{"id":9631,"date":"2012-11-10T00:00:00","date_gmt":"2012-11-09T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9631"},"modified":"2012-11-10T00:00:00","modified_gmt":"2012-11-09T23:00:00","slug":"9-wie-die-frage-von-al-qada-wa-al-qadar-schicksal-und-bestimmung-entstanden-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9631","title":{"rendered":"9. Wie die Frage von &#8222;Al-Qada wa Al-Qadar&#8220; (Schicksal und Bestimmung) entstanden ist"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dem Buch &#8222;Die islamische Pers\u00f6nlichkeit Teil 1&#8220;<br>Exkludieren wir die Frage des Begehers der Kapitals\u00fcnde, wegen der Wasil Ibn Ata&#8216;, der F\u00fchrer der Mu&#8217;tazila, den Lehrkreis des Hassan Al-Basriy verlie\u00df, finden wir kaum eine Frage der Scholastik, die in ihrem Ursprung nicht bereits von den griechischen Philosophen untersucht worden war. Die Frage von \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220; (Schicksal und Bestimmung), in dieser Bezeichnung und mit diesem von ihnen untersuchten Inhalt, wurde bereits von den Philosophen Griechenlands er\u00f6rtert und bildete eine Streitfrage unter ihnen.<br>Diese Frage wird als \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220;, als \u201eZwang und freie Wahl&#8220; oder auch als \u201eWillensfreiheit&#8220; bezeichnet. In all diesen Bezeichnungen hat sie ein und denselben Inhalt n\u00e4mlich: Ist der Mensch frei die von ihm ausgehenden Handlungen zu begehen bzw. nicht zu begehen oder ist er gezwungen dazu? Vor der \u00dcbersetzung der griechischen Philosophie kam es den Muslimen nie in den Sinn, diese Frage zu untersuchen. Vielmehr waren es die griechischen Philosophen, die sich mit dieser Frage besch\u00e4ftigt hatten und diesbez\u00fcglich unterschiedlicher Meinung waren. So waren die Epikureer der Ansicht, dass der Wille frei w\u00e4hlen k\u00f6nne und dass der Mensch all seine Taten in freiem Willen und freier Wahl ausf\u00fchre, ohne irgendeinem Zwang zu unterliegen. Die Deterministen unter den Stoikern vertraten hingegen die Meinung, dass der Wille gezwungen sei, einen bestimmten Weg einzuschlagen und diesen nicht verlassen k\u00f6nne. Der Mensch vermag nichts nach seinem eigenen Willen zu tun, vielmehr ist er zur Handlung gezwungen und besitzt nicht die Freiheit, etwas tun oder zu lassen. Als der Islam kam und die philosophischen Ideen sich einschlichen, geh\u00f6rte die Frage nach der Gerechtigkeitseigenschaft Allahs zu den wichtigsten Er\u00f6rterungen. Sie stellten fest, dass Allah gerecht sei. Als Folge dieser Gerechtigkeit ergab sich die Frage nach Belohnung und Bestrafung. Daraus ergab sich wiederum die Frage nach dem Vollzug der Handlungen durch den Menschen. So f\u00fchrte sie die Untersuchungsmethode, der sie folgten, von der Untersuchung einer Frage zur Untersuchung der sich daraus ergebenden Zweigfragen, was stets unter dem Einfluss der Er\u00f6rterungen griechischer Philosophen geschah. Mit anderen Worten geschah es unter dem Einfluss der von ihnen untersuchten philosophischen Ideen, die mit den von ihnen behandelten Fragen verkn\u00fcpft waren. Am hervorstechendsten dabei war die Untersuchung der Mu&#8217;tazila, die den Ursprung dieses Diskurses bildete. Die Untersuchungen der anderen Scholastiker waren im Grunde Antworten auf die Mu&#8217;tazila.<br>Deswegen bilden die Mu&#8217;tazila den Ursprung in der Frage von \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220; wie auch in allen anderen Fragen der Scholastik. Die Mu&#8217;tazila betrachteten Allahs Gerechtigkeit unter der Pr\u00e4misse, dass Er, erhaben sei Er, von jeder Ungerechtigkeit frei sein m\u00fcsse. Zur Frage von Belohnung und Bestrafung nahmen sie in Folge einen Standpunkt ein, der mit der Makellosigkeit Allahs und Seiner Gerechtigkeit \u00fcbereinstimmte. So waren sie der Ansicht, dass die Gerechtigkeit Allahs keinen Sinn ergebe, ohne dem Menschen die (volle) Willensfreiheit zuzusprechen, dass n\u00e4mlich er, der Mensch, seine Taten selbst erschafft und das Verm\u00f6gen hat, eine Tat zu tun oder nicht zu tun. Wenn er nun mit seinem Willen etwas tut oder nicht tut, ist seine diesbez\u00fcgliche Belohnung oder Bestrafung auch verst\u00e4ndlich und gerecht. W\u00fcrde aber Allah den Menschen erschaffen und ihn zwingen, eine Handlung auf eine bestimmte Weise zu tun &#8211; indem Er den Gehorsamen zur Gehorsamkeit und den Ungehorsamen zur Ungehorsamkeit n\u00f6tigte, um den einen anschlie\u00dfend zu belohnen und den anderen zu bestrafen \u2013 so w\u00e4re das bar jeder Gerechtigkeit. Auf diese Weise haben sie vom Wahrnehmbaren auf das Nichtwahrnehmbare eine Analogie gezogen und Allah, den Erhabenen, mit menschlichem Ma\u00dfstab bemessen. Sie haben Allah, den Erhabenen, den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten dieser Welt unterworfen, und zwar in gleicher Weise, wie es die griechischen Philosophen getan haben. Sie zwangen Allah die Gerechtigkeit in der Form auf, wie sich der Mensch diese vorstellt. Der Ursprung der Untersuchung war die Belohnung und Bestrafung seitens Allahs f\u00fcr die Handlungen des Menschen. Dies stellte das Untersuchungsthema dar, das als \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220;, als \u201eZwang und freie Wahl&#8220; oder als \u201eWillensfreiheit&#8220; bezeichnet wurde. In ihren Untersuchungen schlugen sie den Weg der griechischen Philosophen ein, sie untersuchten den \u201eWillen&#8220; und die Erschaffung der Taten. Bez\u00fcglich des \u201eWillens&#8220; sagten sie Folgendes: \u201eWir sehen, dass derjenige, der das Gute will, gut ist, und derjenige, der das Schlechte will, schlecht ist. Wer Gerechtigkeit will, ist gerecht, und wer Ungerechtigkeit will, ist ungerecht. Wenn nun der Wille Allahs mit allem, was in der Welt an Gutem und Schlechtem existiert, verkn\u00fcpft w\u00e4re, dann m\u00fcsste das Gute und das Schlechte von Allah, dem Erhabenen, gewollt sein. Der Wollende m\u00fcsste aber mit der Eigenschaft des Guten und des Schlechten bzw. des Gerechten und des Ungerechten attribuiert werden, was im Falle Allahs unm\u00f6glich w\u00e4re.&#8220; Auch sagten sie: \u201eWenn Allah den Unglauben des Ungl\u00e4ubigen und die Ungehorsamkeit des Ungehorsamen gewollt h\u00e4tte, h\u00e4tte Er ihm den Unglauben und die Ungehorsamkeit nicht untersagt. Wie kann man sich denn vorstellen, dass Allah von Abu Lahab den Unglauben will, ihn anschlie\u00dfend aber zum Glauben aufruft und ihm den Unglauben untersagt? T\u00e4te das irgendein Gesch\u00f6pf, w\u00fcrde man es f\u00fcr t\u00f6richt erkl\u00e4ren. Dar\u00fcber ist Allah aber vielfach erhaben. W\u00e4ren der Unglaube des Ungl\u00e4ubigen und die Ungehorsamkeit des Ungehorsamen von Allah gewollt, h\u00e4tten sie die Bestrafung daf\u00fcr nicht verdient und ihre Handlung w\u00e4re im Grunde die Befolgung Seines Willens&#8230;&#8220;<br>In dieser Art setzten sie ihre Beweisf\u00fchrung in logischen Thesen fort. Dem lie\u00dfen sie Textbelege aus dem Heiligen Koran folgen. So zogen sie folgende Aussage Allahs als Beweis heran:<br><strong>\u201eUnd Allah will keine Ungerechtigkeit gegen die Diener.<\/strong>&#8220; (40:31), ebenso die Aussage Allahs:<br><strong>\u201eDie G\u00f6tzendiener werden sagen: \u201aH\u00e4tte Allah es gewollt, so h\u00e4tten weder wir noch unsere V\u00e4ter (Allah) etwas beigesellt; auch h\u00e4tten wir nichts unerlaubt gemacht.&#8216; Also leugneten schon jene, die vor ihnen waren.&#8220;<\/strong>(6:148), und Seine Aussage<br><strong>\u201eSprich: \u201aAllah hat den \u00fcberzeugenden Beweis. H\u00e4tte Er es gewollt, so h\u00e4tte Er euch alle rechtgeleitet.'&#8220;<\/strong>(6:149) Auch zogen sie die Aussage Allahs heran:<br><strong>\u201eAllah will es euch erleichtern und will es euch nicht erschweren.&#8220;<\/strong>(2:185), und Seine Aussage:<br><strong>\u201eDoch findet Er nicht Wohlgefallen am Unglauben Seiner Diener.&#8220;(39:7)<\/strong> Jene Ayat hingegen, die ihrer Ansicht widersprachen, wurden von ihnen uminterpretiert. So zum Beispiel die Aussage Allahs:<br><strong>\u201eWahrlich, denen, die ungl\u00e4ubig sind, ist es gleich, ob du sie warnst oder nicht warnst, sie glauben nicht.&#8220;<\/strong>(2:6), ebenso Seine Aussage:<br><strong>\u201eVersiegelt hat Allah ihre Herzen und ihr Geh\u00f6r; und \u00fcber ihren Augen liegt ein Schleier;&#8220;(2:7)<\/strong>, und Seine Aussage:<br><strong>\u201eDoch hat Allah sie ihres Unglaubens willen versiegelt.&#8220;<\/strong>(4:155)<br>Aus all dem schlossen sie auf ihre Meinung, die sie sich aneigneten und zu der sie aufriefen. Es ist dies ihre bekannte Ansicht, dass der Mensch den freien Willen besitzte, eine Handlung zu tun oder nicht zu tun. Tue er sie, so geschehe es mit seinem Willen. Tue er sie nicht, so geschehe es ebenfalls mit seinem Willen. Was die Frage der Erschaffung der Taten anbelangt, so meinten die Mu&#8217;tazila, dass die Taten des Menschen von ihm selbst erschaffen worden seien. Es seien Handlungen, die von ihm ausgehen und nicht von Allah. So liege es in seiner Macht, sie zu tun oder nicht zu tun, ohne dass die Macht Allahs irgendeinen Einfluss darauf habe. Beweis daf\u00fcr sei der Unterschied, den der Mensch bei der willk\u00fcrlichen und unwillk\u00fcrlichen Bewegung versp\u00fcre. So werde die gewollte Handbewegung (vom Menschen) anders empfunden als die Bewegung des Zitternden, ebenso das Ersteigen eines Leuchtturms anders als das Herabst\u00fcrzen von ihm. Die willk\u00fcrliche Bewegung liege folglich in der Macht des Menschen; er sei es, der sie erschafft. Auf die unwillk\u00fcrliche Bewegung hingegen habe er keinen Einfluss. Auch k\u00f6nne f\u00fcr den Menschen, w\u00e4re er nicht der Sch\u00f6pfer seiner Taten, keine Rechtsf\u00e4higkeit gelten. Denn wenn er nicht die Macht h\u00e4tte, eine Handlung zu tun oder nicht zu tun, w\u00e4re es rational unzul\u00e4ssig, ihm zu sagen: \u201eTue!&#8220; oder \u201eTue nicht!&#8220;. Auch k\u00f6nnte die Handlung dann nicht Gegenstand des Lobes oder des Tadels bzw. der Belohnung oder der Bestrafung sein. Auf diese Art setzten sie die Beweisf\u00fchrung f\u00fcr ihre Ansicht in logischen Thesen fort. Dem lie\u00dfen sie dann Textbelege aus der Offenbarung folgen und versuchten, ihre Ansicht mit zahlreichen Koranversen zu beweisen. So z. B. mit der Aussage des Erhabenen:<br><strong>\u201eDoch wehe denen, die das Buch mit ihren eigenen H\u00e4nden schreiben und dann sagen: \u201aDas ist von Allah!'&#8220;(2:79)<\/strong>, ebenso mit Seiner Aussage:<br><strong>\u201eWahrlich, Allah \u00e4ndert den Zustand eines Volkes nicht, ehe sie selbst nicht \u00e4ndern, was in ihnen ist.&#8220;<\/strong>(13:11), und mit Seiner Aussage:<br><strong>\u201eWer B\u00f6ses tut, dem wird es vergolten werden.&#8220;<\/strong>(4:123). Auch zogen sie folgende Aussage heran:<br><strong>\u201eHeute wird jedem vergolten, was er erworben hat.&#8220;(40:17)<\/strong>, ebenso die Aussage:<br><strong>\u201eEr sagt: ,Mein Herr, bringe mich zur\u00fcck; auf dass ich Gutes tue!'&#8220;<\/strong>(23:99-100) Jene Ayat, die ihrer Ansicht widersprachen, wurden von ihnen uminterpretiert. So z. B. die Aussage Allahs:<br><strong>\u201eUnd Allah erschuf euch und das, was ihr tut.&#8220;(37:96)<\/strong>, ebenso Seine Aussage:<br><strong>\u201eAllah ist der Sch\u00f6pfer aller Dinge.&#8220;<\/strong>(39:62).<br>Aus all dem schlossen sie auf ihre Meinung, die sie sich in der Frage der Erschaffung der Taten angeeignet hatten, dass der Mensch n\u00e4mlich die Taten selbst erschafft und er die Macht hat, eine Handlung zu tun oder nicht zu tun. In Befolgung der Untersuchungsmethode der Scholastiker, eine Frage und alle sich daraus ergebenden Zweigfragen zu er\u00f6rtern, ergab sich bei ihnen aus der Frage der Taterschaffung die Frage der Tatfolge: Nachdem die Mu&#8217;tazila feststellten, dass die Taten des Menschen von ihm selbst erschaffen worden sind, ergab sich daraus folgende Frage: Wie steht es mit den Handlungen, die sich aus seiner Tat ergeben? Sind sie auch vom Menschen erschaffen worden? Oder hat Allah sie erschaffen? Beispiel daf\u00fcr ist der Schmerz, den der Geschlagene empfindet, der Geschmack, der sich bei einer Sache durch die Tat des Menschen einstellt, der Schnitt, der durch das Messer erfolgt, das Genussgef\u00fchl, die Gesundheit, die Erregung, die Temperatur, die K\u00e4lte, die Feuchtigkeit, die Trockenheit, die Feigheit, der Mut, der Hunger, das S\u00e4ttigungsgef\u00fchl und \u00c4hnliches. Sie meinten, dies alles sei das Werk des Menschen, denn der Mensch habe diese Dinge hervorgerufen, als er die Tat beging. Sie erfolgten aus der Handlung des Menschen, also seien sie durch ihn erschaffen worden.<br>Dies ist die Frage von \u201eAl-Qada&#8216; wa al-Qadar&#8220; (Schicksal und Bestimmung) und dies ist die Meinung der Mu&#8217;tazila dazu. Ihr Inhalt ist die Frage nach dem Handlungswillen beim Menschen und was in den Dingen als Folge der menschlichen Handlung als spezifische Eigenschaft hervorgerufen wird. Ihre Meinung besteht darin, dass der Mensch einen freien Willen zu all seinen Taten hat. Er ist es, der sowohl seine Taten erschafft als auch die spezifischen Eigenschaften, die sich als Folge seiner Taten in den Dingen ergeben.<br>Diese Meinung der Mu&#8217;tazila brachte die Muslime in Aufruhr. Es war eine neue, eine anma\u00dfende Meinung f\u00fcr sie, die das erste Fundament des Glaubens betraf: die Aqida. Deswegen preschten sie vor, um den Mu&#8217;tazila zu entgegnen. Eine Gruppe, die \u201eAl-Dschabriyya&#8220; genannt wurde und zu deren bekanntesten Vertretern Dschahm Ibn Safwan z\u00e4hlte, erhob sich und sagte: \u201eDer Mensch unterliegt dem Zwang. Er hat weder einen freien Willen noch die Macht, seine Taten zu erschaffen. Er gleicht der Feder im Wind oder dem Holzbrett zwischen den Wellen. Allah erschafft die Taten mit den H\u00e4nden des Menschen.&#8220; Sie sagten auch: \u201eWenn wir behaupteten, der Mensch erschaffe seine Taten selbst, so h\u00e4tte das die Einschr\u00e4nkung der Macht Allahs zur Folge, dass sie nicht alle Dinge umfassen w\u00fcrde. Es bedeutete auch, dass der Mensch Teilhaber Allahs in der Erschaffung dieser Welt w\u00e4re. In einem Gegenstand k\u00f6nnen aber nicht zwei M\u00e4chte gemeinsam wirken. Wenn es die Macht Allahs ist, die ihn erschuf, dann hat der Mensch keinen Anteil daran. Ist es jedoch die Macht des Menschen, die ihn erschuf, dann hat die Macht Allahs keinen Anteil daran. Es ist jedoch unm\u00f6glich, dass ein Teil dessen durch die Macht Allahs und ein anderer Teil durch die Macht des Menschen entstanden ist. Demzufolge muss es Allah sein, der die Tat des Menschen erschaffen hat, und mit Seinem Willen allein hat der Mensch die Tat vollzogen.&#8220; Die Al-Dschabriyya waren der Ansicht, dass die Handlungen des Menschen allein mit der Macht Allahs geschehen, ohne dass die Macht des Menschen irgendeinen Einfluss darauf h\u00e4tte. Der Mensch sei nichts weiter als der Gegenstand, der das vollzieht, was Allah mit Seinem Willen entschieden habe. Er sei allem in zwanghafter Weise vollst\u00e4ndig unterworfen. Mensch und lebloser K\u00f6rper seien eins und unterschieden sich nur im Erscheinungsbild. Auf diese Art versuchten sie ihre Ansicht zu belegen und zogen als Beweis auch Verse aus dem Heiligen Koran heran, wie z. B. die Aussage des Erhabenen:<br><strong>\u201eUnd ihr k\u00f6nnt nur wollen, wenn Allah es will.&#8220;<\/strong>(76:30), und Seine Aussage:<br><strong>\u201eUnd du warfest nicht, als du warfest, sondern Allah warf.&#8220;(8:17)<\/strong>, ebenso die Aussage:<br><strong>\u201eDu kannst nicht den rechtleiten, den du liebst. Allah aber leitet den recht, den Er will.&#8220;<\/strong>(28:56). Auch zogen sie die Aussage heran:<br><strong>\u201eUnd Allah hat euch erschaffen und das, was ihr tut.&#8220;<\/strong>(37:96), und die Aussage:<br><strong>\u201eAllah ist der Sch\u00f6pfer aller Dinge.&#8220;<\/strong>(39:62).<br>Jene Verse, die den Willen des Menschen belegen, dass er der Sch\u00f6pfer seiner Taten ist, wurden von ihnen uminterpretiert. Demzufolge waren sie auch der Meinung, dass die spezifischen Eigenschaften der Dinge, die aus den Handlungen des Menschen folgen, wie das Genussgef\u00fchl, der Hunger, der Mut, das Schneiden, das Verbrennen und \u00c4hnliches, von Allah, dem Erhabenen, stammen. Auch die Ahl-us-Sunna wa Al-Dschama&#8217;a erhoben sich, um den Mu&#8217;tazila zu widersprechen. Sie meinten, dass alle Taten des Menschen mit dem Willen Allahs und Seiner Erlaubnis geschehen w\u00fcrden. Wille und Erlaubnis sei ein und dasselbe und stelle eine Eigenschaft des Lebendigen dar. Sie erfordere, dass eines von zwei Geschicken zu einer gewissen Zeit bestimmt sei zu geschehen, wobei das Verm\u00f6gen zu allem in ebenb\u00fcrtiger Weise vorhanden sei. Die Handlungen des Menschen unterl\u00e4gen Allahs Entscheidung: wenn Er eine Sache will, so sagt Er ihr: \u201eSei!&#8220; \u2013 und sie ist. Sein Urteil bzw. Seine Entscheidung (al-Qada&#8216;) bestehe aus der Tat mit zus\u00e4tzlicher Determinierung. Allah, der Erhabene, sagt:<br><strong>\u201eSo vollendete Er sie(qadahunna) als sieben Himmel.&#8220;<\/strong>(41:12)<br><strong>\u201eUnd Dein Herr hat entschieden (wa qada rabbuka).&#8220;<\/strong>(17:23)<br>Mit \u201eEntscheidung&#8220; sei hier das Geschehene gemeint, nicht eines der Attribute Allahs. Die Handlung des Menschen erfolge mit der Bestimmung Allahs, was f\u00fcr jedes Gesch\u00f6pf in seinen spezifisch vorhandenen Merkmalen, wie sch\u00f6n und unsch\u00f6n, Nutzen und Schaden, sowie in deren zeitlichen und \u00f6rtlichen Inhalt samt der sich daraus ergebenden Belohnung und Bestrafung festgelegt werde. Gemeint sei, den Willen und die Macht Allahs umfassend zu verstehen, denn alles sei durch Allah erschaffen worden. Dies beinhalte auch den Willen und die Macht, nicht zu zwingen und nicht zu n\u00f6tigen. Sie argumentierten folgenderma\u00dfen: \u201eWenn nun behauptet wird: \u201aEure Aussage h\u00e4tte zur Folge, dass der Ungl\u00e4ubige zum Unglauben und der Frevler zur Frevelhaftigkeit gezwungen w\u00e4re, dies w\u00fcrde aber ihre Beauftragung mit Glauben und Gehorsam ung\u00fcltig machen.&#8216;, so antworten wir, dass Allah, der Erhabene, von ihnen Unglauben und Frevelhaftigkeit aus ihrer freien Wahl heraus wollte. Somit gibt es keinen Zwang. Ebenso wusste Allah, dass sie sich aus freier Wahl f\u00fcr den Unglauben bzw. f\u00fcr die Frevelhaftigkeit entscheiden w\u00fcrden, folglich ist keine Beauftragung mit dem Unm\u00f6glichen ergangen.&#8220; Bez\u00fcglich der Taten des Menschen f\u00fchrten sie als Antwort auf die Mu&#8217;tazila und Dschabriyya Folgendes aus: \u201eDie Menschen begehen Handlungen aus freier Wahl. F\u00fcr diese werden sie belohnt, wenn es sich um Gehorsamkeiten handelt, oder bestraft, wenn es Ungehorsamkeiten sind.&#8220; Sie versuchten nun den Aspekt der freien Handlungswahl zu erl\u00e4utern, obwohl sie gleichzeitig betonten, dass Allah in der Erschaffung und Realisierung der Handlungen unabh\u00e4ngig agiere. So behaupteten sie: \u201eDer Erschaffer der menschlichen Handlung ist Allah, Der Erhabene.<br>Allerdings haben die Macht bzw. die F\u00e4higkeit des Menschen und sein Wille auf manche Taten Einfluss, so z. B. auf das Anpacken. Auf andere Taten haben sie jedoch keinen Einfluss, wie z. B. auf die Zitterbewegung. Allah, der Erhabene, ist der Erschaffer aller Dinge. Der Mensch hingegen erwirbt die Tat (kasb).&#8220; Ihre These erl\u00e4uterten sie folgenderma\u00dfen: \u201eWenn der Mensch seine F\u00e4higkeit und seinen Willen auf eine Handlung leitet, erwirbt er sie. L\u00e4sst Allah die Tat dann anschlie\u00dfend geschehen, so hat Er sie erschaffen. Die Macht zur einen Handlung ergibt sich somit aus zwei \u201eM\u00e4chten&#8220;, jedoch aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Von Seiten Allahs, des Erhabenen, ist es die Macht, die Tat entstehen zu lassen. Von Seiten des Menschen hingegen ist es die F\u00e4higkeit, diese Tat zu erwerben. Mit anderen Worten hat es Allah zur Regel gemacht, die Tat bei der F\u00e4higkeit und dem Willen des Menschen entstehen zu lassen, nicht aber durch dessen Willen und dessen F\u00e4higkeit. Diese Verbindung stellt den \u201eErwerb&#8220; (Al-Kasb) dar.&#8220; Zur Belegung ihrer Aussage f\u00fchrten sie jene Verse an, die die Dschabriyya als Beweis f\u00fcr die Erschaffung der Taten durch Allah und dass sie durch Seinen Willen entstanden sind herangezogen haben. Den \u201eErwerb&#8220; der Taten durch den Menschen versuchten sie auch mit folgenden Aussagen des Erhabenen zu belegen:<br><strong>\u201eAls Lohn f\u00fcr das, was sie zu tun pflegten.&#8220;<\/strong>(56:24)<br><strong>\u201eWer also will, der soll glauben, und wer nicht will, der soll den Glauben verweigern.&#8220;<\/strong>(18:29)<br><strong>\u201eIhr (der menschlichen Seele) wird zuteil, was sie erworben hat, und \u00fcber sie kommt, was sie sich zuschulden kommen l\u00e4sst.&#8220;<\/strong>(2:286)<br>Sie meinten, dass sie sowohl den Mu&#8217;tazila als auch den Dschabriyya geantwortet h\u00e4tten. In Wahrheit ist aber ihre Ansicht und die der Dschabriyya dieselbe. Sie sind im Grunde Vertreter der Dschabriyya-Schule. In ihrem Erkl\u00e4rungsversuch bez\u00fcglich des \u201eErwerbs&#8220; sind sie vollkommen gescheitert. Weder ist dieser gem\u00e4\u00df dem Verstand erfolgt, da kein rationaler Beweis daf\u00fcr existiert, noch ist er auf \u00fcberliefertem Wege ergangen, da es daf\u00fcr aus den Offenbarungstexten keinen Beleg gibt. Vielmehr handelt es sich um den gescheiterten Versuch, zwischen der Meinung der Mu&#8217;tazila und jener der Dschabriyya zu vermitteln. Kurz gesagt nahm die Frage von \u201eAl-Qada&#8216; wa al-Qadar&#8220; (Schicksal und Bestimmung) unter den Scholastikern eine wichtige Rolle ein. Sie alle machten die Handlungen des Menschen und was sich aus diesen Handlungen an spezifischen Eigenschaften ergibt, d. h. an Eigenschaften, die der Mensch durch seine Tat in den Dingen hervorruft, zum Untersuchungsgegenstand. Auch machten sie die Frage, ob die Handlung des Menschen und die Eigenschaften, die der Mensch mit seiner Handlung in den Dingen hervorruft, von Allah oder vom Menschen erschaffen worden sind, zur Grundlage ihrer Untersuchung wie auch die Frage, ob all dies mit dem Willen Allahs oder dem Willen des Menschen geschehen ist. Diese Untersuchung entstand deswegen, weil die Mu&#8217;tazila diese Frage mit Name und Inhalt (\u201eSchicksal und Bestimmung&#8220;, \u201efreier Wille&#8220; oder \u201eZwang und freie Wahl&#8220;) aus der griechischen Philosophie \u00fcbernommen hatten. Sie untersuchten sie von einem Gesichtspunkt aus, den sie mit der f\u00fcr Allah zwingenden Eigenschaft der absoluten Gerechtigkeit f\u00fcr vereinbar hielten. Dies f\u00fchrte dazu, dass die Dschabriyya und die Ahl al-Sunna sich erhoben, um den Mu&#8217;tazila in ihren Ansichten zu widersprechen und zwar in derselben Art und auf derselben Grundlage. Sie alle untersuchten diese Frage vom Aspekt der Eigenschaften Allahs her und nicht allein aus ihrem Inhalt heraus.<br>Den Willen Allahs und Seine Macht verkn\u00fcpften sie mit der Handlung des Menschen und den spezifischen Eigenschaften, die seine Handlung in den Gegenst\u00e4nden hervorruft. Demgem\u00e4\u00df fragten sie sich: Ist die Handlung mit der Macht und dem Willen Allahs oder mit der Macht und dem Willen des Menschen entstanden? \u201eAl-Qada&#8216; wa al-Qadar&#8220; (Schicksal und Bestimmung) sind somit die Handlungen des Menschen und die Eigenschaften, die der Mensch mit seiner Handlung in den Dingen hervorruft. \u201eAl-Qada'&#8220; (das Schicksal) verk\u00f6rpert dabei die Handlungen des Menschen und \u201eAl-Qadar&#8220; (die Bestimmung) die spezifischen Eigenschaften in den Dingen. Dass \u201eAl-Qada'&#8220; die Handlungen des Menschen verk\u00f6rpert, geht deutlich aus ihrer diesbez\u00fcglichen Untersuchung und ihrem Zwiespalt hervor; aus ihrer Aussage n\u00e4mlich, dass der Mensch die Handlung mit seinem Willen und seiner F\u00e4higkeit durchf\u00fchrt. Ebenso geht dies aus der Aussage derjenigen hervor, die ihnen widersprachen, indem sie meinten, die Handlung des Menschen entstehe durch die Macht Allahs und Seinen Willen und nicht durch die F\u00e4higkeit und den Willen des Menschen. Auch ergibt sich das aus der Aussage jener, die ihnen beiden widersprachen und behaupteten, dass die Tat des Menschen durch die Erschaffung Allahs entstehe und zwar bei der F\u00e4higkeit und dem Willen des Menschen dazu, nicht aber durch seine F\u00e4higkeit und seinen Willen. All das zeigt, dass mit \u201eAl-Qada'&#8220; die Taten des Menschen gemeint sind. Dass \u201eAl-Qadar&#8220; die spezifischen Eigenschaften bezeichnet, die der Mensch in den Dingen hervorruft, geht ebenso deutlich aus ihrer Untersuchung und ihrem diesbez\u00fcglichen Widerstreit hervor. Als sie n\u00e4mlich die Folgen der menschlichen Handlungen er\u00f6rterten, untersuchten sie auch die spezifischen Eigenschaften, die diese in den Dingen hervorrufen. So sagten sie: \u201eWenn wir St\u00e4rke mit Zucker vermischen und ziehen lassen, entsteht daraus ein Pudding. Sind nun der Geschmack und die Farbe des Puddings unsere Sch\u00f6pfung oder die Sch\u00f6pfung Allahs? Ist der Austritt des Lebensgeistes bei der Schlachtung, die Bewegung des Steins beim Ansto\u00dfen, das Erblicken beim \u00d6ffnen der Augen, der Bruch des Beins beim Sturz, dessen Genesung nach entsprechender Behandlung und \u00c4hnliches unsere Sch\u00f6pfung oder die Sch\u00f6pfung Allahs?&#8220; Diese Untersuchung stellt im Grunde eine Untersuchung der spezifischen Eigenschaften dar, was auch ihr Widerstreit bei der Beurteilung dieser Tatfolgen belegt.<br>Bischr Ibn Al-Mu&#8217;tamir, der F\u00fchrer der Mu&#8217;tazila in Bagdad, meinte dazu: \u201eAlles, was sich aus unserer Tat ergibt, ist unsere Sch\u00f6pfung. Wenn ich beispielsweise das Auge eines Menschen \u00f6ffne und er einen Gegenstand erblickt, so ist sein Erblicken des Gegenstandes meine Handlung, da es sich aus meiner Handlung ergibt. Gleiches gilt f\u00fcr die Farbe, den Geschmack und den Geruch der Gerichte, die wir zubereiten, sie alle sind unsere Handlung. Ebenso z\u00e4hlen der Schmerz, der Genuss, die Gesundheit, die sexuelle Leidenschaft etc&#8230; zu den Handlungen des Menschen.&#8220; Abu Hudhail Al-Allaf, einer der f\u00fchrenden Mu&#8217;tazila, sagte: \u201eEs gibt einen Unterschied in den Handlungsfolgen: Alles, was sich aus der Handlung des Menschen ergibt und dessen Entstehungsweise bekannt ist, ist seine Tat. Wenn dessen Entstehungsweise nicht bekannt ist, dann ist es nicht die Tat des Menschen. So stellt der Schmerz, der sich aus dem Schlag ergibt, die Bewegung des Steins nach oben, wenn er hinauf geworfen, bzw. nach unten, wenn er hinunter geworfen wird, und \u00c4hnliches die Tat des Menschen dar. Hingegen sind Farben, unterschiedlicher Geschmack, Hitze, K\u00e4lte, Feuchtigkeit, Trockenheit, Feigheit, Mut, Hunger und S\u00e4ttigung alles Handlungen Allahs.&#8220; Al-Nazzam seinerseits meinte, dass der Mensch nur die Bewegung vollziehe. Was nicht zur Bewegung geh\u00f6re, sei nicht seine Sch\u00f6pfung. Der Mensch vollziehe die Bewegung auch nur mit sich selbst, nicht aber mit anderen Dingen. Wenn der Mensch z. B. seine Hand bewege, so sei es seine Tat. Werfe er aber einen Stein und bewege sich dieser nach oben oder nach unten, so sei die Bewegung des Steins nicht seine Handlung, sondern die Handlung Allahs. Mit anderen Worten habe Allah den Stein so beschaffen, dass er sich bewege, wenn er von jemandem gesto\u00dfen bzw. geworfen werde.&#8220;<br>Die Entstehung der Farben, des Geschmacks, der D\u00fcfte, des Schmerzes und des Genussgef\u00fchls seien somit keine Handlungen des Menschen, da sie keine Bewegungen verk\u00f6rpern. Diese Unterschiedlichkeit in der Betrachtungsweise der Tatfolgen verdeutlicht realiter, dass es sich um einen Widerstreit in den spezifischen Eigenschaften der Dinge handelt: Z\u00e4hlen diese zur Handlung des Menschen oder zur Handlung Allahs? Untersuchungsgegenstand und diesbez\u00fcglicher Widerstreit sind also die spezifischen Eigenschaften, die der Mensch in den Dingen erzeugt. Auf diese Weise erfolgte die Untersuchung desselben Themas in derselben Art bei allen Scholastikern. Da die Untersuchung der Tatfolgen, d. h. der Eigenschaften, die der Mensch in den Dingen erzeugt, eine Zweiguntersuchung war, die aus der grundlegenden Untersuchung der menschlichen Handlung folgte, war sie zweitrangig im Widerstreit zwischen den Mu&#8217;tazila, den Ahl al-Sunna und den Dschabriyya. Demgegen\u00fcber war die Untersuchung der Handlung des Menschen bei allen Scholastikern dominierend. Die Diskussionen und der Disput fokussierten daher eher auf sie als auf die sich daraus ergebenden Eigenschaften. Nachdem der Terminus \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220; (Schicksal und Bestimmung) eine einzige Sache bezeichnet &#8211; obwohl er aus zwei W\u00f6rtern besteht, sind beide miteinander vermengt und gehen ineinander \u00fcber \u2013 stach er in sp\u00e4terer Zeit bei der Untersuchung der Handlungen des Menschen st\u00e4rker hervor als bei der Untersuchung der spezifischen Eigenschaften, die der Mensch (durch seine Handlung) erzeugt. Der Disput \u00fcber das Thema \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220; dauerte an, wobei jeder es auf eine Weise verstand, die der des anderen widersprach. Nach den Gr\u00fcndern der Mu&#8217;tazila und der Ahl al-Sunna kamen deren Sch\u00fcler und Gefolgsleute. Der Disput zwischen ihnen wurde fortgesetzt und in jeder Epoche aufs Neue entfacht. Durch den R\u00fcckgang der Mu&#8217;tazila und die Dominanz der Ahl al-Sunna, verschob sich der Disput zu ihren Gunsten. Die Disputanten begannen nun, \u00fcber den Inhalt des Begriffs \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220; zu streiten und fingen an, ihm neue Bedeutungen beizumessen, die sie sich selbst einbildeten. Sie versuchten, sprachliche und islamrechtliche Ausdr\u00fccke darauf anzuwenden, sodass einige von ihnen sogar behaupteten, \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220; sei eines der Geheimnisse Allahs, das niemand kenne. Andere wiederum meinten, es sei \u00fcberhaupt nicht erlaubt, das Thema \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220; zu untersuchen, weil der Gesandte (s.) dies untersagt habe. Dabei zogen sie folgenden Hadith als Beweis heran:<br><strong>\u201eWenn Al-Qadar erw\u00e4hnt wird, so haltet inne&#8220;<\/strong>. Manche von ihnen versuchten, zwischen den Begriffen \u201eAl-Qada'&#8220; und \u201eAl-Qadar&#8220; zu unterscheiden und behaupteten, \u201eAl-Qada'&#8220; sei das allgemeine Urteil in den Allgemeinbegriffen allein und \u201eAl-Qadar&#8220; das spezifische Urteil in den Teilbegriffen samt seinen Einzelheiten. Andere meinten ihrerseits, \u201eAl-Qadar&#8220; sei der Plan und \u201eAl-Qada'&#8220; der Vollzug. Gem\u00e4\u00df dieser Meinung plant Allah die Tat, d. h. Er zeichnet sie vor und legt sie fest. Er hat also die Tat bestimmt und dies wird als \u201eAl-Qadar&#8220; &#8211; die Bestimmung &#8211; bezeichnet. Er, erhaben sei Er, f\u00fchrt die Tat auch durch und vollzieht sie, somit hat Er die Tat vollendet. Und das ist \u201eAl-Qada'&#8220;&#8220; &#8211; die Vollendung. Einige vertraten die Ansicht, dass mit \u201eAl-Qadar&#8220; das Bestimmen und mit \u201eAl-Qada'&#8220; das Erschaffen gemeint sei. Andere verkn\u00fcpften beide Ausdr\u00fccke und sagten, \u201eAl-Qada'&#8220; und \u201eAl-Qadar&#8220; seien miteinander verbunden und k\u00f6nnten voneinander nicht getrennt werden, denn der eine Begriff, \u201eAl-Qadar&#8220;, stelle die Basis dar und der andere, \u201eAl-Qada'&#8220;, das Geb\u00e4ude. Wer zwischen beiden zu trennen versuche, der zerst\u00f6re das Geb\u00e4ude und vernichte es. Eine weitere Gruppe wiederum unterschied zwischen beiden Begriffen und machte \u201eAl-Qada'&#8220; zu etwas und \u201eAl-Qadar&#8220; zu etwas anderem.<br>So setzte sich der Disput \u00fcber das Thema \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220; in dieser spezifischen Bezeichnung fort, sowohl unter jenen, die zwischen beiden Begriffen unterschieden, als auch unter denen, die sie f\u00fcr untrennbar hielten. Bei allen hatte dieser Zwillingsbegriff jedoch denselben Inhalt, abgesehen davon, wie er von ihnen interpretiert wurde. Er bezeichnet in jedem Fall die Handlung des Menschen: Lie\u00df Allah oder der Mensch sie geschehen? Oder erschuf sie Allah, als der Mensch sie vollzog? Die Untersuchungen konzentrierten sich auf diesen Inhalt und formten sich darauf basierend aus, und der Disput drehte sich stets um dasselbe Thema. Nach Aufkommen dieser Problematik wurde die Frage von \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220; den Untersuchungen der Glaubensfundamente angeschlossen und zum sechsten Glaubensteil der Aqida erkl\u00e4rt, weil sie eine mit Allah verkn\u00fcpfte Angelegenheit bezeichnet &#8211; dass n\u00e4mlich Er die Handlung und die spezifischen Eigenschaften der Dinge erschaffen hat, seien diese Handlung bzw. diese Eigenschaften nun gut oder schlecht.<br>Aus all dem geht hervor, dass die Frage von \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220; als Zwillingsbegriff mit ein und derselben Bedeutung \u2013 oder wie sie es nennen als \u201euntrennbare Begriffe&#8220; \u2013 in den Untersuchungen der Muslime erst nach der Entstehung der Scholastiker auftrat. In dieser Frage existierten auch nur zwei Meinungen: Die eine besagte die freie Wahl, dies war die Meinung der Mu&#8217;tazila, und die andere den Zwang, was die Meinung der Dschabriyya und der Ahl Al-Sunna war, auch wenn es hinsichtlich der Formulierung bzw. der Wortverdrehung Unterschiede zwischen ihnen gab. Die Muslime legten sich auf diese beiden Meinungen fest. Sie wurden von der diesbez\u00fcglichen Meinung des Koran und der Hadithe und von dem, was die Prophetengef\u00e4hrten daraus verstanden, weggebracht und hingef\u00fchrt zu einem Disput unter einer neuen Bezeichnung n\u00e4mlich: \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220;, \u201eZwang und freie Wahl&#8220; oder \u201edie Willensfreiheit&#8220;. Auch wurde der Disput \u00fcber einem neuen Inhalt gef\u00fchrt und zwar: Sind die Taten durch die Sch\u00f6pfung und den Willen des Menschen entstanden oder durch die Sch\u00f6pfung und den Willen Allahs? Und wird das, was der Mensch an spezifischen Eigenschaften in den Dingen erzeugt, durch die Handlung des Menschen und seinen Willen oder durch Allah hervorgerufen? Nachdem diese Untersuchung aufkam, wurde die Frage von \u201eAl-Qada&#8216; wa Al-Qadar&#8220; in die Er\u00f6rterung der Glaubensgrundlagen aufgenommen und zum sechsten Glaubensteil der Aqida erkl\u00e4rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exkludieren wir die Frage des Begehers der Kapitals\u00fcnde, wegen der Wasil Ibn Ata&#8216;, der F\u00fchrer der Mu&#8217;tazila, den Lehrkreis des Hassan Al-Basriy verlie\u00df, finden wir kaum eine Frage der Scholastik, die in ihrem Ursprung nicht bereits von den griechischen Philosophen untersucht worden war.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":1407,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[30],"tags":[144,928,2036,2341,2885,2969],"class_list":["post-9631","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-grundlagen","tag-al-qada-wa-al-qadar","tag-freie-wahl","tag-philosophie","tag-schicksal-und-bestimmung","tag-willen","tag-zwang"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9631"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9631\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}