{"id":9670,"date":"2012-03-15T00:00:00","date_gmt":"2012-03-14T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9670"},"modified":"2012-03-15T00:00:00","modified_gmt":"2012-03-14T23:00:00","slug":"israels-atomwaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9670","title":{"rendered":"Israels Atomwaffen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel von Knut Mellenthin erschien vor kurzem auf www.globale-gleichheit.de und soll auch in &#8222;Junge Welt&#8220; abgedruckt werden.Da er \u00fcberaus informativ \u00fcber die Materie berichtet, haben wir uns erlaubt, weite Teile davon auf kalifat.com zu ver\u00f6ffentlichen.Nach dem Sturz Saddam Husseins und der Besetzung Iraks m\u00fcsse man &#8222;gleich am folgenden Tag&#8220; Iran als n\u00e4chstes Ziel in Angriff nehmen, sagte Israels Regierungschef Scharon in einem Gespr\u00e4ch mit der Londoner &#8222;Times&#8220;, das diese am 5. November 2002 ver\u00f6ffentlichte, vier Monate vor dem Beginn des Krieges gegen den Irak. Schon im Februar 2002 hatte der damalige israelische Verteidigungsminister Ben Elieser bei einem USA-Besuch erkl\u00e4rt, eigentlich sei f\u00fcr Israel die Ausschaltung Irans noch wichtiger als der Sturz Saddam Husseins.So ergibt sich denn das seltsame Bild, dass die einzige Atommacht des Nahen Ostens sich ma\u00dfgeblich an der Treibjagd gegen einen Staat beteiligt, in dem die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebeh\u00f6rde (IAEA) nach zwei Jahren intensiver Suche nicht einmal Spuren irgendeines Atomwaffen-Programms gefunden haben. Die Pro-Israel-Lobby der USA, das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC), hat die Kampagne gegen Iran im laufenden Jahr zum Punkt Eins ihrer Agenda gemacht. In beiden H\u00e4usern des US-Kongresses sammeln pro-israelische Politiker Stimmen f\u00fcr eine Resolution, die sehr derjenigen \u00e4hnelt, mit der dieselben Kreise schon vor dem 11. September 2001 f\u00fcr den Sturz Saddam Husseins warben.Hilfreich f\u00fcr eine politische L\u00f6sung des Konflikts ist es ganz sicher nicht, wenn Israel als einzige Atommacht des Nahen Ostens sich bei der Kampagne gegen Iran derart lautstark und aggressiv in den Vordergrund dr\u00e4ngt.Die einzige Atommacht des Nahen OstensIn seiner Rede vor der UNO-Generalversammlung am 17. September forderte Irans Pr\u00e4sident Mahmud Ahmadinedschad die Vereinten Nationen auf, ein Komitee einzusetzen, das &#8222;praktische Strategien f\u00fcr eine vollst\u00e4ndige Abr\u00fcstung&#8220; entwickeln solle. Dieses Komitee solle auch untersuchen, wie die geheime Entwicklung der israelischen Atommacht ablief und von welchen L\u00e4ndern sie unterst\u00fctzt wurde.Zur Generalkonferenz der IAEA, die in der vergangenen Woche stattfand, hatten die arabischen IAEA-Mitglieder einen Resolutionsentwurf vorgelegt, der sich mit Israels Atomwaffen befasste. Die israelische Atommacht &#8222;kann zu einem destruktiven atomaren Wettr\u00fcsten in der Region f\u00fchren&#8220;, hie\u00df es da, &#8222;besonders wenn Israels atomare Einrichtungen weiterhin au\u00dferhalb jeder internationalen Kontrolle bleiben&#8220;. Die Konferenz solle Israel deshalb auffordern, dem Vertrag \u00fcber die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen (NPT) beizutreten und sein gesamtes Atomprogramm durch die IAEA \u00fcberwachen zu lassen.Israel reagierte gelassen: Der arabische Antrag sei &#8222;politisch und zynisch motiviert&#8220;. Das Thema habe &#8222;wenig zu tun mit den Zielen oder dem Auftrag der IAEA&#8220;.Eine \u00e4u\u00dferst erstaunliche Behauptung, aber Israel hatte wirklich Grund, sich keine Sorgen zu machen: Die arabischen Staaten bringen diesen Antrag seit 1987 allj\u00e4hrlich in die IAEA-Generalkonferenz ein. Das letzte Mal, dass er angenommen wurde, war 1991. Seit 1998 hat sich das Ritual eingespielt, diesen Punkt im Einvernehmen mit den Antragstellern von der Tagesordnung zu nehmen und seine Behandlung aufs n\u00e4chste Jahr zu verschieben. So geschah es auch jetzt wieder.Das von den USA und der EU nicht nur widerspruchslos hingenommene, sondern &#8211; durch die Kampagnen gegen Irak und Iran &#8211; direkt unterst\u00fctzte Atomwaffenmonopol Israels im Nahen Osten zeigt, wie in dieser Sache mit v\u00f6llig unterschiedlichen Ma\u00dfst\u00e4ben operiert wird. Genau das, was dem Iran vorgeworfen wird, obwohl es daf\u00fcr gar keine Beweise gibt, hat Israel nachweislich praktiziert: die durch T\u00e4uschungsman\u00f6ver und L\u00fcgen getarnte Entwicklung eines Atomwaffenpotentials.Enge Zusammenarbeit mit FrankreichIsrael entwickelte seine Atomwaffe seit Mitte der 50er Jahre in enger Zusammenarbeit mit Frankreich, das selbst gerade dabei war, nach den USA, der Sowjetunion und Gro\u00dfbritannien vierte Atommacht zu werden. Da Israel \u00fcber viele hervorragende Fachwissenschaftler verf\u00fcgte &#8211; nicht nur eigene Staatsb\u00fcrger, sondern auch nicht-israelische Juden, die sich dem j\u00fcdischen Staat solidarisch verbunden f\u00fchlten -, handelte es sich dabei um ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Hunderte israelische und andere j\u00fcdische Experten wirkten an der Entwicklung der franz\u00f6sischen Atomwaffe mit &#8211; und gaben die dabei gesammelten Erfahrungen an Israel weiter. Israelische Experten waren als Beobachter bei den ersten Atomversuchen Frankreichs anwesend, das sich im Februar 1960 offiziell zur Atommacht erkl\u00e4rte. Vermutlich war Frankreich nicht der einzige Staat, von dessen Erfahrungen Israel in gro\u00dfem Umfang profitierte. Denn w\u00e4hrend alle anderen Atomm\u00e4chte Dutzende von Versuchsexplosionen durchf\u00fchrten, gab es bis heute nicht einen einzigen gesicherten israelischen Test.Am 23. Oktober 1957 unterzeichneten Frankreich und Israel den Vertrag \u00fcber die Lieferung eines Atomreaktors, der in Dimona in der Negev-W\u00fcste gebaut werden sollte. Verantwortlich f\u00fcr das Abkommen und f\u00fcr das gesamte hoch geheime israelische Atomprogramm war Verteidigungsminister Schimon Peres von der sozialdemokratischen Arbeitspartei, damals ein Mann von 34 Jahren. Heute, als 82-J\u00e4hriger, ist er stellvertretender Regierungschef seines Landes.Die gesamte Kooperation war so geheim, dass nicht einmal die US-Regierung als Verb\u00fcndeter sowohl Frankreichs als auch Israels eingeweiht war. Wesentliche Teile der Vereinbarungen wurden nicht einmal schriftlich fixiert. Der Form halber bestand Frankreich jedoch auf der Zusicherung Israels, dass der Reaktor von Dimona ausschlie\u00dflich der wissenschaftlichen Forschung dienen solle. Israel unterschrieb. Die erste L\u00fcge. Viele weitere folgten. Oft, so auch in diesem Fall, wussten die Belogenen \u00fcber die Tatsachen im Wesentlichen Bescheid.Teil der franz\u00f6sisch-israelischen Kooperation war der Bau einer Wiederaufbereitungsanlage. Dort sollten sp\u00e4ter abgebrannte Brennelemente aus dem Reaktor verarbeitet werden. Dabei entsteht neben radioaktivem Atomm\u00fcll auch waffenf\u00e4higes Plutonium. Die Kapazit\u00e4t von Reaktor und Wiederaufbereitungsanlage sollte bei zehn bis 15 Kilogramm Plutonium im Jahr liegen &#8211; ausreichend f\u00fcr die Produktion von mehreren Atomwaffen.Das f\u00fcr den Reaktorbetrieb ben\u00f6tigte so genannte Schwere Wasser lieferte, wie erst k\u00fcrzlich durch bisher unbekannte Akten aufgedeckt wurde, Gro\u00dfbritannien in den Jahren 1959 und 1960. Bisher war angenommen worden, der unentbehrliche Stoff &#8211; rund 20 Tonnen &#8211; sei aus Norwegen gekommen. Tats\u00e4chlich hatte diese offizielle Legende aber nur dazu gedient, die wirkliche Herkunft zu vertuschen. Israel hatte zun\u00e4chst versucht, Schweres Wasser von den USA zu kaufen. Die US-Regierung machte das Gesch\u00e4ft jedoch von Kontrollma\u00dfnahmen abh\u00e4ngig, auf die Israel sich nicht einlassen wollte. Britische Regierungsbeamte hatten weniger Bedenken und verlangten nicht einmal eine formale Erkl\u00e4rung Israels, dass der Stoff nur f\u00fcr friedliche Zwecke verwendet w\u00fcrde. Beide Partner einigten sich darauf, den Handel vor der US-Regierung geheim zu halten.Gemeinsame anti-arabische InteressenDie enge Zusammenarbeit zwischen Israel und Frankreich bei der Entwicklung eigener Atomwaffen ist vor dem Hintergrund gemeinsamer anti-arabischer Interessen zu sehen. Frankreich war seit 1954 mit einer starken bewaffneten Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung in seiner Kolonie Algerien konfrontiert. Paris sah in der nationalistischen Regierung \u00c4gyptens unter Gamal Abdel Nasser den entscheidenden R\u00fcckhalt f\u00fcr die algerische Befreiungsbewegung FNL. Da Israel ebenfalls \u00c4gypten als Hauptfeind betrachtete, schienen die Interessen Israels und Frankreichs parallel zu laufen.Als Gegenleistung f\u00fcr die Lieferung franz\u00f6sischer Kampfflugzeuge und Panzer unterst\u00fctzte Israel die Kolonialpolitik Frankreichs in Nordafrika. Bei jeder UNO-Abstimmung votierte Israel gegen die Unabh\u00e4ngigkeit der franz\u00f6sischen Maghreb-Kolonien &#8211; neben Algerien zun\u00e4chst auch Marokko und Tunesien, die jedoch schon 1956 unabh\u00e4ngig wurden. Der israelische Milit\u00e4rgeheimdienst AMAN arbeitete mit den franz\u00f6sischen Dienststellen gegen die FNL und \u00c4gypten zusammen. In Algerien wurde eine israelisch gesteuerte anti-arabische Spitzelorganisation, bestehend aus j\u00fcdischen Algerien-Franzosen, aufgebaut, die den franz\u00f6sischen Kolonialkrieg mit Informationen und Denunziationen unterst\u00fctzte.Die Tatsache, dass die franz\u00f6sische Herrschaft in Algerien sich auf eine gro\u00dfe Zahl von bewaffneten Siedlern st\u00fctzte, stellte eine Parallele zum israelischen Modell dar. Als sich die faschistoide Geheimorganisation OAS formierte, um die sich seit Ende der 50er Jahre anbahnende Verst\u00e4ndigung zwischen Paris und der FNL mit Terror zu bek\u00e4mpfen, arbeitete Israel auch mit der OAS und den extremistischen franz\u00f6sischen Siedlern, den so genannten Ultras, zusammen.H\u00f6hepunkt der franz\u00f6sisch-israelischen Kooperation, der sich in diesem Fall auch Gro\u00dfbritannien zugesellte, war der gemeinsame \u00dcberfall auf \u00c4gypten im Oktober 1956, ausgel\u00f6st durch die Nationalisierung des Suezkanals, der bis dahin unter britischer Kontrolle gestanden hatte. W\u00e4hrend Israels Panzerarmeen durch die Sinai-Halbinsel an den Kanal vorstie\u00dfen, landeten britische und franz\u00f6sische Fallschirmj\u00e4ger nach einem massiven Bombardement \u00e4gyptischer St\u00e4dte, Flugh\u00e4fen und Industrieanlagen in der Kanalzone. Politisch war die Aggression jedoch ein Misserfolg, weil sie nicht nur von der Sowjetunion, sondern auch von den USA abgelehnt wurde, die sich damals noch als Gegenpol gegen die alten Kolonialm\u00e4chte aufspielten. Alle eroberten Positionen mussten ger\u00e4umt werden. Im Gegenzug erhielt Israel aber erstmals Beistandsgarantien der USA &#8211; &#8222;der Beginn einer wunderbaren Freundschaft&#8220;.Das Ende der Atom-PartnerschaftIm Dezember 1958 wurde der konservative Nationalist Charles de Gaulle Pr\u00e4sident Frankreichs. Ein zentrales Ziel seiner Politik bestand darin, Algeriens Weg in die Unabh\u00e4ngigkeit zu ebnen (1962 wurde sie offiziell erkl\u00e4rt) und die ruinierten Beziehungen Frankreichs zur arabischen Welt auf eine neue Grundlage zu stellen. Das setzte auch eine Revision der franz\u00f6sisch-israelischen Sonderbeziehungen voraus. Am 13. Mai 1960 teilte Frankreichs Au\u00dfenminister der israelischen Regierung mit, dass die atomare Zusammenarbeit gestoppt sei und nur bei Annahme folgender Bedingungen fortgesetzt werden k\u00f6nne: 1. Israel m\u00fcsse die bisher geheim gehaltene Existenz des Reaktors Dimona \u00f6ffentlich bekannt geben und gleichzeitig den ausschlie\u00dflich zivilen Charakter der Anlage erkl\u00e4ren. 2. Dimona solle durch internationale Inspektionen kontrolliert werden, wie etwa durch die Atomenergie-Beh\u00f6rde IAEA.Die israelische Regierung lehnte aus naheliegenden Gr\u00fcnden diese Bedingungen ab. Gleichzeitig startete sie aber ein wirksames Erpressungsman\u00f6ver. Dazu musste sie den Franzosen lediglich androhen, alle Details der bisherigen Zusammenarbeit, insbesondere auch die Namen der beteiligten franz\u00f6sischen Firmen, bekannt zu machen. Das w\u00fcrde diesen, soviel war klar, massive Nachteile in den arabischen L\u00e4ndern eintragen. So \u00fcberzeugenden Argumenten konnte Paris nicht widerstehen. Zwar galt die atomare Zusammenarbeit von Staat zu Staat als beendet, aber den beteiligten franz\u00f6sischen Firmen wurde die Fortsetzung der Kooperation gestattet. Von den Bedingungen war nicht mehr die Rede.Die insgesamt angeschlagenen Beziehungen zwischen Paris und Tel Aviv endeten schlie\u00dflich 1967 damit, dass de Gaulle anl\u00e4sslich des israelischen Juni-Kriegs gegen \u00c4gypten, Jordanien und Syrien f\u00fcr die Zukunft s\u00e4mtliche Waffenlieferungen an Israel untersagte.Um die nicht sehr positive Einstellung de Gaulles gegen\u00fcber Israel zu verstehen, ist an die israelische Zusammenarbeit mit der OAS zu erinnern. Diese entfachte nicht nur zwei bewaffnete Siedleraufst\u00e4nde in Algerien, sie unterhielt auch in Frankreich selbst ein breites Netzwerk zum Sturz der Regierung &#8211; und sie ver\u00fcbte mehrere Mordanschl\u00e4ge gegen de Gaulle. Wie weit israelische Geheimdienste in diese direkt involviert waren, ist bis heute ungekl\u00e4rt.Umorientierung auf die USADie Schwierigkeiten mit de Gaulle f\u00f6rderten eine ohnehin im Gang befindliche Umorientierung Israels auf die USA als neuen Hauptverb\u00fcndeten. Dabei gab es aber zwei Schwierigkeiten: Die USA waren damals noch darum bem\u00fcht, sich in der Region als ehrlicher Makler darzustellen, der zwar besonders enge Beziehungen zu Israel unterhielt, aber diesem Staat deswegen doch nicht absolute Narrenfreiheit einr\u00e4umte. Zweitens strebten die USA im gro\u00dfen Kontext der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eine internationale Vereinbarung an, die der unkontrollierten Vermehrung der Atomm\u00e4chte einen definitiven Riegel vorschieben sollte.Im Juni 1960, unter Pr\u00e4sident Dwight D. Eisenhower, besch\u00e4ftigte sich die US-Administration erstmals mit dem geheimen Reaktor Dimona, der auf Luftaufnahmen der U2-Spionageflugzeuge zu erkennen war. Israel erkl\u00e4rte der US-Regierung auf Anfrage, es handele sich um eine Textil-Fabrik. Ein paar Monate sp\u00e4ter war Dimona zum &#8222;metallurgischen Forschungslabor&#8220; mutiert. Sowohl Tel Aviv als auch Paris bestritten gegen\u00fcber der US-Regierung jede Art von atomarer Zusammenarbeit.Im Dezember 1960 berichtete das US-Magazin &#8222;Time&#8220; erstmals, dass eine ungenannte &#8222;kleine Macht&#8220;, die weder kommunistisch noch NATO-Mitglied sei, an der Entwicklung von Atomwaffen arbeite. Der israelische Regierungschef David Ben Gurion lie\u00df sich davon nicht beeindrucken, bestritt jedes Atomprogramm und behauptete der US-Regierung gegen\u00fcber jetzt, Dimona sei ein &#8222;Forschungsinstitut f\u00fcr Probleme von Trockenzonen und f\u00fcr Flora und Fauna der W\u00fcste&#8220;. Etwas sp\u00e4ter wurde auch noch die Variante einer &#8222;Entsalzungsanlage f\u00fcr die Negev-W\u00fcste&#8220; ins Angebot aufgenommen. Gleichzeitig gab Ben Gurion aber auch zu, dass Israel den Bau eines &#8222;Versuchsreaktors&#8220; betreibe, der &#8222;den Bed\u00fcrfnissen von Industrie, Landwirtschaft, Gesundheit und Wissenschaft&#8220; dienen solle.Im Januar 1961 \u00fcbernahm John F. Kennedy die Pr\u00e4sidentschaft. Er sah die Verhinderung der Ausbreitung von Atomwaffen als ein zentrales Ziel seiner Politik. Kennedy forderte Israel auf, seinen &#8222;Versuchsreaktor&#8220; unter Kontrolle der IAEA zu stellen. Als Tel Aviv ablehnte, schlug er Inspektionen durch amerikanische Wissenschaftler vor. Damit begann ein absurdes Tauziehen um die Details. Israel wollte den Begriff &#8222;Inspektionen&#8220; durch &#8222;Besuche&#8220; ersetzen, was weit mehr als nur eine Formulierungsfrage war. W\u00e4hrend Kennedy diese Veranstaltungen entsprechend den Mindeststandards der IAEA zwei Mal pro Jahr stattfinden lassen wollte, bestand Israel darauf, dass zwischen den &#8222;Besuchen&#8220; jeweils mindestens ein Jahr Abstand liegen m\u00fcsse. Die Anzahl der &#8222;Besucher&#8220; wurde auf drei beschr\u00e4nkt. &#8222;Besuche&#8220; durften nur am Schabbat oder anderen j\u00fcdischen Feiertagen stattfinden, wenn die Anlagen menschenleer waren, also niemand befragt werden konnte. Die &#8222;Besucher&#8220; durften weder eigene Messinstrumente mitbringen noch Proben zur sp\u00e4teren Untersuchung mitnehmen. Die &#8222;Besuche&#8220; beschr\u00e4nkten sich auf wenige Stunden eines einzigen Tages, die die israelische Seite auch noch durch ausgekl\u00fcgelte &#8222;Besuchsprogramme&#8220; zu verk\u00fcrzen verstand.Das Ganze war also nicht mehr als eine Alibiveranstaltung ohne jede Aussagekraft. Man muss sich zum Vergleich nur vergegenw\u00e4rtigen, dass heute beispielsweise in iranische Anlagen ganze Trupps von Inspektoren einfallen, dass sie selbstverst\u00e4ndlich Proben entnehmen d\u00fcrfen, dass es keinen engen Zeitrahmen gibt und dass an allen heiklen Stellen Fernsehkameras rund um die Uhr laufen. Und trotzdem behaupten EU, USA und nicht zuletzt Israel, dass dies immer noch keine zuverl\u00e4ssige Garantie f\u00fcr den zivilen Charakter des iranischen Atomprogramms sei.Im Juni 1963 spitzte Kennedy den Streit um die H\u00e4ufigkeit und Modalit\u00e4ten der &#8222;Besuche&#8220; so zu, dass er die amerikanischen Sicherheitsgarantien f\u00fcr Israel in Frage stellte. Kurz darauf erkl\u00e4rte Ministerpr\u00e4sident Ben Gurion, der Patriarch der israelischen Sozialdemokratie, seinen R\u00fcckzug aus der Politik. Da er f\u00fcr diesen Schritt keine Begr\u00fcndung angab, wird dar\u00fcber immer noch ger\u00e4tselt. Die Vermutung, dass der Streit mit Kennedy um das israelische Atomprogramm &#8211; der offenbar tiefer ging als der offizielle Schriftwechsel ausweist &#8211; eine Rolle gespielt haben k\u00f6nnte, h\u00e4lt sich hartn\u00e4ckig.Die Ermordung Kennedys am 22. November 1963 in Dallas\/Texas beendete diese Kontroverse. Da die Hintergr\u00fcnde des Attentats bis heute nicht aufgekl\u00e4rt sind, ist auch die Hypothese einer Beteiligung israelischer Stellen nicht zu widerlegen. Dagegen ist einzuwenden, dass die Widerspr\u00fcche so scharf wohl doch nicht waren, um eine solche Tat zu begr\u00fcnden. Zweifelsfrei ist aber, dass die israelische Regierung es unter Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson mit ihrem Atomprogramm sehr viel leichter hatte.1967, w\u00e4hrend des Juni-Krieges, war wahrscheinlich erstmals eine israelische Atomwaffe einsatzbereit. Als 1968 der Atomwaffensperrvertrag &#8211; Nuclear Non-Proliferation Treaty (NPT) &#8211; ausgehandelt wurde, verst\u00e4rkte sich noch einmal der Druck auf Israel, dem Vertrag beizutreten und damit auf die Entwicklung von Atomwaffen zu verzichten. Es kennzeichnet die mit L\u00fcgen und T\u00e4uschung operierende Taktik der israelischen Regierung, dass sie am 12. Juni 1968 in der UNO-Generalversammlung dem NPT zustimmte &#8211; ohne nat\u00fcrlich jemals die Absicht zu haben, den Vertrag zu unterzeichnen. Als der NPT am 1. Juli 1968 zur Unterzeichnung ausgelegt wurde, erkl\u00e4rte Israel, man billige das Abkommen &#8222;im Prinzip&#8220;, habe aber noch &#8222;gewisse Einw\u00e4nde&#8220;. Dabei blieb es dann bis heute.\u00dcber die Anzahl israelischer Atomwaffen besteht immer noch Unklarheit. Vermutungen bewegen sich zwischen 100 und 200. Damit l\u00e4ge Israels Potential hinter den f\u00fcnf gro\u00dfen Atomm\u00e4chten USA, Russland, China, Frankreich und Gro\u00dfbritannien, aber vor Indien und Pakistan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel von Knut Mellenthin erschien vor kurzem auf www.globale-gleichheit.de und soll auch in &#8222;Junge Welt&#8220; abgedruckt werden.<br \/>\nDa er \u00fcberaus informativ \u00fcber die Materie berichtet, haben wir uns erlaubt, weite Teile davon auf kalifat.com zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":3456,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[268,1290,1567,1845],"class_list":["post-9670","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommentar","tag-atomwaffen","tag-irael","tag-krieg","tag-muslime"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9670"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9670\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}