{"id":9669,"date":"2012-03-22T00:00:00","date_gmt":"2012-03-21T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9669"},"modified":"2012-03-22T00:00:00","modified_gmt":"2012-03-21T23:00:00","slug":"aufgelesen-pierre-hillard-zur-geplanten-neuordnung-des-nahen-und-mittleren-ostens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9669","title":{"rendered":"Aufgelesen: Pierre Hillard zur geplanten Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das folgende Interview erschien seit l\u00e4ngerem auf der Seite www.german-foreign-policy.com. Wegen seiner Wichtigkeit und Brisanz, haben wir uns entschlossen, es hier erneut und unver\u00e4ndert wiederzugeben: &#8230;\u00dcber Pl\u00e4ne zur Dekomposition des Nahen und Mittleren Ostens, die vor einiger Zeit in der US-amerikanischen Milit\u00e4rzeitschrift Armed Forces Journal (AFJ) publiziert wurden, sprach german-foreign-policy.com mit Dr. Pierre Hillard. Hillard, Spezialist f\u00fcr die deutsch-franz\u00f6sischen Beziehungen, ist docteur en science politique und Autor mehrerer Publikationen \u00fcber die Zerschlagung von Staaten nach ethnischen Kriterien. Zuletzt erschien im vergangenen Jahr &#8222;La d\u00e9composition des nations europ\u00e9ennes. De l&#8217;union euro-Atlantique \u0155 l&#8217;\u00c9tat mondial&#8220; (\u00c9ditions Fran\u00e7ois-Xavier de Guibert, Paris).german-foreign-policy.com: Sind die ethnizistischen Umsturzversuche im Nahen und Mittleren Osten ernst zu nehmen?Pierre Hillard: Diese Versuche m\u00fcssen selbstverst\u00e4ndlich ernst genommen werden. Im Grunde genommen sind sie der Reflex einer sehr umfassenden Politik, die darin besteht, dieses gesamte Gebiet nach ethnischen und religi\u00f6sen Kriterien umzugestalten &#8211; gem\u00e4\u00df dem bekannten Prinzip &#8222;Teile und herrsche&#8220;. Diese Dekomposition zielt auch auf religi\u00f6se Werte. Man sieht es an der Idee, einen &#8222;Heiligen Islamischen Staat&#8220; zu schaffen und dessen Territorium von der herrschenden wahabitischen Saoud-Familie zu trennen. Es geht darum, religi\u00f6se Prinzipien zu debattieren, um in der Lage zu sein, sie zu modifizieren. Das erkl\u00e4rte Ziel ist es, die Denkweisen der Muslime zu ver\u00e4ndern, damit diese die politischen, \u00f6konomischen und philosophischen Prinzipien \u00fcbernehmen, die den Westen beherrschen. Ethnische Umstrukturierung und Umstrukturierung des religi\u00f6sen Denkens der Bewohner des Nahen und Mittleren Ostens &#8211; das sind die beiden Waffen, die von den F\u00fchrungsspitzen in Washington und Br\u00fcssel benutzt werden, um die gesamte Region umzust\u00fcrzen.gfp.com: Welche Staaten sind betroffen?Hillard: S\u00e4mtliche Staaten des &#8222;Gro\u00dfen Mittleren Ostens&#8220;. Die Landkarte der US-amerikanischen Milit\u00e4rzeitschrift AFJ (Armed Forces Journal) gibt nur einen Ausschnitt preis. Man muss wissen, dass auch die Staaten Nordafrikas zu Objekten der Zerschlagung gemacht werden. Beispiel Algerien: Seit 2002 unterhalten die Kabylen Algeriens enge Beziehungen zu spanischen Beh\u00f6rden, genauer gesagt zur Generalitat in Katalonien. Diese spanische Region betreibt einen offenen Ethno-Regionalismus und scheint ihn auch exportieren zu wollen. Katalonien saugt sich voll mit europ\u00e4ischen Dokumenten, die in Wahrheit deutsch-europ\u00e4ische Dokumente sind, um mit ethnizistischen Begr\u00fcndungen von Madrid loszukommen. Das interessiert auch die Kabylen in Algerien und alle anderen, die bestehende Staaten in Nordafrika aufbrechen wollen &#8211; ein Prozess, der s\u00e4mtliche Mittelmeeranlieger betrifft.gfp.com: Welche Ziele verfolgt die Ver\u00f6ffentlichung der Ethno-Karten?Hillard: Die Ver\u00f6ffentlichung dieser Karten sowie des AFJ-Artikels von Ralph Peters darf man nicht isoliert betrachten. Die Publikation in einer amerikanischen Milit\u00e4rzeitschrift begleitet die seit Jahren ventilierten Konzepte, ein Gebiet namens &#8222;Greater Middle East&#8220; zu schaffen. Es sind Vorschl\u00e4ge, sozusagen ein Prototyp der beabsichtigten Umst\u00fcrze und insofern f\u00fcr Modifikationen offen. Man will auch die Reaktionen testen, vorrangig die Reaktionen unter den Muslimen. Das Geschickte an einer solchen Ver\u00f6ffentlichung ist, dass sie Debatten bei den Betroffenen ausl\u00f6st. Man wird Bef\u00fcrworter und Gegner dieser Konzepte erkennen k\u00f6nnen, es wird zu Br\u00fcchen und Widerspr\u00fcchen in den islamischen Staaten kommen. Also wird es auch M\u00f6glichkeiten geben, auf die eine oder andere ethnische oder politische Gruppe Druck auszu\u00fcben, eine dritte zu bevorzugen usw. Allein die Debatte um das F\u00fcr und Wider ethno-regionalistischer Prinzipien (und Grenzziehungen) f\u00f6rdert die westlichen Interessen &#8211; eine sehr perverse Methode.[Die neue Landkarte des Nahen Ostens nach den Vorstellungen von Ralph Peters]gfp.com: Angestrebt wird eine v\u00f6llige Neuorganisation der Staatlichkeit &#8211; zwischen Griechenland im Westen und Indien im Osten. Einen solch umfassenden Umsturzversuch haben nicht einmal die Kolonisatoren des 19. Jahrhunderts unternommen.Hillard: Tats\u00e4chlich sind die Kolonialisten des 19. Jahrhunderts nicht so weit gegangen. Diese politische Neuorganisation zwischen Griechenland im Westen und Indien im Osten ist alles andere als harmlos. Die F\u00fchrungsspitzen in Washington und Br\u00fcssel beg\u00fcnstigen das Zerbrechen der Staaten im Mittleren Osten, aber auch in Europa. Sie handeln im Geist der sogenannten Globalisierung und ihrer Philosophie angeblich universeller Werte.gfp.com: Welche Rolle spielt die deutsche Au\u00dfenpolitik bei dieser ethnizistischen Aggression?Hillard: Die deutsche Politik spielt bei der Propagierung dieser Ideen eine gro\u00dfe Rolle &#8211; nehmen Sie zum Beispiel die Bertelsmann-Stiftung, die im Rahmen der Kronberger Gespr\u00e4che ganze Ma\u00dfnahmenb\u00fcndel ausarbeitet, um den Mittleren Osten umzugestalten. Der davon ausgehende Einfluss ist bedeutend, und zwar unabh\u00e4ngig davon, welche Regierungsmannschaft in Berlin gerade an der Macht ist. Die Berichte der Stiftung aus den Jahren 2002 und 2003 sind sehr lesenswert: &#8222;Europe, the mediterranean and the Middle East, strengthening responsibility for stability and development&#8220; (Siebte Kronberger Gespr\u00e4che) und &#8222;Die Zukunft der europ\u00e4ischen Politik im Nahen Osten nach dem Irak-Krieg&#8220; (Achte Kronberger Gespr\u00e4che). In diesen Ausf\u00fchrungen ist zu erkennen, dass man eine vollst\u00e4ndige Umgestaltung der politischen, wirtschaftlichen und religi\u00f6sen Institutionen der L\u00e4nder des &#8222;Gro\u00dfen Mittleren Ostens&#8220; will, um sie fest an die euro-atlantische Achse zu schwei\u00dfen.gfp.com: Sind die Bertelsmann-\u00dcberlegungen auch zu Bestandteilen der offiziellen deutschen Au\u00dfenpolitik geworden?Hillard: Der Einfluss l\u00e4sst sich an verschiedenen Beispielen zeigen. So hat der fr\u00fchere Au\u00dfenminister Joseph Fischer im Januar 2004 einer so genannten Modernisierung des Islam das Wort geredet und in diesem Zusammenhang &#8222;Reformen&#8220; in der T\u00fcrkei gefordert. [1] Dabei erw\u00e4hnte Fischer ausdr\u00fccklich, dass die T\u00fcrkei die &#8222;Kopenhagener Kriterien&#8220; erf\u00fcllen m\u00fcsse. Diese EU-Kriterien verlangen nach Minderheitenrechten in der deutschen Definition. Sie sind von Deutschen ersonnen und von Deutschen in die EU-Dokumente eingef\u00fchrt worden, wie ich in meinen Ver\u00f6ffentlichungen mehrmals nachgewiesen habe.[2] Diese ethnisch gepr\u00e4gte Minderheitenpolitik ist zum Bestandteil der gesamten EU-Nachbarschaftspolitik geworden, sie betrifft auch die osteurop\u00e4ischen Kandidaten und Anlieger der EU. Es geht um ethno-regionalistische Konzepte, die zur Zerst\u00f6rung souver\u00e4ner Staaten f\u00fchren. Das steht in einem inneren Zusammenhang mit den jetzt vorliegenden Entw\u00fcrfen des US-Milit\u00e4rs Peters.gfp.com: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Krieg gegen den Libanon im Sommer 2006 und der aggressiven Neuorganisation des Nahen und Mittleren Ostens?Hillard: Die Ver\u00f6ffentlichung der Karten in einer amerikanischen Milit\u00e4rzeitschrift im Juni 2006 ist kein Zufall. Es handelt sich um die Begleitmusik f\u00fcr einen Umsturzprozess gro\u00dfen Stils. Die damalige US-Au\u00dfenministerin Condoleezza Rice hat dies auf ihrer Pressekonferenz am 21. Juli 2006, noch w\u00e4hrend der Kriegsereignisse im Libanon, ohne Umschweife zu erkennen gegeben. Frau Rice sagte: &#8222;Ich sehe kein Interesse der Diplomatie, zum status quo ante zwischen Israel und dem Libanon zur\u00fcckzukehren. Ich meine, das w\u00e4re ein Irrtum. Was wir hier sehen, ist auf eine gewisse Weise der Beginn, das sind die Geburtswehen eines neuen Mittleren Ostens, und was auch immer wir tun, wir m\u00fcssen sicher sein, dass wir zu diesem neuen Mittleren Osten vorw\u00e4rts schreiten und nicht zum alten zur\u00fcckkehren.&#8220; Angesichts dieser Ausf\u00fchrungen muss man sich fragen, ob der Krieg im Libanon nicht vors\u00e4tzlich begonnen wurde, um die Umsturzpolitik voranzutreiben. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass auf dem jetzt eingeschlagenen Weg sehr viel Blut flie\u00dfen wird.[1] &#8222;Lassen Sie mich eine Zukunftsperspektive schildern: Vielleicht kann es der T\u00fcrkei gelingen, sich zu einem europ\u00e4ischen Staat \u2013 entsprechend den Kopenhagener Kriterien &#8211; mit \u00fcberwiegend muslimischer Bev\u00f6lkerung zu entwickeln, in dem die Menschenrechte der Mehrheit und der Minderheiten geachtet werden und rechtstaatliche und demokratische Prinzipien gelten. Das w\u00e4re von kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzendem Einfluss auf die Stabilit\u00e4t der gesamten Region und auf die Reformperspektiven der islamischen Welt und vor allem unserer Nachbarregion des Nahen Ostens. Diese demokratische T\u00fcrkei w\u00e4re ein deutliches Signal, dass eine islamische Pr\u00e4gung und eine aufgekl\u00e4rte, moderne Gesellschaft in einem Staat keinen Widerspruch darstellen m\u00fcssen.&#8220; &#8222;Europa auf der Suche nach politischer Ordnung&#8220;. Rede von Bundesau\u00dfenminister Joschka Fischer anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung des &#8222;International Bertelsmann Forum&#8220; in Berlin, 9. Januar 2004[2] Pierre Hillard: La d\u00e9composition des nations europ\u00e9ennes. De l&#8217;union euro-Atlantique \u0155 l&#8217;\u00c9tat mondial, Paris 2005 (\u00c9ditions Fran\u00e7ois-Xavier de Guibert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das folgende Interview erschien seit l\u00e4ngerem auf der Seite www.german-foreign-policy.com. 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