{"id":9708,"date":"2012-08-30T00:00:00","date_gmt":"2012-08-29T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9708"},"modified":"2012-08-30T00:00:00","modified_gmt":"2012-08-29T22:00:00","slug":"aus-der-islamischen-rechtswissenschaft-jilbab-kopftuch-und-kleidungsausschnitt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9708","title":{"rendered":"Aus der Islamischen Rechtswissenschaft: Jilbab, Kopftuch und Kleidungsausschnitt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter manchen muslimischen Schwestern gibt es die Diskussion, ob es erlaubt sei, die Kopftuchenden unter dem Jilbab zu tragen, sodass sie sich nicht auf Brust und Schultern legen. Einige Musliminnen sind der Ansicht, dass dies nicht erlaubt sei, weil es der Aya 31 in Sure An-Nur (24) widerspreche, in der es hei\u00dft: <strong>&#8222;Und sie sollen ihre Kopft\u00fccher \u00fcber ihre Kleidungsausschnitte schlagen.&#8220;<\/strong> (24:31). Auch gibt es Diskussionen \u00fcber die Form des Jilbabs, des \u00dcbermantels, muss er nun eine Mantelform mit Ausschnitt besitzen oder nicht.<br>Um diese Fragen zu kl\u00e4ren, wurde die folgende rechtswissenschaftliche Analyse verfasst:<br>Im Buch das Beziehungssystem im Islam hei\u00dft es auf Seite 45 (arab. Ausgabe): &#8222;Die Aya <strong>&#8218;[&#8230;] Und sie sollen ihre Kopft\u00fccher \u00fcber ihre Kleidungsausschnitte schlagen. [&#8230;]&#8216;<\/strong> bedeutet, dass sie ihre Kopfbedeckungen um ihre H\u00e4lse und ihre Brust legen sollen, um das zu verdecken, was durch den Kleidungs- bzw. Hemdausschnitt vom Hals bzw. der Brust sichtbar ist.&#8220;<br>Und auf Seite 67-68 (arab. Ausgabe) steht: &#8222;Die Aya lautet: <strong>&#8218;Und sie sollen ihre Kopft\u00fccher (Khumurihinna) \u00fcber ihre Kleidungsausschnitte schlagen.&#8216;<\/strong> &#8222;Khumur&#8220; ist die Mehrzahl von &#8222;Khimar&#8220;, was Kopfbedeckung bedeutet. Dschuyub ist die Mehrzahl von Dschaib und bezeichnet den Ausschnitt des Hemdes (Qamis) bzw. des Gewandoberteils (Dir&#8216;). Allah, der Erhabene, hat also befohlen, das Kopftuch um den Hals und die Brust zu legen, was beweist, dass diese Stellen bedeckt sein m\u00fcssen. Gleichzeitig befahl er aber nicht, das Kopftuch \u00fcbers Gesicht zu ziehen, was wiederum belegt, dass es nicht zur Aura z\u00e4hlt. Der Begriff &#8222;Dschaib&#8220; bedeutet nicht Brust, wie man vielleicht glauben k\u00f6nnte. Der &#8222;Dschaib&#8220; eines Hemdes ist vielmehr sein Ausschnitt bzw. sein oberer Saum, d. h. die \u00d6ffnung f\u00fcr den Hals und den oberen Brustbereich. Und das &#8222;Schlagen&#8220; des Kopftuchs auf den Ausschnitt bedeutet, es \u00fcber den Hemdsaum am Hals und im oberen Brustbereich zu legen.&#8220;<br>Nun wollen wir diese Ausf\u00fchrungen erl\u00e4utern:<br>Sprachlich ist die tats\u00e4chliche Bedeutung des Wortes &#8222;Dschaib&#8220; die folgende: &#8222;Es ist der ausgeschnittene Bereich des Hemdes bzw. des Kleidungsoberteils und ist vom Ausdruck \u201eDschaub&#8220; abgeleitet, was schneiden bedeutet.&#8220; Oder: &#8222;Es ist eine \u00d6ffnung im oberen Teil des Hemdes, durch die ein Teil des K\u00f6rpers zu sehen ist.&#8220; Dieser Ausschnittbereich des Hemdes dient dazu, um beim Anziehen den Kopf durchzustecken. Je nachdem, wie gro\u00df der Ausschnitt angelegt ist, werden dadurch einige K\u00f6rperteile (Hals und oberer Brustbereich) sichtbar.<br>Diese Bedeutung wurde auch im bildlichen Sinne (Madschaz) als Bezeichnung f\u00fcr die Brust verwendet. So sagt man im Arabischen: &#8222;Radschulun nasih al-Dschaib.&#8220; (W\u00f6rtlich: Ein Mann mit sauberem Ausschnitt.) D. h. ein Mann mit reiner Brust und reinem Herzen, der nicht betr\u00fcgt. In dieser Aya allerdings \u00fcberwiegt f\u00fcr uns \u2013 wie auch f\u00fcr die Mehrheit der Gelehrten &#8211; die tats\u00e4chliche Bedeutung des Begriffs, da es die urspr\u00fcngliche und eigentliche ist und hier kein Indiz f\u00fcr die \u00fcbertragene (bildliche) Bedeutung vorhanden ist. Deswegen haben wir gesagt: &#8222;Dschuyub ist die Mehrzahl von Dschaib und bezeichnet den Ausschnitt des Hemdes (Qamis) bzw. des Gewandoberteils (Dir&#8216;).&#8220; Dies ist die sprachliche Bedeutung des Wortes.<br>Zusammenfassend kann also gesagt werden: Dschaib ist der Hemd- oder Oberteilausschnitt durch den beim Anziehen der Kopf gesteckt wird. Und ein Hemd (arab. Qamis) ist ein Kleidungsst\u00fcck, das so einen Ausschnitt besitzt, denn die Araber bezeichnen nur jenes Kleidungsst\u00fcck als &#8222;Qamis&#8220;, das einen Ausschnitt hat. Dirc (Gewandoberteil) bezeichnet im Arabischen explizit das Frauenhemd. Im &#8222;Lisan al-Arab&#8220; hei\u00dft es: &#8222;Der Dir&#8216; einer Frau ist ihr Hemd. Es bezeichnet auch das kurze Gewand, das das kleine M\u00e4dchen in seinem Hause tr\u00e4gt. In beiden F\u00e4llen ist der Begriff m\u00e4nnlich, er kann aber auch in weiblicher Form verwendet werden. Al-Lihyani meinte: &#8218;Der Dir&#8216; einer Frau ist nur m\u00e4nnlichen Geschlechts.&#8216; Die Mehrzahl ist Adra&#8216;. Und im Buch At-Tahdhib hei\u00dft es: &#8218;Der Dir&#8216; ist das Gewand einer Frau, dessen Mitte sie ausschneidet. Sie macht ihm auch Arm\u00f6ffnungen und n\u00e4ht es in den Schambereichen.'&#8220;<br>Der Jilbab hingegen wird im Buch &#8222;Das Beziehungssystem im Islam&#8220; folgenderma\u00dfen definiert (S. 61): &#8222;Der Jilbab ist der \u00dcberwurf (Milhafa). Er bezeichnet jedes Gewand, mit dem man sich bedeckt, bzw. das Kleidungsst\u00fcck, das den ganzen K\u00f6rper verh\u00fcllt. Im W\u00f6rterbuch &#8222;Qamus al-Muhit&#8220; hei\u00dft es: &#8218;Jilbab in der gleichen Flexion wie Sirdab und Sinmar ist das weite Frauenhemd bzw. Frauengewand, etwas geringer als der \u00dcberwurf (Milhafa), oder das Gewand, mit dem sie wie ein \u00dcberwurf ihre Kleidung bedeckt.&#8216; Und Al-Dschauhariy f\u00fchrt im as-Sihah aus: &#8218;Der Jilbab ist der \u00dcberwurf (Milhafa), man sagt auch die \u00dcberdecke (Mila&#8217;ah).'&#8220;<br>Wir haben also drei Begriffe: Dir&#8216;, Khimar und Jilbab. Die Frauen trugen alle diese drei Kleidungsst\u00fccke. Deswegen sagt man: &#8222;Das M\u00e4dchen hat nun alle Kleidungsst\u00fccke vereint, sie tr\u00e4gt den Dir&#8216;, die Milhafa und den Khimar.&#8220; Man sagt das, wenn das M\u00e4dchen erwachsen wird, als Metonymie f\u00fcr das Erreichen der Geschlechtsreife.<br>Dazu im Detail: Die Frau tr\u00e4gt den Dir&#8216;. Um den Ausschnitt ihres Dirc&#8216; und das zu bedecken, was dadurch sichtbar wird, n\u00e4mlich Hals und Brustoberteil, zieht sie den Khimar (das Kopftuch) an. Um dann ihren Dir&#8216; und den Rest ihrer Kleidung bzw. ihren ganzen K\u00f6rper au\u00dfer dem Kopf zu bedecken, legt sie den \u00dcberwurf an, d. h. sie zieht den Jilbab \u00fcber.<br>Aus all dem versteht man nun Folgendes: Das &#8222;Schlagen&#8220; des Kopftuchs auf den Ausschnitt bedeutet, ihn auf den oberen Saum des Hemdes bzw. des Dir&#8217;s zu legen, um Hals und Brust zu bedecken. Es bedeutet nicht, ihn auf den Saum des Jilbabs zu legen, denn der Jilbab in der Bedeutung von \u00dcberwurf (Milhafa) bzw. \u00dcberdecke (Mila&#8217;ah) muss nicht unbedingt einen Ausschnitt besitzen. Es kann sich um ein einziges, ungeschnittenes Stofftuch ohne Ausschnitt handeln, das die Frau um sich wickelt.<br>Nun wollen wir dies auf die heute g\u00e4ngige Kleidung anwenden: Die Frau zieht ihre gew\u00f6hnliche Kleidung an: z. B. unten eine Hose und oben eine Bluse. Dann zieht sie das Kopftuch (Khimar) an, um den Blusenausschnitt (Blusensaum) zu bedecken. Sodann zieht sie den Jilbab dar\u00fcber an (in der Form, wie er heute in der T\u00fcrkei und den L\u00e4ndern des Al-Scham bekannt ist). Dieser bedeckt nun den ganzen K\u00f6rper von den Schultern bis zu den F\u00fc\u00dfen, und zwar in einer Weise, in der die K\u00f6rperteile der Frau nicht hervorstechen und nicht ausgeformt werden. So darf weder ihre Brust noch die Form ihrer Schultern hervorstechen. Vielmehr muss der Jilbab weit geschnitten sein, sodass er den K\u00f6rper der Frau nicht ausformt. Das bedeutet, dass das Kopftuch (Khimar) in dieser Ausf\u00fchrung unter dem Jilbab zu liegen kommt und sich nicht \u00fcber die Brust und die Schultern legt.<br>Es gibt noch eine zweite Kleidungsausf\u00fchrung, n\u00e4mlich die, dass das Kopftuch \u00fcber dem Jilbab zu liegen kommt (in diesem Falle stellt sich der Jilbab in der o. a. Form dar oder er ist ein \u00dcbermantel, der in Marokko als &#8222;Quftan&#8220; bezeichnet wird). Das Kopftuch bedeckt nun den Blusen- und Jilbabausschnitt und legt sich auf die Brust und die Schultern. Der Frau ist es erlaubt, ihr Kopftuch in der ersten oder zweiten Ausf\u00fchrung zu tragen, denn die Bedeutung der Aya, n\u00e4mlich das Kopftuch auf den Ausschnitt zu schlagen, ist in beiden Ausf\u00fchrungen erf\u00fcllt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter manchen muslimischen Schwestern gibt es die Diskussion, ob es erlaubt sei, die Kopftuchenden unter dem Jilbab zu tragen, sodass sie sich nicht auf Brust und Schultern legen. <\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":2803,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[1392,1488,1544,1843],"class_list":["post-9708","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-islam","tag-jilbab","tag-kleidungsausschnitt","tag-kopftuch","tag-muslima"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9708","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9708"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9708\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2803"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}