{"id":9655,"date":"2012-09-15T00:00:00","date_gmt":"2012-09-14T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9655"},"modified":"2012-09-15T00:00:00","modified_gmt":"2012-09-14T22:00:00","slug":"said-ibn-amir-al-djumahi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9655","title":{"rendered":"Sa&#8217;id Ibn Amir al-Djumahi"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Leben eines Augenzeugen ist oftmals ein m\u00fchseliges Leben. Er steht st\u00e4ndig auf der anderen Seite, w\u00e4hrend er zusehen muss, wie die anderen gro\u00dfe Leistungen vollbringen d\u00fcrfen.<br>Dann darf er wiederum froh sein, wenn die anderen ein Ungl\u00fcck erleiden m\u00fcssen und er verschont bleibt. Hin und wieder muss er sich blind stellen, um nicht gest\u00f6rt zu werden. Wenn das nicht hilft, zieht er eine hohe Mauer und zeigt sich auf seiner Seite als zu gesch\u00e4ftig, als dass er sich auch noch um die Belange der anderen k\u00fcmmern k\u00f6nnte. Doch es gibt auch Menschen, die sich nicht tot stellen, um sich der Verantwortung zu entziehen. Zu ihnen geh\u00f6rte Sa&#8217;id ibn Amir al-Djumahi (r).<br>Dieser Gef\u00e4hrte Muhammads (s) k\u00e4mpfte nach der Gr\u00fcndung des islamischen Staates in Medina in allen Schlachten an der Seite des Propheten. Nach dessen Tod fungierte Sa&#8217;id (r) als Ratgeber der darauffolgenden Kalifen. Als Umar (r) Kalif wurde, ging Sa&#8217;id Ibn Amir al-Djumahi (r) zu ihm und riet ihm Folgendes: &#8222;O Umar, ich gebe dir einen guten Rat: F\u00fcrchte Allah (t) in Bezug auf die Verantwortung, die er dir gegeben hat und tue keinem Menschen Unrecht an. Deine Worte d\u00fcrfen deinen Taten nicht widersprechen. Die beste Aussage ist n\u00e4mlich jene, die mit den Taten best\u00e4tigt wird. O Umar, gib jedem Menschen sein Recht, sei er dir nah oder fern, und w\u00fcnsche ihnen das, was du auch dir und deiner Familie w\u00fcnschst. Und sprich die Wahrheit und f\u00fcrchte au\u00dfer Allah (t) niemanden.&#8220; Der Kalif (r) antwortete ihm mit folgenden Worten: &#8222;Wer, o Sa&#8217;id, vermag dies zu tun?&#8220; Er antwortete: &#8222;Ein Mann wie du, der von Allah (t) die Aufgabe bekam, Kalif \u00fcber die Muslime zu sein.&#8220; Umar (r) bat Sa&#8217;id, alsbald Gouverneur der Stadt Homs zu werden, was dieser zun\u00e4chst ausdr\u00fccklich ablehnte. Umar (r) bestand jedoch darauf: &#8222;Bei Allah (t), ihr habt mir diese Verantwortung an den Hals geh\u00e4ngt und wollt mich nun im Stich lassen? Das werde ich nicht zulassen.&#8220; Somit wurde Sa&#8217;id (r) unter der Befehlsgewalt von Umar (r) zum Gouverneur von Homs ernannt.<br>Umar (r) empfing Jahre sp\u00e4ter eine Delegation aus Homs, die eine Liste der dort ans\u00e4ssigen Bed\u00fcrftigen mit sich f\u00fchrte, und musste erkennen, dass der Amir von Homs dort ebenfalls namentlich aufgef\u00fchrt war. &#8222;Bei Allah, es vergehen viele Tage, ohne dass in seinem Haus Feuer zum Kochen angez\u00fcndet wird&#8220;, wird Sa&#8217;ids Situation in kurzen Worten beschrieben. Dies ergriff den Kalifen so sehr, dass, wie in Quellen zu lesen ist, sein Bart mit Tr\u00e4nen benetzt wurde. Daraufhin lie\u00df ihm Umar (r) Geld zukommen.<br>Statt dieses Geld als Verbesserung seiner Notlage zu betrachten, sah Sa&#8217;id darin vielmehr ein Leid: &#8222;Wir alle geh\u00f6ren Allah und zu ihm kehren wir zur\u00fcck&#8220;. Sa&#8217;ids Ehefrau, die aufgrund seiner Reaktion von einem Ungl\u00fcck ausging, erkundigte sich, ob wom\u00f6glich der Kalif verstorben sei oder die Muslime in einer Schlacht besiegt worden seien. &#8222;Dunia ist zu mir gekommen, um mir das Jenseits zu zerst\u00f6ren. Eine gro\u00dfe Pr\u00fcfung ist in mein Haus eingekehrt&#8220;, entgegnete Sa&#8217;id (r). Obwohl er selbst zu den Mittellosen geh\u00f6rte, behielt er nichts von dem Geld, das ihm Umar (r) sandte, sondern verteilte es unter den Notleidenden von Homs. Trotz allem beschwerten sich die Einwohner von Homs, als sie von Umar (r) nach ihrem Amir befragt wurden, \u00fcber Sa&#8217;id (r).<br>Umar (r) war auf dem Weg nach Jerusalem, als er unter anderem an der Stadt Homs vorbeikam. Die Stadt hatte den Spitznamen Kuwaifa, der von dem Namen der Stadt Kufa abgeleitet wurde. Die Einwohner Kufas hatten n\u00e4mlich den Ruf, dass sie von keinem Amir zufrieden zu stellen waren. Da man den B\u00fcrgern von Homs ebenfalls diese Eigenschaft nachsagte, jedoch in einem geringeren Ausma\u00df, wurde Homs al-Kuwaifa (kleines Kufa) genannt.<br>In Homs angekommen, fragte Umar (r) in seiner Funktion als Kalif die Bewohner sogleich nach ihrem Amir, um nachzupr\u00fcfen, ob die Personen, die er als Gouverneure in den verschiedenen Orten eingesetzt hatte, auch gerecht waren. Die Bewohner antworteten direkt: &#8222;Wir haben genau vier Beschwerden \u00fcber unseren Amir, und eine von ihnen ist schlimmer als die andere.&#8220; Der Kalif versammelte am n\u00e4chsten Morgen alle Bewohner und den Amir, um die Angelegenheit zu kl\u00e4ren. Er sprach zu den Bewohnern: &#8222;Nennt mir eure Beschwerden.&#8220; Sie antworteten: &#8222;Die erste ist, dass unser Amir jeden Morgen erst versp\u00e4tet zu uns kommt.&#8220; Umar (r) gab die Begebenheit mit folgenden Worten wieder: &#8222;Ich sagte: &#8218;O Sa&#8217;id, du hast die M\u00f6glichkeit dich zu verteidigen, was sagst du dazu?&#8216; Sa&#8217;id Ibn Amir al-Djumahi (r) antwortete: &#8218;Bei Allah, ich habe mir gew\u00fcnscht, dass dies immer ein Geheimnis bleibt, aber da es jetzt nun n\u00f6tig ist (will ich dar\u00fcber sprechen). Ich pers\u00f6nlich habe keinen Diener, der mir hilft; so stehe ich fr\u00fch am morgen auf und backe das Brot, mache das Essen f\u00fcr meine Familie, bete zwei Rak&#8217;at und gehe dann zu den Muslimen.&#8216; So sagte ich zu den Bewohnern: &#8218;Dieser Fall ist gekl\u00e4rt, denn euer Amir ist entschuldigt und kann nichts f\u00fcr seine Versp\u00e4tungen, so nennt mir eure zweite Beschwerde.&#8216; Sie sagten: &#8218;W\u00e4hrend der Nacht macht er keinem von uns die T\u00fcr auf, und er antwortet uns nicht einmal.&#8216; Ich wandte mich an Sa&#8217;id: &#8218;O Sa&#8217;id, was willst du nun sagen?&#8216; Er schwieg zun\u00e4chst und sagte dann: &#8218;Bei Allah, auch dies wollte ich geheim halten, aber nun muss ich nachgeben: Ich habe meinen Tag f\u00fcr die Menschen bestimmt und die Nacht f\u00fcr Allah (t) und m\u00f6chte mich in der Nacht ganz allein ihm zuwenden.&#8216; Erleichtert fragte ich weiter: &#8218;Was ist eure dritte Beschwerde?&#8216; Sie entgegneten: &#8218;Einmal im Monat jedoch kommt er gar nicht zu uns raus, und keiner von uns hat die M\u00f6glichkeit ihn zu kontaktieren.&#8216; So wandte ich mich verwundert an Sa&#8217;id, der antwortete: &#8218;Bei Allah, ich besitze zum Anziehen nichts anderes als das, was ich auch jetzt anhabe. Und einmal im Monat ziehe ich diese Kleidung aus und wasche sie. So muss ich warten, bis sie trocknet und gehe dann erst zu den Menschen.&#8216; Erleichtert fragte ich weiter: &#8218;Nennt mir nun eure letzte Beschwerde.&#8216; Sie sagten: &#8218;Ab und zu bekommt er einen Nervenzusammenbruch und verliert ganz pl\u00f6tzlich sein Bewusstsein ohne jeglichen Grund.&#8216; Ich sagte zu Sa&#8217;id: &#8218;O Sa&#8217;id, was willst du nun sagen?&#8216; Er antwortete: &#8218;Ich habe erlebt, wie Hubaiba Ibn Adiya (r) umgebracht und aufs Schlimmste misshandelt und gefoltert wurde w\u00e4hrend meiner Unwissenheit als Kafir. Und ich habe geh\u00f6rt, wie die Quraisch ihn fragten: W\u00e4re es dir nicht lieber, dass Muhammad (s) an deiner Stelle w\u00e4re, w\u00e4hrend du selbst bei deiner Frau und den Kindern bist?, und er als Antwort daraufhin sagte: Bei Allah, mir w\u00e4re es nicht einmal lieber, dass ich zu Hause mit meiner Familie zusammensitze, wenn Muhammad (s) auch nur ein Dorn stechen w\u00fcrde! Und immer, wenn ich daran denke und wei\u00df, dass ich ihm in diesem Moment nicht geholfen habe, denke ich, dass Allah mir niemals verzeiht, und verliere augenblicklich mein Bewusstsein.'&#8220;<br>Sa&#8217;id (r) hatte bereits in jungen Jahren zusehen und lernen m\u00fcssen, wozu Nichtmuslime f\u00e4hig sind, wenn sie um ihre Macht f\u00fcrchten. Nachdem die Quraisch die Schlacht bei Badr verloren hatten und sie gro\u00dfe Verluste hinnehmen mussten, wurden Hunderte Mekkaner nach Tan&#8217;im gerufen, einem Ort au\u00dferhalb von Mekka, um Augenzeugen einer Hinrichtung an Hubaiba (r) zu werden, der unter die Gefangenschaft der Mekkaner geraten ist. Die Masse sollte zur Abschreckung sehen, wie die Rache an den Muslimen aussieht. Auch Sa&#8217;id (r) konnte genau sehen, was die Quraisch mit dem Gefangenen machten, und er konnte auch deutlich h\u00f6ren, was Hubaiba (r) ihnen als Antwort auf ihre Grausamkeit gab. Unter Schl\u00e4gen wurde er zu seinem Hinrichtungsort gef\u00fchrt. Sa&#8217;id berichtete, dass der Gef\u00e4hrte (r) noch eine Bitte an die Quraisch richtete: &#8222;Wenn ihr mich zwei Rak&#8217;at beten lassen w\u00fcrdet, so w\u00fcrdet ihr etwas Gutes tun.&#8220; Diese wurden ihm gew\u00e4hrt. Anschlie\u00dfend richtete er folgende Worte an die F\u00fchrer der Quraisch: &#8222;Bei Allah, w\u00e4re es nicht so, dass ihr denkt, ich h\u00e4tte Angst vor dem Tod, so h\u00e4tte ich mein Gebet verl\u00e4ngert.&#8220; Die Quraisch massakrierten Hubaiba (r), indem sie ihn langsam bei lebendigem Leib zerst\u00fcckelten und dabei immer wieder die gleiche Frage stellten, auf die sie von Hubaiba (r) die gleiche Antwort erhielten: &#8222;W\u00fcrdest du dich retten wollen, so dass an deiner Stelle Muhammad steht?&#8220; Hubaiba (r) hatte das Jenseits vor Augen. Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt: \u201eDas irdische Leben ist ein Gef\u00e4ngnis f\u00fcr den Gl\u00e4ubigen und ein Paradies f\u00fcr den Ungl\u00e4ubigen.&#8220; Sa&#8217;id (r) konnte sich nie wieder von dieser Erinnerung lossagen, und er hat diesen Ereignissen Taten folgen lassen. Das Wissen um Hubaibas grauenvollen Tod lebte in seinem Einsatz weiter.<br>Heute gibt es keine Augenzeugen von Hubaibas Hinrichtung mehr, aber es gibt die andere Kategorie: die Ohrenzeugen. Diese sollen wissen, dass die Gef\u00e4hrten nicht zu solchen Leistungen f\u00e4hig wurden, weil sie Sahaba waren. Vielmehr wurden sie die Weggef\u00e4hrten des Gesandten (s), weil sie zu enormen Leistungen bereit waren. Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt: <strong>&#8222;Wer stirbt, ohne dass er sich f\u00fcr die Sache Allahs (t) eingesetzt hat und sich nie dar\u00fcber Gedanken gemacht hat, der ist nicht frei von Heuchelei gestorben.&#8220;<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Leben eines Augenzeugen ist oftmals ein m\u00fchseliges Leben. 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