Mazalim-Richters z\u00e4hlt eine imposante Statur, die Entschlossenheit, Worten auch Taten folgen zu lassen, ein respekteinfl\u00f6\u00dfendes Auftreten, Aufrichtigkeit in seinen moralischen Verpflichtungen, die F\u00e4higkeit, seine eigenen Neigungen und W\u00fcnsche zu kontrollieren und auch die Bereitschaft zu geb\u00fchrender H\u00e4rte. Er muss die St\u00e4rke eines Vollzugsbeamten haben und die Strenge eines Qadis in seinen richterlichen Aufgaben. Er muss die F\u00e4higkeiten dieser beiden Typen vereinen, sodass er durch seine souver\u00e4ne St\u00e4rke in der Lage ist, jeden Befehl gegen\u00fcber den beiden Parteien mit Respekt durchzusetzen.&#8220;<br>Um sicherzustellen, dass der Richter f\u00fcr Staatsvergehen (Mazalim-Richter) nicht unter den Einfluss der Politik ger\u00e4t, hat das islamische Recht die Befugnisse des Kalifen bez\u00fcglich der Absetzung des Ma\u0170\u00c1lim-Richters eingeschr\u00e4nkt. Falls der Mazalim-Richter sich in einer Ermittlung gegen den Kalifen, den bevollm\u00e4chtigten Assistenten (Mu&#8217;awin at-Tafwid) oder den Obersten Richter (Qadi al-Qudah) befindet, kann ihn der Kalif nicht aus seinem Amt entfernen. Beweis hierf\u00fcr ist das islamische Rechtsprinzip: \u201eWas zu etwas Verbotenem f\u00fchrt, ist ebenfalls verboten.&#8220;<br>Hier kann sich einem die Frage aufdr\u00e4ngen, ob der Kalif seine Macht missbrauchen und das herrschende Recht umgehen k\u00f6nnte, falls der Richter f\u00fcr Staatsvergehen ein Urteil gegen ihn spricht. Es gibt im Kalifat jedoch kein Konzept der \u201eEntschuldigung bzw. Begnadigung&#8220; f\u00fcr begangene Verbrechen, wie man sie aus westlichen Jurisdiktionen kennt. Die US-Verfassung erlaubt es dem Pr\u00e4sidenten, alle Verbrechen zu entschuldigen, au\u00dfer im Falle eines gegen ihn laufendenden Amtsenthebungsverfahrens.<br>So besagt Artikel II, Paragraph 2 der amerikanischen Verfassung, dass der Pr\u00e4sident die Befugnis hat, Begnadigungen und Amnestien f\u00fcr jegliche Straftaten auszusprechen, es sei denn im Falle eines gegen ihn selbst laufenden Amtsenthebungsverfahrens.<br>Hierdurch ist der US-Pr\u00e4sident rechtlich in solch einer starken Position, dass er gerichtliche Verordnungen bzw. Entscheidungen kippen und sogar straflechtliche Verfolgungen an ihrer Durchf\u00fchrung behindern kann. Das bekannteste Beispiel f\u00fcr einen solchen \u201aMissbrauch&#8216; lieferte 1974 Gerald Ford. Nachdem Richard Nixon aufgrund des Watergate-Skandals sein Amt niederlegte, ging die Pr\u00e4sidentschaft auf den Vize-Pr\u00e4sidenten Gerald Ford \u00fcber. In einer Fernsehansprache an die Nation am 8. September 1974 gew\u00e4hrte Pr\u00e4sident Ford seinem Vorg\u00e4nger Nixon volle, bedingungslose Amnestie f\u00fcr seine Rolle im Watergate-Skandal, um so ein weiteres rechtliches Vorgehen gegen ihn zu verhindern. Kritiker behaupteten, es sei ein schmutziges Gesch\u00e4ft zwischen zwei M\u00e4nnern gewesen. Nixon w\u00e4re zur\u00fcckgetreten und habe Ford seinen Stuhl zur Vef\u00fcgung gestellt, um im Gegenzug von Ford volle Strafreiheit zu erhalten. Ein solcher Vorfall k\u00f6nnte im Kalifat auf keinen Fall stattfinden.<br>Wenn der Richter in einer Sache erst einmal ein Urteil gef\u00e4llt hat, so kann dieser Erlass bzw. diese Entscheidung durch niemanden mehr \u2013 auch nicht durch den Kalifen selbst \u2013 gekippt bzw. r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden.<br>Es gibt jedoch ein Berufungsgericht f\u00fcr F\u00e4lle, von denen jemand meint, dass ein Richter auf einer anderen Basis als dem islamischen Recht geurteilt h\u00e4tte oder wenn neue, stichhaltige Beweise ans Licht kommen, die die urspr\u00fcnglichen Zeugenaussagen in Frage stellen. Falls beispielsweise ein Zeuge in einem Mordfall im Nachhinein zugibt, gelogen zu haben oder wenn der wahre M\u00f6rder gesteht, wird das Urteil gekippt. Das Mazalim-Gericht ist auch das Berufungsgericht f\u00fcr solche F\u00e4lle.<br>Das Gerichtswesen des Kalifats erl\u00e4sst Urteile, die vom Staat durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Deshalb muss ein Urteil, sobald der Mazalim \u2013Richter es gegen den Kalifen ausspricht, von den staatlichen Institutionen umgesetzt werden; etwa von der Armee, der Polizei oder dem muslimischen Schatzhaus (Bayt-ul-Mal). Der Kalif kann unter keinen Umst\u00e4nden die Entscheidung umgehen und wird notfalls gezwungen, sich ihr zu beugen.<br>Falls beispielsweise der Kalif eine neue Steuer einf\u00fchrt, um eine riesige, neue Moschee zur Feier seines 60. Geburtstags zu erbauen \u2013 wie etwa K\u00f6nig Hassan von Marokko, der 800 Millionen $ f\u00fcr die Hassan II-Moschee in Casablanca ausgab -, kann das Mazalim-Gericht diese Steuer au\u00dfer Kraft setzen. Dem Schatzhaus w\u00e4re es dann verboten, diese Steuer zu verh\u00e4ngen und der Kalif h\u00e4tte in dieser Angelegenheit keine Befugnisse mehr.<br>Ibn Umar berichtet, dass Umar ibn al-Khattab, wenn er in Not war, f\u00fcr gew\u00f6hnlich zum Verantwortlichen des Schatzhauses ging und ihn um eine Leihgabe bat. Oft hatte er Schwierigkeiten mit der R\u00fcckzahlung und der Verantwortliche des Staatsschatzes kam zu ihm, um die R\u00fcckzahlung der Schuld zu erwirken. Er n\u00f6tigte ihn sogar regelrecht zur Zahlung und &#8218;Umar musste ihm ausweichen. Wenn Umar dann seine Aufwandsentsch\u00e4digung erhielt, konnte er seine Schuld begleichen.<br>Es gibt viele Beispiele aus der islamischen Geschichte, die sowohl die Entscheidungsunabh\u00e4ngigkeit der Richter als auch ihre politische Unabh\u00e4ngigkeit im Kalifat belegen.<br>Der Richter Schurayh sagte: \u201eAls Ali nach Siffin auszog, stellte er fest, dass ihm sein Panzerkleid fehlte. Als der Krieg vor\u00fcber war und er nach Kufah zur\u00fcckkehrte, begegnete er einem Juden mit dem Panzerkleid in seiner Hand. Er sagte zum Juden: \u201eDas Panzerkleid geh\u00f6rt mir. Ich hab sie weder verkauft noch verschenkt.&#8220; Der Jude aber sprach \u201eEs ist meine R\u00fcstung und sie geh\u00f6rt mir.&#8220; Darauf sagte Ali: \u201eLass uns zum Richter gehen.&#8220; Ali ging zuerst, setzte sich neben Schurayh und sprach \u201eW\u00e4re es nicht deshalb, weil mein Gegner ein Jude ist, h\u00e4tte ich mich neben ihn in die Versammlung gesetzt, jedoch h\u00f6rte ich den Propheten (s.a.s.) sagen:<strong> \u201eErniedrigt sie, wie Allah sie erniedrigt hat.&#8216;<\/strong> Schurayh sagte: \u201eSprich o F\u00fchrer der Gl\u00e4ubigen.&#8220; Und Ali sagte: \u201eJa! Diese R\u00fcstung, die dieser Jude hat, geh\u00f6rt mir. Weder habe ich sie verkauft noch verschenkt.&#8220; Schurayh wandte sich an den Juden: \u201eWas sagst du dazu, Jude?&#8220; Dieser erwiderte: \u201eEs ist meine R\u00fcstung und sie ist in meinem Besitz.&#8220; Da fragte Schurayh Ali: \u201eHast du irgendwelche Beweise, o F\u00fchrer der Gl\u00e4ubigen?&#8220; Er antwortete: \u201eJa! Qanbar und Al-Hasan werden bezeugen, dass die R\u00fcstung mir geh\u00f6rt.&#8220; Schurayh hierauf: \u201eDie Zeugenaussage (des Sohnes) ist in Bezug auf seinen Vater nicht zul\u00e4ssig.&#8220; Da meinte Ali: \u201eEin Mann des Paradieses und seine Zeugenaussage sind nicht akzeptabel? Ich h\u00f6rte den Propheten (s.a.s.) sagen: <strong>\u201aAl-Hasan und Al-Hussein sind die beiden Herren der Jugend unter den Leuten des Paradieses.'&#8220;<\/strong> Als der Jude dies vernahm, sprach er: \u201eDer F\u00fchrer der Gl\u00e4ubigen brachte mich vor seinen Richter und sein Richter entschied gegen ihn. Ich bezeuge, dass dies die Wahrheit ist und ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt au\u00dfer Allah und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist und dass die R\u00fcstung deine R\u00fcstung ist.&#8220;<br>Es wird berichtet, dass zur Zeit des abbasidischen Kalifats der Kalif Al-Ma&#8217;mun (813-833 n. Chr., 191 n. H.) sonntags pers\u00f6nlich im Gericht sa\u00df, um sich Beschwerden anzuh\u00f6ren. An einem dieser Sonntage konfrontierte ihn eine Frau in lumpiger Kleidung und beklagte sich dar\u00fcber, dass ihr Land beschlagnahmt worden sei.<br>Al-Ma&#8217;mun fragte sie dann: \u201eGegen wen m\u00f6chtest du Beschwerde einreichen?&#8220; Sie antwortete: \u201eGegen den, der neben dir steht, gegen Al-Abbas, dem Sohn des Amirs der Gl\u00e4ubigen.&#8220; Al-Ma&#8217;mun wies dann seinen Qadi an, Yahya ibn Aktam (Andere meinen, es sei sein Wazir Ahmad ibn Abi Khalid gewesen), eine Sitzung mit den beiden Parteien einzuberufen und den Fall zu er\u00f6rtern \u2013 was er in Anwesenheit von Al-Ma&#8217;mun auch tat. Als die Frau ihre Stimme erhob und einer der W\u00e4rter ihr einen Verweis erteilte, sagte Al-Ma&#8217;mun: \u201eLass sie, es ist n\u00e4mlich gewiss die Wahrheit, die sie zum Sprechen antreibt und Falschheit, die ihn (seinen Sohn) zum Schweigen veranlasst.&#8220; Und er ordnete an, dass ihr das Land zur\u00fcckgegeben werden soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Oberster Richter (\u201eQadi al-Qudah&#8220;) ist das Oberhaupt der Gerichtsbarkeit. Er hat die Befugnis, s\u00e4mtliche Richter im Staat sowohl zu ernennen als auch zu entlassen.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":1032,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[1025,1271,1344,1952,2647],"class_list":["post-9607","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege-zum-kalifat","tag-gerichtliche-unabhaengigkeit","tag-institutionelle-unabhaengigkeit","tag-islamisches-gerichtswesen","tag-oberhaupt-der-gerichtsbarkeit","tag-unabhaengigkeit-in-der-entscheidung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9607","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9607"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9607\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18224,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9607\/revisions\/18224"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}