{"id":9645,"date":"2012-05-25T00:00:00","date_gmt":"2012-05-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9645"},"modified":"2012-05-25T00:00:00","modified_gmt":"2012-05-24T22:00:00","slug":"vom-nutzen-als-teufelswerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9645","title":{"rendered":"Vom Nutzen als Teufelswerk"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Untersucht man jene Verse aus dem Koran genauer, die von der Geschichte Adams erz\u00e4hlen, als dieser mit seiner Frau im Garten lebte und vom Teufel verleitet wurde, ungehorsam zu werden, so wird klar, dass Allah uns auf einen wichtigen Aspekt hinweisen wollte. Es ist bekannt, dass Allah (t.) Adam und seiner Frau verbot, von einem bestimmten Baum zu essen. Der Teufel aber fl\u00fcsterte ihnen ein, es zu tun, und sie taten es. Daraufhin wurden sie, wie es uns der Koran erz\u00e4hlt, aus dem Garten vertrieben.<br>Bei genauerer Betrachtung erkennen wir, dass der Teufel Adam und seine Frau mit dem Argument des Nutzens hinters Licht f\u00fchrte. So machte er ihnen wei\u00df, dass ihr Interesse bzw. ihr Nutzen darin liege, vom Baum zu essen, weil dieser ihnen ein Engeldasein, ein ewiges Leben und eine nie vergehende Herrschaft schenken w\u00fcrde.<br>So sagt der Erhabene:<br><strong>&#8222;O Adam! Wohne mit deiner Frau im Garten. Esst von allem, was euch beliebt, aber n\u00e4hert euch nicht diesem Baum, sonst geh\u00f6rt ihr zu den Ungerechten. Der Teufel fl\u00fcsterte ihnen ein, um ihnen das zu zeigen, was ihnen von ihrer Bl\u00f6\u00dfe verdeckt war. Er sprach: &#8218;Euer Herr hat euch nur deshalb verboten, von diesem Baume zu essen, damit ihr nicht Engel oder Ewiglebende werdet.&#8216; Und er schwor ihnen: &#8218;Gewiss! Ich bin euch ein aufrichtiger Ratgeber.'&#8220;<\/strong> (2:35)<br>Auch sagt Er:<br><strong>&#8222;Da fl\u00fcsterte ihm der Teufel ein und sagte: \u201aO Adam! Soll ich dir den Baum des ewigen Lebens zeigen und einer Herrschaft, die nie vergeht?&#8216; Sie a\u00dfen davon, da wurde ihnen ihre Bl\u00f6\u00dfe offenbar. Und sie fingen an, sich mit Bl\u00e4ttern aus dem Garten zu bedecken. Und Adam war seinem Herrn ungehorsam und ging irre.&#8220;<\/strong> (20:121)<br>Aus den Ayat wird deutlich, dass der Teufel Adam und seine Frau mit dem Argument des Nutzens zum Ungehorsam verleiten konnte:<br><strong>&#8222;Er sprach: &#8218;Euer Herr hat euch nur deshalb verboten, von diesem Baume zu essen, damit ihr nicht Engel oder Ewiglebende werdet.'&#8220;<\/strong> In der zweiten Aya hei\u00dft es:<br><strong>&#8222;O Adam! Soll ich dir den Baum des ewigen Lebens zeigen und einer Herrschaft, die nie vergeht?&#8220;<\/strong><br>Adam und seine Frau wurden \u2013 wie es bei Menschen nur allzu oft geschieht \u2013 vom Argument des Nutzens beeindruckt und lie\u00dfen sich dadurch zum Ungehorsam verleiten.<br>Wenn wir uns nun diese Tatsache vor Augen f\u00fchren und sie auf unsere heutige Realit\u00e4t \u00fcbertragen, wird klar, dass Allah uns mit diesen Koranversen eine Lehre gibt und uns davor warnt, mit dem Argument des Nutzens, also des Interesses, Seine Befehle zu missachten. Er macht uns mit diesen Versen deutlich, dass das Zuwiderhandeln gegen seine Gebote mit dem Argument des Nutzens bzw. des Interesses im Grunde eine teuflische Idee ist, weil der Teufel es genau damit schaffte, die ersten Menschen zum Ungehorsam zu verleiten.<br>F\u00fcr all jene unter den Muslimen, die heute versuchen, mit dem Argument des Interesses und der N\u00fctzlichkeit islamische Gebote au\u00dfer Kraft zu setzen, sollte dies eine Warnung sein.<br>Heute gibt es leider Gelehrte, die auf Satellitenkan\u00e4len erscheinen und mit dem Argument des Nutzens das erlauben, was Allah verboten hat, und das verbieten, was Allah erlaubt hat.<br>So erlauben sie Zinsgesch\u00e4fte, um sich Wohnungen zu kaufen, weil es im Interesse der Muslime ist, sich in westlichen L\u00e4ndern Besitz und Eigentum anzuschaffen. Sie erlauben auch der muslimischen Frau in ihrem Interesse das Kopftuch abzulegen, wenn es bei ihrer Arbeitssuche oder ihrer Ausbildung hinderlich ist. Sie erlauben, ja gebieten sogar die politische Partizipation im Westen und die Unterst\u00fctzung von Parteien, die ein klar s\u00e4kulares, nichtislamisches Programm haben, weil dies \u2013 wie sie behaupten &#8211; im Interesse der dort lebenden Muslime ist.<br>Manche von ihnen erlauben es sogar, in der amerikanischen Armee im Irak zu k\u00e4mpfen, sollte es die \u201eNotwendigkeit erfordern&#8220;.<br>Aus diesen Beispielen wird klar, wie sehr die Muslime von dieser \u201eTeufelsidee&#8220; beeinflusst sind und wie sehr sie sich davon leiten lassen. Mit dem Argument des Nutzens versucht man heute schier alles zu erlauben. Ihren Ursprung hat diese Idee in der bei vielen Muslimen vorherrschenden Meinung, dass der Islam mit dem Nutzen f\u00fcr den Menschen gekommen ist.<br>Nat\u00fcrlich ist der Islam f\u00fcr die Menschen n\u00fctzlich. Durch den Islam werden unsere irdischen Angelegenheiten in einer Weise geregelt, die zu unserem Wohle f\u00fchren. Auch werden wir durch die Befolgung des Islam von der H\u00f6llenpein am J\u00fcngsten Tage gerettet. In jedem Fall ist der Islam also eine \u201eNi&#8217;ma&#8220;, ein Geschenk Gottes an die Menschheit.<br>Der Nutzen liegt aber hier in der Befolgung des Islam und nicht in der Ver\u00e4nderung seiner Gebote, damit er jeder Situation und jeder menschlichen Neigung entspricht. Der Nutzen liegt also in der Befolgung seiner Gebote auch gegen die eigenen Neigungen und gegen das eigene Verst\u00e4ndnis von Nutzen. Denn das eigene Verst\u00e4ndnis von Nutzen kann tr\u00fcgerisch sein. Wie oft schon haben Menschen ihren Nutzen bzw. ihr Interesse in einer Sache gesehen, diese dann mit gro\u00dfer Entschlossenheit verfolgt, wobei sich dann herausstellte, dass sie zu ihrem Schaden f\u00fchrte. Beispiele daf\u00fcr gibt es unz\u00e4hlige aus allen Bereichen menschlichen Wirkens.<br>Genau darauf nimmt Allah Bezug, wenn Er sagt:<br><strong>&#8222;Ihr Gl\u00e4ubige! Das K\u00e4mpfen ist euch vorgeschrieben, obwohl es euch verhasst ist. Und vielleicht ist euch etwas verhasst, obwohl es gut f\u00fcr euch ist. Und vielleicht liebt ihr etwas, obwohl es schlecht f\u00fcr euch ist. Und Allah wei\u00df es, und ihr wisst es nicht.&#8220;<\/strong> (2:216)<br>Der wahre Nutzen liegt also dort, wo Allah ihn mit seinen Geboten festgelegt hat, und nicht dort, wo der Mensch glaubt, ihn zu sehen. Denn aufgrund der Unvollkommenheit des Menschen, seines beschr\u00e4nkten Wissens und seiner Fehlbarkeit ist sein Verst\u00e4ndnis des Nutzens tr\u00fcgerisch und oftmals falsch.<br>Die Erkenntnis von der Allwissenheit Allahs und der eigenen Unvollkommenheit macht es somit f\u00fcr den Menschen zu einer rationalen Notwendigkeit, sich den Geboten Allahs zu unterwerfen. Demzufolge ist der Glaube an Allah als Sch\u00f6pfer vom Glauben an Ihn als Gesetzgeber rational nicht zu trennen.<br>Begreift der Mensch, dass nur Allah, der Allm\u00e4chtige und Allwissende, das wirklich Gute und Schlechte in einer Angelegenheit kennt, dann wird er auch mit Sicherheit einsehen, dass sein wirkliches Interesse nur darin liegen kann, den Geboten Allahs zu folgen.<br>Von dem Gef\u00e4hrten Rafi&#8216; Ibn Khadidsch wird \u00fcber das Verbot des Vermietens landwirtschaftlichen Bodens \u2013 was eine sehr g\u00e4ngige und weit verbreitete Praxis war &#8211; Folgendes \u00fcberliefert:&#8220;Der Prophet (s.) verbot uns etwas, was n\u00fctzlich f\u00fcr uns war. Der Gehorsam gegen\u00fcber Allah und Seinem Gesandten ist f\u00fcr uns jedoch viel n\u00fctzlicher.&#8220;<br>Der wahre Nutzen liegt also in der Befolgung der Gebote und Verbote Allahs und nicht in der Befolgung dessen, was man als vermeintlichen Nutzen zu erkennen glaubt.<br>Wenn nun der Mensch seine eigene Unvollkommenheit, Schw\u00e4che und Bed\u00fcrftigkeit erkennt, wenn er seine Unf\u00e4higkeit erkennt, sein tats\u00e4chliches Interesse selbst auszumachen, so reicht im Grunde diese Einsicht aus, um sich in all seinen Angelegenheiten Allah, dem Erhabenen, zu unterwerfen. Er vollzieht keine Handlung ohne zu wissen, ob Allah sie erlaubt oder verboten hat. Er wei\u00df, dass die Handlung dann richtig ist, wenn Allah sie ihm erlaubt hat, auch wenn der Teufel ihm den Nutzen in einer anderen Sache einreden will.<br>Genau diese Forderung nach dem absoluten Gehorsam, nach der vollkommenen Unterwerfung unter Seinen Willen \u2013 auch gegen die eigene Neigung bzw. das eigene Verst\u00e4ndnis von Nutzen \u2013 wird von Allah (t.) in folgenden Ayat zum Ausdruck gebracht:<strong> &#8222;Keinem gl\u00e4ubigen Mann und keiner gl\u00e4ubigen Frau bleibt, wenn Allah und Sein Gesandter etwas entschieden haben, in ihrer Angelegenheit noch eine Wahl.&#8220;<\/strong> (33:36)<br>Der gro\u00dfe Koranexeget Ibn Kathir sagt in Erl\u00e4uterung der Aya: &#8222;Diese Aya ist allgemein g\u00fcltig. Wenn Allah und Sein Gesandter in irgendeiner Sache etwas entschieden haben, dann steht es niemandem zu, dem zu widersprechen&#8220;.<br>Auch sagt Er (t.):<br><strong>&#8222;Bei deinem Herrn! Sie sind nicht eher Gl\u00e4ubige, bis sie dich in allem zum Richter erheben, was unter ihnen strittig ist. Sie sodann in ihrem Herzen keinen Zweifel gegen\u00fcber deinem Richtspruch hegen und sich vollends ergeben.&#8220;<\/strong> (4:65)<br>Mit diesen Ayat hat Allah den Handlungsma\u00dfstab f\u00fcr den Menschen klar definiert. Der Handlungsma\u00dfstab ist mit Halal (Erlaubtes) und Haram (Verbotenes) festgelegt worden. Was Halal ist, das tut der Muslim, und was Haram ist, dessen enthaltet er sich. Dieser Ma\u00dfstab ist feststehend, er \u00e4ndert sich nicht und gilt \u00fcberall, wo sich der Muslim befindet. Daraus leitet sich auch das folgende islamische Rechtsprinzip ab: &#8222;Bei Taten gilt grunds\u00e4tzlich das Festhalten am islamischen Rechtsspruch&#8220;.<br>Wenn der Muslim also irgendeine Tat begehen will, muss er die Tat zuerst nach diesem Rechtsprinzip beurteilen.<br>H\u00e4lt sich der Muslim dieses Rechtsprinzip stets vor Augen und folgt er ihm, dann besitzt er wahre Spiritualit\u00e4t. Das hei\u00dft es ist ihm w\u00e4hrend des Vollzugs der Handlung bewusst, dass er von einem Sch\u00f6pfer erschaffen wurde und diesem zu dienen hat.<br>Zu den Neigungen des Menschen sei noch Folgendes gesagt: Der Gesandte Allahs (s.) hat in einem Hadith erkl\u00e4rt:<br><strong>&#8222;Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele liegt. Keiner von euch ist wirklich gl\u00e4ubig, bis seine Neigungen dem entsprechen, mit dem ich gekommen bin.&#8220;<\/strong><br>Die Erkenntnis von der Allwissenheit Allahs und dass wir seine ergebenen Diener sind sollte also letztendlich dazu f\u00fchren, dass sogar unsere Neigungen sich entsprechend ver\u00e4ndern. Somit m\u00fcssen wir auch innerlich die Gebote Allahs lieben und alles, was Er verboten hat, verabscheuen. Und dies ist die Stufe des vollkommenen Glaubens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Untersucht man jene Verse aus dem Koran genauer, die von der Geschichte Adams erz\u00e4hlen, als dieser mit seiner Frau im Garten lebte und vom Teufel verleitet wurde, ungehorsam zu werden, so wird klar, dass Allah uns auf einen wichtigen Aspekt hinweisen wollte.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":1422,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[92,963,1949,2576],"class_list":["post-9645","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-islam","tag-adam","tag-garten","tag-nutzen","tag-teufelswerk"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9645","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9645"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9645\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1422"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9645"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9645"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9645"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}