{"id":9685,"date":"2012-08-25T00:00:00","date_gmt":"2012-08-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9685"},"modified":"2012-08-25T00:00:00","modified_gmt":"2012-08-24T22:00:00","slug":"folter-und-elend-im-namen-der-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9685","title":{"rendered":"Folter und Elend im Namen der Freiheit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgenden Anmerkungen stammen aus Harold Pinters Dankesrede, die er anl\u00e4sslich der \u00dcberreichung des Wilfred-Owen-Preises Anfang des Jahres hielt. Ver\u00f6ffentlicht in: The Independent \/ ZNet 30.10.2005<br>Der gro\u00dfe Dichter Wilfred Owen artikulierte die Trag\u00f6die, den Schrecken &#8211; und gewiss auch das Mitleid &#8211; des Krieges wie kein anderer Dichter. Allerdings haben wir nichts dazu gelernt. Fast 100 Jahre nach seinem Tod ist die Welt grausamer, brutaler, erbarmungsloser geworden. Aber die &#8222;freie Welt&#8220;, wie sie von den USA und Gro\u00dfbritannien verk\u00f6rpert wird, erkl\u00e4rt man uns, unterscheidet sich vom Rest der Welt, da unsere Handlungen von einer moralischen Autorit\u00e4t und einer moralischen Passion diktiert und sanktioniert und von jemanden, den man Gott nennt, geduldet werden. Es gibt Menschen, denen es schwer f\u00e4llt, das zu verstehen, Osama bin Laden aber findet es leicht.<br>Was w\u00fcrde Wilfred Owen zur Invasion im Irak sagen? Eine verbrecherische Handlung, ein eklatanter Fall von Staatsterrorismus, der die absolute Verachtung der Auffassungen des V\u00f6lkerrechts demonstriert. Eine eigenm\u00e4chtige Milit\u00e4raktion, die durch eine Serie immer neuer L\u00fcgen und grober Manipulationen der Medien und deshalb der \u00d6ffentlichkeit hervorgerufen wurde. Eine Handlung, die darauf zielte, die milit\u00e4rische und \u00f6konomische Kontrolle der USA \u00fcber den Nahen Osten zu festigen und getarnt wurde als Befreiung &#8211; als letztes Mittel, nachdem alle anderen Begr\u00fcndungen bisher misslungen waren, um sich selbst zu rechtfertigen. Eine hervorragende Behauptung milit\u00e4rischer St\u00e4rke, die f\u00fcr den Tod und die Verst\u00fcmmelung von Tausenden und Abertausenden von unschuldigen Menschen verantwortlich ist.<br>Eine unabh\u00e4ngige und vollkommen objektive Darstellung der get\u00f6teten Iraker in der medizinischen Fachzeitschrift &#8222;The Lancet&#8220; sch\u00e4tzt, dass sich die Zahl auf fast 100.000 bel\u00e4uft. Aber weder die USA noch die Briten scheren sich darum, die get\u00f6teten Iraker zu z\u00e4hlen. Wie Tommy Franks vom Oberkommando der US-Streitkr\u00e4fte denkw\u00fcrdigerweise sagte: &#8222;Wir stellen nicht die Zahl der Todesopfer fest.&#8220;<br>Wir haben den Menschen im Irak Folter, Streubomben, abgereichertes Uran, unz\u00e4hlige wahllose Morde, Elend und Erniedrigung gebracht und nannten es &#8222;Freiheit und Demokratie in den Nahen Osten bringen&#8220;. Wie wir aber alle wissen, wurden wir nicht mit den prophezeiten Blumen willkommen gehei\u00dfen. Was wir entfesselt haben, sind ein heftiger und unaufh\u00f6rlicher Widerstand und chaotische Zust\u00e4nde.<br>Sie k\u00f6nnten an dieser Stelle vielleicht einwenden: Was ist mit den Wahlen im Irak? Pr\u00e4sident Bush selbst hat diese Frage beantwortet, als er sagte: &#8222;Wir k\u00f6nnen nicht akzeptieren, dass es in einem Land, das unter ausl\u00e4ndischer milit\u00e4rischer Besatzung steht, freie demokratische Wahlen stattfinden.&#8220; Ich musste diese \u00c4u\u00dferung zwei Mal lesen, bevor ich begriff, dass er \u00fcber den Libanon und Syrien sprach.<br>Was sehen Bush und Blair nun tats\u00e4chlich, wenn sie sich im Spiegel betrachten?<br>Ich glaube Wilfred Owen w\u00fcrde unsere Verachtung, unseren Ekel, unsere \u00dcbelkeit und unseren Scham sowohl \u00fcber die Sprache als auch \u00fcber die Handlungen der amerikanischen und britischen Regierung teilen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gro\u00dfe Dichter Wilfred Owen artikulierte die Trag\u00f6die, den Schrecken &#8211; und gewiss auch das Mitleid &#8211; des Krieges wie kein anderer Dichter. Allerdings haben wir nichts dazu gelernt. 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