{"id":9624,"date":"2011-08-13T00:00:00","date_gmt":"2011-08-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9624"},"modified":"2011-08-13T00:00:00","modified_gmt":"2011-08-12T22:00:00","slug":"8-die-falschheit-der-scholastischen-methode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9624","title":{"rendered":"8. Die Falschheit der scholastischen Methode"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dem Buch &#8222;Die islamische Pers\u00f6nlichkeit Teil 1&#8220;<br>F\u00fchrt man sich die Methode der Scholastiker vor Augen, so erkennt man, dass es sich um eine falsche Methode handelt.<br>Ihre Befolgung f\u00fchrt weder zur Erlangung noch zur St\u00e4rkung des Iman (Glaubens\u00fcberzeugung). Sie f\u00fchrt nicht einmal zum Denken und auch nicht zur St\u00e4rkung des Denkens. Sie f\u00fchrt lediglich zur Erlangung von Wissen (Information). Information ist aber etwas anderes als Iman und Denken. Die Falschheit dieser Methode ist aus mehreren Aspekten ersichtlich:<br>Erstens: Diese Methode basiert in ihrer Beweisf\u00fchrung auf Logik und nicht auf die sinnliche Wahrnehmung. Und dies ist aus zweierlei Gr\u00fcnden falsch: Zum einen macht sie es f\u00fcr den Muslim erforderlich, die Lehre der Logik zu erlernen, um den Beweis f\u00fcr die Existenz Allahs aufstellen zu k\u00f6nnen. Dies bedeutet aber, dass derjenige, der die Logik nicht kennt, den Beweis f\u00fcr die Richtigkeit seiner Glaubens\u00fcberzeugung nicht zu erbringen vermag. Es bedeutet auch, dass der Lehre der Logik in Bezug auf die Scholastik, der gleiche Stellenwert zuk\u00e4me wie den arabischen Grammatikregeln (al-Nahwu) in Bezug auf das (korrekte) Lesen der arabischen Sprache, nachdem diese nur mehr fehlerhaft beherrscht wurde. Dies, obwohl die Lehre der Logik weder etwas mit der islamischen Aqida noch mit der Beweisf\u00fchrung zu tun hat. So kam der Islam, ohne dass die Muslime von Logik eine Ahnung hatten. Sie trugen die Botschaft jedoch weiter und stellten f\u00fcr die Richtigkeit ihrer Glaubens\u00fcberzeugung definitive Beweise auf, ohne die Lehre der Logik in irgendeiner Weise zu ben\u00f6tigen. Dies belegt, dass die Logik keinen Teil der islamischen Geistesbildung verk\u00f6rpert und f\u00fcr den Beweis der Richtigkeit der islamischen Aqida in keiner Weise erforderlich ist. Zum zweiten kann eine logische Grundlage fehlerhaft sein. Dies im Unterschied zur sinnlich wahrnehmbaren Grundlage, in die sich, was die Existenz einer Sache betrifft, keinesfalls ein Fehler einschleichen kann. Wenn sich aber ein Fehler in eine Sache einschleichen kann, darf diese keinesfalls als Grundlage f\u00fcr den Iman herangezogen werden.<br>Die Logik kann der Verf\u00e4lschung bzw. des Trugschlusses ausgesetzt sein. Gleiches gilt auch f\u00fcr ihre Resultate. Obwohl man die Richtigkeit ihrer Thesen und die Unversehrtheit ihrer Konstruktionen voraussetzt, baut in der Logik stets eine These auf die andere auf, wodurch die Richtigkeit des Resultats stets von der Richtigkeit ihrer Thesen abh\u00e4ngt. Die Richtigkeit dieser Thesen ist jedoch nicht garantiert, da sich das Resultat nicht direkt auf sinnliche Wahrnehmung st\u00fctzt. Vielmehr st\u00fctzt sie sich auf die Verkn\u00fcpfung mehrerer Thesen miteinander, somit ist die Richtigkeit des Resultats nicht zu Hundertprozent gew\u00e4hrleistet. Bei der Verkn\u00fcpfung dieser Thesen miteinander wird n\u00e4mlich rational M\u00f6gliches auf rational M\u00f6glichem aufgebaut und daraus rational M\u00f6gliches abgeleitet. Es wird auch Wahrnehmbares auf Wahrnehmbarem aufgebaut und Wahrnehmbares daraus abgeleitet. Was den Aufbau von rational M\u00f6glichem auf rational M\u00f6glichem anbelangt, so kann dies zum Abgleiten in die Fehlerhaftigkeit und zur Widerspr\u00fcchlichkeit in den Resultaten f\u00fchren. Es f\u00fchrt auch zum fortgesetzten Aneinanderreihen von Thesen und daraus m\u00f6glichen Resultaten und zwar aufgrund hypothetischer Annahmen und Abw\u00e4gungen und nicht aufgrund ihrer tats\u00e4chlich realen Existenz. Deswegen stand am Ende vieler dieser abgeleiteten Thesen nichts als Fiktion und Phantasterei.<br>Aus diesem Grunde l\u00e4uft man bei der Beweisf\u00fchrung mit Thesen, bei denen M\u00f6gliches auf M\u00f6glichem aufbaut, Gefahr, in den Irrtum abzugleiten. So kann z. B. logisch gesagt werden: Der Koran ist die Rede Allahs, die aus geordneten, in ihrer Existenz aufeinanderfolgenden Buchstaben besteht. Jede Rede, die aus geordneten, in ihrer Existenz aufeinanderfolgenden Buchstaben besteht, ist neu entstanden. Daraus folgt, dass der Koran neu entstanden also erschaffen ist. Diese Aneinanderreihung von Thesen hat zu einem Ergebnis gef\u00fchrt, das sich der sinnlichen Wahrnehmung entzieht, deswegen ist es dem Verstand nicht m\u00f6glich, sie zu untersuchen oder ein Urteil dar\u00fcber zu f\u00e4llen. Somit handelt es sich um ein hypothetisches, irreales Urteil. Dar\u00fcber hinaus z\u00e4hlt dies zu jenen Dingen, deren Untersuchung dem Verstand untersagt wurde, denn die Untersuchung einer Eigenschaft Allahs ist Teil der Untersuchung seines Wesens. Unter keinen Umst\u00e4nden aber darf das Wesen Allahs untersucht werden. Andererseits kann man mit der gleichen Logik zum kontr\u00e4ren Resultat gelangen, wenn man sagt: Der Koran ist die Rede Allahs. Reden ist eine Eigenschaft Allahs. Und jede Eigenschaft Allahs ist immerw\u00e4hrend zeitlos. Somit ist das Ergebnis, dass der Koran immerw\u00e4hrend also nicht erschaffen ist. Die Widerspr\u00fcchlichkeit der Logik in ein und derselben Angelegenheit tritt hier deutlich zutage. In vielen dieser Thesen, die sich aus der Aneinanderreihung von (rational) M\u00f6glichem an (rational) M\u00f6glichem ergeben, gelangt der Logiker zu Schlussfolgerungen, die sich diametral widersprechen k\u00f6nnen und extrem verwunderlich sind. Hingegen f\u00fchrt das Aufbauen von Wahrnehmbarem auf anderem, ebenfalls Wahrnehmbaren, wobei Thesen und Folge sinnlich wahrnehmbar sind, zu richtigen Resultaten, weil man sich sowohl in den Thesen als auch im Ergebnis auf die sinnliche Wahrnehmung st\u00fctzt und nicht blo\u00df auf die Aneinanderreihung von (logischen) Thesen. Bei der Anwendung der logischen Denkmethode verl\u00e4sst man sich hingegen auf die blo\u00dfe Aneinanderreihung von Thesen, um zu einer Wahrheit zu gelangen. Die sinnliche Wahrnehmung wird oft nur im Ergebnis der Untersuchung ber\u00fccksichtigt.<br>So ist es durchaus m\u00f6glich, dass man sich einbildet, eine These treffe auf eine Sache zu, obwohl sie realiter nicht auf sie zutrifft. Es kann auch sein, dass eine umfassend aufgestellte These nur auf einige ihrer Inhalte zutrifft, nicht aber auf alle. Ihr Zutreffen auf einige Inhalte kann jedoch zur Illusion verleiten, sie tr\u00e4fe auf alle Bereiche zu. Ebenso kann es passieren, dass das Resultat richtig ist, jedoch sind die Thesen, aus denen es abgeleitet wurde, falsch. Aus der Richtigkeit des Resultats kann man nun der Einbildung verfallen, die Thesen seien ebenfalls richtig gewesen &#8230; usw. Beispielsweise kann man sagen: Spaniens Einwohner sind keine Muslime. Jedes Land, dessen Einwohner keine Muslime sind, ist kein islamisches Land. Daraus resultiert: Spanien ist kein islamisches Land. Dieses Resultat ist falsch. Die Falschheit ergibt sich aus dem Umstand, dass die zweite These falsch ist. Denn die These: \u201eJedes Land, dessen Einwohner keine Muslime sind, ist kein islamisches Land&#8220;, ist eine falsche These. Ein Land wird n\u00e4mlich dann als islamisch bezeichnet, wenn es mit dem Islam regiert wird oder die Mehrheit seiner Einwohner Muslime sind. Deswegen hat sich ein falsches Resultat ergeben. Spanien ist sehr wohl ein islamisches Land. Beispielsweise kann gesagt werden: Die USA sind ein Land mit \u00f6konomischem Reichtum. Jedes Land mit \u00f6konomischem Reichtum ist fortschrittlich aufgestiegen. Daraus folgt: Die USA sind fortschrittlich aufgestiegen. Dieses Resultat ist zwar richtig im Falle der USA, obwohl eine der vorangestellten Thesen falsch ist. Denn nicht jedes Land mit \u00f6konomischem Reichtum ist aufgestiegen. Ein fortschrittlich aufgestiegenes Land ist eines mit geistig-intellektueller Erhebung. Aus der Richtigkeit des Resultats in diesem Beispiel ergibt sich aber die Illusion, dass die Thesen, aus denen dieses richtige Resultat abgeleitet wurde, ebenfalls richtig sind. In Folge w\u00fcrde sich aus all dem ergeben, dass Kuwait, Katar und Saudi-Arabien aufgestiegene L\u00e4nder sind, weil sie \u00fcber einen \u00f6konomischen Reichtum verf\u00fcgen, obwohl es sich in Wahrheit um dekadente L\u00e4nder handelt. In gleicher Weise verh\u00e4lt es sich mit allen Fragen, deren richtige Ergebnisse sich auf die Richtigkeit ihrer Thesen st\u00fctzen. Die Richtigkeit der Thesen ist jedoch nicht gew\u00e4hrleistet, da sie der Verf\u00e4lschung unterliegen k\u00f6nnen.<br>Aus diesem Grunde ist es falsch, sich bei der Beweisf\u00fchrung auf die logische Grundlage zu verlassen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Wahrheit, zu der man durch Logik gelangt, falsch sein muss oder dass die Beweisf\u00fchrung mit Hilfe der Logik unweigerlich zu einem falschen Ergebnis f\u00fchrt. Es bedeutet nur, dass es falsch ist, sich bei der Beweisf\u00fchrung auf die Logik als (einzige) Grundlage zu verlassen bzw. die Logik als Grundlage f\u00fcr die Aufstellung von Argumenten heranzuziehen. Vielmehr muss die sinnliche Wahrnehmung als Grundlage f\u00fcr Argumentation und Beweisf\u00fchrung herangezogen werden. Es ist zwar erlaubt, die Logik als Beweisf\u00fchrung f\u00fcr die Richtigkeit einer Angelegenheit einzusetzen, sie ist aber nur dann korrekt, wenn alle ihre Thesen korrekt sind und die Thesen gemeinsam mit dem sich ergebenden Resultat in sinnlicher Wahrnehmung m\u00fcnden. Auch muss sich die Richtigkeit des Resultats aus den aufgestellten Thesen selbst ableiten lassen und nicht aus etwas anderem. Die Tatsache, dass man dabei der Verf\u00e4lschung unterliegen kann, erfordert jedoch, die Logik nicht zur (allgemeinen) Beweisf\u00fchrungsgrundlage zu erheben. Denn wie jede andere ungewisse Grundlage (dhanniy) ist die M\u00f6glichkeit des Irrtums gegeben, auch wenn die logische Beweisf\u00fchrung in einigen ihrer Formen zu definitiven Ergebnissen f\u00fchren kann. Vielmehr muss stets die sinnliche Wahrnehmung als Beweisgrundlage herangezogen werden. Denn wie jede andere definitive Grundlage f\u00fcr die Existenz von Dingen, ist die M\u00f6glichkeit des Irrtums in ihrem Fall ausgeschlossen.<br>Zweitens: Die Scholastiker \u00fcberschritten die Grenzen der sinnlich wahrnehmbaren Realit\u00e4t und drangen ins \u00dcbersinnliche ein. Sie untersuchten Dinge, die sich hinter der Natur befanden und sich der sinnlichen Wahrnehmung entzogen, wie das Wesen Allahs und seine Eigenschaften. Sie verkn\u00fcpften dies mit Untersuchungen, die das Wahrnehmbare betrafen und zogen in ma\u00dfloser Weise Analogien zwischen dem Sinnlichen und dem \u00dcbersinnlichen, mit anderen Worten zwischen Gott und dem Menschen. So setzten sie bei Allah Gerechtigkeit in der Form voraus, wie sich der Mensch diese im irdischen Leben vorstellt. Sie erhoben es f\u00fcr Allah zur Pflicht, das (nach ihrer Vorstellung) Gute zu tun. Manche erhoben es f\u00fcr Allah sogar zur Verpflichtung, das Allerbeste zu tun, denn Allah sei ja Allweise, Er begehe keine Handlung, ohne dass diese mit einem bestimmten Zweck oder einer bestimmten Weisheit verbunden sei. Eine Handlung ohne einen Zweck zu vollziehen, w\u00e4re t\u00f6richt und sinnlos. Der Weise hingegen begehe eine Handlung, um sich selbst oder anderen zu n\u00fctzen. Nachdem Allah \u00fcber jede Nutznie\u00dfung erhaben sei, stehe fest, dass Er handle, um anderen zu n\u00fctzen &#8230;<br>So st\u00fcrzten sie sich in Untersuchungen, die sich der Sinneswahrnehmung entziehen, wor\u00fcber man mittels des Verstandes auch kein Urteil f\u00e4llen kann. Auf diese Weise fielen sie in einen Strudel von Irrt\u00fcmern. Sie hatten \u00fcbersehen, dass nur das sinnlich Wahrnehmbare erfassbar ist. Das Wesen Allahs hingegen entzieht sich der sinnlichen Wahrnehmung, deswegen darf von einer Sache nicht auf die andere geschlossen werden. Sie erkannten nicht, dass die Gerechtigkeit Allahs nicht mit dem Gerechtigkeitsverst\u00e4ndnis des Menschen bemessen werden darf. Auch ist es nicht zul\u00e4ssig, Allah den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten dieser Welt zu unterwerfen, wo doch Er der Sch\u00f6pfer dieser Welt ist. Er lenkt sie mittels der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, die Er f\u00fcr sie bestimmt hat. Wir sehen, dass ein Mensch mit engem Blickfeld, ein entsprechend enges Gerechtigkeitsverst\u00e4ndnis hat und die Dinge auch derart beurteilt. Wenn sich sein Horizont erweitert, ver\u00e4ndert sich auch seine Sicht der Gerechtigkeit und sein entsprechendes Urteil. Wie kann man sich nun anma\u00dfen, dem Herrn der Welten, dessen Wissen alles umfasst, Gerechtigkeit in der gleichen Bedeutung zuzuschreiben wie wir sie verstehen? Was den Vollzug des Guten bzw. des Allerbesten anbelangt, so leitet sich dies aus ihrer Gerechtigkeitsbetrachtung ab, das dort Ausgef\u00fchrte gilt auch hier. Beispielsweise kann der Mensch etwas als gut ansehen. Weitet sich sein Horizont jedoch aus, \u00e4ndert sich seine diesbez\u00fcgliche Meinung. Die islamische Welt z. B. ist heute eine St\u00e4tte des Unglaubens (Dar al-Kufr), die vom Richten nach dem islamischen Gesetz abgewichen ist.<br>Deswegen sehen sie alle Muslime als verdorben an. Die meisten von ihnen sagen, dass sie der Verbesserung bedarf. Jene unter ihnen jedoch, die kein richtiges Bewusstsein haben, meinen, dass Verbesserung die Beseitigung der Verdorbenheit aus dem vorhandenen Status Quo bedeute. Dies ist aber falsch. Die islamische Welt ben\u00f6tigt vielmehr einen umfassenden, radikalen Umbruch, der die Regentschaft des Unglaubens beseitigt und die Regentschaft des Islam implementiert. Jede (partielle) Verbesserung bedeutet nichts anderes als die Verl\u00e4ngerung der Verdorbenheit. Dies macht klar, wie unterschiedlich die menschliche Sicht des Guten sein kann. Wie kann man sich dann erlauben, Allah der Sicht des Menschen zu unterwerfen, indem man Ihn verpflichtet, das zu tun, was wir als \u201egut&#8220; bzw. \u201ebesser&#8220; erachten? Erh\u00f6ben wir unseren Verstand zum Richter, dann s\u00e4hen wir, dass Allah Handlungen setzt, an denen unser Verstand nichts Gutes erkennen kann. Was f\u00fcr Gutes f\u00e4nde man denn in der Erschaffung Satans und der Teufel und im Umstand, ihnen die Kraft zu geben, die Menschen in die Irre zu f\u00fchren? Warum hat Allah dem Satan bis zum J\u00fcngsten Tag Aufschub gew\u00e4hrt und unseren Propheten Mohammed (s.) sterben lassen? War das etwa besser f\u00fcr die Gesch\u00f6pfe? Warum hat Er die Regentschaft des Islam von der Erde verschwinden lassen und die Regentschaft des Unglaubens emporgehoben? Warum erniedrigt Er die Muslime und l\u00e4sst ihre ungl\u00e4ubigen Feinde \u00fcber sie herrschen? Ist das etwa besser f\u00fcr die Gesch\u00f6pfe? Wenn wir tausende von Handlungen aufz\u00e4hlen w\u00fcrden, um sie dann nach unserem Verstand und unserem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Bedeutung von \u201eGutem&#8220; und \u201eBesserem&#8220; zu bemessen, f\u00e4nden wir definitiv nichts Gutes darin. Daher ist es unzul\u00e4ssig, Allah mit menschlichem Ma\u00dfstab zu messen. Au\u00dferdem ist Allah, der Erhabene, zu \u00fcberhaupt nichts verpflichtet:<br><strong>\u201eNicht gefragt wird Er nach dem, was Er tut.&#8220;<\/strong>(21:23)<br><strong>\u201eEs gibt nichts Seinesgleichen.&#8220;<\/strong> (42:11) Was die Scholastiker in diesen Strudel hineinst\u00fcrzen lie\u00df, war nichts anderes als ihre Untersuchungsmethode und der Versuch, Gott mit dem Ma\u00dfstab des Menschen zu messen.<br>Drittens: Die Methode der Scholastiker gibt dem Verstand die Freiheit, alles zu untersuchen; was man wahrnehmen und nicht wahrnehmen kann. Dies f\u00fchrt unabdingbar dazu, dass sich der Verstand mit Dingen besch\u00e4ftigt, die er unm\u00f6glich beurteilen kann. Er wird sich mit Annahmen und Phantasien auseinandersetzen und Beweise f\u00fcr Dinge aufstellen, die er sich nur vorgesellt hat, die m\u00f6glicherweise existieren oder auch nicht. Dies f\u00fchrt zur Gefahr, Dinge zu negieren, die der Verstand zwar nicht erfassen kann, die aber definitiv vorhanden sind, weil uns jemand davon berichtet hat, dessen Wahrhaftigkeit f\u00fcr uns zwingend feststeht. Auch f\u00fchrt es zur M\u00f6glichkeit, Fiktives in den Glauben aufzunehmen, das nicht wirklich existiert, dessen Existenz sich der Verstand jedoch eingebildet hat. Sie untersuchten zum Beispiel das Wesen Allahs und Seine Attribute. Einige von ihnen sagten, das Attribut sei mit dem Attribuierten ident. Andere wiederum meinten, das Attribut sei mit dem Attribuierten nicht ident. Auch sagten sie, das Wissen Allahs sei \u201edie Offenbarung des Gewussten in seinem tats\u00e4chlichen Zustand&#8220;. Das Gewusste \u00e4ndere sich aber von einem Zeitpunkt zum n\u00e4chsten. So falle das Blatt vom Baum, nachdem es vorher noch nicht gefallen sei. Allah (t.) sagt:<br><strong>\u201eUnd nicht ein Blatt f\u00e4llt nieder ohne dass Er es wei\u00df.<\/strong>&#8220; (6:59) Mit dem Wissen Allahs offenbare sich eine Sache in ihrem tats\u00e4chlichen Zustand. Er (t.) wisse \u00fcber die Sache Bescheid bevor sie geschehe, dass sie geschehen werde. Er wisse \u00fcber sie Bescheid wenn sie geschehe, dass sie geschehen sei. Auch wisse Er \u00fcber eine Sache Bescheid wenn sie vergehe, dass sie vergangen sei. Wie k\u00f6nne sich aber das Wissen Allahs mit Ver\u00e4nderung der existierenden Dinge mitver\u00e4ndern? Das Wissen n\u00e4mlich, das sich mit den sich ver\u00e4ndernden Ereignissen mitver\u00e4ndert, sei (zeitlich) entstanden. Allah d\u00fcrfe jedoch mit keiner Entstehung verkn\u00fcpft werden, denn das, was mit einer Entstehung verkn\u00fcpft sei, sei selbst entstanden. Einige Scholastiker antworteten darauf folgenderma\u00dfen: Unstrittig sei, dass unser Wissen von Zaids zuk\u00fcnftiger Ankunft bei uns nicht gleich dem Wissen von seinem tats\u00e4chlichen Eintreffen sei. Diese Unterscheidung gehe auf das sich ver\u00e4ndernde Wissen zur\u00fcck. Dies treffe jedoch nur auf den Menschen zu. Bei ihm \u00e4ndere sich das Wissen, weil sich seine Wissensquelle \u00e4ndere: das sinnliche Erfassen und Wahrnehmen. Im Falle Allahs gebe es jedoch keine Unterscheidung zwischen Vorbestimmtem, das passieren werde, und Tats\u00e4chlichem, das passiert sei; ebenso wenig zwischen Vollzogenem, das geschehen sei, und Erwartetem, das geschehen werde. Erkenntnisse in Seinem Fall blieben in einem unver\u00e4nderten Zustand. Andere Scholastiker antworteten darauf: Allah wisse mit Seinem Wesen alles, was geschehen sei und geschehen werde. Alle Erkenntnisse seien in Seinem Falle in einem (einzigen) Wissen umfasst. Der Unterschied zwischen dem, was geschehen werde, und dem, was geschehen sei, beruhe auf die Ver\u00e4nderlichkeit in den Dingen und nicht im Wissen Allahs.<br>Bei der vorangegangenen Er\u00f6rterung wird eine Sache untersucht, die sinnlich nicht wahrnehmbar ist. Dem Verstand ist es unm\u00f6glich, ein Urteil dar\u00fcber zu f\u00e4llen. Deswegen ist es ihm nicht erlaubt, sie zu untersuchen. Die Scholastiker haben es aber trotzdem getan und sind zu diesen Ergebnissen gelangt, gem\u00e4\u00df der f\u00fcr sie charakteristischen Methode, dem Verstand die Freiheit zu gew\u00e4hren, alles zu untersuchen. Auch stellten sie sich Dinge vor und untersuchten sie anschlie\u00dfend. So stellten sie sich vor, dass der Wille Allahs mit der Handlung des Menschen verkn\u00fcpft sei, wenn der Mensch eine Handlung vollziehen m\u00f6chte. Mit anderen Worten habe Allah die Handlung erschaffen, wenn die F\u00e4higkeit des Menschen zu dieser Handlung und sein Wille dazu vorhanden seien, nicht aber mit der F\u00e4higkeit des Menschen und seinem Willen dazu.<br>Diese Aussagen haben sich die Scholastiker nur vorgestellt und als Mutma\u00dfung angenommen, sinnlich sind sie aber nicht real. Sie gaben ihrem Verstand die uneingeschr\u00e4nkte Untersuchungsfreiheit, er untersuchte diese Problematik und kam mit dieser Vorstellung heraus. In Folge machten sie den Iman an das, was sich in ihrer Vorstellung ergab, zur Pflicht und nannten es \u201eAl-Kasb wa Al-Ikhtiyar&#8220; (Erwerb und freie Wahl). H\u00e4tten sie den Verstand allein das sinnlich Wahrnehmbare untersuchen lassen, so h\u00e4tten sie begriffen, dass die Erschaffung der Tat &#8211; im Sinne der Erschaffung all ihrer materiellen Elemente &#8211; durch Allah geschehen muss, denn die Erschaffung aus dem Nichts kann nur durch einen Sch\u00f6pfer erfolgen. Hingegen stammen das Wirken mit diesen Elementen und das Entstehen einer Tat aus ihnen vom Menschen selbst. In gleicher Weise trifft dies auf jedes Handwerk zu, dem er nachgeht, wie z. B. das Bauen eines Stuhls. H\u00e4tten sie den Verstand allein das sinnlich Wahrnehmbare untersuchen lassen, w\u00e4ren sie nicht zum Glauben an viele Illusionen und theoretische Annahmen verleitet worden.<br>Viertens: Die Methode der Scholastiker macht den Verstand zur Untersuchungsgrundlage aller Glaubensfragen. Dies hatte zur Folge, dass sie den Verstand zur Grundlage des Koran erhoben und nicht den Koran zur Grundlage des Verstandes. Demgem\u00e4\u00df bauten sie ihre Koranexegese (Tafsir) auf den ihnen eigenen Fundamenten auf, wie das absolute Fernhalten Gottes von allem Schlechten, den freien Willen, die Gerechtigkeit, der notwendige Vollzug des Besten und \u00c4hnlichem. Sie erhoben den Verstand zum Richter \u00fcber jene Ayat[4], deren Wortlaut ihrem Verst\u00e4ndnis widersprach und lie\u00dfen ihn \u00fcber die mehrdeutigen Verse bestimmen. Jene Ayat, die mit der von ihnen gefassten Meinung nicht im Einklang standen, wurden uminterpretiert. So wurde die Uminterpretation (At-Ta&#8217;wil) zu der ihnen eigenen Methode, was f\u00fcr die Mu&#8217;tazila, die Ahl Al-Sunna und die Gabriyya in gleicher Weise galt. Grundlage war bei ihnen nicht die Aya selbst, sondern der Verstand. Und die Aya musste so ausgelegt werden, dass sie dem Verstand entsprach. Auf diese Weise f\u00fchrte das Erheben des Verstandes zur Grundlage f\u00fcr den Koran zu Fehlern bei der Untersuchung selbst und bei dem, was untersucht wurde. H\u00e4tten sie aber den Koran zur Grundlage f\u00fcr die Untersuchung gemacht und den Verstand auf den Koran aufbauen lassen, w\u00e4ren sie nicht diesen Irrt\u00fcmern verfallen.<br>Jawohl, die \u00dcberzeugung, dass der Koran das Wort Gottes ist, baut ausschlie\u00dflich auf dem Verstand auf. Doch wird der Koran selbst &#8211; nachdem man von seiner G\u00f6ttlichkeit \u00fcberzeugt ist &#8211; zur Grundlage f\u00fcr den Glauben an das, was er berichtet, und nicht der Verstand. Deswegen darf bei der Beurteilung der richtigen oder falschen Bedeutung von Koranversen nicht der Verstand, sondern m\u00fcssen die Verse selbst herangezogen werden. Dem Verstand obliegt in diesem Fall allein die Aufgabe des Verstehens. Die Scholastiker gingen jedoch nicht auf diese Weise vor. Vielmehr machten sie den Verstand zur Grundlage f\u00fcr den Koran. Deswegen kam es bei ihnen zur Uminterpretation der Koranverse.<br>F\u00fcnftens: Die Scholastiker machten den Disput unter den Philosophen zur Grundlage ihrer Untersuchungen. Die Mutazila \u00fcbernahmen von den Philosophen Ideen und widersprachen ihnen. Die Ahl Al-Sunna und die Dschabriyya widersprachen wiederum den Mutazila. Auch sie \u00fcbernahmen von den Philosophen Ideen und widersprachen ihnen. Dies, obwohl das Untersuchungsthema der Islam und nicht der Zwist mit den Philosophen oder mit anderen ist. Stattdessen h\u00e4tten sie die Themen des Islam untersuchen sollen. Mit anderen Worten h\u00e4tten sie das untersuchen sollen, was in Koran und Hadithen erw\u00e4hnt ist. An den Grenzen dieser Aussagen und ihrer inhaltlichen Untersuchungen h\u00e4tten sie halten m\u00fcssen, abgesehen von den Ausf\u00fchrungen irgendwelcher Personen. Doch sie taten es nicht. Vielmehr wandelten sie die Verk\u00fcndung des Islam und seiner Glaubensinhalte in sophistische Dispute und Streitgespr\u00e4che um. Sie entledigten ihn seiner bewegenden Seelenkraft, des Feuers und der Klarheit seiner Glaubens\u00fcberzeugung und machten aus ihm ein philosophisches Streitthema und eine scholastische Profession.<br>Dies sind die markantesten Fehlermerkmale der scholastischen Methode. Die Folge dieser Methode war, dass die Untersuchung der islamischen Aqida zu einer Wissenschaft von vielen umgewandelt wurde, die man in gleicher Weise (trocken) unterrichtete wie die arabische Grammatik zum Beispiel oder andere Wissenschaften, die nach den Eroberungen entstanden sind. Wenn es f\u00fcr jeden anderen islamischen Wissensbereich erlaubt ist, eine eigene Lehre zu entwickeln, um ihn den Menschen n\u00e4her zu bringen und leichter verst\u00e4ndlich zu machen, so darf dies f\u00fcr die islamische Glaubens\u00fcberzeugung (Aqida) nicht der Fall sein. Die islamische Aqida ist der Inhalt der Verk\u00fcndung und die Grundlage des Islam. Sie muss den Menschen so vermittelt werden, wie sie im Koran dargelegt wurde. Auch muss bei der Verk\u00fcndung der islamischen Botschaft und der Erl\u00e4uterung seiner Ideen die Methode des Koran befolgt werden; wie er die Aqida den Menschen verk\u00fcndet und sie ihnen erl\u00e4utert hat. Von daher ist es erforderlich, die Methode der Scholastiker aufzugeben und allein zur Vorgehensweise des Koran zur\u00fcckzukehren. Diese st\u00fctzt sich in ihrer Verk\u00fcndung auf die Grundlage der menschlichen Natur, ebenso auf den menschlichen Verstand in den Grenzen sinnlich wahrnehmbarer Dinge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihre Befolgung f\u00fchrt weder zur Erlangung noch zur St\u00e4rkung des Iman (Glaubens\u00fcberzeugung). 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