{"id":9649,"date":"2012-10-20T00:00:00","date_gmt":"2012-10-19T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9649"},"modified":"2012-10-20T00:00:00","modified_gmt":"2012-10-19T22:00:00","slug":"taqiyy-ud-din-an-nabhani-gruender-und-amir-von-hizb-ut-tahrir-1953-1977","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9649","title":{"rendered":"Taqiyy-ud-Din An-Nabhani: Gr\u00fcnder und Amir von Hizb-ut-Tahrir (1953-1977)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Herkunft:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Sheikh Muhammad Taqiyy-ud-Din Ibn (Sohn von) Ibrahim, Ibn (Sohn von) Mustafah, Ibn (Sohn von) Ismail, Ibn (Sohn von) Yusuf al-Nabhani geh\u00f6rte zum alten arabischen Stamm der Bani Nabhan im Norden Pal\u00e4stinas.<br>Er wurde 1909 in dem Dorf Ijzim, zugeh\u00f6rig zur Provinz Haifa, geboren. Sowohl sein Vater wie auch seine Mutter beherrschten wesentliche islamische Wissenschaften. So war sein Vater Ibrahim An-Nabhani ein Gelehrter des islamischen Rechts. Er arbeitete als Dozent des islamischen Rechts, der Scharia. Seine Mutter hatte islamische Naturwissenschaften studiert und arbeitete ebenfalls als Dozentin in ihrem Fach. Sie wurde ma\u00dfgeblich von ihrem Vater, dem angesehenen Gelehrten und Richter im Osmanischen Kalifat, Sheikh Yusuf An-Nabhani, unterrichtet. Sheikh Yusuf An-Nabhani agierte als Richter an mehreren Schariagerichten, wie z.B. Jenin, Istanbul, Mosul, Latakia, Jerusalem und Beirut.<br>Dieses islamische Umfeld erm\u00f6glichte Taqiyy-ud-Din eine f\u00fcr seine islamische Erziehung positive Entwicklung und trug sicherlich viel dazu bei, dass er im Laufe der Jahre eine markante Pers\u00f6nlichkeit herausbildete. Beispielsweise konnte er bereits mit jungen zw\u00f6lf Lebensjahren den gesamten Quran auswendig rezitieren. Durch seinen Gro\u00dfvater m\u00fctterlicherseits entwickelte er ein ausgepr\u00e4gtes politisches Gesp\u00fcr und erfuhr regelm\u00e4\u00dfig von den politischen Geschehnissen im Osmanischen Kalifat.<br>Yusuf An-Nabhani, genauer Yusuf Ibn Ismail Ibn Yusuf Ibn Hasan Ibn Mohammed An-Nabhani Al-Shafii, genannt auch Abu Al-Mahasin, verf\u00fcgte \u00fcber exzellente Beziehungen zu ranghohen Politikern im Kalifat sowohl in Istanbul, wie auch im Irak, Libanon, in Syrien und Pal\u00e4stina. Er war ein bedeutender Richter des Osmanischen Kalifats und zust\u00e4ndig f\u00fcr die juristischen Fragen in der Gegend um Jenin in der pal\u00e4stinensischen Provinz Nablus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br><strong>Bildung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>In den anspruchsvollen islamischen Studienkreisen seines Gro\u00dfvaters nahm Taqiyy-ud-Din mit gro\u00dfem Engagement teil und bestach dabei durch seinen intelligenten Scharfsinn. Abu Al-Mahasin versuchte das offensichtliche Talent seines Spr\u00f6sslings zu f\u00f6rdern, in dem er ihn ermutigte, in Haifa Islamisches Recht zu studieren. Bevor er jedoch sein Schariastudium in Haifa beenden konnte zog es ihn nach Kairo zu der damals angesehensten Universit\u00e4tsstadt f\u00fcr islamische Wissenschaften. Im Alter von neunzehn Jahren immatrikulierte er gleichzeitig sowohl an der ber\u00fchmten Al-Azhar Universit\u00e4t wie auch im Dar Al-Ulum College. Beide Studieng\u00e4nge beendete er bravour\u00f6s im Jahre 1932 mit ausgezeichnetem Abschluss. W\u00e4hrend seiner Studienzeit nahm er an vielen zus\u00e4tzlichen Vorlesungen teil, die von bekannten Gelehrten wie z.B. Sheikh Al-Akhdar Hussein abgehalten wurden. In diesen Gespr\u00e4chszirkeln bewies er permanent seine enormen F\u00e4higkeiten in der Diskussionsf\u00fchrung und zeigte eine gro\u00dfe intellektuelle Weitsicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br><strong>Weiterer Lebensweg:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Nach seiner R\u00fcckkehr in die Heimat arbeitete er zun\u00e4chst von 1932 bis 1938 als Lehrer. Weil ihm jedoch die aufkommende Korruption und Fremdsteuerung im Erziehungssektor missfiel, versuchte er in der Judikative seinen Einfluss geltend zu machen. Er betrachtete die Lehrpl\u00e4ne im Bildungswesen als von den westlichen Kolonialisten beeinflusste Vorgaben, die die Muslime von den islamischen Ideen nach und nach entfernen sollten. Das Rechtswesen erschien ihm derweil als ein gesch\u00fctzter Bereich, weil es in seiner Gesamtheit noch auf den islamischen Rechtsprinzipien basierte und die islamischen Gesetze des Osmanischen Staates weiterhin Anwendung fanden.<br>Er bewarb sich sodann bei dem h\u00f6chsten Gericht in Pal\u00e4stina, wo er folgerichtig dann auch verschiedene Funktionen in dem Gebiet von Bisan, Tiberias und sp\u00e4ter auch in Haifa bekleidete. Von 1940 bis 1945 bekleidete er die Funktion eines &#8222;legal Assessor&#8220;. Anschlie\u00dfend fungierte er bis zur Gr\u00fcndung Israels und dem Verlust Pal\u00e4stinas im Jahre 1948 als ein hoher Vertreter des Gerichts zu Haifa. Nach der folgenden Auswanderung aus Pal\u00e4stina lie\u00df er sich zun\u00e4chst im benachbarten Syrien nieder, wobei er nur wenig sp\u00e4ter nach Pal\u00e4stina ins noch nicht besetzte Jerusalem beordert wurde und als Scharia-Richter im dortigen Berufungsgericht bis 1951 arbeitete.<br>Nachdem er 1951 von seiner Funktion als Berufungsrichter zur\u00fccktrat, begab er sich nach Amman, wo er als Dozent in der dortigen Fakult\u00e4t f\u00fcr Islamische Wissenschaften unterrichtete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br><strong>Politische Aktivit\u00e4t:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Die politischen Aktivit\u00e4ten Sheikh Taqiyy-ud-Din An-Nabhanis begannen sich fr\u00fchzeitig abzuzeichnen. Bevor er Hizb-ut-Tahrir gr\u00fcndete hatte er keine organisierte politische T\u00e4tigkeit vorzuweisen. In seinem zweiten und dritten Lebensjahrzehnt war er des \u00d6fteren mit dem bekannten Sheikh Izz Ad-Din Al-Qassam zusammengekommen, dem er dabei behilflich gewesen war, Pl\u00e4ne f\u00fcr einen milit\u00e4rischen Aufstand gegen die britische Besatzungsmacht vorzubereiten und die zionistischen Bestrebungen zur Gr\u00fcndung eines Staates zu verhindern.<br>Auch kam er mit der Muslimbruderschaft zusammen und diskutierte mit Sayyid Qutb Wege aus der Krise der Muslime nach der Zerst\u00f6rung des Kalifats. Taqiyy-ud-Din An-Nabhani war pausenlos damit besch\u00e4ftigt, sich an politischen Diskussionsrunden und islamischen Lehrkreisen zu beteiligen, wie seine einstigen Studienfreunde von Al-Azhar sp\u00e4ter berichteten. Sie alle waren Zeugen von zahlreichen politischen Diskussionen, in denen Taqiyy-ud-Din die desolate Lage im Osmanischen Staat kritisierte und sie f\u00fcr den politischen und intellektuellen Niedergang der Muslime und des Kalifats verantwortlich machte. Er wendete sich auch an die Gelehrten von Al-Azhar und forderte sie auf, ihre teilnahmslose Haltung gegen\u00fcber der Umma aufzugeben und sich auf die beste Art und Weise f\u00fcr die Angelegenheiten der Umma und einer Wiederbelebung des Islam einzusetzen.<br>Als er von Syrien nach Jerusalem zur\u00fcckkam, empfand er mehr und mehr, wie die Umma vor allem durch die Kolonialm\u00e4chte Gro\u00dfbritannien und Frankreich negativ mit islamfremden Ideen beeinflusst wurde. Der Verlust Pal\u00e4stinas im Jahre 1948 mit der Gr\u00fcndung Israels und ein misslungener Putschversuch in Jordanien von Abdullah Al-Tal, den An-Nabhani seine Unterst\u00fctzung zukommen lie\u00df, st\u00e4rkten in ihm mehr und mehr die \u00dcberzeugung, dass nur eine strukturierte und tiefgr\u00fcndig intellektuelle Arbeit die Ehre und die St\u00e4rke der Umma wiederherstellen k\u00f6nne.<br>Noch w\u00e4hrend seiner Zeit als Berufungsrichter in Jerusalem Anfang 1949 befasste er sich mit den notwendigen Vorbereitungen f\u00fcr eine Parteistruktur, der Literaturrecherche und weiteren Ma\u00dfnahmen f\u00fcr den Beginn einer politischen T\u00e4tigkeit. Schon in seiner im Januar 1950 erschienenen ersten schriftlichen Abhandlung mit dem Titel \u201eInqadh Filastin&#8220; (Die Rettung von Pal\u00e4stina) deutete er auf die seit dem siebten Jahrhundert bestehende tiefe Verwurzelung des Islam in Pal\u00e4stina.<br>Ebenfalls analysierte er kritisch die Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr den Niedergang der Araber, wobei er hierf\u00fcr im Wesentlichen die Resignation und die Unterw\u00fcrfigkeit der Muslime gegen\u00fcber den Kolonialm\u00e4chten verantwortlich machte.<br>Im August 1950 verfasste er einen offenen Brief an die Mitglieder der Kulturversammlung der Arabischen Liga im \u00e4gyptischen Alexandria. Diese Schrift wurde dann sp\u00e4ter als Buch mit dem Titel Risalat al-Arab (\u201eDie Botschaft der Araber&#8220;) ver\u00f6ffentlicht.<br>In dieser Schrift verdeutlichte er, dass die wahre und richtige Botschaft der Araber nur der Islam sei. Er forderte, dass folglich nur auf dem islamischen Fundament ein intellektueller und sodann auch politischer Aufstieg der Umma erreicht werden k\u00f6nne. Nachdem er auf seinen Brief hin keine Antwort von den Verantwortlichen der Arabischen Liga erhielt, war Sheikh Taqiyy-ud-Din An-Nabhani nun umso mehr davon \u00fcberzeugt, dass eine politische Partei gegr\u00fcndet werden musste, die sich der Interessen der Umma und des Islam annehmen m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br><strong>Hizb ut-Tahrir<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>W\u00e4hrend seiner Zeit als Lehrer an der Ibrahimiyya Schule kontaktierte Taqiyy-ud-Din An-Nabhani zahlreiche Personen und auch angesehene Pers\u00f6nlichkeiten, wie z.B. seine Kollegen As&#8217;ad und Rajab Bayyud Tamimi sowie Abdul Qadim Zallum, mit dem Ziel, eine politische Parte zu gr\u00fcnden.<br>Schlie\u00dflich gelang es An-Nabhani gen\u00fcgend Mitstreiter zu finden, die die islamrechtlich verpflichtende Notwendigkeit verstanden, eine politische Bewegung zu gr\u00fcnden, die zur Wiederaufnahme der islamischen Lebensweise und folglich zur Vereinigung der Umma in einem einheitlichen Staat aufruft. Denn nur durch die vollst\u00e4ndige Anwendung der islamischen Gesetze kann der Din Allahs (s.w.t.) praktikabel die Probleme der Umma l\u00f6sen und zur weltweiten Da&#8217;wa schreiten.<br>Anfang 1953 waren dann die umfangreichen Untersuchungen der Gelehrten um An-Nabhani abgeschlossen, so dass konzeptionell nichts mehr im Weg stand, die angestrebte politische Partei mit der rein islamischen Ideologie ins Leben zu rufen. So wurde in Jerusalem im April 1953 die Partei der Befreiung &#8222;Hizb-ut-Tahrir&#8220; praktisch gegr\u00fcndet.<br>Der erste Zelle der Partei um Taqiyy-ud-Din An-Nabhani, Dawud Hamdan, Ghanim Abduh, Munir Shuqayr und Dr. Adil An-Nablusi informierte entsprechend des noch bis dahin rechtskr\u00e4ftigen osmanischen Gesellschaftsrechts auf schriftlichem Wege die zust\u00e4ndigen Organe in Person des Gouverneurs von Jerusalem und die jordanische Regierung \u00fcber die Gr\u00fcndung einer neuen politischen Partei.<br>Die unter britischem Einfluss stehende jordanische Regierung reagierte dann auch prompt und erlie\u00df ein Dekret zum Verbot von Hizb-ut-Tahrir. Die Aktivit\u00e4ten der Partei wurden f\u00fcr illegal erkl\u00e4rt.<br>Hizb-ut-Tahrir ignorierte folgerichtig das Verbot, weil die Arbeit zur Wiedererrichtung des Islam im Leben eine islamrechtliche Verpflichtung bedeutet und nicht von Menschen sanktioniert werden kann. Die Arbeit wurde vielmehr neben Jerusalem auf Hebron, Nablus und weitere St\u00e4dte und D\u00f6rfer der Region ausgedehnt. Dies hatte eine repressive Antwort der Regierung zufolge, was bis in unsere Tage hinein s\u00e4mtliche Dawa-Tr\u00e4ger von Hizb-ut-Tahrir betrifft.<br>Die weitere Konsequenz f\u00fcr die aktive Dawa war ein Gesetz, das 1954 unter dem Vorsatz &#8222;Gesetz zur Regelung von Predigten und Rechtleitung&#8220; von der jordanischen Regierung verabschiedet wurde und zum Ziel hatte, die Mitglieder von Hizb-ut-Tahrir von Predigten und Ansprachen in den Moscheen abzuhalten.<br>Trotz all dieser Repressalien und Hindernisse gelang es der Partei ihre Arbeit auf viele Gebiete der islamischen Welt auszudehnen, so dass heute von Marokko bis nach Indonesien und sogar in der nichtislamischen Welt die islamische Botschaft von Hizb-ut-Tahrir zugegen ist.<br>Nachdem An-Nabhani 1955 eine kurze Reise nach Damaskus und Beirut unternahm, nutzte die jordanische Regierung seine Abwesenheit, um ein Dekret zu erlassen, dass seine R\u00fcckkehr nach Jordanien auf Lebenszeit untersagte. Daher ging An-Nabhani zun\u00e4chst \u00fcber Damaskus nach Beirut, von wo er die parteiliche Arbeit leitete.<br>1973 wurde An-Nabhani w\u00e4hrend einer Reise im Irak von den dortigen Sicherheitsbeh\u00f6rden inhaftiert und in der Folge auch im Gef\u00e4ngnis gefoltert. Nur aufgrund der Tatsache, dass die irakischen Sicherheitsstellen ihn nur als ein Mitglied der Partei und nicht als dessen Amir ausmachten, blieb er von schlimmeren Ma\u00dfnahmen verschont.<br>Schlie\u00dflich wurde An-Nabhani aus dem Gef\u00e4ngnis freigelassen, nachdem eine angesehne Pers\u00f6nlichkeit aus dem Libanon, die eine verwandtschaftliche Beziehung zu An-Nabhanis Ehefrau hatte, seinen Einfluss geltend machte und so An-Nabhani aus der Haft befreien konnte.<br>Aufgrund der st\u00e4ndigen Verfolgungen und Einschr\u00e4nkungen im t\u00e4glichen Leben wurde An-Nabhani gezwungen, seine aktive Rolle in der \u00d6ffentlichkeit aufzugeben.<br>Er verstarb schlie\u00dflich am 20. Dezember 1977 in Beirut und wurde im Al-Auza&#8217;i Friedhof beerdigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er wurde 1909 in dem Dorf Ijzim, zugeh\u00f6rig zur Provinz Haifa, geboren. Sowohl sein Vater wie auch seine Mutter beherrschten wesentliche islamische Wissenschaften. So war sein Vater Ibrahim An-Nabhani ein Gelehrter des islamischen Rechts. Er arbeitete als Dozent des islamischen Rechts, der Scharia. 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