{"id":9627,"date":"2011-02-18T00:00:00","date_gmt":"2011-02-17T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9627"},"modified":"2011-02-18T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-17T23:00:00","slug":"5-die-islamische-glaubensueberzeugung-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9627","title":{"rendered":"5. Die islamische Glaubens\u00fcberzeugung (1)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dem Buch &#8222;Die islamische Pers\u00f6nlichkeit Teil 1&#8220;<br>Die islamische Glaubens\u00fcberzeugung (Aqida) ist der Glaube (Iman) an Allah, seine Engel, seine B\u00fccher, seine Gesandten, an den J\u00fcngsten Tag und daran, dass Qada\u00b4 und Qadar (Schicksal und Bestimmung) \u2013 sowohl das Gute als auch das Schlechte darin \u2013 von Allah, dem Erhabenen, stammen.<br>Der Iman ist die absolute \u00dcberzeugung, die basierend auf einem Beweis mit der Realit\u00e4t \u00fcbereinstimmt. Denn eine \u00dcberzeugung ohne Beweis stellt keinen Iman dar. Es handelt sich erst dann um eine absolute \u00dcberzeugung, wenn sie einem Beweis entspringt. Fehlt der Beweis, findet sich keine Absolutheit vor, und es handelt sich in diesem Fall lediglich um die Best\u00e4tigung einer Nachricht und kann daher nicht als Iman betrachtet werden. Aus diesem Grund ist es unerl\u00e4sslich, dass die \u00dcberzeugung auf einem Beweis beruht, damit eine Absolutheit vorhanden ist, d. h. der Iman zustande kommt. Demzufolge ist die Existenz eines Beweises f\u00fcr alles, was der Iman erfordert, unabdingbar, damit es sich bei der \u00dcberzeugung um einen Iman handeln kann. Die Existenz eines Beweises ist folglich eine grundlegende Bedingung f\u00fcr das Vorhandensein von Iman, unabh\u00e4ngig davon, ob er falsch oder richtig ist.<br>Der Beweis selbst kann entweder rationaler (caqliyy) oder \u00fcbertragener bzw. \u00fcberlieferter (naqliyy) Natur sein. Der Faktor, der dar\u00fcber entscheidet, ob es sich um einen rationalen oder \u00fcbertragenen Beweis handelt, h\u00e4ngt vom Sachverhalt ab, der als Beweis f\u00fcr den Iman herangezogen wird. Ist der Sachverhalt real und sinnlich wahrnehmbar, so ist sein Beweis definitiv rationaler und nicht \u00fcbertragener Natur. Ist der Sachverhalt nicht mit den Sinnen erfassbar, so ist der ihm zugrunde liegende Beweis \u00fcbertragener Natur. Allerdings ist dieser \u00fcbertragene Beweis selbst sinnlich wahrnehmbar, d. h. die Tatsache, dass es sich dabei um einen Beweis handelt, f\u00e4llt unter die sinnliche Wahrnehmung und wird von den Sinnen des Menschen erfasst. Somit h\u00e4ngt die Anerkennung eines Naqliyy-Beweises, der f\u00fcr Iman geeignet ist, davon ab, ob durch einen rationalen Beweis erwiesen ist, dass es sich bei ihm (wirklich) um einen Beweis handelt.<br>Bei genauer Betrachtung der Dinge, f\u00fcr die seitens der islamischen Glaubens\u00fcberzeugung der Iman gefordert wird, erkennt man, dass der Beweis f\u00fcr den Glauben an Allah rationaler Natur ist. Denn der entsprechende Sachverhalt ist sinnlich wahrnehmbar, n\u00e4mlich die Existenz eines Sch\u00f6pfers f\u00fcr die fassbaren existierenden Gesch\u00f6pfe. Der Beweis f\u00fcr den Iman an die Engel ist hingegen \u00fcbertragener (naqliyy) Natur, da die Existenz der Engel von den Sinnen nicht wahrnehmbar ist. So sind die Engel selbst nicht direkt wahrnehmbar, ebenso gibt es nichts Wahrnehmbares, was auf ihre Existenz hindeuten w\u00fcrde. Was den Beweis f\u00fcr den Iman an die B\u00fccher betrifft, so muss man differenzieren. Geht es um den Iman an den Koran, so ist der ihm zugrunde liegende Beweis rational, da er sinnlich wahrnehmbar und sein Wunder jederzeit sinnlich fassbar ist. Ist jedoch der Glaube an die anderen B\u00fccher gemeint, wie die Thora, das Evangelium oder die Psalmen (Zabur), so ist der entsprechende Beweis \u00fcbertragener Natur, da es nicht zu jeder Zeit wahrnehmbar ist, dass sie von Allah (t.) stammen. Vielmehr war ihre g\u00f6ttliche Herkunft ausschlie\u00dflich im Zeitalter der sie verk\u00fcndenden Gesandten mittels der sie begleitenden Wunder sinnlich wahrnehmbar. Mit dem Ablauf ihrer Zeit verschwanden auch ihre Wunder, und diese waren nach dem Tod derer, die sie vollbracht haben, nicht mehr als solche erkennbar. Die Nachricht dar\u00fcber, dass sie von Allah stammen und dem jeweiligen Gesandten offenbart worden sind, wurde nur noch auf dem Wege der \u00dcberlieferung weitergegeben. Daher ist der entsprechende Beweis \u00fcberlieferter und nicht rationaler Natur, denn f\u00fcr den Verstand ist es nicht mehr zu jeder Zeit erkennbar, dass es sich um das Wort Allahs handelt, da es als Wunder nicht mehr mit den Sinnen wahrnehmbar ist. Analog dazu verh\u00e4lt es sich mit dem Glauben an die Gesamtheit der Propheten. So ist der Beweis f\u00fcr den Glauben an den Gesandten Muhammad rational, denn aus der wahrnehmbaren Tatsache, dass der Koran das Wort Allahs verk\u00f6rpert, ebenso wie aus der Tatsache, dass Muhammad ihn verk\u00fcndet hat, wird ebenso die Gesandtschaft Muhammads rational erkennbar. Und dies gilt f\u00fcr alle Zeiten und alle Generationen. Hinsichtlich der \u00fcbrigen Propheten, so ist der entsprechende Beleg \u00fcbertragener Natur, denn der Beleg f\u00fcr die Prophetenschaft wird durch die Wunder der Propheten repr\u00e4sentiert, die ausschlie\u00dflich von ihren Zeitgenossen sinnlich wahrnehmbar waren.<br>Die nachfolgenden Generationen konnten und k\u00f6nnen bis zum heutigen Tag diese Wunder nicht sp\u00fcrbar nachvollziehen und werden sie auch bis zum J\u00fcngsten Tag nicht mehr wahrnehmen k\u00f6nnen. Es existiert also kein sinnlich greifbarer Beweis und damit auch kein rationaler Beleg f\u00fcr ihre Prophetenschaft. Somit ist der Beweis in ihrem Falle \u00fcbertragener Natur. Was jedoch den Beweis f\u00fcr die Prophetenschaft Muhammads betrifft, so ist sein Wunder existent und sinnlich wahrnehmbar, n\u00e4mlich in Form des Koran. Daher ist der ihn betreffende Beweis rational (aqliyy). Bez\u00fcglich des Beweises f\u00fcr den J\u00fcngsten Tag, so ist auch er \u00fcbertragen, da er mit den Sinnen nicht wahrnehmbar ist. Und es existiert nichts Wahrnehmbares, was auf ihn hinweisen k\u00f6nnte. Somit ist dessen Beweis nicht rationaler, sondern \u00fcbertragener Natur. Was den Glauben an Schicksal (Qada\u00b4) und Bestimmung (Qadar) anlangt, so ist der entsprechende Beweis rationaler Art, denn Qada\u00b4 h\u00e4ngt mit zwei Aspekten zusammen: Der erste Aspekt betrifft die existenzielle Ordnung und das, was durch sie bedingt wird. Der Beweis hierf\u00fcr ist rationaler Art, denn er ist mit dem Sch\u00f6pfer verkn\u00fcpft. Bei dem zweiten Aspekt geht es um die menschliche Handlung, die unfreiwillig vom Menschen ausgeht bzw. ihm zust\u00f6\u00dft. Es handelt sich dabei um etwas sinnlich Wahrnehmbares und gilt daher als rationaler Beweis. Qadar stellt die Eigenschaft in den Dingen dar, die der Mensch bewirkt, wie das Brennen des Feuers oder die Eigenschaft des Schneidens im Messer. Da diese Eigenschaften durch die Sinne wahrnehmbar sind, ist der Beweis f\u00fcr den Qadar rationaler Art.<br>Dies betraf die Art der Beweise f\u00fcr die islamische Glaubens\u00fcberzeugung. Was jeden einzelnen Beweis davon betrifft, so ist der Beleg f\u00fcr die Existenz Allahs in jedem Objekt vorhanden. Denn dass jedes sinnlich wahrnehmbare Objekt existent ist, ist eine unumst\u00f6\u00dfliche Tatsache ebenso wie die Tatsache, dass es von etwas anderem abh\u00e4ngig ist. Daher gilt es als Faktum, dass sie von einem Sch\u00f6pfer erschaffen wurden, denn ihre Abh\u00e4ngigkeit bedeutet, dass sie erschaffen sind. Ihre Bed\u00fcrftigkeit nach etwas anderem impliziert etwas Pr\u00e4existentes, folglich sind die Dinge selbst nicht von ewiger Dauer. Das Argument, dass ein Objekt zwar eines anderen Objektes, aber nicht etwas g\u00e4nzlich Anderes bedarf, da sich die einzelnen Objekte erg\u00e4nzen, sie im Kollektiv also nicht bed\u00fcrftig sind, kommt hier nicht zum Tragen. Der Beleg bezieht sich n\u00e4mlich auf eine ganz konkrete Sache, wie auf einen Stift, einen Krug, ein Blatt oder etwas \u00c4hnliches. Bei der Beweisf\u00fchrung geht es darum, zu belegen, dass dieser Stift, dieser Krug oder dieses Blatt von einem Sch\u00f6pfer erschaffen wurde. Hierbei wird sichtbar, dass dieser Gegenstand an sich von etwas Anderem abh\u00e4ngig ist, ungeachtet dessen, von was er abh\u00e4ngig ist. Dieses Andere, dessen der Gegenstand bedarf, steht &#8211; sinnlich wahrnehmbar &#8211; definitiv au\u00dferhalb von ihm. Sobald ein Objekt von etwas Anderem abh\u00e4ngig ist, gilt es als erwiesen, dass es nicht von ewigem Bestand ist und demzufolge erschaffen sein muss.<br>Ebenso wenig gilt das Argument, dass das Objekt an sich aus Materie bestehe und von anderer Materie und damit von sich selbst abh\u00e4ngig sei und nicht von etwas Anderem, so dass eigentlich keine Bed\u00fcrftigkeit vorl\u00e4ge. Dieses Argument z\u00e4hlt nicht, denn wenn man davon ausgeht, dass das Objekt aus Materie besteht und von (anderer) Materie abh\u00e4ngig ist, so ist diese Abh\u00e4ngigkeit in Wahrheit die Abh\u00e4ngigkeit von etwas Immateriellem und nicht von der Materie selbst. Dies liegt darin begr\u00fcndet, dass Materie nicht aus sich selbst heraus in der Lage ist, die Bed\u00fcrftigkeit einer anderen Materie auszuf\u00fcllen. Vielmehr ist die Existenz von etwas Immateriellem notwendig, um dieser Bed\u00fcrftigkeit beizukommen. Die Materie ist somit von etwas anderem abh\u00e4ngig und nicht nur von sich selbst. Um beispielsweise Wasser in Dampf umzuwandeln, bedarf es der Energie. Wenn man davon ausgeht, dass beides, sowohl Wasser als auch Energie Materie sind, so reicht das Vorhandensein von blo\u00dfer Energie nicht aus, um eine Umwandlung von Wasser zu bewirken. Es ist vielmehr ein ganz bestimmtes Energieverh\u00e4ltnis f\u00fcr den Umwandlungsprozess notwendig. Dieses bestimmte Verh\u00e4ltnis an Energie ist es, von dem das Wasser abh\u00e4ngig ist. Und dieses Verh\u00e4ltnis wird durch etwas anderes als das Wasser oder die Energie selbst bedingt, d. h. durch etwas, das sich au\u00dferhalb der Materie befindet und das die Materie dazu zwingt, sich diesem Energieverh\u00e4ltnis zu f\u00fcgen. Demzufolge ben\u00f6tigt die Materie etwas, das ihr das Energieverh\u00e4ltnis festlegt. Sie ist somit von etwas Immateriellem abh\u00e4ngig. Es besteht also definitiv eine Bed\u00fcrftigkeit der Materie nach etwas Anderem, was hei\u00dft, dass sie von einem Sch\u00f6pfer erschaffen ist. Folglich sind alle sinnlich wahrnehmbaren Dinge von einem Sch\u00f6pfer erschaffen.<br>Was den Sch\u00f6pfer betrifft, so muss Er immerw\u00e4hrend und ohne Anfang sein. W\u00e4re Er n\u00e4mlich nicht immerw\u00e4hrend, w\u00fcrde es sich bei ihm um ein Gesch\u00f6pf und keinen Sch\u00f6pfer handeln. Die Tatsache, dass Er ein Sch\u00f6pfer ist, setzt seine Ewigkeit unabdingbar voraus. Denn der Sch\u00f6pfer muss notwendigerweise von ewiger Existenz sein. Vergegenw\u00e4rtigt man sich die Dinge, die als Sch\u00f6pfer in Frage k\u00e4men, so w\u00e4re dies entweder die Materie, die Natur oder aber Allah, der Erhabene. Was die M\u00f6glichkeit der Materie als Sch\u00f6pfer anbelangt, so ist dies aufgrund der obigen Ausf\u00fchrungen auszuschlie\u00dfen, da die Materie von etwas anderem abh\u00e4ngig ist, das ihr das Mengenverh\u00e4ltnis zur Durchf\u00fchrung des Umwandlungsprozesses festlegt. Folglich ist die Materie nicht ewig und damit kein Sch\u00f6pfer. Auch die Natur kann als Sch\u00f6pfer nicht in Frage kommen. Denn die Natur ist die Summe aller Dinge samt der Ordnung, der die Dinge unterworfen sind, sodass alles im Universum nach dieser Ordnung ablaufen muss. Dieser ordnungsgem\u00e4\u00dfe Ablauf kann jedoch nicht allein aus der Ordnung hervorgehen, denn ohne die Existenz der Dinge, die geordnet werden m\u00fcssen, g\u00e4be es keine Ordnung. Ebenso r\u00fchrt er nicht von den Dingen selbst her, denn ihre Existenz bringt nicht automatisch bzw. unbedingt die Ordnung hervor. Auch l\u00e4sst sie die Dinge sich nicht aus sich selbst heraus ordnen, ohne den \u00e4u\u00dferen Eingriff einer ordnenden Kraft. Der ordnungsgem\u00e4\u00dfe Ablauf kann auch nicht aus den Dingen und der Ordnung gemeinsam hervorgehen, denn er erfolgt nur in einem ganz bestimmten Zustand, dem die Dinge und die Ordnung selbst unterworfen sind. Allein dieser spezifische Zustand von Ordnung zusammen mit den existierenden Dingen bewirkt den ordnungsgem\u00e4\u00dfen Ablauf. Der spezifische Zustand ist somit der Ordnung als auch den Dingen aufgezwungen worden, denn ohne ihn kann es keinen ordnungsgem\u00e4\u00dfen Ablauf geben. Er r\u00fchrt weder von der Ordnung noch von den Dingen noch von der Summe beider Aspekte her, demzufolge ist sein Ursprung definitiv etwas anderes. Aufgrund dessen ist auch die Natur, die sich nur in einem ganz bestimmten Zustand, der ihr von au\u00dfen aufgezwungen wurde, fortbewegen kann, von etwas anderem abh\u00e4ngig, sie ist also nicht ewig, und das Nichtewige kann keinesfalls der Sch\u00f6pfer sein. Demzufolge bleibt als Sch\u00f6pfer nur mehr Jener \u00fcbrig, der definitiv die Eigenschaft der Ewigkeit besitzt, und dies ist Allah, der Erhabene und Gepriesene.<br>Die Existenz Allahs ist mittels der Sinne erfassbar und wahrnehmbar. Denn die wahrnehmbaren und sp\u00fcrbaren Dinge weisen mit ihrer Bed\u00fcrftigkeit nach dem Ewigen auf die Existenz eines Sch\u00f6pfers hin. Jedes Mal, wenn der Mensch sich in die Betrachtung der Gesch\u00f6pfe Allahs vertieft, die Verbindung zum Universum sucht und versucht, Zeit und Ort zu erfassen, stellt er fest, dass er nur ein winzig kleines Teilchen in Relation zu diesem Universum darstellt. Er gelangt weiterhin zur Einsicht, dass sich diese zahlreichen Welten gem\u00e4\u00df bestimmter, unver\u00e4nderlicher Gesetze bewegen. Dadurch gelangt er zur tiefen Erkenntnis von der Existenz dieses Sch\u00f6pfers. Ihm werden Seine Einzigartigkeit, Seine Gr\u00f6\u00dfe und Seine Macht bewusst. Er begreift den Wechsel von Tag und Nacht, das Wehen der Winde aus den verschiedenen Richtungen, die Existenz der Meere, der Fl\u00fcsse und der Himmelsk\u00f6rper als rationale Beweise und sprechende Belege f\u00fcr die Existenz Allahs, f\u00fcr Seine Einzigartigkeit und Seine Macht. Er, der Erhabene, sagt:<br><strong>\u201eWahrlich in der Sch\u00f6pfung der Himmel und der Erde und dem Wechsel von Nacht und Tag und den Schiffen, die auf dem Meer fahren mit dem, was den Menschen n\u00fctzt, und in dem, was Allah vom Himmel an Wasser herniedersandte und damit die Erde nach ihrem Tod belebte und alle Arten von Getier sich ausbreiten lie\u00df, und im Wechsel der Winde und den dienstbaren Wolken zwischen Himmel und Erde sind Zeichen f\u00fcr die Denkenden.&#8220;<\/strong> (Al-Baqara, Aya 164). Auch sagt Er:<br><strong>\u201eSind sie denn aus nichts erschaffen worden oder etwa sie die Sch\u00f6pfer? Schufen sie gar die Himmel und die Erde? Doch nein, sie haben keine Gewissheit!&#8220;<\/strong> (At-Tur 52, Aya 35-36)<br>Somit ist es der Verstand, der die Existenz Allahs erkennt, und nur \u00fcber ihn darf der Weg zum Iman gesucht werden. Aus diesem Grund hat der Islam den Gebrauch des Verstandes zur Pflicht erkl\u00e4rt und ihn zum Richter \u00fcber den Glauben an die Existenz Allahs (t) erhoben. Daher ist der Beweis f\u00fcr die Existenz Allahs rationaler Art.<br>Die Verfechter der Ansicht von der anfangslosen Ewigkeit der Welt sowie der Materie argumentieren folgenderma\u00dfen: Die Welt ist von nichts Anderem abh\u00e4ngig. Sie ist sich selbst genug, da die in ihr existenten Dinge nichts Anderes als vielf\u00e4ltige Formen der Materie sind, da sie alle aus Materie bestehen. Die gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit bedeutet jedoch keine Bed\u00fcrftigkeit, denn die Abh\u00e4ngigkeit einer Sache von sich selbst stellt im Grunde keine Bed\u00fcrftigkeit dar. Vielmehr ist sie sich selbst genug und kann Anderes entbehren. Somit ist die Materie von anfangsloser Ewigkeit, da sie aus sich heraus existieren und Anderes entbehren kann. Mit anderen Worten, die Welt ist von Ewigkeit her und unabh\u00e4ngig von Anderem existierend.<br>Das Gegenargument daf\u00fcr beinhaltet zwei Gesichtspunkte: Zun\u00e4chst einmal haben die in der Welt existenten Dinge nicht die F\u00e4higkeit, etwas aus dem Nichts hervorzubringen und zu erschaffen, gleichg\u00fcltig, ob im Kollektiv oder als Einzelobjekt. Das einzelne Objekt ist unf\u00e4hig, etwas aus dem Nichts hervorzubringen und zu erschaffen. Auch wenn es durch ein anderes in einem oder mehreren Bereichen erg\u00e4nzt werden w\u00fcrde, so bleibt die Tatsache bestehen, dass ein Objekt zusammen mit anderen Objekten unf\u00e4hig ist zu erschaffen und aus dem Nichts zu gestalten. Diese Unf\u00e4higkeit des Erschaffens aus dem Nichts ist sp\u00fcrbar und offensichtlich. Sie bedeutet, dass der Gegenstand nicht von anfangsloser Ewigkeit sein kann, denn der anfangslos Ewige schlie\u00dft f\u00fcr sich das Attribut der Bed\u00fcrftigkeit aus und muss das Attribut des Erschaffens und des Gestaltens aus dem Nichts besitzen. Mit anderen Worten m\u00fcssen die entstandenen Dinge in ihrer Existenz von ihm abh\u00e4ngen, damit er f\u00fcr sich die Eigenschaft der Ewigkeit beanspruchen kann. Demzufolge ist die Welt nicht von Ewigkeit und nicht anfangslos, da sie nicht in der Lage ist zu erschaffen und zu gestalten. Die Unf\u00e4higkeit einer Sache aus dem Nichts zu erschaffen ist ein definitiver Beweis daf\u00fcr, dass sie nicht ewig ist. Der zweite Gesichtspunkt ergibt sich aus der bereits festgestellten Tatsache, dass der Gegenstand ein ganz bestimmtes Mengenverh\u00e4ltnis ben\u00f6tigt, das er nicht \u00fcbertreten kann, um die Bed\u00fcrftigkeit eines anderen Gegenstandes auszuf\u00fcllen. Dies kann folgenderma\u00dfen erl\u00e4utert werden:<br>Die Materie A ben\u00f6tigt die Materie B, die Materie B ben\u00f6tigt die Materie C und diese wiederum die Materie A etc. &#8230; Ihre Abh\u00e4ngigkeit voneinander beweist, dass jede von ihnen nicht von Ewigkeit sein kann. Die Tatsache, dass sie sich gegenseitig erg\u00e4nzen bzw. ihre gegenseitige Bed\u00fcrftigkeit ausf\u00fcllen, ist nicht uneingeschr\u00e4nkt g\u00fcltig, vielmehr erfolgt dies nach einem ganz bestimmten Mengenverh\u00e4ltnis d. h. nach einer ganz bestimmten Ordnungsstruktur. Und die Materie kann eine andere allein nach dieser Ordnungsstruktur erg\u00e4nzen bzw. ist nicht in der Lage, sich dieser Ordnungsstruktur zu entziehen. Demzufolge hat die erg\u00e4nzende Materie die Erg\u00e4nzung nicht alleine vorgenommen, die Bed\u00fcrftigkeit also nicht alleine erf\u00fcllt. Sie hat dies vielmehr nach einer bestimmten Ordnungsstruktur getan, die ihr von au\u00dfen auferlegt wurde und sie ist gezwungen worden, sich dieser zu f\u00fcgen. Dies bedeutet, dass sowohl der erg\u00e4nzte als auch der erg\u00e4nzende Gegenstand etwas ben\u00f6tigen, was ihnen die bestimmte Ordnungsstruktur festlegt, damit die Bed\u00fcrftigkeit ausgef\u00fcllt wird. Beide k\u00f6nnen sich dieser Ordnungsstruktur nicht widersetzen. Auch wird die Bed\u00fcrftigkeit nur durch diese bestimmte Ordnungsstruktur ausgef\u00fcllt. Demzufolge bed\u00fcrfen sie desjenigen, der ihnen diese spezifische Ordnungsstruktur aufgezwungen hat. Aufgrund dessen sind die Dinge in ihrer Summe, auch wenn sie sich gegenseitig erg\u00e4nzen, noch immer von etwas anderem abh\u00e4ngig, und zwar von dem, das sie gezwungen hat, sich dieser bestimmten Ordnungsstruktur zu unterwerfen. So bedarf das Wasser, um sich in Eis zu verwandeln, der Temperatur. Nun behaupten sie, dass Wasser, Temperatur und Eis Materie sei. Und diese Materie hat nur sich selbst und nichts anderes ben\u00f6tigt, um sich von einer materiellen Gestalt in die andere zu verwandeln. Jedoch besagt die Realit\u00e4t etwas anderes: Damit sich das Wasser in Eis verwandelt, bedarf es nicht blo\u00df der Temperatur, sondern eines ganz bestimmten Temperaturgrades. Wenn die Temperatur nun Materie verk\u00f6rpert, so stellt jedoch die Tatsache, dass sie nur bei einem bestimmten Grad zur Umwandlung f\u00fchrt, etwas anderes dar und nicht die Temperatur selbst. Mit anderen Worten r\u00fchrt das Verh\u00e4ltnis, das der Temperatur auferlegt wurde, um zu beeinflussen, und dem Wasser auferlegt wurde, um beeinflusst zu werden, von etwas anderem her. Weder entspringt es dem Wasser, sonst k\u00f6nnte es sich beliebig beeinflussen lassen, noch der Temperatur, sonst k\u00f6nnte sie beliebig Einfluss nehmen. Das Verh\u00e4ltnis entspringt also nicht der Materie selbst, sonst k\u00f6nnte diese nach Belieben Einfluss nehmen und sich beeinflussen lassen. Es muss also notwendigerweise von etwas Immateriellem herr\u00fchren.<br>Demzufolge ben\u00f6tigt die Materie etwas, das ihr das bestimmte (Energie-)Verh\u00e4ltnis festlegt, damit der Einfluss, sei er nun aktiv oder reaktiv, stattfinden kann. Das, was ihr dieses bestimmte Verh\u00e4ltnis vorgibt, ist definitiv etwas anderes und nicht sie selbst. Somit ist die Materie von etwas anderem abh\u00e4ngig und nicht von anfangsloser Ewigkeit. Denn das Ewige bedarf keines anderen, es gen\u00fcgt sich selbst und stellt den Ursprung aller Dinge dar. Die Tatsache, dass die Materie sich selbst nicht gen\u00fcgt und von anderem abh\u00e4ngt, beweist definitiv, dass sie erschaffen und nicht von Ewigkeit ist. Ein Blick in die Welt l\u00e4sst jeden Menschen erkennen, dass die Entstehung der Dinge \u2013 und zwar sowohl derjenigen, die ein Volumen einnehmen, als auch derjenigen, die aus Energie bestehen \u2013 nur aus sinnlich wahrnehmbaren Dingen und einer ganz bestimmten Ordnungsstruktur zwischen diesen Dingen erfolgen kann. Allein auf diese Weise kann irgendetwas entstehen. Nichts in dieser Welt kann etwas aus dem Nichts entstehen lassen. Auch existiert nichts, was etwas hervorbringen k\u00f6nnte, ohne dass der entstandene Gegenstand durch das (Mengen-)Verh\u00e4ltnis bestimmt wird und diesem unterworfen ist. Mit anderen Worten existiert kein Gegenstand auf dieser Welt, der aus dem Nichts entstanden oder einem (Mengen-)Verh\u00e4ltnis d. h. einer bestimmten Ordnungsstruktur nicht unterworfen w\u00e4re. Demzufolge sind alle entstehenden und bereits entstandenen Dinge auf der Welt weder anfangslos noch von Ewigkeit. Was die neu entstehenden Dinge anbelangt, so ist dies offenkundig, da sie aus anderen, sinnlich wahrnehmbaren Dingen hervorgegangen sind. Auch ist offensichtlich, dass sie in ihrer Entstehung einer ganz bestimmten Ordnungsstruktur unterworfen waren, die ihnen (von au\u00dfen) aufgezwungen wurde. Was die bereits entstanden Dinge anbelangt, so geht dies klar aus der Tatsache hervor, dass sie keinen Gegenstand aus dem Nichts hervorbringen k\u00f6nnen, ebenso aus dem Umstand, dass auch sie zwangsweise einer Ordnungsstruktur unterworfen sind, der sie sich nicht entziehen k\u00f6nnen. Diese Ordnungsstruktur entspringt nicht aus ihnen selbst, sonst w\u00e4ren sie in der Lage, diese Ordnung abzulegen und sich ihr nicht zu unterwerfen. Sie stammt also definitiv von etwas anderem.<br>Die Unf\u00e4higkeit der sinnlich wahrnehmbaren Dinge auf der Welt \u2013 die Unf\u00e4higkeit der Welt also \u2013 etwas aus dem Nichts entstehen zu lassen und die Tatsache, dass sie einer bestimmten Ordnungsstruktur, die von etwas anderem stammt, unterworfen sind, stellt einen definitiven Beweis daf\u00fcr dar, dass die Welt nicht anfangslos und nicht von Ewigkeit ist, sondern von einem ewigen, anfangslosen Sch\u00f6pfer erschaffen wurde. Was die Behauptung jener anlangt, die vorbringen, dass die Sch\u00f6pfung durch passende Voraussetzungen und (Selbst-)Regulierung erfolgt ist, und die somit die Existenz des Sch\u00f6pfers, der aus dem Nichts erschuf, negieren, so bedeutet ihre Aussage nichts anderes, als dass die sinnlich wahrnehmbaren Dinge zusammen mit der Ordnungsstruktur, die ihnen auferlegt wurde, die sch\u00f6pfenden Kr\u00e4fte sind. Denn die passenden Voraussetzungen und die Selbstregulierung k\u00f6nnen sich nur beim Vorhandensein von sinnlich wahrnehmbaren Dingen und einer Ordnungsstruktur einstellen, die (erwiesenerma\u00dfen) von etwas anderem stammt. Diese Behauptung l\u00e4sst die Sch\u00f6pfung urs\u00e4chlich aus diesen beiden Komponenten hervorgehen: den sinnlich wahrnehmbaren Dingen und der spezifischen Ordnungsstruktur, was aber definitiv unrichtig ist. Denn die Ordnungsstruktur geht nicht aus den materiellen Dingen und auch nicht aus sich selbst hervor, vielmehr ist sie den wahrnehmbaren Dingen von etwas anderem, das weder materiell noch wahrnehmbar ist, aufgezwungen worden.<br>Damit wird klar, dass &#8222;passende Voraussetzungen und Selbstregulierung&#8220; keine Sch\u00f6pfung darstellen, da aus ihnen allein materielle Existenz unm\u00f6glich hervorgehen kann. Vielmehr muss etwas nicht Wahrnehmbares und nicht Erfassbares vorhanden sein, das den sinnlich wahrnehmbaren Dingen die Ordnungsstruktur aufzwingt, damit materielle Existenz entstehen kann. Dadurch wird deutlich, dass passende Voraussetzungen und Selbstregulierung keine Sch\u00f6pfung verk\u00f6rpern und aus ihnen allein die Existenz unm\u00f6glich hervorgehen kann.<br>Zudem kann ein &#8222;Sch\u00f6pfer&#8220;, der keine sinnlich wahrnehmbaren Dinge aus dem Nichts erschaffen hat, unm\u00f6glich Sch\u00f6pfer sein, da er nicht imstande ist, die Dinge durch seinen alleinigen Willen entstehen zu lassen. Vielmehr bedarf er selbst etwas anderem mit ihm, um die Dinge entstehen lassen zu k\u00f6nnen. Demzufolge ist er abh\u00e4ngig und nicht von Ewigkeit, da er nicht imstande war, allein von sich selbst aus Dinge entstehen zu lassen, denn er bedurfte eines anderen. Der Unf\u00e4hige und Bed\u00fcrftige kann aber nicht von Ewigkeit sein. Dar\u00fcber hinaus bedeutet das Wort &#8222;Sch\u00f6pfer&#8220; real gesehen der Erschaffer aus dem Nichts. Denn &#8222;Sch\u00f6pfer&#8220; hei\u00dft nichts anderes, als dass alle Dinge von ihm abh\u00e4ngen, wohingegen er von nichts abh\u00e4ngig ist. Hat er die Dinge jedoch nicht aus dem Nichts erschaffen und ist er zur Sch\u00f6pfung unf\u00e4hig, wenn es (noch) keine existierenden Dinge gibt, so bedeutet dies, dass er in der Sch\u00f6pfung von den Dinge abh\u00e4ngig ist und die Dinge in ihrer Existenz nicht allein von ihm abh\u00e4ngen, was bedeutet, dass nicht er allein der Sch\u00f6pfer ist, somit kann er in Wirklichkeit kein Sch\u00f6pfer sein. Demzufolge muss der Sch\u00f6pfer die Dinge aus dem Nichts erschaffen k\u00f6nnen, um das Attribut des Sch\u00f6pfers zu verdienen. Es muss auch Willen und Allmacht besitzen und von den Dingen g\u00e4nzlich unabh\u00e4ngig sein. Mit anderen Worten h\u00e4ngt er von nichts ab, w\u00e4hrend alle Dinge in ihrer Existenz von ihm abh\u00e4ngen. Das Hervorbringen der Dinge muss also notwendigerweise aus dem Nichts erfolgen, um es als Sch\u00f6pfung zu bezeichnen, auch muss derjenige, der sie hervorbringt, sie aus dem Nichts entstehen lassen, um wirklich Sch\u00f6pfer zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die islamische Glaubens\u00fcberzeugung (Aqida) ist der Glaube (Iman) an Allah, seine Engel, seine B\u00fccher, seine Gesandten, an den J\u00fcngsten Tag und daran, dass Qada\u00b4 und Qadar (Schicksal und Bestimmung) \u2013 sowohl das Gute als auch das Schlechte darin \u2013 von Allah, dem Erhabenen, stammen.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":3049,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[30],"tags":[217,1245,1328,2167,2172,2341],"class_list":["post-9627","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-grundlagen","tag-aqida","tag-iman","tag-islamische-glauubensueberzeugung","tag-rational","tag-realitaet","tag-schicksal-und-bestimmung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9627","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9627"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9627\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3049"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}